Können erneuerbare Kraftstoffe wie HVO 100 einen Beitrag zur CO₂-Reduzierung im Straßenverkehr leisten, ohne dass dafür neue Fahrzeuge oder eine alternative Tankstellen-Infrastruktur benötigt werden? Die BMW Group zieht nach einem einjährigen Flottenversuch eine positive Zwischen-Bilanz. In den letzten zwölf Monaten wurden mehr als 600 BMW- und MINI-Diesel im Alltagseinsatz erprobt, wobei insgesamt über 5.500 Tankvorgänge durchgeführt und digital dokumentiert wurden. Im Ergebnis soll der Praxistest zeigen, dass HVO100 ein funktionierender Weg für die VEEF (Vehicles Exclusively running on Eligible Fuels) genannte Fahrzeugkategorie sein kann, die ausschließlich mit alternativen Kraftstoffen betrieben wird.

Die im Oktober 2025 gestartete Test- und Demoflotte ist in Deutschland, Italien und Spanien unterwegs. Neben der BMW Group beteiligen sich Bosch, Eni und Repsol an dem Versuch. Im Mittelpunkt steht der erneuerbare Dieselkraftstoff HVO, der im Vergleich zu fossilem Diesel ein geringeres CO₂-Äquivalent aufweist. Die technische Besonderheit des Projekts liegt in der Nachweisbarkeit: Fahrzeugdaten zum Tankvorgang werden mit Informationen aus den Bezahlsystemen der Flottenbetreiber abgeglichen. Bei einem Teil der Fahrzeuge kommen zusätzlich Tankstellendaten aus dem Digital Fuel Twin von Bosch zum Einsatz. "

Die Bilanz nach zwölf Monaten fällt aus Sicht der Projektpartner positiv aus, insgesamt wurden rund 235.000 Liter erneuerbarer Kraftstoff getankt. Die Lösung funktionierte laut BMW ohne technische Veränderungen an den Fahrzeugen und ohne zusätzliche Infrastruktur an den Tankstellen. Im Oktober 2026 war HVO nach Angaben des Unternehmens an 6.130 Tankstellen in Europa verfügbar. Die Testfahrzeuge können als Rückfallebene natürlich auch problemlos mit gewöhnlichem Dieselkraftstoff betankt werden.

BMW verfolgt mit dem HVO-Projekt das Ziel, neben der Elektrifizierung auch bestehende Verbrenner für eine weitere CO₂-Reduzierung nutzbar zu machen. Die angedachte “VEEF“-Kategorie wird nur aus Fahrzeugen bestehen, die ausschließlich mit qualifizierten Kraftstoffen wie HVO 100 betrieben werden. Ob und in welcher Form daraus ein regulatorisch anerkannter Ansatz entsteht, hängt allerdings auch von den politischen Rahmenbedingungen ab. Die Flottenergebnisse belegen zunächst die technische Machbarkeit der Kraftstoff-Dokumentation, die flächendeckende Verfügbarkeit der erneuerbaren Kraftstoffe ist derzeit natürlich noch nicht gegeben.

Bereits seit Januar 2025 betankt BMW alle in deutschen Werken produzierten Dieselmodelle vor der Auslieferung an die Händler mit HVO. Zum Einsatz kommt dabei “Neste MY Renewable Diesel” aus Finnland. Laut BMW sind damit gegenüber fossilem Diesel CO₂e-Einsparungen von bis zu 90 Prozent über die gesamte Well-to-Wheel-Betrachtung möglich. Voraussetzung für solche Werte sind unter anderem die eingesetzten Rohstoffe und die Herstellung des Kraftstoffs. Parallel erproben BMW, Toyota, Repsol und Bosch in Spanien seit Juli 2026 ein ähnliches Verfahren mit Ottomotoren und dem Kraftstoff “Nexa 95”. Damit soll geprüft werden, ob sich auch bei Benzinern die ausschließliche Nutzung geeigneter Kraftstoffe lückenlos nachweisen lässt.

Dr. Martin Kaufmann (Leiter Antriebsentwicklung der BMW Group): “Wir wollen das CO2 Reduktions-Potenzial, das in Erneuerbaren Krafstoffen liegt, in Europa konsequent nutzen. Dafür hat unsere Mannschaft eine technische Lösung entwickelt, die in den letzten 12 Monaten unter Realbedingungen in vier Ländern in über 600 Fahrzeugen erprobt wurde. Die Ergebnisse sprechen für sich: Wir können in dem Zeitraum mehr als 5.500 Tankvorgänge, mit einer Quote von mehr als 80 Prozent HVO Nutzung, stabil dokumentieren. Und das ohne Hardware-Veränderungen am Fahrzeug und ohne neue Infrastruktur an der Tankstelle. Damit sehen wir die technische Machbarkeit einer „VEEF“ Fahrzeugkategorie für Firmen- wie für Privatkunden als nachgewiesen. Das ist ein starkes Signal für die Politik, Technologieoffenheit zu fördern und die Weichen für die Zukunft und Resilienz der Industrie – gerade in Europa – entsprechend zu stellen.”