Erstmals seit dem Triumph von 1999 konnte BMW Motorsport bis zum Schluss um den Gesamtsieg in Le Mans kämpfen. Auch wenn es am Ende nicht zum ganz großen Erfolg reichte, bleibt nach 24 Stunden der Blick auf eine extrem starke Performance und eine absolut verdiente Podiums-Platzierung: Zwischen dem siegreichen Toyota und dem BMW mit der Startnummer 20 lagen am Ende keine 11 Sekunden. Dass es nicht noch enger wurde, verdankt Toyota der zahlenmäßigen Überlegenheit in der Schlussphase, denn Sebastian Buemi konnte den auf frischeren Reifen fahrenden und daher etwas schnelleren BMW von Robin Frijns lange hinter sich halten und so den vielleicht entscheidenden Vorteil für Kamui Koboyashi im Toyota #7 herausarbeiten.

So konnte der führende Toyota nach der letzten Boxenstopp-Runde mit mehr als 20 Sekunden Vorsprung ins Finale gegen Robin Frijns gehen. Schon zuvor präsentierten sich die letzten eineinhalb Stunden als bayerisch-japanischer Dreikampf, während die das ganze Wochenende schnellen Cadillac letztlich ebensowenig angreifen konnten wie die Ferrari, Alpine, Genesis, Peugeot oder Aston Martin.

Die 24 Stunden von Le Mans erinnerten 2026 fast durchgehend an ein Sprintrennen, denn weder machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung noch sorgten lange Safety Car-Phasen für Verzögerungen. Dem hohen Speed zum Trotz lag das Feld lange Zeit eng zusammen. Der BMW M Hybrid V8 mit der Startnummer 20 beeindruckte dabei mit einer praktisch makellosen Performance, lag immer wieder in Führung und zählte ohne jede Diskussion zu den schnellsten Autos im Feld. Das Spitzentrio legte unter diesen Rahmenbedingungen nicht weniger als 381 Runden zurück und fuhr so knapp 5.200 Kilometer in 24 Stunden – dass es für BMW dennoch nicht zum Sieg gereicht hat, sorgte nicht nur bei René Rast für die eine oder andere Träne.

Deutlich schlechter als für die #20 lief das Rennen für das Schwesterfahrzeug. Die von der Pole Position gestartete Nummer 15 hatte von Anfang an Schwierigkeiten, das Tempo der absoluten Spitze mitzugehen und fiel innerhalb kurzer Zeit aus den Top-5 heraus. Noch vor der Nacht beendete eine Kollision mit einem LMP2-Rennwagen alle Hoffnungen auf ein starkes Ergebnis, denn der BMW musste mit beschädigter Heckpartie und auf nur noch drei Rädern praktisch eine ganze Runde in die Box humpeln, was mit einem enormen Zeitverlust verbunden war. Auch in der Folge lief der BMW nicht rund und verbrachte mehrere Stunden in der Box, während die Nummer 20 um den Sieg kämpfen konnte – was nicht nur mit Blick auf den im Qualifying erkämpften Startplatz für viele enttäuschte Gesichter sorgte.

In der LMGT3 konnte das Team WRT nicht in den Kampf um den Sieg eingreifen. Der schnellste der beiden BMW M4 GT3 Evo landete nach 24 Stunden nur auf Rang 7, nachdem in der Anfangsphase noch beide M4 in der Spitzengruppe unterwegs waren. Letztlich hatten die BMW aber genau wie die Mercedes-AMG GT, Porsche 911 und Ford Mustang nichts mit dem Gesamtsieg zu tun, den Corvette, Lexus und Aston Martin unter sich ausmachten.

Franciscus van Meel (Geschäftsführer BMW M GmbH): „Ein unglaublich emotionales Wochenende mit der Weltpremiere unseres BMW M Concept Neue Klasse und einem hochspannenden und nervenaufreibenden 24-Stunden-Rennen in Le Mans. Platz zwei, das erste Podium für BMW M Motorsport seit 27 Jahren, nach einer perfekten Leistung nur zehn Sekunden hinter dem Sieger – es hätte fast nicht besser laufen können. Ein großer Dank geht an alle bei BMW M, BMW M Motorsport und dem BMW M Team WRT, die zu diesem großartigen Erfolg beigetragen haben. Sie alle haben gezeigt, was man erreichen kann, wenn man unermüdlich daran arbeitet, ein Projekt wie den BMW M Hybrid V8 zum Erfolg zu führen. Herzlichen Glückwunsch!“

Andreas Roos (Leiter BMW M Motorsport): „Was für ein grandioses und historisches Ergebnis! Poleposition und Platz zwei auf dem Podium – Wahnsinn! Ich freue mich riesig für die Fahrer Robin Frijns, René Rast und Sheldon van der Linde. Es war aber eine gigantische Leistung von allen: den Fahrern, dem Team, den Kolleginnen und Kollegen bei BMW M Motorsport. Darauf können wir sehr stolz sein – vielen Dank! Wir haben über Jahre darauf hingearbeitet, in Le Mans wieder erfolgreich zu sein, nun haben wir mit dem zweiten Platz den Lohn dafür eingefahren. Das war ein unglaublich spannendes Rennen. Für uns war es eine Achterbahnfahrt, aber am Ende mit zehn Sekunden Rückstand Zweiter zu werden, ist ein fantastischer Erfolg. Boxenstopps, Strategie – alles hat super funktioniert. Glückwunsch an Toyota zum verdienten Sieg! Schade, dass die Nummer 15 ausgefallen ist. Und auch das Ergebnis in der LMGT3-Klasse hatten wir uns deutlich besser vorgestellt. Das werden wir aufarbeiten, aber zunächst einmal überwiegt die Freude.“

