Das Interesse an Le Castellet ist bei zahlreichen BMW-Fans seit wenigen Monaten erheblich gewachsen, schließlich ist die Rennstrecke im Süden Frankreichs der Namensgeber für die intensiv-blaue Lackierung der Neuen Klasse mit M Sportpaket und tritt damit in die Fußstapfen von Portimao Blau. Nun bedankt sich der Kurs in erstklassiger Art und Weise für die Ehrung durch BMW, denn das 24-Stunden-Rennen Bol d’Or hätte für BMW Motorrad Motorsport in diesem Jahr kaum besser laufen können: Michael van der Mark, Markus Reiterberger und Steven Odendaal holten mit ihrer BMW M 1000 RR einen dominanten Sieg und sicherten BMW damit den ersten Weltmeister-Titel für eine europäische Marke in der FIM Endurance World Championship (EWC)!
Dass es dennoch bis zum Ende spannend blieb, lag am längst nicht vergessenen Unglück des Vorjahres: Schon 2025 sah es lange Zeit nach einem Triumph für BMW Motorrad Motorsport aus, doch ein technischer Defekt vernichtete weniger als 30 Minuten vor dem Ende alle Hoffnungen und verhalfen Yamaha zu einem nicht mehr für möglich gehaltenen WM-Titel. Für die Japaner war es bereits die sechste Weltmeisterschaft, was in der FIM EWC niemanden überraschen konnte: Seit 1980 machten mit Suzuki, Honda, Kawasaki und eben Yamaha ausschließlich japanische Hersteller den WM-Titel unter sich aus. Die unfassbare Erfolgssträhne reißt genau heute, denn seit dem 20. September 2026 gibt es mit BMW erstmals einen nicht aus Japan stammenden Weltmeister.

Die Saison 2026 war dabei keinesfalls ideal gestartet, denn bei den 24 Stunden von Le Mans vereitelten Probleme in den Morgenstunden trotz starker Performance ein Top-Ergebnis. Es folgten ein Sieg in Spa-Francorchamps und das erste Podium eines europäischen Herstellers bei den Suzuka 8 Hours, sodass BMW mit einem überschaubaren Rückstand von 19 Punkten auf Yamaha ins Finale gehen konnte.
Hier setzte Michael van der Mark gleich im Qualifying das erste Ausrufezeichen und fuhr mit der BMW M 1000 RR Bestzeit, auch Markus Reiterberger war extrem schnell unterwegs und sicherte dem Team die Pole Position sowie die damit verbundenen fünf WM-Punkte. Jeweils fünf Punkte gab es auch für die Führung nach 8 und 16 Stunden, bevor der Sieg nach 24 Stunden mit weiteren 40 WM-Punkten den Triumph abrundete. Das Yamaha-Team YART kam in Le Castellet “nur” auf den dritten Rang und verpasste die Titelverteidigung damit um lediglich vier Punkte.
Markus Flasch (Leiter BMW Motorrad): „Die herzlichsten Glückwünsche an das gesamte BMW Motorrad World Endurance Team und alle bei BMW Motorrad Motorsport, die das möglich gemacht haben. Wir sind mehr als stolz auf euch! Der dritte Weltmeistertitel für unsere BMW M 1000 RR innerhalb von drei Jahren, und das mit einem weiteren Meilenstein für BMW Motorrad. Nach den beiden Titeln in der WorldSBK sind wir nun als erster europäischer Hersteller auch Weltmeister auf der Langstrecke. Dies geht nur mit Performance und Effizienz, aber vor allem nur mit Leidenschaft. Diesen Titel haben sich alle wirklich verdient.“
Sven Blusch (Leiter BMW Motorrad Motorsport): „Ich glaube, für uns alle ist das noch gar nicht wirklich zu begreifen. Die gesamte Woche war – von der ersten Trainingssession bis zur letzten Runde – eine Demonstration von BMW und davon, was die BMW M 1000 RR zu leisten fähig ist. Wir sind unglaublich stolz, den ersten Weltmeistertitel in der Endurance-Geschichte von BMW ins Haus zu holen, speziell nach den sehr schwierigen Jahren, die wir auch hatten. Ein besonderer Dank geht an Werner Daemen, der in den vergangenen Jahren einen unglaublichen Job gemacht hat. Ich glaube, er trägt weiß-blaues Blut in sich, und wir könnten uns keinen besseren Markenbotschafter an unserer Seite vorstellen. Wir haben ein perfektes Team aufgestellt, das wirklich in jedem Rennen extrem gute Leistungen gebracht hat. Auch die Fahrer sind ein würdiges Weltmeister-Trio. Niemand steht im Vordergrund, jeder stellt sich in den Dienst der Sache. Das Herausragende ist, dass sie immer als Team gefahren sind – und wir so den anderen keine Chance gelassen haben. Das extrem spannende finale Rennen dann auch noch zu gewinnen, ist für uns wirklich etwas Besonderes. Nach zwei Weltmeistertiteln in Folge auf der Superbike-Seite jetzt den Endurance-Titel zu holen, ist für uns ein weiteres Kapitel bei BMW Motorrad Motorsport. Ich glaube, wir stehen noch am Anfang, wir wollen weiter Geschichte schreiben und haben jetzt das Fundament dafür gesetzt. Ganz wichtig ist auch der Dank ans komplette Team, an alle an der Strecke, in München, in Berlin, in Belgien und in England. Wir sind wieder Weltmeister, zum dritten Mal in Folge, und darauf können wir sehr stolz sein.“
