Mehr BMW und mehr Power in einer Luxuslimousine als im Alpina B12 der 7er-Generation E38 geht einfach nicht. Ende der 1990er Jahre war der elegante XL-Allgäuer die sportlichste Möglichkeit, einen 7er zu fahren. Der spektakuläre B12 begeistert heute wie vor fast drei Jahrzehnten mit grenzenlosem Reisekomfort auf der linken Spur.
Alpina ist mittlerweile unter das BMW-Konzerndach geschlüpft und alle warten auf die ersten Serienfahrzeuge, die Ende 2027 als besondere exklusive Versionen von BMW 7er und X7 ihre Publikumspremieren feiern sollen. BMW konnte sich abgesehen von exklusivsten Einzelstücken bisher nicht durchringen, einen echten BMW M7 zu bauen und so war der Alpina B12 6.0 Ende der 1990er Jahre das für den bestens betuchten Geschäftsmann maximal machbare. Der blaue Viertürer mit der Produktionsnummer 005 trägt neben den Bedieneinheiten für die Fernbedienung des Garagentors und das elektrische Stahlschiebedach eine mit Wurzelholz eingefasste Plakette als exklusiven Herkunftsnachweis: „Alpina B. Bovensiepen GmbH + Co. – Production exclusiver Automobile“.

Bei der blauen Schönheit im kompletten Alpina-Ornat mit ventillosen Strahlenfelgen und Dekor-Beklebung im Fischer-Ski-Design rundum handelt es sich um einen umfangreich modifizierten B12 6.0 der Generation E38 im Originalzustand, gerade einmal 135.000 Kilometer gelaufen.
Wer auf dem dünner als dünnen Gebrauchtwagenmarkt nach einem solchen B12 sucht, findet ohnehin nur wenige Einzelstücke und diese haben zumeist Laufleistungen jenseits der 250.000 Kilometer. Der größte Alpina auf Basis des BMW 750 iL war bei den meisten Kunden ein exklusiver Kilometerfresser, der auf endlosen Autobahnpassagen quer durch Europa maximalen Komfort bei üppigen Geschwindigkeiten bringen sollte.
Nach dem Facelift des BMW 7er E38 im Jahre 1998 / 99 gab es einen nennenswerten Leistungsnachschlag, denn der bis dato angebotene 5,7-Liter-V12 mit 285 kW / 387 PS wurde von einem neu aufgelegten Triebwerk ersetzt. Der BMW-V12 der Generation M73 mit an sich 5,4 Liter Hubraum bekam durch die Hubraumerweiterung auf 6,0 Liter eine Leistung von nunmehr 316 kW / 430 PS und so wundert es nicht, dass die blau hinterlegten Instrumente eine Skala von bis zu 330 km/h führen. Die einzelnen Fahrstufen der ZF-Fünfgangautomatik sind im Fahrbetrieb nicht allein am Gangwahlhebel der breiten Mittelkonsole zu bedienen, sondern auch am umfangreich modifizierten Lederlenkrad, über das sich via Switch-Tronic auch manuell in die Schaltgänge eingreifen ließ – schon wegen des mächtigen Hubraums und 600 Nm Drehmoment an sich mehr als überflüssig.

