Fahrbericht BMW 3er E21: Geschichte erleben im BMW 316

BMW 3er, Fahrberichte | 9.07.2015 von 3
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40 Jahre Altersunterschied sind nicht nur bei Menschen gravierend, auch im Automobilbau sind vier Jahrzehnte Differenz unübersehbar. Wir hatten nun die Chance, uns für einen kurzen Fahrbericht ans Steuer …

40 Jahre Altersunterschied sind nicht nur bei Menschen gravierend, auch im Automobilbau sind vier Jahrzehnte Differenz unübersehbar. Wir hatten nun die Chance, uns für einen kurzen Fahrbericht ans Steuer eines BMW 3er E21 zu setzen und durften dabei erfahren, wie sehr sich das Automobil in diesem Zeitraum weiterentwickelt hat.

Vor 40 Jahren kam der erste BMW 3er als Nachfolger der 02er-Reihe auf den Markt und begründete die Dominanz der Münchner im Segment der Premium-Mittelklasse. Zwischen 1975 und 2015 gab es kein einziges Jahr, in dem der Absatz des BMW 3er bei den weltweiten Verkaufszahlen nicht vor sämtlichen direkten Konkurrenten lag – und natürlich hat dieser Erfolg eine Reihe von Gründen, die sich zu einem großen Teil schon in der ersten Generation mit dem internen Kürzel E21 erleben lassen.

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Im Mittelpunkt steht heute wie damals die Freude am Fahren, also das Streben nach Dynamik und einem möglichst intensiven Erlebnis für den Fahrer. Die damalige Mittelklasse begnügte sich mit einer Länge von 4,35 Meter und brachte dabei ein Gewicht von kaum mehr als einer Tonne auf die Waage, angetrieben wurden damals wie heute die Hinterräder.

Zwar ist der 316 mit seinem frei saugenden Vierzylinder Vergaser-Motor aus heutiger Sicht nicht unbedingt übermotorisiert und war auch zu seiner Zeit nicht die erste Wahl für sportliche Naturen. Seine 90 PS haben mit dem geringen Gewicht des E21 keinerlei Probleme, die ab 1977 angebotenen Reihensechszylinder trugen aber sicherlich stärker zum sportlichen Image der 3er-Reihe bei.

Steigt man heute in den BMW 3er E21, fühlt man sich sofort in eine andere Zeit versetzt. Die Sitze erinnern eher an Sessel als an heutiges Hightech-Gestühl, auch das Lenkrad mit seinem dünnen Kunststoff-Kranz ist definitiv gewöhnungsbedürftig. Im Gegensatz dazu wirken die vier Rundinstrumente dahinter durchaus vertraut – auch wenn sich der vermeintliche Drehzahlmesser rechts von der Geschwindigkeitsanzeige auf den zweiten Blick als analoge Uhr entpuppt.

Dass der E21 nur über einen Außenspiegel verfügt, fällt dank der übersichtlichen Karosserie nicht negativ ins Gewicht und auch eine Rückfahrkamera vermisst in diesem Auto niemand. Während sich der Außenspiegel von einem gut hörbaren Elektromotor einstellen lässt, verlangen die Fensterheber noch nach Muskelkraft – befinden sich damit aber in guter Gesellschaft: Gerade bei niedrigen Geschwindigkeiten verlangt auch die Lenkung einigen Kraftaufwand, schließlich gibt es im 316 keine Servolenkung.

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Generell “arbeitet” der Fahrer im 40 Jahre alten Klassiker deutlich mehr als heute, fühlt sich dadurch aber auch enger mit dem Fahrzeug verbunden. Während heutige Autos mit ihrer Ausgereiftheit und Perfektion manchmal vergessen lassen, was für komplexe Maschinen sie eigentlich sind, darf man der Mechanik im 3er E21 regelmäßig bei der Arbeit zuhören.

Der ganz klassisch per Schlüsseldreh gestartete Vierzylinder-Motor macht aus seiner Betriebsbereitschaft zu keiner Zeit ein Geheimnis und ist stets akustisch präsent. Mit steigenden Drehzahlen dringt sein Sound so vehement in den Innenraum, dass Unterhaltungen schwierig werden. Jenseits der 100 km/h-Marke sorgen Motor-, Abroll- und Windgeräusche für eine Geräuschkulisse, die heutige Beschwerden über Lautstärke im Innenraum reichlich vermessen erscheinen lassen.

Dazu trägt auch das kurz übersetzte Viergang-Getriebe bei, das den Motor ab einer gewissen Geschwindigkeit in hohe Drehzahlen zwingt. An heutige Achtgang-Automaten oder Sechsgang-Getriebe mit langem sechsten Gang und die entsprechenden Vorteile in Sachen Akustik und Verbrauch war damals nicht zu denken. Genau dadurch lässt sich die Geschwindigkeit aber auch viel bewusster erleben, was phasenweise für eine durchaus wohltuende Entschleunigung sorgen kann.

Was der erste 3er trotz aller Unterschiede schafft, ist das Einlösen des Markenversprechens: Wenn man eine bequeme Sitzposition gefunden und ein wenig Vertrauen gefasst hat, freut man sich auf jede Kurve und hat nach wenigen Minuten auf der Landstraße ein breites Grinsen im Gesicht. Ja, dieses Auto macht richtig Spaß – auch wenn ein heutiger 3er alles besser kann.

Der von uns gefahrene BMW 316 aus dem Jahr 1980 gehört zu den Bestsellern seiner Zeit: 341.354 Exemplare des 316 – ohne i, das heute bei allen Benzinern übliche Kürzel für Injection gab es nur für die technisch aufwändigeren Einspritzer – wurden gebaut, damit steht er für ein Viertel aller gebauten BMW 3er E21.

Der damalige Kaufpreis klingt aus heutiger Sicht beinahe unglaublich: 13.600 D-Mark riefen die Münchner für den 316 auf. Zum Vergleich sollte man wissen, dass es den VW Golf zur damaligen Zeit für rund 8.000 D-Mark gab, ein Schnäppchen war der 3er also auch damals nicht.

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