BMW M235i USA Roadtrip Teil Zwei: Von Seattle zum Lost Lake

BMW 2er, News | 15.12.2015 von 2
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USA Roadtrip Reportage 2015: Wir fahren mit dem BMW M235i von Seattle zum ebenso einsamen wie spektakulären Lost Lake

Genau ein Jahr ist es nun her, da waren wir mit dem elektrischen BMW i3 auf einem Roadtrip durch sieben Länder Europas unterwegs. Höchste Zeit also für ein neues Projekt. Und während im letzten Sommer vor allem das Auto mit seiner stets knappen Reichweite für Spannung gesorgt hat, suchen wir das Abenteuer dieses Mal in den endlosen Weiten Amerikas. In neun Tagen wollen wir entlang der wunderschönen Westküste von Seattle bis nach San Francisco fahren. Unser Begleiter: das 326 PS starke BMW M235i Coupé, das seine letzten Stunden als Topmodell der 2er-Reihe auf menschenleeren Landstraßen und kurvigen Küstenrouten gebührend feiern soll, bevor ihm der neue M2 diesen Rang abläuft.

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In Seattle sagt man, bei Top Pot gäbe es die besten Donuts Amerikas – große Worte im Land der unbegrenzten Süßigkeiten, doch Top-Pots Donuts haben selbst Präsident Obama vor ein paar Jahren zu einem Besuch verleitet. Also sitzen nun auch wir ganz präsidial beim Frühstück in der Top Pot Filiale Alki Beach, wenngleich sich jetzt am frühen Morgen noch keiner von uns so recht an die ausladende Donut-Theke wagen möchte. Lieber nutzen wir bei einem mit Bacon und Rührei gefüllten Breakfast-Burrito (es lebe die herzhafte Frühstückskultur!) das freie W-Lan und werfen einen Blick auf unsere heutige Route. Haben wir gestern noch vom „Notfall-Smartphone“ im Handschuhfach gesprochen, etabliert sich das Gerät mit seiner Online-Navigation schon vor Beginn der eigentlichen Reise als wichtiger Helfer – auch mangels analoger Karte, die wir uns dringend noch besorgen sollten.

BMW M235i in den USA: Wenn Tanken plötzlich Spaß macht

Und so stecken wir die Köpfe zusammen und schauen, was uns heute erwartet. Anstatt gleich zu Beginn über den berühmten Highway 101 entlang der Küste zu fahren, wollen wir uns rund 400 Kilometer ins wilde Landesinnere vorwagen. Unser Etappenziel: der mysteriöse Lost Lake, dessen Abgeschiedenheit für uns als Stadt-satte Ballungsraumbewohner gerade nach einer äußerst willkommenen Abwechslung klingt. Tatsächlich ist die nächste nennenswerte Siedlung laut Internet rund 30 Kilometer entfernt und die einzige Möglichkeit zur Übernachtung bietet ein Campingplatz gleich am Ufer des Bergsees – samt imposantem Blick auf den Mount Hood, so heißt es jedenfalls im Internet. Trotz aller Abenteuerlust haben wir uns auf dem Campground allerdings schon vorab eine Art Hütte reserviert – schließlich soll unser BMW M235i doch am Ende nicht noch als Wohnmobil herhalten. Hanna kommentiert meine Planerei murmelnd und kaffeerührend, wobei deutlich das Wort „übervorsichtig“ zu hören ist. Wir werden ja sehen…

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Im Stop-and-Go der Innenstadt von Seattle hat unser Test-BMW am gestrigen Tage bereits einen guten Teil der ersten Tankladung durch seine beiden dunkel verchromten Endrohre befördert, daher steuern wir nach der üblichen Runde Gepäck-Tetris, die trotz 390 Liter Kofferraumvolumen nur mit einseitig umgeklappter Rückbank zum Erfolg führt, erst einmal die nächste Gas Station an. Um unsere Erfahrungen kurz zusammenzufassen: Tanken in den USA macht Spaß. Wirklich. Nur rund 34 Dollar werden für 12,8 Gallonen (48 Liter) Premium-Sprit fällig, was einem spritkostengebeutelten Europäer durchaus ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Gezahlt wird üblicherweise im Vorhinein per Kreditkarte an der Zapfsäule, allerdings braucht es dafür eine gültige US-Postleitzahl. Und so etablieren wir schnell ein neues Tank-Ritual: Auto abstellen, mit den Worten „Hey, wir kommen aus Deutschland…“ in den Shop gehen, Karte vom meist ebenso freundlichen wie  neugierigen Tankwart belasten lassen und, je nach Vertrauensvorschuss, vor oder nach dem Tanken wieder mitnehmen.