Christian Gonschor (Technischer Direktor BMW Motorrad Motorsport): „Das Rennen lief von der ersten bis zur letzten Runde perfekt. In der FIM EWC ist es wichtig, dass man sowohl 24-Stunden- als auch 8-Stunden-Rennen gewinnt. Es kommt auf die Technik an, auf die Fahrer, auf das Gesamtpaket und auf den Hintergrund – in München, in Berlin, und auf alle unsere Lieferanten weltweit. In der Endurance gilt es auch, als Team zusammenzuhalten. Auch bei kleinen Rückschlägen wie in Le Mans haben wir als Team noch wichtige Punkte gesammelt. Und dann haben wir mit dem Sieg in Spa und dem Podium in Suzuka gezeigt, wozu das Team und das Motorrad in der Lage sind. Hier beim Bol d’Or nun mit einem dominanten Rennwochenende als Weltmeister nach Hause zu gehen, ist toll. Wir haben auch von unseren Superbike-Erfahrungen profitiert, die Zutaten und Erfolgsrezepte aus den vergangenen Jahren hier implementiert und zusammen mit Werner Daemens Team und BMW Motorrad Motorsport eine perfekte Symbiose gefunden. Danke auch an unsere Fahrer Mickey, Markus und Steven – sie sind ein fulminantes Trio.“
Werner Daemen (Teammanager BMW Motorrad World Endurance Team): „Es ist eine Achterbahn der Gefühle und Gedanken. Wir haben dieses Projekt zusammen mit BMW vor sieben, acht Jahren gestartet, und wir wussten, dass es schwierig werden würde gegen die japanischen Marken, weil sie viel mehr Erfahrung haben. Sie haben schon in den 1970ern angefangen. Wir als junge Marke in dieser Rennszene, die 2019 hierherkam, hatten natürlich viele kleinere Probleme. Wir haben etwas aufgebaut – und das ist ein sehr wichtiger Punkt: Wir haben nicht nur das beste Motorrad aufgebaut, sondern auch das beste Team. Und zusammen mit BMW, mit der harten Arbeit und dem guten Material, das sie uns geben, waren wir dieses Jahr wirklich ganz oben. Ich bin sehr stolz, für BMW den Titel geholt zu haben.“
Markus Reiterberger: „Endlich haben wir es geschafft. Im vergangenen Jahr hatten wir ein bisschen Pech, deshalb war ich im letzten Stint etwas nervös. Aber am Ende hat es geklappt. Ich freue mich so für meine Teamkollegen: Sie waren unglaublich stark, wie das ganze Team. Ich weiß nicht, wie lange ich schon mit BMW in dieser Serie fahre, und ich kann kaum in Worte fassen, wie wir uns jetzt fühlen. Ich bin allen so dankbar – und jetzt lasst uns das feiern.“
Michael van der Mark: „Dieses Jahr haben Werner, das Team und BMW noch einmal einen Schritt gemacht. Sie waren davor schon wirklich gut, aber jetzt haben sie das nächste Level erreicht. Wir Fahrer, Markus, Steven und ich, haben uns immer gegenseitig geholfen und gepusht. In Le Mans hatten wir noch Pech, aber danach waren der Sieg in Spa und das Podium in Suzuka schon etwas Besonderes. Hier mussten wir nun die Poleposition holen und gewinnen – und genau das haben wir getan. Natürlich braucht man manchmal auch ein bisschen Glück, aber das hatten BMW, Werner und das Team dieses Jahr auf ihrer Seite. Ich bin wirklich happy!“
Steven Odendaal: „Ich könnte nicht glücklicher sein. Wir versuchen schon sehr lange, diese Weltmeisterschaft zu gewinnen. Sie so zu verlieren, wie wir es im vergangenen Jahr getan haben, war einfach bitter. Umso schöner ist es, sie dieses Jahr zu holen. Wir sind drei sehr starke Fahrer in einem fantastischen Team. Werner, seine Mannschaft und die Jungs bei BMW haben einen unglaublichen Job gemacht. Das Bike ist wirklich großartig. Vielen Dank an alle, die das möglich gemacht haben.“
(Fotos: BMW)







