BMW M140i im Fahrbericht: Auf Abschieds-Tournee mit 340 PS

BMW 1er, Fahrberichte | 24.10.2016 von 10

Wir haben den neuen BMW M140i im Fahrbericht unter die Lupe genommen und klären, was den auf 340 PS erstarkten Kompaktsportler nun noch besser macht.

“BMW M140i? Was ist das denn?” Wer am Steuer des M135i-Nachfolgers sitzt, muss sich derzeit auch von Auto-Interessierten immer wieder die gleiche Frage stellen lassen. Denn dass der stärkste und sportlichste BMW 1er einen neuen Namen erhalten hat, ist längst noch nicht überall angekommen – kein Wunder, schließlich wurde der M135i erst vor vier Jahren eingeführt und war somit auch kein unmittelbarer Kandidat für eine Ablösung. Doch wie der Blick auf Einstiegsleisten, Tacho-Display und Heckklappe beweist, sind die Tage des M135i zumindest für den Moment gezählt.

Stattdessen steht das M Performance-Modell nun als BMW M140i bei den Händlern und verspricht noch mehr Fahrspaß in einem Kompaktsportler, der schon vorher seinen ganz eigenen Weg gegangen ist. Die seit vielen Jahrzehnten bewährte und von vielen Fahrern innig geliebte Kombination von Reihensechszylinder, Hinterradantrieb, fast perfekt ausgeglichener Gewichtsverteilung und kompakten Abmessungen hat auch nach dem Namenswechsel nichts von ihrer Faszination verloren und wird durch die ungebrochene Exklusivität des Angebots sogar noch attraktiver. Denn während die Wettbewerber den Großteil von Gewicht und Antriebskraft auf die Vorderachse loslassen, präsentiert sich der BMW M140i 2016 als Vertreter der reinen Fahrspaß-Lehre und muss im Kapitel der “Smiles per Mile” keinen Gegner fürchten.

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Fahrbericht BMW M140i: Herz, was willst Du mehr?

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass sich der BMW M140i auf den ersten Metern wie ein alter Bekannter anfühlt. Warum der M135i-Nachfolger einen neuen Namen trägt, offenbart sich nämlich erst nach dem Druck auf den Fahrerlebnisschalter: Erst in den Modi Sport und Sport+ erwacht der neue Reihensechszylinder mit dem internen Kürzel B58 wirklich zum Leben und zeigt, was er im Alltag gar nicht zeigen muss.

Die Steigerung der Spitzenleistung um 14 auf 340 PS spielt dabei keine Rolle, stattdessen wird der Weg zum Ziel: Obwohl man dem Vorgänger kein behäbiges Ansprechen unterstellen konnte, spielt der neue BMW M140i in den ersten Zehntelsekunden nach einem spontanen Vollgas-Befehl wahrlich in einer anderen Liga. Die Spontanität, mit der die per Gaspedal artikulierten Fahrerwünsche hier beinahe verzögerungsfrei in die Tat umgesetzt werden, erinnert phasenweise an den technisch viel komplexeren Biturbo-Motor S55 aus M3 und M4. Klar, im direkten Vergleich fehlt es dem M140i ein wenig an Punch, aber auf den ersten Metern fühlt sich der einfach aufgeladene Motor ähnlich agil an wie das Triebwerk der großen Brüder.

Möglich wird das spontanere Ansprechverhalten durch die indirekte Ladeluftkühlung, die für kürzere Wege zwischen dem Twinscroll-Turbolader auf der einen und den sechs Brennräumen auf der anderen Seite sorgt. Der kritische Punkt ist hierbei die Luftmenge, die bei einem spontanen Beschleunigungswunsch unter Druck gesetzt werden muss. Weil der B58-Motor des BMW M140i die Ladeluft indirekt mit Wasser kühlt, kann sie auf direktem Weg von der Turbolader- zur Ansaugseite geschickt werden. Der Ladedruck lässt sich so viel schneller aufbauen, weil eine deutlich kleinere Luftmenge unter Druck gesetzt werden muss.

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Trotz seiner Performance ist der BMW M140i ein gutes Beispiel dafür, dass man sich als Autobauer auch bei einem Kompaktsportler mit 340 PS im Griff haben kann. Auf einen lauten Auftritt verzichtet der 1er sowohl optisch als auch akustisch, stattdessen spricht er gezielt jene Leute an, die etwas genauer hinsehen oder hinhören und dabei feine Details zu schätzen wissen. Abgesehen von einigen wenigen Exterieur-Akzenten in Ferric Grey und der Abgasanlage mit jeweils einem Endrohr links und rechts bleibt der M140i auf den ersten Blick ein ganz gewöhnlicher 1er, der sich nur geübten Blicken offenbart.

Das gilt auch für den Sound, der zwar unverkennbar einem Motor mit sechs Zylindern in Reihe entstammt, der aber auf übertriebene Lautstärke verzichtet. Im für den Alltag abgestimmten Comfort-Modus bleibt der BMW M140i akustisch zurückhaltend und strahlt mit seinem satten Timbre in erster Linie die Überlegenheit und Souveränität von vollen 3,0 Litern Hubraum aus, die in Zeiten des Downsizings nicht nur in der Kompaktklasse ein echtes Statement geworden sind.