Es ist bereits kurz nach Zwölf, als wir uns schließlich mit vollem Tank, ausreichenden Wasservorräten und einer Packung „Beef Jerkey“ in den Verkehr einfädeln. Die Tüte mit Snacks aus Trockenfleisch sei auf einem Amerika-Roadtrip absolut obligatorisch, meint Hanna und kaut vergnügt auf einem etwas dominant duftenden Steakstreifen herum. Noch ein letztes Mal arbeiten wir uns durch den  Autobahn-Moloch von Seattle mit seinen Betonrampen und Stelzenkonstruktionen, stets ganz links auf der recht freien Carpool-Lane, die man nur mit mindestens zwei Insassen je Auto nutzen darf. Amerika weiß eben, wie man die andauernde Rushhour erträglich gestaltet.

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Im Tunnel Richtung Mercer Island öffne ich das auf dem US-Markt serienmäßige Schiebedach. Zurückschalten, Vollgas, Sechszylinder-Sound genießen – ein strenger Blick vom Beifahrersitz. Nicht, dass Hanna dem Konzept von „Freude am Fahren“ irgendwie ablehnend gegenüberstehen würde, doch die Faszination für Akustikexperimente in Autobahntunneln möchte sich meiner Begleiterin einfach nicht recht erschließen. Kurz später rollen wir also ganz zivil im sechsten Gang zurück ins gleißende Sonnenlicht, das sich gleich vor uns in den sanften Wellen des Lake Washington bricht. Über eine breite Pontonbrücke quert der Highway den See. Eine leichte Brise weht durchs Schiebedach herein. Da ist es wieder, dieses einzigartige Roadtrip-Gefühl, die Freiheit, die sie alle in Amerika suchen. Gelassen verrichtet der Tempomat seine Aufgabe und die Sonne wärmt das schwarze Leder der Sportsitze.

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Bereits kurz hinter der Stadtgrenze windet sich der Highway in langen Kurven durch die Berge. Zwar mögen einem die Tempolimits zwischen 65 und 70 Meilen pro Stunde auf dem Papier langsam vorkommen, doch da neben all den Autos und Pickups auch die gewaltigen Freightliner mit zwei oder sogar drei Anhängern unterwegs sind, deren Piloten nicht gerade zimperlich mit dem Gaspedal umgehen, kommt hier gewiss keine Langeweile auf. Auf donnernde Abfahrten folgen steile Anstiege, die die Trucks mit eingeschalteter Warnblinkanlage und angestrengt dröhnenden Motoren erklimmen. Verwaiste Skilifte neben leeren Halteplätzen zum Aufziehen von Schneeketten zeugen von den verschneiten Wintermonaten, und mit jeder Kurve schiebt sich ein neues, pittoresk zerklüftetes Bergpanorama ins Bild. Zögernd passieren wir eine Kolonne voll aufgerüsteter Militärfahrzeuge – dann wird plötzlich alles anders. Die Berglandschaft lichtet sich. Auf dichten Baumbewuchs folgt trockene Prärie mit Windrädern und vereinzelten Farmanlagen am Horizont. Amerikas Nordwesten ist gelebte Landschaftsmalerei – in aller Vielfalt. Stilles Staunen im Auto.

