Fahrbericht BMW 6er GT G32: Zweiter Anlauf für eine gute Idee

BMW 6er, Fahrberichte | 12.10.2017 von 12

Fahrbericht BMW 6er GT: Im G32 erhält die Idee des Gran Turismo mit Fließheck ab November 2017 eine zweite Chance. Wir fuhren den 640i mit Executive Drive.

In gewisser Weise ist der BMW 6er GT G32 ein Neustart unter ähnlichen Vorzeichen, ein zweiter Anlauf für ein nur teilweise erfolgreiches Experiment. Den wichtigsten Kritikpunkt am Vorgänger haben sich die Entwickler dabei natürlich besonders zu Herzen genommen: Eine Liebe auf den ersten Blick war der Vorgänger selten. Mit dem 5er GT wagte BMW vor einigen Jahren die Umsetzung eines Konzepts, das sich vielen Menschen erst auf den zweiten Blick erschlossen hat – aber so weit kam es nicht immer, weil der erste Blick so manchem genügte und der etwas klobige Auftritt nicht die erhoffte Eleganz versprühen konnte.

Doch wer dem geräumigsten aller 5er eine Chance gab und ihn sich näher ansah, ließ sich oft überzeugen: BMW sagt, dass die Kunden des 5er GT zu den zufriedensten der Marke gehören. Vielleicht, weil sie genau das Auto bekommen haben, das sie lange gesucht und dennoch nirgendwo gefunden haben. Vor allem in Asien griffen die Kunden nach etwas Eingewöhnung gerne zu, weltweit betrachtet stand der Gran Turismo aber immer im Schatten der Limousine. Dass auch der BMW 6er GT kein Volumenmodell sein wird, weiß man in München sehr genau. Zwar möchte man den Absatz im Vergleich zum Vorgänger deutlich steigern, man redet aber auch ohne Umschweife von einem Nischenmodell: Der Gran Turismo richtet sich an eine spezielle Zielgruppe und ist kein Auto für die Wünsche und Bedürfnisse der großen Masse.

Fahrbericht: BMW 6er GT G32 mit Executive Drive Fahrwerk

Ihre zweite Chance erhält die gute Idee ab November 2017 in Form des BMW 6er GT G32. Wir durften für einen ersten Fahrbericht ans Steuer eines neuen 640i, der unter anderem mit M Sportpaket und dem Fahrwerkspaket Executive Drive ausgestattet war. Wichtiger ist jedoch, dass man schon von weitem vor einem zweifellos eleganten Fahrzeug steht. Die Dachlinie des verlängerten Fahrzeugs wirkt auch dank des deutlich abgesenkten Hecks viel fließender als beim Vorgänger, die Design-Elemente der aktuellen BMW-Oberklasse tragen ebenfalls ihren Teil bei.

Das Auge honoriert außerdem, dass die vorderen und hinteren Türen nun eine ähnliche Länge aufweisen und auf die starke optische Betonung der Fond-Türen verzichtet wird. Wer die rahmenlosen Türen zur zweiten Reihe öffnet, erhält dennoch das vom Vorgänger bekannte Gefühl eines mehr als ausreichenden Platzangebots. Auch hier sind die Entwickler mit Recht stolz auf ihr Produkt: Trotz eleganterer Formen konnten die Platzverhältnisse im Fond nochmals um einige Millimeter verbessert werden. Ein nützliches Detail am Rande ist die überarbeitete Konsole der Vordersitze, denn diese erlaubt den Fond-Passagieren das bequemere Ausstrecken der Füße unter die Sitze des Vordermanns.

Noch wichtiger für uns ist aber dennoch, wie man in der ersten Reihe sitzt und vor allem fährt. Direkt nach dem Einsteigen erinnert vieles an den aktuellen 5er G30, der unverkennbar die technische Basis des BMW 6er GT darstellt. Knöpfe und Bedienelemente wurden praktisch unverändert übernommen und sorgen für hochwertiges Flair, sie zeigen aber auch: Der neue 6er ist kein 7er, seine Materialien und auch die Verarbeitung orientieren sich am Niveau der 5er-Reihe.

