Normalerweise ist es für jeden Autobauer eine Ehre, hochrangige Politiker wie einen Landtagspräsidenten unabhängig von ihrer Partei mit einem Dienstwagen auszustatten. Im Fall der AfD Sachsen-Anhalt, die vom zuständigen Landesamt für Verfassungsschutz bereits 2023 als ‘gesichert rechtsextremistische Bestrebung’ eingestuft wurde, sieht BMW die Sache aber offenbar anders: Wie die Zeit berichtet, wurde ein bereits vorgelegtes Leasing-Angebot für einen neuen Dienstwagen des Landtagspräsidenten offenbar genau am 6. Oktober wieder zurückgezogen – jenem Tag, an dem mit Tobias Rausch erstmals ein AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten eines deutschen Bundeslands gewählt wurde.

Auch wenn sich BMW bisher nicht offiziell zu dem Vorgang äußert, lässt der offensichtliche zeitliche Zusammenhang wenig Spielraum für Interpretationen. Gemäß Einschätzung der Verfassungsschutzbehörde richtet sich die Agitation der AfD gegen essenzielle Prinzipien der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, insbesondere auch gegen im Grundgesetz festgeschriebene Aspekte vom Demokratieprinzip bis hin zur Garantie der Menschenwürde. Die Einschätzung des Verfassungsschutzes führt weiter aus, dass der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt von der rassistischen Ideologie des Ethnopluralismus durchdrungen ist und in der Vergangenheit zahlreiche Funktions- und Mandatsträger der Partei mit muslimfeindlichen, rassistischen und antisemitischen Aussagen aufgefallen sind. Weitere Details zur Bewertung der AfD finden sich direkt auf den Internetseiten des Innenministeriums Sachsen-Anhalt. "

Unabhängig vom zurückgezogenen Leasing-Angebot dürfte Tobias Rausch in den kommenden Wochen mit einem BMW 7er als Dienstwagen unterwegs sein, denn nach Informationen der Bild-Zeitung läuft der bisherigere Vertrag für den Landtagspräsidenten – Verträge dieser Art sind an das Amt gekoppelt, nicht an konkrete Personen – noch bis in den November. Außerdem liegt auf der Hand, dass der Landtag Mittel und Wege finden wird, um die Mobilität des Landtagspräsidenten sicherzustellen.

Ob es sich beim neuen Dienstwagen um einen regulären 7er, einen i7 oder einen gepanzerten BMW 7er Protection gehandelt hätte, ist nicht bekannt. Letzterer wurde allerdings bisher nicht offiziell im Look und mit der Technik des BMW 7er Facelift (G70 LCI) vorgestellt und ist daher eine eher unwahrscheinliche Option – in diesem Fall hätte es wohl ohnehin keine Auslieferung vor dem Jahreswechsel gegeben.