Bei kaum einer Marke steckt Frontantrieb derart in den Genen wie bei MINI, schon die Ur-Idee von Alec Issigonis drehte sich ganz wesentlich um den vorne quer verbauten Motor und den Antrieb der Vorderräder. Dem Ingenieur und Entwickler war klar, dass sich nur so kompakteste Abmessungen mit einem relativ großzügigen Platzangebot im Innenraum kombinieren lassen – und er schuf nicht weniger als eine Ikone, die seither millionenfach von Großbritannien in alle Welt exportiert wurde. Auch wenn sich seit der Übernahme der Marke durch BMW vieles verändert hat, am Fokus auf Frontantrieb oder zumindest frontlastige Architekturen hat sich selbst bei völlig neuen Baureihen wie Countryman oder Aceman nichts geändert.
Mit der nächsten Generation des MINI Cooper könnten die Briten genau diese Wurzeln hinter sich lassen, denn im Elektro-Zeitalter müssen Ingenieure keine Rücksicht auf große Verbrennungsmotoren mehr nehmen: Ein kompakter Elektromotor passt genauso gut an die Hinterachse und hat auch keine vergleichbaren thermischen Probleme wie ein dort montierter Verbrenner. Hinzu kommt, dass Elektromotoren die Traktions-Grenzen eines Fronttrieblers mit ihrem überfallartig zuschlagenden Drehmoment noch öfter spürbar machen – und dass so mancher andere Elektro-Kleinwagen folglich längst auf Heckantrieb umgestellt hat.

Gegenüber der britischen AutoCar hat Chef-Designer Holger Hampf nun angedeutet, dass in München nicht nur über das Design der nächsten Generation nachgedacht wird, sondern auch um das technische Grundkonzept. Mit der Neuen Klasse und der BMW eDrive Gen6 kommt hinzu, dass bisher keine Grundlagen für Modelle mit Frontantrieb gelegt wurden – auch der erste BMW i1 (NB0) im 1er-Format wechselt offenbar zurück zum BMW-typischen Hinterradantrieb.
So lange weiterhin auch ein MINI Cooper mit Verbrenner angeboten wird, könnte der Wechsel des Elektro-MINI zum Heckantrieb für größere Unterschiede beim Design sorgen. Für Holger Hampf und sein Team ist das durchaus eine Herausforderung, aber um die Erkennbarkeit als MINI macht sich der Designer keine Sorgen. Als Inspiration könnte dabei der R50 dienen, mit dem BMW den Classic Mini vor über 25 Jahren in eine neue Zeit übertragen konnte. Mit dem Wechsel auf Heckantrieb scheint die BMW Group nun die nächste große Transformation der britischen Ikone in Angriff zu nehmen.
Übrigens: Dass sich mit jeder Menge Handarbeit und technischem Know-How auch ein aktueller MINI auf Hinterradantrieb umrüsten lässt und dabei sogar genügend Platz für einen BMW-V8 bietet, zeigt das VINI-Projekt von David Power.