Den von seinem Namen beschriebenen Mittelweg zwischen 5er und 7er geht der 6er GT allerdings beim Fahrwerk, denn hier verschwimmen die Grenzen zwischen den beiden Eckpunkten der gehobenen BMW-Modelle. Die Hinterachse des Gran Turismo ist genau wie im 5er Touring G31 stets luftgefedert und baut dennoch sehr kompakt. Die Vorderachse stammt auf Wunsch direkt aus dem 7er: Mit der adaptiven 2-Achs-Luftfederung erhält der BMW 6er GT exakt die Fahrwerkstechnik der Luxuslimousine, die zu den komfortabelsten Autos unserer Zeit gehört.

Das Ergebnis spürt man schon beim Überfahren der ersten Bodenwelle: Befindet sich der 6er im Fahrmodus Comfort Plus, werden Unebenheiten und selbst kurze Stöße wie Bahnschwellen überzeugend herausgefiltert. Das macht den BMW 6er GT zu einer vorbildlichen Reiselimousine mit erstklassigem Langstrecken-Komfort. Das Executive Drive genannte Fahrwerkspaket beinhaltet neben der Rundum-Luftfederung auch eine aktive Rollstabilisierung, die zusammen mit der Integral-Aktivlenkung genannten Hinterachslenkung für ein durchaus dynamisches Fahrverhalten in den sportlicheren Fahrmodi sorgt.

Auch wenn der Fokus des BMW 6er GT nicht auf Agilität und hohen Kurvengeschwindigkeiten liegt, wirkt er gemessen an seiner Größe und der Hauptaufgabe des Fahrzeugs alles andere als undynamisch. Dass BMW auf das Angebot eines Sport+ Modus verzichtet, passt dennoch ins Bild: Die meisten Kunden werden den Gran Turismo im Comfort-Modus fahren – oder das Setup dem Adaptive Mode überlassen, der sich je nach Fahrsituation an die Wünsche des Fahrers anpasst und das Fahrwerk beispielsweise vor einer Fahrt über kurvige Landstraßen selbständig in einen sportlicheren Modus bringt. Dass der G32 im Vergleich zum Vorgänger bis zu 150 Kilogramm abgespeckt hat, ist dabei ganz sicher kein Nachteil.

Den als harmonische Ergänzung glänzenden Partner des komfortablen Fahrwerks stellt der bewährte Reihensechszylinder B58 dar. Im BMW 640i GT spielen sich seine 340 PS niemals in den Vordergrund, das Triebwerk ist stattdessen ein Ruhepol mit souveränen Kraftreserven. Zwar könnte man den Gran Turismo in 5,4 Sekunden von 0 auf 100 scheuchen, aber zum Charakter des Fahrzeugs würde das kaum passen. Viel öfter ertappt man sich dabei, wie man den 6er GT im Comfort Modus fährt und das angenehm niedrige Geräuschniveau genießt. Soll jedoch am Ortsausgang beschleunigt oder kurz ein anderes Auto überholt werden, stehen die 340 PS sofort Gewehr bei Fuß und treiben die digitale Tachonadel im großen Display hinter dem Lenkrad in Windeseile vor sich her.

Was derzeit im Bereich autonomes Fahren möglich ist, zeigt der BMW 6er GT mit Driving Assistant Plus. Die Umfänge und Fähigkeiten der Assistenzsysteme wurden unverändert aus 7er und 5er übernommen, auch der 6er überwacht und analysiert sein Umfeld mit Hilfe von Kameras und Radarsensoren. Von der aktiven Geschwindigkeitsregelung über den Lenk- und Spurführungsassistent bis hin zum Spurwechselassistent ist alles an Bord, was der BMW Personal Co-Pilot derzeit zu bieten hat. Dass viele Infos nicht nur im digitalen Instrumentendisplay, sondern auch im großen Head-Up-Display angezeigt werden, versteht sich von selbst.

Die Vorteile der Hinterachse des 5er Touring G31 werden schließlich deutlich, wenn man die Heckklappe öffnet: Mit einem Volumen von 610 Litern verfügt der BMW 6er GT G32 über den zweitgrößten Kofferraum aller aktuellen BMW-Modelle, nur der X5 ist noch etwas geräumiger. Und wenn man die Rückbank umklappt, stehen volle 1.800 Liter Laderaum zur freien Verfügung. Damit ist der 6er Gran Turismo nicht nur eines der komfortabelsten und luxuriösesten, sondern auch eines der variabelsten aktuellen BMW-Modelle.

