BMW-Chef Krüger: Kumulation von Herausforderungen 2018

News | 8.11.2018 von 3

In den letzten Jahren schien es beinahe wie eine Selbstverständlichkeit, dass die BMW Group von einem Rekord zum nächsten eilt. Im Quartalsbericht Q3 2018 waren …

In den letzten Jahren schien es beinahe wie eine Selbstverständlichkeit, dass die BMW Group von einem Rekord zum nächsten eilt. Im Quartalsbericht Q3 2018 waren nun erstmals seit längere Zeit wieder größere Minus-Positionen aufgeführt, was natürlich nach Erklärungen verlangt. In seiner Rede zu den Quartalszahlen geht BMW-Chef Harald Krüger entsprechend ausführlich auf die aktuellen Herausforderungen ein, vor denen neben der BMW Group natürlich auch alle anderen Hersteller stehen.

Neben den Erklärungen für das letzte Quartal gibt Krüger auch einen Ausblick auf das Jahr 2019 und unterstreicht, wie gut die BMW Group mit ihren aktuellen und kommenden Produkten aufgestellt ist. Dabei bestätigt der Vorstandsvorsitzende unter anderem den kommendenPlug-in-Hybrid BMW X3 xDrive30e, diverse M-Modelle und den Ausbau der 8er-Reihe.

Die Rede von Harald Krüger im Wortlaut:

Die BMW Group hat zwei feste Grundsätze: Wir denken langfristig. Wir gehen unseren eigenen Weg. Das hat uns stark gemacht.

Die Sicherung der Zukunft des Unternehmens hat in jeder Phase unseres Handelns Vorrang. Das gilt erst recht in volatilen und anspruchsvollen Zeiten, wie sie unsere Industrie gerade erlebt. Unsere finanzielle Kraft macht es möglich, in neue Technologien und Dienstleistungen zu investieren. Allein in diesem Jahr fließt eine Milliarde Euro zusätzlich in Vorleistungen für künftige Mobilität. Zugleich stellen wir den gesamten Konzern zukunftsorientiert, effizient und flexibel auf – bei Strukturen, Prozessen und Know-how.

In den letzten Wochen und Monaten hat sich unser Umfeld weiter deutlich verschärft. Mit Gegenwind umzugehen und trotzdem Kurs zu halten, ist Teil der Erfolgsgeschichte der BMW Group.

Die aktuelle Situation ist besonders: Sie ist gekennzeichnet durch eine Kumulation an Herausforderungen. Diese sind geopolitischer, handelspolitischer und wettbewerbsintensiver Natur und regional unterschiedlich ausgeprägt. Einige Beispiele:

  • Die geplanten CO2-Ziele in der EU ab 2030.
  • Der Handelskonflikt zwischen den USA und China belastet den gesamten Welthandel.
  • Beim Brexit besteht die Möglichkeit eines „No-Deals“ mit allen Folgen für Unternehmen wie das unsere.
  • Wir müssen höhere Rückstellungen für Kulanz und Gewährleistungs-maßnahmen bilden.
  • Die Umstellung auf das neue Testverfahren WLTP hat die BMW Group erfolgreich abgeschlossen. In den europäischen Märkten sind wir nun mit Angebotsverwerfungen und einem hohen Preisdruck konfrontiert.

All diese Herausforderungen beeinflussen parallel und mit hoher Intensität unser Geschäft. Entsprechend haben wir unsere Guidance für 2018 angepasst. Unsere Ziele sind weiter anspruchsvoll.

Unsere Strategie NUMBER ONE > NEXT setzt klare Prioritäten für die kommenden Jahre. Das sind unsere Schwerpunkte:

  • Konsequente Elektrifizierung aller Marken und Baureihen.
  • Entwicklung des autonomen Fahrens.
  • Ausbau der Mobilitätsdienstleistungen im geplanten Joint Venture mit dem Daimler Konzern.
  • Strategische Erweiterung unseres globalen Produktionsnetzwerks.

