Die Krise der deutschen Autoindustrie kommt nun auch beim Personal der BMW Group an: Nachdem die Münchner in den letzten Jahren weitestgehend auf Stellenabbau verzichten konnten, während andere Autobauer längst tausende Arbeitsplätze reduzierten, stehen laut dpa und AFP nun auch bei BMW größere Umstrukturierungen auf dem Plan. Angeblich geht es weltweit um rund 8.000 Stellen, die bis Ende 2027 abgebaut werden sollen. Der Fokus liege dabei auf den Verwaltungsbereichen, denn die Produktion sei in den meisten Werken gut ausgelastet und mache keinen Stellenabbau erforderlich.
Der Personalabbau soll sozialverträglich gestaltet und in erster Linie mittels vorgezogener oder nicht nachbesetzter Renteneintritte, Nichtverlängerung befristeter Verträge oder auch Angebote zur freiwilligen Vertragsaufhebung mit Abfindungszahlung realisiert werden. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht oder nur in Ausnahmefällen geplant. Auch wenn sich BMW offiziell nicht äußern will, scheint sich ein großer Teil der nicht mehr benötigten oder finanziell nicht länger darstellbaren Stellen in Deutschland zu befinden.
Wichtigster Hintergrund der noch nicht offiziell bestätigten Entscheidung zum Stellenabbau ist die anhaltend schlechte Entwicklung in China. Der mit Abstand größte Einzelmarkt war in den vergangenen Jahrzehnten ein stetiger Quell der Freude, der regelmäßig für neue Absatzrekorde sorgte und entscheidend zum Wachstum der letzten Jahre beitragen konnte. Zuletzt gingen die Verkaufszahlen allerdings stark zurück, weil chinesische Kunden immer stärker auf einheimische Marken setzen und gerade bei Elektroautos nicht bereit sind, die Preise europäischer Premium-Anbieter zu bezahlen. Hieraus resultieren auch finanzielle Einbußen, weil die gesunkene Nachfrage gerade auch margenstarke Baureihen der Ober- und Luxusklasse betrifft.
Die praktische Umsetzung dürfte in den nächsten Monaten zu den wichtigsten Aufgaben der neuen Personalvorständin Dorothea von Boxberg zählen, die der Aufsichtsrat der BMW AG zum 1. September 2026 als Arbeitsdirektorin benannt hat. Sie tritt in die Fußstapfen von Ilka Horstmeier. Schon bei der Mitteilung zur Veränderung im Vorstand war offen von anstehenden Transformationsprozessen die Rede, ohne dass dabei Details bekannt wurden:
Dr. Nicolas Peter (Vorsitzender des Aufsichtsrats der BMW AG): “Dorothea von Boxberg bringt nicht nur umfangreiche Erfahrung in der Umsetzung von Transformationsprozessen mit, sondern auch einen Blick von außen auf unsere Industrie. Gleichzeitig passt sie mit ihrem technischen Hintergrund sehr gut zur BMW Group. Darüber hinaus verfügt Dorothea von Boxberg über die entscheidende Führungsstärke, um die erforderliche strukturelle Transformation der BMW Group in den kommenden Jahren voranzutreiben.”
Dr. Milan Nedeljković (Vorsitzender des Vorstands der BMW AG): “Die BMW Group steht vor neuen Herausforderungen, die eine konsequente Anpassung unserer Strukturen und Arbeitsweisen erfordern. Ich bin überzeugt, dass Dorothea von Boxberg den Vorstand hervorragend ergänzt, um diese Aufgaben erfolgreich umzusetzen.”
Dr. Martin Kimmich (Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der BMW Group): “Ich bedanke mich im Namen des Gesamtbetriebsrats bei Ilka Horstmeier für die vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren. Gleichzeitig freue ich mich, dass wir mit Dorothea von Boxberg eine erfahrene Gestalterin von Transformationsprozessen hinzugewinnen, die sich in den kommenden Jahren gemeinsam mit uns mit vollem Fokus der Weiterentwicklung unserer Strukturen und Arbeitsweisen im Sinne unserer BMW Kultur widmen wird.”
