Wer die Geschichte dess Motorsports nicht nur ansehen, sondern auch riechen und am Limit betrachten will, sollte sich unbedingt eines Tages das Goodwood Revival Festival gönnen. Zwischen unzähligen zeitgemäß gekleideten Besuchern erwecken historische Rennwagen und ihre Fahrer den Zeitgeist der 50er und 60er zu neuem Leben und machen den Goodwood Motor Circuit mit unvergleichlichem Charme zur Zeitmaschine. Bei BMW steht 2026 die Neue Klasse im Fokus, die sowohl historisch in die Zeit passt und in Form von iX3 und i3 natürlich auch ganz aktuell im Mittelpunkt des Interesses steht.
Aus sportlicher Sicht bringt BMW Classic mit dem 1800 TI/SA eine besonders interessante Facette der eigenen Motorsport-Geschichte auf die Strecke, die das sportliche Selbstverständnis der Marke lange vor dem ersten M3 begründete. Die Abkürzung am Ende seines Namens steht für „Touring International / Sonderausführung“. Ganze 200 Exemplare wurden für Fahrer mit besonders sportlichem Anspruch realisiert und kamen unter anderem mit Sperrdifferenzial, modifiziertem Fahrwerk samt verstellbaren Stoßdämpfern, einem größeren Kraftstofftank und umfassenden Anpassungen an Motor und Peripherie, was dem Vierzylinder unterm Strich zu einer Leistung von 130 PS verhalf. Neben dem von Johnny Cecotto und Steve Soper pilotierten BMW waren noch zwei privat eingesetzte 1800 TI/SA am Start und unterstrichen die historische Bedeutung des Kundensports bei BMW.

Im direkten Vergleich mit den anderen Rennwagen beim Goodwood Revival wird deutlich, was den BMW 1800 TI/SA bis heute so interessant macht: Lange bevor der M3 bei BMW ab 1986 zum Synonym für Motorsport für den Alltag wurde, verbanden die TI/SA-Modelle bereits eine alltagstaugliche Limousinen-Karosserie mit einem deutlich geschärften Antrieb und moderner Sportwagen-Technik. Bei der St. Mary’s Trophy trifft der BMW auf eine äußerst vielfältige Konkurrenz von der Alfa Romeo Guilia Sprint GTA und den Ford Lotus Cortina bis hin zum Jaguar MkII.
Ein weiterer Beweis für die Vielfalt bei der St. Mary’s Trophy sind die zahlreichen klassischen Mini Cooper S, die in Goodwood ebenfalls nicht fehlen dürfen. Der genau wie die Neue Klasse Anfang der 1960er eingeführte Mini Cooper S zelebriert sein Image als erfolgreicher Underdog bis heute und ist mit seiner Agilität ein absolut zeitloser Sympathieträger. Dass die kleinen Briten heute ganz selbstverständlich zum Auftritt der BMW Group gehören, ist dabei durchaus als Kompliment in Richtung München zu verstehen: Auch wenn BMW keinerlei Verbindung zu den Anfängen der Marke hatte, sind die Deutschen heute als Bewahrer der Marke absolut geschätzt.
Abzuwarten bleibt, ob wir eines Tages auch die neue Neue Klasse in einer Motorsport-Version zu sehen bekommen. Klar ist schon jetzt, dass der i3 und erst Recht der kommende BMW M3 (ZA0) das Zeug für beeindruckende Rundenzeiten und mehr als genug Reichweite für den Alltag der meisten Kunden haben – ob es aber auch für den Renneinsatz reichen wird, muss die Zukunft zeigen. Immerhin: Auch zum Marktstart der ersten Neuen Klasse war an die späteren Motorsport-Erfolge noch nicht zu denken und der Einsatz des 1800 TI/SA beim Goodwood Revival zeigt anschaulich, was im Lauf der Jahre doch noch möglich wurde.
(Fotos: Gudrun Muschalla für BMW Classic)
