12 responses to “Fahrbericht BMW 6er GT G32: Zweiter Anlauf für eine gute Idee”

  1. alex89 says:

    Im Werbevideo wurde insbesondere darauf hingewiesen, dass auf die Geräuschdämmung besonderer Wert gelegt worden sei. Kann dies (auch bei höheren Geschwindigkeiten) bestätigt werden? Vielen Dank!

    • Benny says:

      Kommt drauf an, wie man höhere Geschwindigkeiten definiert. In Portugal ist mehr als 130 nicht erlaubt, in diesem Bereich ist das Auto ähnlich leise wie ein 7er. Wie es bei 200 aussieht, kann man nur in Deutschland ermitteln.

  2. Torsten Windbeutel says:

    http://www.autobild.de/artikel/vw-bulli-t2-kurioses-video-3501071.html

    Interessant wären Informationen über die Stabilität der Dachkonstruktion des 6er GT im Hinblick auf global zunehmende Stürme.

    Denken wir beispielhaft an den schweren Sturm «Xavier», der kürzlich über Nord- und Ostdeutschland hinweggezogen ist und nicht nur bei der Bahn zu einem unwetterbedingten Fahrplan-Chaos mit zahlreichen Sach-
    und Personenschäden führte.

    Neben einem besonders verwindungssteifen, sturmerprobten Dach, wäre ein Notausstieg durch die vordere Windschutzscheibe beim neuen 6er GT hilfreich, wie das nachfolgende Video beim Bulli T2 belegt.

    • Mini-Fan says:

      Herr Windbeutel,
      wenn der Wind die Bäume zu arg beutelt, und diese dann dem Autodach schaden, dann ist auch durch ein stabilere Konstruktion ein Dachschaden bei den Insassen selten vermeidbar.

      • Torsten Windbeutel says:

        Herr Mini-Dings, nochmals zur Erinnerung:
        der Nick “Torsten Windbeutel” ist ein Synonym für einen arg zerzausten FC Bayern-Fan aus Leer/Ostfriesland, der vor geraumer Zeit bei weltonline/N24 (damals noch über Disqus moderiert) so manchen Spott ertragen musste :-))

        Ihm habe ich ich auch das altmodische Segelohren-Hemd gewidmet, denn meine Standard Kleidung ist bekanntlich ein hellgrauer PARTEI-Anzug mit roter Krawatte.

        Zurück zum Artikel: Ich hoffe Sie haben das Video einmal abgespielt ?
        Darin war unzweifelhaft zu erkennen, ein schon sehr alter VW “Bulli” T2 (um Bj. 1970) konnte trotz erheblichem Dachschaden erfreulicher Weise seine Fahrt fortsetzen.

        Genau diese Anforderung stelle ich an eine Neukonstruktion:
        Zunehmende Wetterkapriolen, Sturmschäden, herabfallender Baumstämme sollten die Weiterfahrt eines modernen BMW 6er GT jeder Zeit gewährleisten – und höchst wünschenswert wäre ein Notausgang durch die vordere Windschutzscheibe, erspart übrigens auch den teuren Besuch in einem Fitnessstudio.

        In diesem Sinne, kommen Sie gut nach Hause, Herr Mini-Dings.

        • manuelf says:

          Wenn man sich die Karosseriesteifigkeit aktueller PKW (besonders der Premiumhersteller mit großflächigem Einsatz hochfester Stähle) ansieht, hätte ich keine Sorge beim Herabstürzen mittelschwerer Äste. Fragen Sie mal Einsatzkräfte der Feuerwehr zur Solidität moderner Premium-PKWs… die rollen mit den Augen, weil sie die mit Ihrem normalen Werkzeug im Bergungsfall kaum geöffnet kriegen.
          Fazit: Nen Dachschaden, den ein T2 übersteht, übersteht ein G32 zehnmal…

        • manuelf says:

          Ausserdem hieß der Windemuth oder so 😉

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