Sein zweites Gesicht zeigt der B58, wenn der Fahrer in den Sport-Modus gewechselt ist. Sofort wird der Sound des Reihensechszylinders spürbar präsenter und verführt nun regelrecht dazu, sich die ganze Bandbreite seines Klangs zu gönnen. Der rote Bereich des Drehzahlmessers beginnt bei 7.000 Umdrehungen – und auf dem Weg dahin geht BMW-Fans das Herz auf, denn der Motor klingt dabei so satt und dreht so frei hoch, dass es eine wahre Freude ist. Bei der unaufgeregten Selbstverständlichkeit, mit der der M140i seine Leistung serviert, profitiert er klar von seinem im Vergleich zur Konkurrenz riesigen Hubraum.

Keineswegs selbstverständlich für einen Kompaktsportler ist auch das technische Layout des BMW M140i. Der Reihensechszylinder ist längs montiert und sitzt weit hinten im Motorraum, so trägt er zum Erreichen der ausgeglichenen Gewichtsverteilung bei. Dass er die Kraft ausschließlich an die Hinterräder schickt, macht ihn noch immer zum Hahn im Korb der Kompaktsportler: Kein Zweifel, ein besseres Setup für Fahrspaß auf höchstem Niveau hat in dieser Klasse niemand zu bieten. Es überrascht nicht, dass Liebhaber von üppig motorisierten Hecktrieblern beim M140i voll auf ihre Kosten kommen und sich hervorragend an ihre eigenen Grenzen und den hoch angesiedelten Grenzbereich des Performance-1ers heranarbeiten können.

BMW-M140i-2016-Fahrbericht-F21-LCI-20Mit rund 10 Litern auf 100 Kilometer lässt sich der BMW M140i standesgemäß bewegen. Wer wesentlich weniger verbrauchen will, findet im 1er-Portfolio geeignertere Alternativen.

Geübte Fahrer wissen es dabei zu schätzen, dass sich die elektronischen Fahrhilfen auf Knopfdruck komplett deaktivieren lassen. Wirklich nötig ist das allerdings nur für Show-Einlagen mit großem Driftwinkel, denn auch die Abstimmung des DTC-Modus lässt mehr als genug Spielraum für eine extrem dynamische Fahrweise auf kurvigen Strecken.

Das adaptive Fahrwerk macht dabei einen beeindruckenden Job und bietet passende Setups für komplett ebene Traumstraßen ebenso wie für solche Strecken, die ihre besten Zeiten schon etwas länger hinter sich haben. Dass die sportlichste Einstellung auf schlechten Straßen zu hart ist und unnötige Unruhe ins Fahrzeug bringt, lässt sich mit wenigen iDrive-Befehlen beheben: Die Fahrmodi Sport und Sport+ können auf Wunsch auch ohne das härtere Dämpfer-Setup genutzt werden, womit der M140i auch für die Kurvenhatz auf älteren Landstraßen geeignet ist. Hierbei im Fahrmodus Comfort zu bleiben empfiehlt sich hingegen nicht, denn ohne Sport-Modus verbirgt der Reihensechszylinder seine Agilität nach Kräften und stellt seine volle Leistung mit derart harmonisch geglätteten Kennlinien zur Verfügung, dass sportliche Naturen den finalen Kick vermissen.

Dass der zum Motorstart standardmäßig ausgewählte Comfort-Modus eine gute Wahl für den weniger scharf gefahrenen Alltag darstellt, steht freilich nicht zur Debatte – im Stadtverkehr sind ein betont aggressiv ansprechendes Gaspedal, das höher liegende Drehzahlniveau der niedrigeren Gänge und die größeren Lenkkräfte schließlich selten von Vorteil. Die große Spreizung zwischen Komfort- und Sport-Setup trägt allerdings wesentlich zur Faszination des Gesamtpakets bei, denn der BMW M140i meistert den Alltag im Comfort-Modus wie ein ganz normaler 1er. Und wenn man ehrlich ist, sind diese Alltagsqualitäten alles andere als unwichtig. Denn bei aller Liebe zum Sport: Den weitaus größten Teil des Jahres befährt man leider weder eine Rennstrecke noch eine mit heißen Kurven verführende Landstraße.

Wenn es die Situation allerdings erlaubt, verwandelt sich der brave Musterschüler auf Knopfdruck in einen ernstzunehmenden Sportler, der weder gegenüber hohen Kurvengeschwindigkeiten noch gegenüber dem einen oder anderen Ausfallschritt des Hecks abgeneigt ist. Dass es alles andere als einfach ist, Sport und Alltag auf derart überzeugende Art und Weise unter einen Hut zu bringen, zeigt so mancher Wettbewerber. Man darf es dabei als Zeichen selbstbewussten Understatements sehen, dass dem BMW M140i übertriebene Lautstärke oder ein Basis-Setup mit trockener Weitergabe von Fahrbahnunebenheiten aller Art völlig fremd sind.

Unterm Strich präsentiert sich der M140i als Musterbeispiel für die Philosophie von BMW M Performance: Mehr Sportlichkeit und Leistung auf der einen, aber uneingeschränkte Alltagstauglichkeit auf der anderen Seite! Als Wermutstropfen bleibt die Gewissheit, dass sich die Zeiten heckgetriebener 1er ihrem Ende nähern. Und mit dem gelungenen BMW M140i haben es die Münchner der nächsten 1er-Generation in jedem Fall nicht leichter gemacht, sich in die Herzen der Fahrspaß-Liebhaber zu fahren.

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