Ganz so schnell wie die Tachoskala ist der BMW Alpina B12 6.0 auch nach Hubraumerweiterung und Leistungssteigerung nicht, doch der ab Mitte 1999 auf dem Exklusivmarkt angebotene Alpina-7er, von dem zwischen 1999 und 2001 knapp 100 Fahrzeuge in Handarbeit aufgebaut worden sein sollen, schafft echte 290 km/h und so dürfte auf dem Analogtacho mit leichter Abweichung die 300er-Marke fallen. Dabei ist trotz der seinerzeit obligatorisch fehlenden Turboaufladung der Durchzug ab mittleren Drehzahlen mächtig, denn dank des stattlichen Drehmoments beschleunigt der Bayer mit sattem Bass aus dem Stand in weniger als sechs Sekunden auf Tempo 100 – zum Jahrtausendwechsel mindestens ebenso beeindruckend wie der Neupreis von rund 220.000 D-Mark, der sich mit weiteren Sonderwünschen noch nennenswert nach oben drücken ließ.
Dass sich der BMW Alpina B12 trotz XL-Radstand eher als Fahrerauto denn als Luxuslimousine versteht, zeigt das Fehlen von Einzelsitzanlage im Fond oder auch Massagestühlen. Die Insassen blicken trotz der E38-Modellpflege bei der Fertigungsnummer 005 noch auf den kleinen Bildschirm des Navigationssystems, der seinerzeit das Maß der automobilen Dinge war – Philipps Carin lässt grüßen. Darüber hinaus gibt es eine graue Volllederausstattung, die perfekt zum blauen Metallic-Lack passt, Autotelefon, teilelektrische Rücksitze mit ausfahrbaren Kopfstützen sowie detailreiche Nachbelederungen der Alpina-Spezialisten in Buchloe, die den Innenraum des E38 deutlich aufwerten. Die Sonnenschutzrollos an den hinteren Seitenscheiben sind trotz der obligatorischen Langversion noch manuell, denn anders als beim Nachfolger E65 war nur das Heckrollo elektrisch zu bedienen.
Am Heck verzichtet dieses Modell auf den imageträchtigen Alpina-B12-Schriftzug, die Betrachter blicken bei der zeitlosen Rückansicht mit nachgeschärften E38-Rückleuchten stattdessen auf dezente Alpina-Streifen rund um das Kennzeichen und genießen die vierflutige Auspuffanlage – in dieser Liga eine Seltenheit und ein Genuss für Auge und Ohr.

Wenig überraschend, dass das Komfortniveau, dass der BMW Alpina B12 6.0 nach fast drei Jahrzehnten bietet, noch immer beeindruckt. Trotz Dämmglas und exzellent zu verstellenden Komfortsitzen vorn bleibt die Sportlichkeit nicht außen vor, doch das Leergewicht von 2,1 Tonnen spürt man insbesondere auf flott gefahrenen Landstraßen. Die Lenkung mit Servotronic war ebenso das seinerzeit machbare wie die feine Abstimmung von Federn und Dämpfern, wobei der sportlichste Siebener der damaligen Zeit trotz der mächtigen 20-Zöller (245er vorn / 275er hinten) einen beeindruckenden Cruiser mimte, mit dem man sich auf der linken Autobahnspur nicht anlegen sollte.
Selbst Sportwagen vom Schlage eines Porsche 993 Turbo oder ein Ferrari 355 fuhren dem 5,13 Meter langen Alpina B12 auf der Autobahn bei Fluchtgedanken nicht davon. Und während am Steuer der Boliden aus Zuffenhausen oder Maranello das Triebwerk in den Innenraum brüllte und der Sportfahrer das Lederlenkrad bei Tempi jenseits der 250er-Marke kraftvoll umklammerte, genoss der Fahrer im B12 den leise säuselnden Fahrtwind und aus dem bassigen Soundsystem den abwechslungsreichen dritten Akt des Mozart-Singspiels „Entführung aus dem Serail“. Maximaler Luxus im Jahre 1999.
Wer heute ein solches Zeitzeugnis sucht, der braucht beste Kontakte und viel Geduld, denn wirklich gut erhaltene Exemplare mit einer Laufleistung von unter 200.000 Kilometern und einer lückenlosen Servicehistorie sind extrem schwer zu finden – auch weil viele Modelle den Weg in die USA oder speziell nach Japan fanden. Unter 110.000 Euro ist kaum etwas zu machen. Mäßig gepflegte Kilometerfresser gibt es bereits ab 70.000 Euro.
(Fotos: Hardy Mutschler | Text: Stefan Grundhoff; press-inform)





















