Fahrbericht BMW 225e Active Tourer: Der Plug-in-Hybrid-Van

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Fahrbericht BMW 225e: Mit Plug-in-Hybrid-Antrieb wird der 2er Active Tourer zum sparsamen Allrad-Van, Dreizylinder und Elektro-Motor arbeiten Hand in Hand

Noch ist die Liste der BMW Plug-in-Hybride ziemlich überschaubar, denn derzeit ist bei uns nur der BMW i8 mit der cleveren Kombination aus Verbrennungsmotor und Elektromotor samt an der Steckdose aufladbarem Akku erhältlich. Hinzu kommt der BMW 530Le, der allerdings nur in China verkauft wird. Die nächsten Monate versprechen jedoch reichlich Spannung, denn innerhalb des nächsten Jahres wird die PHEV-Palette mit BMW X5 xDrive40e, BMW 330e, BMW 225e Active Tourer und BMW 740e deutlich ausgebaut.

Auf der BMW Teststrecke in Miramas hatten wir nun die Gelegenheit, neben einem Prototypen mit Wasserstoff-Brennstoffzelle und der nächsten Generation der Wassereinspritzung auch den BMW 225e Active Tourer erstmals zu fahren. Was uns dabei aufgefallen ist, klärt der folgende Fahrbericht.

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Fahrbericht BMW 225e Active Tourer: Plug-in-Hybrid-Van

Ein Blick auf das Layout des Antriebsstrang lässt uns unwillkürlich an einen umgekehrten i8 denken, denn beide Plug-in-Hybride nutzen einen quer montierten Dreizylinder an der einen und einen Elektromotor an der anderen Achse. Doch während der Verbrenner im Heck des i8 platziert ist, sitzt der Turbo-Dreizylinder des BMW 2er Active Tourer Hybrid ganz klassisch im Vorderwagen.

Dass er dort sitzt, lässt sich allerdings nicht sofort erleben: Auch nach dem Motorstart herrscht im Innenraum des Vans völlige Ruhe, denn im normalen Fahrbetrieb bleibt der Dreizylinder als stille Reserve in der Hinterhand. Alltägliches Fahren ohne Vollgas-Beschleunigung erledigt der 65 kW (88 PS) leistende Elektromotor an der Hinterachse souverän und leise im Alleingang, seine 165 Newtonmeter sind zum Mitschwimmen im Stadtverkehr völlig ausreichend – und machen den BMW 225e ganz nebenbei zum einzigen Active Tourer, der phasenweise mit BMW-typischem Heckantrieb gefahren werden kann.

Gerade im ständigen Stop-and-Go arbeitet der Elektro-Motor deutlich effizienter als ein Verbrennungsmotor, bis zu 38 Kilometer können rein elektrisch zurückgelegt werden. Wer stärker beschleunigen will, kann den Benziner jederzeit mit einem stärkeren Druck aufs Gaspedal zum Leben erwecken und darf sich dann über 136 zusätzliche PS freuen – die Systemleistung von 165 kW oder 224 PS bringt den Plug-in-Hybrid auf Augenhöhe mit dem 225i, aus dem Stand beschleunigt der 225e bei Bedarf in 6,5 Sekunden auf Landstraßentempo und zeigt dabei selbst einem VW Golf GTI die Rücklichter.

Der von uns gefahrene Erlkönig präsentiert sich bereits erstaunlich ausgereift und weist lediglich mit der stellenweise aufgeklebten Tarnung darauf hin, dass er noch kein Serienfahrzeug ist. Das Zu- und Abschalten des Verbrennungsmotors erfolgt genauso harmonisch wie im BMW i8, störende Geräusche oder unangenehmes Ruckeln im Antriebsstrang sind dem 225e nicht bekannt.

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Wenn es schnell gehen soll und die Annäherung an den Normverbrauch von ca 2,0 Liter auf 100 Kilometer in den Hintergrund rückt, punktet der BMW 225e Active Tourer im Sport-Modus mit unerwarteter Dynamik. Beide Motoren sorgen gemeinsam für satten Vortrieb, Traktionsprobleme sind dank der auf vier Räder verteilten Antriebskraft nicht vorhanden und die Lenkung gibt sich so direkt wie in den konventionell angetriebenen Varianten des BMW 2er Active Tourer.

Weil es aber nicht immer um Dynamik geht, stehen BMW 225e-Fahrern insgesamt nicht weniger als fünf Fahrmodi zur Verfügung: Gestartet wird im Comfort-Modus Auto eDrive, der den Verbrennungsmotor nur bei Bedarf zuschaltet. Im Sport-Modus sind beide Motoren ständig aktiv und auf maximale Performance ausgelegt, gewissermaßen als Gegenstück dient der deutlich zahmer ausgelegte und nach maximaler Effizienz strebende Eco Pro-Modus.

Zwei weitere Modi lassen sich nicht mit dem Fahrerlebnisschalter, sondern mit dem links davon positionierten eDrive-Schalter aktivieren: Wählt der Fahrer Max eDrive, fährt der 225e Active Tourer praktisch rein elektrisch – nur bei einem Kickdown oder wirklich leergefahrenem Akku schaltet sich der Verbrenner hinzu. Soll der Lithium-Ionen-Akku mit einer netto-Kapazität von 5,8 kWh später für rein elektrisches und somit lokal emissionsfreies Fahren genutzt werden, empfiehlt sich der Modus Save Battery zum Halten oder Erhöhen des Ladestands durch verstärkten Einsatz des Ottomotors.

Unterm Strich fährt sich der Plug-in-Hybrid-Prototyp schon heute wie ein Serienauto, auch wenn der Marktstart erst für Anfang 2016 geplant ist. Offiziell enthüllt wird der BMW 225e Active Tourer auf der IAA 2015, dann dürften sich die Münchner auch verbindlich zum Preis äußern.

Von diesem dürfte maßgeblich abhängen, ob der BMW 225e ein Erfolg werden kann – für ein Nischen-Dasein ist das speziell auf Kunden mit einem überwiegend urbanen Fahrprofil ausgelegte Konzept eigentlich viel zu schade. Da dem Wochenend-Ausflug ans Meer oder in die Berge angesichts einer Gesamt-Reichweite von rund 550 Kilometern nichts im Wege steht, verlangt der 225e – anders als rein batterieelektrisch angetriebene Autos – auch in diesem Fall keine Einschränkungen.

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