Auch in der SUV-Mittelklasse geht der Trend immer mehr zu Benzinern, bestenfalls mit elektrischer Unterstützung, oder gleich zum Elektroauto. Doch es geht auch anders, denn die Diesel-Triebwerke erfreuen sich in diesem Segment nicht allein in Europa unverändert großer Beliebtheit. Warum das so ist, zeigt sich auch auf einer Australien-Tour im BMW X3 40d (G45).

In Down Under war es mit der Elektromobilität noch nicht weit her. Doch steigende Energiekosten und umtriebige Regionalregierungen sorgen dafür, dass Modelle mit Elektro- oder zumindest Hybridantrieb zunehmend in den Köpfen der Australier parken. Noch beliebter sind Dieselantriebe mit einem Verkaufsanteil von knapp 30 Prozent. Pick Ups sowie Geländewagen sind zwischen Kängurus, Sydney Opera und Ayers Rock eine große Nummer, wobei sich neben den rustikalen Volumenmodellen mit und ohne Ladefläche von Herstellern wie Mazda, Toyota, Isuzu oder Ford europäische Premiumhersteller einer großen Beliebtheit erfreuen.

Kein Wunder, dass der 4,76 Meter lange BMW X3 in seiner Dreiliter-Topmotorisierung mit 223 kW / 303 PS in Australien deutlich früher als auf den Heimatmärkten in Europa oder den USA zu bekommen war: Die Produktion des X3 40d findet im südafrikanischen Werk Rosslyn statt und hat eine kurze Anreise nach Australien. Der knapp 200 PS starke Zweiliter-Selbstzünder ist im zwei Tonnen schweren X3 20d eine solide Besetzung, doch wirklich kraftvoll und souverän ist man allein mit sechs Brennkammern unterwegs. Hier ist der Reihensechszylinder des X3 40d mit seinem maximalen Drehmoment von üppigen 670 Nm, die ab niedrigen 1.500 U/min anliegen, eine exzellente Besetzung – wohl die beste, die man aktuell im Portfolio bekommen kann.

Durch den akzeptablen Realverbrauch von kaum mehr als sechs Litern Diesel auf 100 Kilometer kann sich der Fahrer auch mit dem Tankvolumen von 60 Litern anfreunden, das ansonsten gerne noch etwas größer sein dürfte. Doch auf den langen Etappen an der Ostküste von Australien mit ausgiebigen Zwischenstopps in den überfüllten Metropolen wie Sydney oder Brisbane sind trotzdem allemal 850 Kilometer oder gar mehr bis zum nächsten Tankstopp drin.

Der kraftvolle Selbstzünder mit Leistung, Drehmoment, Laufruhe und Kraftentfaltung aus unteren Drehzahlen ist das eine – doch es ist das Paket, das einfach im Alltagsbetrieb prächtig passt. Eine ideale Gewichtsverteilung, das straff abgestimmte Fahrwerk, die präzise Lenkung und die Symbiose von bulligem Dieselmotor mit der Achtstufenautomatik – das ist in diesem Segment kaum besser zu bekommen.

Dass das Mittelklasse-SUV aus allen nur erdenklichen Tempi heftig anschiebt, seine Leistung imposant unauffällig auf die Fahrbahn bannt und damit ganz nebenbei selbst vielen Sportwagen davonfährt, ist nicht allein deshalb eindrucksvoll, weil der weiße Lack ihn so blass wie eine Basisversion im Alltagsverkehr mitrollen lässt. Wer es sportlicher mag, wechselt weitgehend überflüssig das Fahrprogramm, genießt einen höher ausdrehenden Sechszylinder, kessere Gangwechsel mit einem Plus an Touren und einen Schub, der einfach eine Wucht ist, während sich der Klang dezent zurückhält.

Flott gefahrene Kurven auf den Highway Richtung Gold Coast oder kurz in eine Lücke zwischen den mächtigen Roadtrucks, die den Flächenstaat mit allen nur erdenklichen Gütern versorgen, alles klappt prächtig, während die feine Rückmeldung von der Fahrbahn in den Händen ebenso gefällt wie die Abstützung der Karosserie auf engen, sich windenden Landstraßen. Genau hier ist der BMW X3 40d xDrive eine erstklassige Besetzung und lässt Erinnerungen an den soliden X3 20d oder den schubfreudigen Plug-in-Hybriden 30e mit ähnlicher Leistung (220 kW / 299 PS), jedoch elektrischer Reichweite und einer zumindest in Deutschland enttäuschenden Höchstgeschwindigkeit von 215 km/h verwischen.

So viel Glanz der BMW X3 mit seinem ausgewogenen Antriebspaket bietet, so blass sieht es im Innern aus. Die Sitze sind bequem, könnten sich jedoch vielfältiger verstellen lassen und der Plastikcharme in Mittelkonsole und seltsamen Türelementen mit knarzenden Bedienmodulen und überflüssigen Typenbezeichnungen gehört nicht in ein Fahrzeug, das – mittlerweile auch in Europa zu bekommen, bei 71.000 Euro startet. Und das mit einer eher mäßigen Serienausstattung. Die muss daher mächtig aufgebrezelt werden und so kostet ein standesgemäß ausstaffierter BMW X3 40d schnell deutlich über 80.000 Euro. Wer will in dieser Liga schon auf klimatisierte Ledersitze, LED-Matrix-Scheinwerfer, Panoramadach, 20- oder 21-Zöller, Soundsystem oder Einparkautomatik verzichten? Da machen die Kunden in Australien keinen Unterschied zu jenen in Europa oder eben den USA.

(Fotos: Bernhard Filser / Text: Stefan Grundhoff, press-inform)