Die BMW Group ist heute viel globaler als noch vor zehn Jahren. Unsere Kunden in den drei großen Wirtschaftsräumen haben unterschiedliche Wünsche und Anforderungen. In Europa, Asien und Amerika verstärken wir unser Engagement.

In Europa bieten wir Lösungen für nachhaltige Mobilität in den Städten.

In Deutschland unterstützen wir die Bundesregierung und Kommunen mit wirkungsvollen Maßnahmen. Drei Beispiele:

  1. Wir haben in den Umweltfonds „Nachhaltige Mobilität für die Stadt“ eingezahlt. Allerdings wird das Geld noch nicht in allen Städten entsprechend abgerufen. Hier muss die Frage erlaubt sein: Können Städte auch dann Dieselfahrer verbannen, wenn sie ihre unmittelbar eigenen Möglichkeiten zur Verbesserung der Luftqualität – vom Kraftwerk bis zum Stadtbus – gar nicht ausreichend ausschöpfen?
  2. Wir haben zügig ein freiwilliges Software-Update für unsere Kunden entwickelt, wie im August 2017 mit der Bundesregierung vereinbart.
  3. Mit der neuen BMW UMWELTPRÄMIE+ haben wir ein weiteres überzeugendes Angebot: Kunden in den aktuell für Sondermaßnahmen ausgewählten Städten erhalten 10.000 Euro, wenn sie ihren älteren Diesel zum Beispiel durch einen BMW i3 ersetzen. Und wer seinen BMW oder MINI Diesel Euro 4 oder 5 für ein BMW oder MINI Neufahrzeug in Zahlung gibt, den unterstützen wir mit 6.000 Euro. Diese Angebote werden von den Kunden sehr gut angenommen.

Meine Damen und Herren,
die auf Hardware-Nachrüstung fokussierte Diskussion um den Diesel findet so nur in Deutschland statt. Andere Länder setzen stattdessen konsequent auf eine Erneuerung der Flotten oder fördern E-Mobilität.

Auch wir als BMW Group treiben die schnelle Erneuerung unserer Flotte voran. Das ist deutlich effizienter und schneller wirksam als eine Umrüstung von Hardware. Unsere Dieselfahrzeuge liegen mit vorne bei den niedrigsten Real-Emissionen im Flottenmittel der unabhängigen Herstellervergleiche.

Zudem gibt es gute Gründe, warum für uns eine Umrüstung der Hardware bei Euro 5 Diesel der falsche Weg ist. Der Kunde hätte trotz sorgfältiger Entwicklung ein erhöhtes Qualitätsrisiko und mehr Verbrauch. Darüber hinaus sind Hardware-Umrüstungen nicht vor 2021 realisierbar. Außerdem kann der technische Fortschritt in der Dieseltechnologie nicht einfach rückwirkend für Fahrzeuge gefordert werden, die vor etwa 10 Jahren entwickelt wurden. Sie wurden ordnungsgemäß zugelassen und entsprachen dem Stand der Technik zum damaligen Zeitpunkt.

Für uns gilt unverändert: Wir fokussieren auf wirkungsvolle, effiziente Maßnahmen – und wir investieren in die Technologien der Zukunft. In Deutschland und in Europa treiben wir die E-Mobilität und Fertigung von Batteriezellen voran. Auch hier drei Beispiele:

  1. Den voll elektrischen BMW i4 fertigen wir wie den iNEXT ab 2021 in München bzw. Dingolfing. Beim Worldflight des Visionsfahrzeugs ist klar geworden: Der iNEXT ist weit mehr als ein Automobil.
  2. Mit CATL haben wir einen Vertrag über vier Milliarden Euro für die Lieferung von Batteriezellen geschlossen. Das Werk entsteht in Thüringen.
  3. Der EU-Kommission haben wir unseren Vorschlag für ein Technologie-Konsortium mit Northvolt und Umicore vorgestellt. Wir wollen in Europa Batteriezellen fertigen und die gesamte Wertschöpfungskette für Zellfertigung aufbauen.

Zweitens: Asien.

