Die Antwort auf die Frage, ob BMW oder Mercedes bei der Reichweite ihrer neuesten Elektroautos die Nase vorn haben, unterscheidet sich paradoxerweise je nach Fahrzeugklasse erheblich. Gerade erst wurde die neue Mercedes C-Klasse EQ präsentiert, deren Reichweite von 762 Kilometern klar im Schatten der 900 Kilometer des BMW i3 stehen – und wenige Tage später sieht die Welt ein umgekehrtes Bild, denn das BMW i7 Facelift bleibt mit maximal 728 Kilometern weit hinter den bis zu 926 Kilometern des ebenfalls erst vor wenigen Tagen enthüllten Mercedes EQS Facelift zurück.

Unstrittig ist, dass Reichweiten jenseits der 700 Kilometer gemäß WLTP nur in den seltensten Fällen wirklich zu wenig sind: Wer mit vollem Akku startet, dürfte auch auf Langstrecken-Fahrten nur selten ernsthaft eingeschränkt werden. Im Vergleich von Mercedes EQS und BMW i7 2026 müssen sich die Münchner dennoch den Vorwurf gefallen lassen, in dieser für Elektroautos durchaus zentralen Disziplin klar den Kürzeren zu ziehen. Verantwortlich dafür ist primär, dass der i7 nur Teile der für die Neue Klasse entwickelten eDrive Gen6-Technik erhält – es bleibt beim 400-Volt-Bordnetz und auch die E-Motoren entstammen noch der Gen5. Hier hat Mercedes beim EQS Facelift deutlich tiefer in die Tasche gegriffen und der bisher wenig erfolgreichen Elektro-Limousine ein erheblich größeres Technik-Upgrade spendiert.

Die entsprechende Investition dürften die Schwaben auch deshalb für notwendig gehalten haben, weil der Mercedes EQS in anderen Disziplinen weiterhin im Nachteil ist: Mit einer Länge von “nur” 5,22 Meter bleibt er volle 17 Zentimeter hinter dem BMW i7 zurück, was gerade auch in Verbindung mit der geschwungeneren Dachlinie zu einem deutlich kleineren Platzangebot im Fond führt – und gerade hier spielt für viele Kunden dieses Segments die entscheidende Musik.

Neben dem Raumgefühl spricht auch das Fond-Entertainment klar für den BMW i7, der wie schon vor dem Facelift über den einzigartigen Theatre Screen im 31-Zoll-Format verfügt und damit ein ganz anderes Erlebnis als der EQS mit seinen Einzel-Displays an den Rückenlehnen bieten kann. Ob bei der Wahl zwischen i7 und EQS letztlich Fragen wie diese, Vorlieben beim Design oder harte Fakten wie die maximale Elektro-Reichweite entscheidend sind, bleibt naturgemäß eine sehr individuelle Frage.

(Fotos: Mercedes / BMW)