Fahrbericht BMW 225i xDrive Active Tourer: Haldex mit Hirn

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BMW 225i xDrive Active Tourer: Allrad-Antrieb für den Kompakt-Van punktet mit intelligenter Haldex-Steuerung die bereits agiert, bevor es kritisch werden kann

Der erste BMW mit Fronantrieb wird zum Allradler: Für einen ersten Fahrbericht konnten wir uns in der Umgebung von Marseille einen ersten Eindruck vom BMW 2er Active Tourer F45 in seiner xDrive-Version machen. Wir fuhren das 231 PS starke Topmodell BMW 225i xDrive Active Tourer, das wir in seiner frontgetriebenen Variante bereits vor ein paar Monaten in Sölden testen konnten.

Bevor wir auf das Fahrverhalten eingehen, ist zunächst ein Blick auf die Technik des BMW UKL-xDrive notwendig – denn das in München genutzte System unterscheidet sich grundlegend vom bekannten Stand der Technik der meisten Wettbewerber. Während die Masse der von Front- auf Allradantrieb umgerüsteten Kompaktklasse-Vertreter erst dann Kraft an die Hinterräder leiten können, wenn die Vorderräder bereits die Haftung verloren haben, ist das xDrive-System im BMW 2er Active Tourer deutlich leistungsfähiger.

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Der große Vorteil des verwendeten Haldex V-Systems ist seine elektrohydraulische Steuerung, denn bei dieser kann die Kupplung für den Kraftfluss zur Hinterachse bereits im Stand geschlossen werden. In der Praxis heißt das, dass die Elektronik des xDrive-F45 in vielen Situationen schon Kraft an die Hinterräder leitet, bevor die Vorderräder Traktionsprobleme bekommen.

Bei jedem Anfahren aus dem Stand ist der BMW 2er Active Tourer ein Allrad-Auto ohne die typischen Schwächen eines Fronttrieblers, auch im Anhänger-Betrieb werden stets alle vier Räder angetrieben. Eine weitere Möglichkeit zum permanenten Nutzen der Allrad-Traktion bietet der Fahrerlebnisschalter, denn auch im Sport-Modus wird die Kraft ständig auf alle vier Räder verteilt. Wer den DTC-Modus aktiviert oder DSC komplett deaktiviert, fährt ebenfalls keinen Fronttriebler mehr.

Auch im ganz gewöhnlichen Fahrbetrieb überwacht die Dynamic Stability Control ständig den Fahrzustand und leitet daraus potenzielle Traktionsprobleme ab, um diesen schon im Voraus mit einer geänderten Kraftverteilung entgegenzutreten. Tritt der Fahrer spontan das Gaspedal durch, könnten die Vorderräder an ihre Grenzen kommen – doch noch bevor der Motor die gewünschte Kraft bereitstellen kann, ist die elektrohydraulische Haldex-Kupplung geschlossen und vermeidet das Entstehen einer unlösbaren Aufgabe für die Vorderachse.

Dass der BMW 2er Active Tourer auch mit xDrive keinen permanenten Allradantrieb bietet, hat ebenfalls gute Gründe: Die Effizienz profitiert von der reduzierten Reibung im Antriebsstrang, wenn der Kompakt-Van nur die Vorderräder antreibt. In allen Situationen, die sich allein mit Frontantrieb souverän bewältigen lassen, bleiben die Hinterräder außen vor – im Fall der Fälle steht xDrive aber permanent Gewehr bei Fuß.

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Das Resultat ist ein Fahrerlebnis, das praktisch nicht von einem permanenten Allradantrieb zu unterscheiden ist. Auch mit xDrive wird der Active Tourer nicht so agil wie ein 1er, seine Traktion lässt aber definitiv keine Wünsche mehr offen. Wenn die Vorderreifen des Active Tourer unter hoher Lastanforderung an ihre Grenzen kommen und den Kompakt-Van ins Untersteuern zwingen, nutzen die xDrive-Varianten die Traktionsreserven der Hinterräder und ermöglichen ein neutraleres Fahrverhalten mit durchaus agilem Heck.

Bestenfalls erahnen lässt sich im milden Winter Südfrankreichs, wie groß die Traktionsvorteile des BMW 225i xDrive Active Tourer auf rutschigem Untergrund sind. Auf dem kleinen Gelände-Parcours in der Nähe des BMW-Testzentrums Miramas durfte der Active Tourer aber bereits zeigen, dass man mit ihm auch abseits befestigter Straßen gut und sicher unterwegs sein kann.

Schon jetzt dürfen wir darauf gespannt sein, welche Technik-Lösungen die Ingenieure für den BMW X1 F48 in der Hinterhand behalten. Sicher ist, dass der ebenfalls mit dem UKL-xDrive ausgerüstete Offroader dem Active Tourer nicht nur dank seiner größeren Bodenfreiheit überlegen sein soll, auch technisch soll sein Allradantrieb nochmals an die möglichen Aufgabenstellungen im Gelände angepasst werden.

F45-Kunden mit dem Wunsch nach Allradantrieb können derzeit zwischen den Modellen 225i und 220d xDrive wählen, beide Varianten sind nur mit Achtgang-Automatik erhältlich und stehen für souveräne Fahrleistungen – es handelt sich jeweils um den stärksten Benziner beziehungsweise Diesel dieser Fahrzeugklasse.

Neben dem souveränen Antriebsstrang bieten die xDrive-Modelle einen nicht vom Fronttriebler zu unterscheidenden Innenraum, sämtliche praktischen Vorteile des ersten Kompakt-Vans aus München stehen auch in den Allrad-Varianten zur Verfügung. Den klassenüblich geräumigen Kofferraum und die großzügigen Platzverhältnisse im Fond kombinert der BMW-Van mit einem in dieser Klasse ungewohnt direkten Handling und einem Infotainment-System, das Maßstäbe setzt.

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