In China wird der BMW Group viel Vertrauen entgegengebracht. Jetzt erweitern wir unseren Footprint in eine neue Dimension: Als erster ausländischer Automobilhersteller planen wir, den Anteil an unserem Joint Venture mit Brilliance auf 75 Prozent zu erhöhen.

BBA investiert in den kommenden Jahren über drei Milliarden Euro in die Werke in Shenyang. Ab 2020 produzieren wir den ersten voll elektrischen BMW in China.
Der iX3 wird von dort exportiert. Darin ist erstmals die 5. Generation des E-Antriebs verbaut, dessen Motor ohne seltene Erden auskommt.

Drittens: Amerika.

Die USA sind unser zweites Zuhause. Die BMW Group ist nicht nur der größte Netto-Exporteur von Fahrzeugen aus den USA. In Summe sichern wir fast 70.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze in den USA. In den vergangenen Jahren haben wir fast neun Milliarden Dollar in unser größtes Werk investiert. Weitere 600 Millionen werden es bis 2021 sein.

Ab Ende des Jahres läuft mit dem BMW X7 ein völlig neues Fahrzeugkonzept in Spartanburg vom Band. Viele Kunden in Nordamerika, China, Russland und dem Mittleren Osten warten auf das größte X Modell. Der X7 ist ein weiterer Baustein unserer Offensive in der dynamisch wachsenden Luxusklasse. In den Medien wurde er ausgesprochen positiv kommentiert – insbesondere sein Design. In zwei Wochen hat der X7 Weltpremiere in L.A.

Meine Damen und Herren,
egal, in welcher Region die BMW Group sich engagiert – wir sind Treiber für Wachstum und Wohlstand. Das gilt ab Juni 2019 auch für Mexiko und später auch für Ungarn. Dank unseres hoch flexiblen Produktionsnetzwerks können wir Marktschwankungen und Zollbarrieren zum Teil ausbalancieren und mit unserem attraktiven und technologisch breiten Portfolio langfristig wachsen.

Denn: Unsere Produkte sind begehrter denn je.
In den ersten neun Monaten haben wir mehr Fahrzeuge verkauft als je zuvor in diesem Zeitraum. Das betrifft die Group und die Marke BMW. Die BMW Group ist Segmentführer. Rolls-Royce ist sogar deutlich gewachsen. BMW Motorrad liegt auf Vorjahresniveau. MINI leicht darunter.

In Sachen Elektrifizierung sind wir bestens unterwegs für die über 140.000 Fahrzeuge in diesem Jahr. Inzwischen sind über 313.000 elektrifizierte Fahrzeuge der BMW Group auf der Straße.

Der BMW 3er ist unser erfolgreichstes Modell mit über 15 Millionen verkauften Fahrzeugen. Der neue 3er setzt nicht zuletzt mit seinem Angebot an digitalen Diensten und Fahrerassistenz Maßstäbe. Damit bieten wir unseren Kunden ein vollkommen neues Fahrerlebnis. Im Werk München läuft gerade die Produktion an. Nächstes Jahr wird der 3er auch in unserem neuen Werk in Mexiko und in China vom Band rollen.

Unsere Modelloffensive läuft weiter auf Hochtouren. Dazu trägt auch die nahezu komplett erneuerte BMW X Familie bei. Der neue X3 wird von den Kunden begeistert angenommen. Im dritten Quartal hat er über 60 Prozent zugelegt. Der X4 ist seit Juli verfügbar; der neue X5 seit diesem Monat. Nächstes Jahr kommen die M Modelle von X3 und X4 hinzu sowie die Plug-in-Hybride X3 und X5. Mit all diesen Modellen festigen wir unsere Führungsposition bei Plug-in-Hybriden.

Die ersten BMW 8er Coupé gehen gerade an die Kunden. Letzte Woche haben wir die ersten Bilder vom 8er Cabrio veröffentlicht. Pünktlich zum Frühling 2019 schicken wir es an den Start. 2019 komplettieren dann das 8er Gran Coupé und die korrespondierenden M Modelle die neue 8er Reihe im Luxussegment.

