Die Krone des schnellsten Mittelklasse-Sportlers auf der Nürburgring Nordschleife liegt seit über vier Jahren bei der BMW M GmbH, denn die 2022 aufgestellte Rundenzeit des BMW M4 CSL konnte bisher nur einer schlagen – und zwar ein weiterer M4 CSL, der die Zeit im Frühjahr 2023 nochmals um über zwei Sekunden auf 7:18,137 Minuten verbesserte. Nun könnte der Rekord allerdings ins Wanken geraten, denn mit dem Mercedes-AMG CLE 646 Spezialanfertigung kommt ein auf 30 Exemplare limitierter V8-Angriff aus Affalterbach.

Die Schwaben haben ihren ohnehin kraftstrotzenden AMG-CLE dabei nicht nur stärker gemacht, sondern konsequent auf maximale Fahrdynamik getrimmt: Der CLE 646 Spezialanfertigung bietet imposante 646 PS und 850 Newtonmeter Drehmoment, verzichtet im Sinne des Leichtbaus aber auch auf die Rückbank und den Allradantrieb des regulären CLE 53. Ein zum radikalen Ansatz passendes Gewindefahrwerk, eine neue Abstimmung von Lenkung, Bremsen & Co. sowie extrem griffige Ultra-High-Performance-Reifen vom Typ Michelin Pilot Sport Cup 2 R verstehen sich in diesem Kontext fast schon von selbst. "

Im Zentrum des Mercedes-AMG CLE 646 Spezialanfertigung, der auch optisch kein Geheimnis aus seinem Perofrmance-Anspruch macht, steht ein 4,0 Liter großer V8-Biturbo, der die 550 PS des M4 CSL locker in den Schatten stellt. Die Hinterräder werden von einem elektronisch geregelten Sperrdifferenzial unterstützt, um die schiere Kraft des AMG-V8 auf die Straße bringen zu können: 0 auf 100 km/h sind in 3,9 Sekunden erledigt, Tempo 200 fällt nach 11,4 Sekunden und maximal sind stattliche 310 km/h möglich.

Dass der BMW M4 CSL den Standardsprint in 3,7 Sekunden erledigt und damit sogar noch etwas schneller ist, verdankt er vor allem seinem Gewichtsvorteil: BMW brachte den M4 CSL unter anderem mit Dach, Motorhaube und Kofferraumdeckel aus Carbon sowie zahlreichen weiteren Diät-Maßnahmen auf ein Leergewicht von 1.625 Kilogramm, Mercedes spricht beim CLE 646 trotz hohem Aufwand noch immer von 1.895 Kilogramm nach DIN. Der Mercedes ist damit zwar fast 100 PS stärker, aber auch stattliche 270 Kilogramm schwerer als der BMW.

Auch aerodynamisch gehen die Affalterbacher in die Vollen: Neben sichtbaren Elementen vom Frontdiffusor überLouvers bis hin zum manuell einstellbaren Carbon-Heckflügel gibt es auch unsichtbare Optimierungen am Unterboden. In der Race-Konfiguration soll der CLE 646 bei Höchstgeschwindigkeit mehr als 250 Kilogramm Abtrieb erzeugen. Gleichzeitig werden Komfort- und Assistenzfunktionen konsequent gestrichen und ein Überrollbügel hält ebenfalls Einzug. Damit ist der Mercedes konzeptionell tatsächlich näher am M4 CSL als am normalen CLE.

Der vielleicht größte Unterschied liegt bei den Stückzahlen: Während vom BMW M4 CSL weltweit 1.000 Exemplare verkauft wurden, bleibt der Mercedes-AMG CLE 646 Spezialanfertigung eine in Affalterbach von Hand aufgebaute Kleinstserie mit nur 30 Fahrzeugen. Schon vor der offiziellen Kommunikation waren alle 30 Exemplare verkauft, was den 646 für die meisten Kunden noch unerreichbarer macht, als es der M4 CSL jemals war. So gesehen kann man die Spezialanfertigung auch eher als Machbarkeitsstudie und weniger als Serienfahrzeug betrachten – und bei den Nürburgring-Rekordrunden geht es eigentlich genau um letztere.

(Fotos & Infos: Mercedes)