Dass Audi auf dem US-Markt weit hinter BMW und Mercedes zurückliegt, ist seit Jahren offenkundig. Weiter verschärft hat sich die Lage aufgrund der Import-Zölle, die Audi in den letzten Jahren härter als die unmittelbare Konkurrenz getroffen haben: Im Gegensatz zu BMW und Mercedes haben die Ingolstädter bisher keinen eigenen Produktions-Standort in den USA, weshalb auf jedes einzelne Fahrzeug hohe Zölle fällig werden. Nun haben die Ingolstädter in einer Pressemitteilung ungewohnt klar geäußert, dass das US-Geschäft für die Marke derzeit nicht profitabel ist – und sie effektiv mehr Geld kostet, als es einspielt. Für einen der größten Premiummärkte der Welt ist diese Situation zweifellos dramatisch, wenn man sich die hohen Ansprüche der Marke vor Augen führt.

Hintergrund des ungewöhnlichen Statements ist eine Welle der Kritik, die seit dem Wochenende auf Audi und insbesondere den Vorstandsvorsitzenden Gernot Döllner einprasselt: Ausgerechnet auf einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner und im Anschluss an eine Rede von US-Präsident Donald Trump verkündete Döllner das erste US-Werk von Audi. Im Bundesstaat Georgia soll das neue Werk entstehen, das über 4.000 Arbeitsplätze schaffen soll. In den frühen 2030er-Jahren sollen die ersten Autos vom Band rollen. "

Die öffentliche, aber auf offenbar auch scharfe interne Kritik richtet sich dabei nur am Rande gegen die Entscheidung für den neuen Standort in Macon, während Audi in Deutschland Arbeitsplätze abbaut, in erster Linie wird der Kontext der Verkündung in Frage gestellt – und das auch, weil der Code of Conduct der Ingolstädter politisch interpretierbare Auftritte kurz vor Wahlen eindeutig untersagt.

Ähnlich wie BMW und Mercedes will auch Audi vordergründig große SUV-Modelle in den USA bauen, schließlich ist dort auch der größte Markt für Fahrzeuge dieser Art. Im Fokus stehen deshalb die Baureihen Audi Q7, Q8 und Q9, die ab dem kommenden Jahrzehnt von den USA in den Rest der Welt exportiert werden könnten.

Das Statement von Audi, mit dem die Verantwortlichen die Wogen wieder glätten wollen, liest sich in voller Länge wie folgt:

„Am vergangenen Wochenende haben wir angekündigt, dass Audi erstmals einen eigenen Produktionsstandort in den USA plant. Eine lokale Produktion in den USA ist für Audi von großer strategischer und wirtschaftlicher Bedeutung.

Die USA sind der zweitgrößte Premiummarkt der Welt. Gleichzeitig ist unser Geschäft dort heute nicht profitabel. Viele unserer Wettbewerber sind bereits seit Jahren mit einer lokalen Produktion präsent. Eine eigene Fertigung ermöglicht es uns, wettbewerbsfähiger zu werden, Handels- und Währungsrisiken zu reduzieren und unser Wachstumspotenzial besser zu nutzen. Ein stärkeres US-Geschäft ist daher keine Entscheidung gegen Deutschland, sondern ein wichtiger Beitrag zur globalen Wettbewerbsfähigkeit von Audi und zur langfristigen Sicherung des Unternehmenserfolges.

Die damit verbundene Reise nach Georgia und der öffentliche Auftritt mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten haben Fragen und auch Unverständnis ausgelöst. Das möchten wir als Unternehmen einordnen.

Eine Delegation von Audi war in Georgia, um die Gespräche und Verhandlungen über unser geplantes Werk weiter voranzubringen. Im Rahmen der Gespräche wurden wir gebeten, unsere Pläne gemeinsam mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika öffentlich vorzustellen.

Die Entscheidung, dieser Einladung zu folgen, haben wir ausschließlich im Interesse des Unternehmens getroffen.

Gleichzeitig sehen wir, dass der Rahmen der Ankündigung als politisches Signal wahrgenommen wurde. Das nehmen wir sehr ernst.

Wir stehen zu den Werten und Grundsätzen unseres Unternehmens. Ebenso tragen wir Verantwortung für die wirtschaftliche Zukunft von Audi. Beides gehört für uns zusammen und ist Grundlage unseres Handelns.“

(Fotos & Quelle des Statements: Audi)