Sie sehen: Wir erzeugen auch in den nächsten Jahren ein starkes Produktmomentum.

Meine Damen und Herren,
das weltweite Umfeld hingegen wird auf absehbare Zeit volatil und in seiner Komplexität herausfordernd bleiben. Die Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft und die Eurozone für 2018 wurden gesenkt.

Die BMW Group hat über 100 Jahre Erfahrung mit Wandel. Wir scheuen keine Herausforderungen. Wir arbeiten an Lösungen und erschließen neue Erfolgspfade. In diese Richtung investieren wir in unser Geschäft und gewinnen neue Kunden für unsere vier Premiummarken.

In diesem Jahr sind wir gut unterwegs für die angepassten Ziele.
Und ich möchte klar betonen: Wir bleiben ein profitables und verlässliches Unternehmen.
Wir führen das Unternehmen weiter in die Zukunft.

Vielen Dank!

3 responses to “BMW-Chef Krüger: Kumulation von Herausforderungen 2018”

  1. gesellschaftlicherGroßkonflikt says:

    Klar ist jedenfalls, dass sich – immer und immer wieder – die Frage NEU stellt:

    Wer wird – im gehobenen Segment – NICHT UNTERgehen? (bzw. nicht GESCHLUCKT – als „Unter“marke)

    – Mercedes
    – Audi/Porsche/Bentley/(Horch)
    – BMW/RR
    – Jaguar/Land Rover/(Volvo?)

    Können sich alle diese dauerhaft NEBENEINANDER behaupten?
    (ich hätte auch noch provokativ TESLA dazuschreiben können)

    WÄREN die Markenkerne (wieder?) klarer unterscheidbar(er), DANN gäbe es (neben dem Design) ja noch weitere Abgrenzungsmerkmale [und eben KEINE Kannibalisierung]

    …….. WIE z.B. ein Angebot an HANDSCHALTERN, was durchaus eine Marke prägen kann.

    Mit dem „auto“nomen Fahren wird die Markenbindung und Markenidentität jedenfalls deutlich weiter schwinden.

    • M. Power says:

      Das ist eine gute Frage, ich glaube TESLA steht auf dieser Liste wohl zuoberst..!
      Leider ist es so, die Autos werden immer gleicher und auch langweiliger. Ich war anfangs dieser Woche in Göteborg, am Flughafen war der neue Volvo V60 ausgestellt. Ich war positiv überrascht, der sieht echt toll aus und ich muss mir überlegen beim nächsten Wechsel ob ich den nicht als Alternative zu BMW anschaue. Vor einigen Jahren wäre das für mich undenkbar, wenn ich aber sehe was BMW in Zukunft bringt…. Als “daily driver” warum nicht..?

      • Capricornio says:

        Bei der Beurteilung der neuen Volvo Modellgeneration kann ich absolut zustimmen.

        Der neue Volvo V60 orientiert sich formal unmittelbar an seinem größeren Bruder S90/V90 im attraktiven „Thors-Hammer-Design“.

        Die technische Basis des V60, sowie die ab Anfang 2019 noch folgenden Limousine S60, wird wie zuvor die Baureihen XC90/60 und S90/V90 auf der mit Neueigner Geely einwickelten sogenannten SPA- statt wie bisher auf der Mondeo-Plattform aufsetzt.

        Nach dem Ende Volvos unsäglicher Zugehörigkeit zu US-Konzern Mutter FORD, besteht für den Kaufinteressenten keinerlei Sorge, umetikettierte „Billig-Technik“ zu überhöhten Preisen untergejubelt zu bekommen.
        Das Gegenteil ist der Fall !

        Wer die aktuellen Volvo schon selbst einmal gefahren hat, weiß neben der hochwertigen Innenraum Haptik stehen diese Modelle insgesamt Minimum auf Augenhöhe mit den Besten der jeweiligen Segmente.

        Natürlich wird das aus bekannten Gründen so nie in der deutschen Presselandschaft stehen dürfen:
        Wessen Brot ich ess´, dessen Lied ich sing !

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