Seit seiner Weltpremiere vor etwas mehr als einem Jahr ist der Bovensiepen Zagato vielen Sammlern nicht mehr aus dem Kopf gegangen: Wenn der ehemalige Alpina-Geschäftsführer Andreas Bovensiepen seine Buchloer Wurzeln mit der Mailänder Design-Expertise von Zagato und dem Technik-Genie der BMW M GmbH zusammenbringt, könnte die Verheißung kaum größer sein. Ob das bayerisch-italienische Paket auch in der fahrdynamischen Praxis auf der Rennstrecke überzeugen kann, durften wir vor wenigen Tagen für einen ersten Fahrbericht auf dem Salzburgring erkunden.
An den aktuellen BMW M4, dessen Technik unter der von Zagato gestalteten und größtenteils aus Carbon gefertigten Außenhaut steckt, erinnert dabei zunächst wenig: Das erste Automobil der neuen Marke Bovensiepen kommt mit über 400 neu konstruierten Teilen und tritt folgerichtig aus jeder Perspektive betont eigenständig auf, nur die Lichttechnik an Front und Heck weist Kenner auf die BMW-Gene hin. Zu den feinsten Unterschieden im Vergleich zum M4 Coupé zählen die fehlenden B-Säulen, die dank der technischen Nähe zum M4 Cabrio nicht benötigt werden und bei heruntergelassenen Scheiben zu einer besonders eleganten Optik beitragen.

Im Gegensatz zum Exterieur ist die Herkunft des Zagato im Innenraum unübersehbar, denn hier kann auch die gründlichste Veredelung mit jeder Menge Leder und Alcantara nicht von der Formensprache des BMW M4 ablenken. Neben den erstklassig verarbeiteten und praktisch alle harten Kunststoffteile überdeckenden Materialien tragen auch exklusive Details wie die kleine Leder-Lippe über der linken Hälfte des Curved Displays, die blauen Zusatzschalter am Lenkrad oder die gewiss nicht zufällig an Alpina erinnernde Plakette mit durchlaufender Nummerierung zur erheblich gesteigerten Exklusivität bei.
Kein Zweifel: Wer sich auf die Sportsitze des Zagato schwingen darf, hat schon aus haptischen Gründen schnell ein Grinsen im Gesicht. Noch weiter nach oben gehen die Mundwinkel mit dem Druck auf den Startknopf, denn wo manche Autos dieser Tage völlig lautlos oder von einer künstlichen Melodie untermalt zum Leben erwachen, darf sich hier noch ein echter Verbrenner bemerkbar machen. Der BMW-Motor kommt mit optimierter Peripherie und neuer Software, was ihn noch etwas leistungsstärker macht – auch wenn es dem S58 noch nie an Kraft mangelte, kann ein klein wenig mehr bekanntlich nicht schaden.
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So warten nun sogar 611 PS und 700 Newtonmeter Drehmoment auf ihren Einsatz, wenn man sich in langsamer Fahrt dem Boxenausgang nähert. Im Sport-Modus feiert der Klang des S58-Triebwerks den Verbrenner im Allgemeinen und den Reihensechszylinder im Speziellen, dank der Edelstahl-Abgasanlage aus dem Hause Akrapovic werden die typischen Sounds der sechs Zylinder in Reihe noch zusätzlich betont – ohne jemals ins Krawallige abzurutschen, denn bei aller Sportlichkeit bewahrt sich der Bovensiepen Zagato stets eine gewisse Zurückhaltung. Wer niemandem etwas beweisen muss, kann es auch akustisch etwas vornehmer angehen lassen.
Die guten Gene des BMW M4 sind aber nicht nur zu hören, vor allem werden sie in den schnellen Kurven des Salzburgrings deutlich: Die mit Bilstein-Dämpfern und neuen Stabilisatoren modifizierte Fahrwerkstechnik kombiniert die Präzision des M4 mit einem spürbar höheren Komfort-Niveau, das sich selbst von schneller Fahrt über die Curbs nicht aus der Ruhe bringen lässt. Ohne die letzte Aggressivität des M-Setups zeigt sich der Zagato weniger spitz und mit feinem Gran Turismo-Charakter, harmonisch-ausgewogen und mit deutlich mehr Restkomfort für noch mehr Souveränität auf Langstrecken und im Alltag diesseits der Rennstrecke.

Dabei hat das Coupé die fahrdynamische Exzellenz keineswegs verlernt, wie sich gerade in den Hochgeschwindigkeits-Passagen mit über 250 km/h und beim Umsetzen in den Wechselkurven des Salzburgrings zeigt. Dass der Zagato bei Bedarf in 3,3 Sekunden von 0 auf 100 beschleunigen und eine Höchstgeschwindigkeit von 302 km/h erreichen kann, rückt angesichts der mühelos abrufbaren Kurvengeschwindigkeiten ein gutes Stück in den Hintergrund. Genau wie die Fahrwerksabstimmung trägt auch der exakt nach Kundenwunsch gestaltete Innenraum, der von genau jenen Händen realisiert wird, die in den vergangenen Jahrzehnten den Ruf von Alpina aufgebaut und immer weiter verfeinert haben, die typische Handschrift der Familie Bovensiepen.
Mit Blick auf den Preis von mindestens 369.500 Euro und die limitierte Stückzahl von 99 Stück liegt auf der Hand, dass nur wenige Kunden ihren Bovensiepen Zagato regelmäßig im fahrdynamischen Grenzbereich bewegen werden. Wer ihn deshalb als reines Sammlerstück zur Wertanlage betrachtet, verpasst jedoch das Beste: Auch wenn jeder Steinschlag an der Carbon-Karosserie schmerzt, sind die extrem überzeugend abgestimmten Edel-Coupés für ein weitgehend im Stillstand verbrachtes Autoleben viel zu schade – und ihre wahre Pracht zeigt sich erst in Bewegung. So oder so darf man gespannt sein, wie es in Buchloe weitergeht: Der 800 PS starke Bovensiepen 05 GT Touring deutet bereits an, dass die Geschichte der exklusiven Automobile aus dem Allgäu noch lange nicht zu Ende erzählt ist.






























