Vincent Vosse (Teamchef BMW M Team WRT): „Das war eines der stärksten Rennen, die wir als Team jemals mit dem BMW M Hybrid V8 absolviert haben. Absolut fehlerfrei. Keine Strafen, keine schlechten Boxenstopps – nichts. Gratulation an alle in meinem Team und bei BMW M Motorsport! Wir sind eine Einheit, wir machen Fortschritte, wir haben dieses Podium verdient. Ich bin gar nicht enttäuscht, dass es nicht zum Sieg gereicht hat. Toyota hat es verdient – Glückwunsch! Für die Crew der Nummer 15 tut es mir leid. Auf der LMGT3-Seite müssen wir leider eingestehen, dass wir einfach keine Chance hatten. Das ist sehr enttäuschend. Vielen Dank an Team und Fahrer für ihren großartigen Einsatz. Sie haben alles gegeben, aber mehr war diesmal leider nicht drin.“

Robin Frijns (BMW M Team WRT, #20 Shell BMW M Hybrid V8, 2. Platz): „Ich weiß noch gar nicht genau, was ich sagen soll. Platz zwei in Le Mans ist ein fantastischer Erfolg. Aber den Sieg so nah vor sich zu sehen, tut schon etwas weh. Das letzte Safety-Car hat die Toyotas, die direkt davor Probleme hatten, wieder zurück ins Spiel gebracht. Das war bitter für uns, denn sie hatten einen Tick mehr Pace als wir. Wir haben über weite Strecken des Rennens geführt, aber am Ende war Platz zwei das Maximum, das wir nach dem Safety-Car herausholen konnten.“

René Rast (BMW M Team WRT, #20 Shell BMW M Hybrid V8, 2. Platz): „Es ist ein bittersüßes Podium. Zum einen ist es ein toller Erfolg, in Le Mans auf dem Podest zu stehen. Das Team und wir als Fahrer haben alles richtig gemacht, würde ich sagen. Aber leider hat uns Le Mans diesmal nicht als Sieger ausgewählt. Wir haben über weite Phasen des Rennens geführt, aber das letzte Safety-Car hat unsere Strategie ein wenig über den Haufen geworfen. Und wenn man so nah am Sieg dran ist, will man natürlich auch gewinnen.“

Sheldon van der Linde (BMW M Team WRT, #20 Shell BMW M Hybrid V8, 2. Platz): „Im ersten Moment weiß ich nicht genau, ob ich lachen oder weinen soll. Wenn du nach 24 Stunden nur zehn Sekunden hinter dem Sieger ins Ziel kommst, ist das erstmal nicht ganz leicht zu akzeptieren. Wenn wir dann aber die vergangenen beiden Jahre anschauen und sehen, was für riesige Fortschritte wir gemacht haben, dann können wir sehr stolz sein. Das Team hat alles gegeben, um uns in diese Position zu bringen. Natürlich weiß man nie genau, ob man noch einmal in die Situation kommt, Le Mans gewinnen zu können, aber wir werden es auf jeden Fall erneut versuchen.“

Kevin Magnussen (BMW M Team WRT, #15 BMW M Hybrid V8, Ausfall): „Das war einfach nicht unser Rennen. Es sind einige Dinge schiefgelaufen, aber auch das ist Le Mans. Zum Glück hat unser Schwesterauto unser Pech wettgemacht und ein fantastisches Podium eingefahren. Das ist letztlich ein großer Erfolg für uns alle. Was uns in der Nummer 15 angeht: Wir werden stärker zurückkommen.“

Augusto Farfus (Team WRT, #32 BMW M4 GT3 EVO, 7. Platz LMGT3): „Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch an die Hypercar-Crew zum Podium. Es war ein toller Fight und ein verdientes Ergebnis. Unser Rennen war bitter. Wir haben alles richtig gemacht, hatten keine technischen Probleme und haben jeden Boxenstopp auf den Punkt gebracht. Leider hat das alles nicht gereicht, um das Podium anzugreifen. Wir hatten einfach nicht die Pace. Trotzdem ist es immer wieder eine große Ehre, hier in Le Mans am Start zu stehen.“

Dan Harper (Team WRT, #69 BMW M4 GT3 EVO, Ausfall): „Das erste Le Mans hatte ich mir genauso wie Parker und Anthony anders vorgestellt. Aber man muss es auch mal so sehen: Ich war zum ersten Mal hier bei diesem ganz besonderen Event, und es war eine Ehre, dabei zu sein. Hoffentlich werden noch viele weitere Le-Mans-Einsätze folgen! Diesmal hatten wir leider nicht die Pace, um ganz vorne mitfahren zu können. Dann kam noch das Getriebeproblem hinzu. Dennoch können wir stolz auf das sein, was wir geleistet haben.“

(Fotos: BMW Motorsport)