BMW 225xe: Plug-in-Hybrid trifft xDrive in der Kompaktklasse

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Für einen ersten Fahrbericht durften wir den neuen BMW 225xe Active Tourer in und um München bewegen. Ist der Plug-in-Hybrid jetzt reif für die Masse?

Mit dem BMW 225xe Active Tourer bringen die Münchner ihren ersten Plug-in-Hybrid für die Kompaktklasse und setzen dabei voll auf optische Zurückhaltung. Wer nicht ganz genau hinsieht, erkennt die innovativste Variante des Kompakt-Vans im Alltag eher an ihrer Geräuschlosigkeit als an den wenigen Details, die den BMW 225xe optisch von seinen konventionell angetriebenen Brüdern unterscheiden.

Unter der vertrauten Außenhaut unterscheidet sich der Plug-in-Hybrid allerdings deutlich vom gewöhnlichen BMW 2er Active Tourer, nicht ohne Stolz betonen seine Entwickler sogar gewisse Ähnlichkeiten zum BMW i8. Zwar könnte sich der Van äußerlich kaum stärker vom Sportwagen mit seinen spektakulären Flügeltüren abgrenzen, aber auf technischer Seite gibt es durchaus einige Gemeinsamkeiten. Bei beiden Fahrzeugen kommt ein Dreizylinder-Benziner an der einen und ein Elektromotor an der anderen Achse zum Einsatz, zusammen sorgen die beiden Kraftquellen für einen elektronisch gesteuerten Allradantrieb mit entsprechenden Traktionsvorteilen.

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BMW 225xe Active Tourer: Plug-in-Hybrid trifft Van

Abgesehen von diesem grundsätzlichen Layout, bei dem Verbrennungs- und Elektromotor außerdem die Plätze getauscht haben, überwiegen erwartungsgemäß die Unterschiede, schließlich spricht der BMW 225xe Active Tourer eine völlig andere Zielgruppe als der i8 an. Die sportlichen Fahrleistungen, die der 225xe für seine Klasse durchaus bietet, stehen daher klar im Schatten der beinahe unveränderten Alltagstauglichkeit.

Die zusätzliche Technik des Plug-in-Hybrid-Antriebs steckt zum größten Teil unter der Rückbank und schadet so weder dem Platzangebot im Kofferraum noch der Bewegungsfreiheit im Fond nennenswert, lediglich die Variabilität leidet ein wenig: Die normalerweise verschiebbare Rückbank ist beim BMW 225xe starr montiert, außerdem ist sie ein paar Millimeter höher als bei den konventionell angetriebenen Varianten.

Deutlich größer als diese marginalen Differenzen fallen die Unterschiede beim Fahrerlebnis aus, was schon unmittelbar mit dem Druck auf den Startknopf beginnt. Wo normalerweise ein Drei- oder Vierzylinder seine Arbeitsbereitschaft mitteilt, bleibt es im BMW 225xe vollkommen ruhig. Daran ändert sich auch nach dem Verlassen des Parkhauses nichts, denn der 88 PS starke Elektromotor genügt im Stadtverkehr völlig und erledigt die meisten Aufgaben souverän. Theoretisch bleibt der Verbrenner bis 120 km/h deaktiviert, in der Praxis dürfte er beim Beschleunigen am Ortsausgang regelmäßig in Aktion treten.

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Im typischen Stadtverkehr zur Rush-Hour lassen sich jedoch auch längere Distanzen ohne Anstrengung rein elektrisch zurücklegen, auf unserer Testfahrt quer durch München blieb der Dreizylinder länger als eine halbe Stunde praktisch arbeitslos. So stand bei uns letztlich ein hochgerechneter Normverbrauch von 0,1 Liter auf 100 Kilometer im Display. Wie bei jeder Verbrauchsangabe gilt auch hier: Man kann mit dem BMW 225xe auch im Stadtverkehr deutlich mehr verbrauchen, zum Mitschwimmen ist das aber keineswegs erforderlich.

Bei BMW ist man überzeugt, dass viele Kunden ihren 225xe Active Tourer im typischen Pendel-Verkehr unter der Woche ohne nennenswerten Kraftstoffverbrauch fahren werden. Wer den Plug-in-Hybrid zu Hause und am Arbeitsplatz mit Strom versorgt und die meisten Fahrten mit vollem Lithium-Ionen-Akku beginnen kann, kann den Normverbrauch von rund zwei Liter auf 100 Kilometer sogar unterbieten.

Wer den BMW 225xe nun für einen zurückhaltenden Kompakt-Van hält, der sich lediglich zum effizienten Mitschwimmen im Stadtverkehr eignet, unterschätzt ihn allerdings deutlich. Wer in den Sport-Modus wechselt oder einfach nur das Gaspedal durchdrückt, erweckt den akustisch durchaus präsenten Dreizylinder zum Leben und steigert die Systemleistung auf 224 PS – was nicht nur in der Kompaktklasse Eindruck hinterlässt.

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Gemeinsam sorgen die beiden Motoren nicht nur für souveränen Vortrieb, sie machen den BMW 2er Active Tourer auch zum Allradler. Traktionsprobleme sind dem 225xe völlig fremd, die Kraftverteilung unterstützt auch dynamische Fahrmanöver aktiv und macht den ersten Plug-in-Hybrid seiner Klasse auch aus fahraktiver Sicht zu einer Überraschung.

Da sich der BMW 225xe Active Tourer mit einem Grundpreis von 38.700 Euro auf Augenhöhe mit dem ähnlich starken Benziner 225i bewegt und sogar unterhalb des Preises für einen 225i xDrive bleibt, dürfte er für viele Kunden zu einer echten Alternative werden. Mit dem Preis unterstreichen die Münchner, dass die Plug-in-Hybride nun auch für relevante Stückzahlen sorgen sollen.

Was bisher eher ein Fall für Technik-Fans auf der Suche nach dem neuesten Gadget zu sein schien, soll nun den Weg in die breite Masse finden. Mit alltagstauglichen und fair eingepreisten Modellen wie der 330e Limousine und dem 225xe Active Tourer gehen die Münchner weitere Schritte auf dem Weg zur flächendeckenden Einführung der eDrive-Technik – und kündigen schon jetzt an, dass diese Modelle erst der Anfang sein werden.

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