Ein BMW 3er mit Reihensechszylinder ist seit Jahrzehnten der Inbegriff für Freude am Fahren, schon seit der ersten Generation E21 gab es immer mindestens zwei Modelle mit dem wohl typischsten Motorenkonzept aus Münchner Produktion. Bei der achten 3er-Generation, die das interne Kürzel G50 trägt, bleiben sechs Zylinder erstmals exklusiv dem Topmodell BMW M350 xDrive vorbehalten. Genau diese Variante durften wir für einen ersten Fahrbericht im Süden Frankreichs erkunden – und das direkt im Anschluss an unsere Fahrt mit dem BMW i3 (NA0), der als reines Elektroauto ganz auf einen Verbrennungsmotor verzichtet.
Gerade nach dem Wechsel aus dem i3 hat der BMW M350 auf emotionaler Ebene leichtes Spiel: Schon der Motorstart löst ein unwillkürliches Grinsen aus, wenn die sechs Brennräume beim Kaltstart lautstark zum Leben erwachen. Zwar kann der B58 prinzipiell auch leise im Hintergrund arbeiten, aber wer sich bewusst für den Top-Benziner entscheidet, der will ihn vermutlich auch meistens hören – der Sport-Modus ist so gesehen der natürliche Lebensraum des M350, denn so darf der Sechszylinder-Sound gleich noch ein gutes Stück präsenter aufspielen.

Neben dem Sound begeistern auch die Drehfreude und die Kraftentfaltung des B58, der perfekt mit Lenkung und Fahrwerk harmoniert. Die 443 PS sind dabei nur ein Teil der Geschichte, viel entscheidender ist, wie bereitwillig der B58 auf Gasbefehle reagiert und wie selbstverständlich er seine Leistung über die gesamte Breite des Drehzahlbands abgibt. Zusammen mit der Achtgang-Automatik entsteht ein Antrieb, der sowohl entspanntes Gleiten als auch beherztes Herausbeschleunigen ermöglicht.
Was beim BMW i3 50 aller fahrdynamischen Qualitäten zum Trotz etwas zu kurz kommt, liefert der M350 im Überfluss: Freude am Fahren! Schon nach den ersten Kurven wird klar, dass die Entwickler hier den beim i3 vermissten Mut zur Unvernunft hatten und den Sechszylinder-3er groß aufspielen lassen. Der M350 lädt permanent dazu ein, die Ärmel hochzukrempeln und selbst aktiv zu werden: Die Nutzung der Schaltpaddles am Lenkrad ist zwar objektiv fast nie erforderlich, aber schon aufgrund des damit einhergehenden Sounds verleiten sie doch immer wieder dazu, vor der nächsten Kurve noch einmal manuell herunterzuschalten und anschließend mit einem breiten Grinsen wieder herauszubeschleunigen.
Schnell wird klar, dass sich der neue BMW M350 nicht nur im Dunkeln angriffslustig gibt, aber er zeigt es dann zweifellos besonders deutlich: Die markanten Tagfahrlicht-Elemente leuchten in Deutschland und Europa nur dann in intensivem Gelb, wenn der Lichtsensor die Umgebung für dunkel hält. Hintergrund sind gesetzliche Regelungen, die die dauerhafte Nutzung von gelbem Licht bei Tag untersagen. So muss man sich auf Fotos entscheiden, ob man die volle Kraft von Fire Red in der Sonne oder doch die M Yellow Lights in den Fokus rücken will – oder den Lichtsensor kurz abdecken, damit der M350 auch bei Tag sein gelbes Licht zeigen darf.
Egal ob Tag oder Nacht, die Vorderachse lässt sich immer präzise platzieren und setzt jeden Richtungswechsel auch deshalb mit so viel Freude um, weil die Hinterachse bei entsprechendem Gaspedaleinsatz merklich mitarbeiten darf. Gegenüber dem rund 350 Kilogramm schwereren i3 wirkt der M350 auch deshalb deutlich agiler, weil er oberhalb der neutralen Abstimmung noch Raum für sanftes Übersteuern lässt. So vermittelt er genau jene spielerische Leichtigkeit, die den 3er über Jahrzehnte zur Erfolgsgeschichte gemacht hat.
Auch das Adaptive M-Fahrwerk trägt seinen Teil zum gelungenen Gesamtpaket bei: Es bietet eine ausgewogene Mischung aus straffer Anbindung für sportliche Direktheit und genügend Komfort für den Alltag. Wer möchte, kann den M350 ganz entspannt über Landstraßen und Autobahnen bewegen, ohne bei jeder Bodenwelle an die sportlichen Ambitionen erinnert zu werden – aber er kann eben auch ganz anders: In den dynamischen Fahrprogrammen wird die Limousine deutlich verbindlicher, bleibt aber auch dabei ausreichend komfortabel.
Im direkten Vergleich wirken BMW i3 50 und M350 wie ungleiche Brüder, die beide auf hohem Niveau unterwegs sind und dabei doch eigene Wege gehen. Der technischen Perfektion, Effizienz und Nüchternheit des i3 setzt der M350 pure Emotionen entgegen, angefangen vom Sound bis hin zum mitarbeitenden Heck. Offenbar darf der Sechszylinder-3er genau jene Unvernunft ausleben, die sich aktive Fahrer auch beim i3 wünschen würden. Und der nächste Schritt zu noch mehr Fahrspaß ist bereits angekündigt: Ab Mitte 2027 wird der Drift-Modus allen M350-Fahrern mit reinem Hinterradantrieb noch mehr Möglichkeiten eröffnen.
So zeigt der BMW M350, dass die Kombination des 3er-Formats mit einem Reihensechszylinder auch im Jahr 2026 nichts von ihrem Reiz verloren hat. Mit 443 PS, einer absolut gelungenen Fahrwerksabstimmung mit einer Prise Unvernunft und dem heutigen Angebot in Sachen Infotainment und Assistenzsysteme ist der M350 einer der überzeugendsten 3er aller Zeiten: leistungsstark, fahraktiv und dabei absolut alltagstauglich präsentiert sich der M350 nicht nur als würdiger M340i-Nachfolger, sondern als famoses Finale für viele Jahrzehnte 3er-Historie mit Reihensechszylinder.






































