„Fahr mal da raus!“. Wir verlassen den Highway und Hanna holt die Kamera aus der Tasche. Foto um Foto knipsen wir auf den menschenleeren Landstraßen, halten an verwunschenen Aussichtspunkten und treten, geblendet von der Schönheit der Umgebung, dem Club der Meilen-Vergesser bei. Mit Blick auf unser Handynavi, dass mangels Internet die Route statt auf einer Karte nur noch auf grauen Kästchen anzeigt, wird dann schnell das Ausmaß unserer Verspätung klar. „Wir müssen auf dem Campingplatz anrufen, 20 Uhr schaffen wir nie.“ Als das Telefon schließlich in einer kleinen Ansiedlung mit Tankstelle (immerhin ein Problem weniger…) Empfang meldet, hat das Büro des Platzes längst geschlossen. Wie geht’s jetzt weiter? Eine Übernachtung im Auto, vor verschlossenen Toren und ohne Abendessen? „Kann schon sein“, meint Hanna trocken. Immerhin finden wir kurz darauf einen kleinen Supermarkt mit beeindruckender Chips-Auswahl…

Schnurgerade zieht sich die Landstraße jenseits von Yakima meilenweit durch die Prärie. Die letzten Sonnenstrahlen verschwinden hinter den sanften Hügeln des Yakama Indianer-Reservats. Wir sind allein. Die Xenon-Birnen unseres M235i durchschneiden die Nacht mit scharf konturierten Lichtkegeln, dazu nur noch der beruhigende Bernsteinton der Armaturen. Prärie wird wieder zu Wald. Die letzte Ansiedlung vor dem Ziel liegt hinter uns. Immer tiefer wird die Dunkelheit, immer abenteuerlicher die kurvige Landstraße. Lost Lake Road, mitten im Nichts. Jetzt ist es auch egal. Sport Plus Modus. Vollgas. Wahrscheinlich hätten wir uns gefreut, wenn uns ein Sheriff begegnet wäre. Doch da draußen ist niemand. Hanna sagt etwas von zu vielen Horrorfilmen, die sie geschaut habe.

Seltene Sichtung kurz vor dem Lost Lake: Bimmer trifft Bär

Mit stoischer Präzision zerrt der Allradantrieb den M235i von Kurve zu Kurve, gradlinig, sauber. Im Alltag schmeichelt der (noch) stärkste Zweier mit Komfort und Zurückhaltung, hier erwacht das „M“. Über die Schaltwippen peitscht der Sechszylinder von Gang zu Gang und kündigt fauchend dem finsteren Wald sein Erscheinen an. Zum Glück. Denn plötzlich taucht hinter einer Linkskurve ein junger Schwarzbär im Kegel der Scheinwerfer auf und trollt sich, bereits erschreckt durch die Soundkulisse, über die Straße ins Unterholz. Mit ängstlicher Freude über die seltene Sichtung taumeln wir weiter dem ersehnten Ziel entgegen.

Endlich! Im Schritttempo passieren wir das verlassene Empfangshäuschen und rollen auf den finsteren, menschenverlassenen Lost Lake Campground. Und jetzt? Schlafen im Auto? Noch wollen wir nicht ganz aufgeben und laufen durch die Dunkelheit zum hölzernen Hauptgebäude. Keine Menschenseele, dafür eine Notiz an der Tür. Unsere Hütte sei offen, der Schlüssel liege im Inneren. Unbeschreibliche Erleichterung. Wir parken das Auto dort, wo wir im Unterholz unsere Behausung vermuten. Mit dem Blinken der Verriegelung überlässt uns der M235i der Nacht. Stille, manchmal Rufe von mehr oder minder großen Wildtieren. Good God, wir sind im Nirgendwo. Ein Flugzeug am Himmel klingt wie grollender Donner, dann wieder Stille. Und da ist sie, die Hütte, eher eine Art Tipi mit Haustür. Unser einziger Gedanke: Schlafen. Wir fallen in die harten, matratzenlosen Stockbetten. Die Kälte kriecht langsam den dünnen Schlafsack empor.

Text: Jonas Eling
Fotos: Hanna Coco

Morgen im dritten Teil unseres Roadtrips: Der Lost Lake am Tag und “Redrum” am Mount Hood

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Auch am nächsten Tag nicht erhellend: Der verlassene Eingang des Lost Lake Campingplatz

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