Die Einführung des Agenturmodells im Vertrieb von BMW Deutschland wird erneut verschoben. Wie das Manager Magazin berichtet, wurden die deutschen BMW-Händler Anfang August in einem Schreiben darüber informiert, dass die Umstellung auf das Agenturmodell nicht mehr vor dem 1. Juli 2028 angestrebt wird. Für die Kunden heißt das, dass sie auch weiterhin mit ihrem Verkäufer vor Ort über den Preis und mögliche Rabatte verhandeln können – was durchaus zu Rabatt-Duellen zwischen mehreren Händlern führen kann und deshalb in der Münchner Zentrale nicht immer gerne gesehen wird.

Klar ist: Bundesweit einheitliche und zentral aus München gesteuerte Preise würden die Durchsetzung der Listenpreise erheblich vereinfachen und damit das Streben noch höheren Margen unterstützen. Zwar gibt es bisher keine offizielle Bestätigung der erneuten Verzögerung von BMW, aber das Ausbleiben eines Dementis scheint vielsagend genug. Bei der Marke MINI wurde der Vertrieb bereits im Jahr 2024 auf das Agenturmodell umgestellt, bei dem die Händler vor Ort nur noch im Sinne einer Agentur agieren und nicht mehr selbst Einfluss auf Preise und Rabatte nehmen können. Die Umstellung verlief allerdings weder technisch reibungslos noch ohne Gegenwind, weshalb das Nachziehen der Kernmarke BMW nun bereits mehrfach verschoben wurde. "

Prinzipiell hält Vertriebsvorstand Jochen Goller weiter am Agenturmodell fest, dieses sei mit Blick auf die Steuerbarkeit der Preise letztlich alternativlos: Gerade im Zeitalter von Online-Preisvergleichen und KI-Bots zur Recherche und schnellen Suche nach den höchsten Rabatten könnte anderenfalls der schwächste Händler den niedrigsten Preis bestimmen und damit das Preisniveau insgesamt nach unten drücken – was die Kunden freut, wird in München vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Herausforderungen und dem erforderlichen Abbau von 8.000 Arbeitsplätzen zunehmend kritisch gesehen.

Die gleiche Logik gilt natürlich auch für andere Autobauer, dennoch kehrte Volkswagen nach negativen Erfahrungen mit dem Agenturmodell inzwischen zum klassischen Händler-Vertrieb zurück. Mercedes-Benz hingegen nutzt das Agenturmodell bereits und will nach aktuellem Stand auch daran festhalten. Ob und wann BMW Deutschland den Wechsel vollzieht und wie die Kunden darauf reagieren, werden die nächsten Monate und Jahre zeigen.

(Showroom-Fotos: BMW Italien)