Interview zum BMW 2er Active Tourer: “Heckantrieb bleibt die Domäne von BMW!”

BMW 2er Tourer | 20.08.2014 von 18

Als wir vor kurzem den BMW 2er Active Tourer F45 in Österreich kennenlernen durften, hatten wir nicht nur die Gelegenheit zu ersten Ausfahrten mit 218d …

Als wir vor kurzem den BMW 2er Active Tourer F45 in Österreich kennenlernen durften, hatten wir nicht nur die Gelegenheit zu ersten Ausfahrten mit 218d und 225i Active Tourer. Auch Projektleiter Siegfried Müller stand uns für ein Interview zur Verfügung und stellte sich unseren Fragen zum ersten Fronttriebler der Marke.

In unserem Gespräch geht es um die Gründe für den Einstieg in das für BMW neue Segment, die Vor- und Nachteile des Frontantriebs, die wichtigsten Wettbewerber und natürlich die erwarteten Stückzahlen. Außerdem geht Siegfried Müller auf mögliche Ableger wie den größeren BMW 2er Gran Tourer F46 oder Modelle mit Plug-in Hybrid-Antrieb ein.

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BimmerToday.de: Hallo Herr Müller, nachdem wir vor einiger Zeit über den X5 F15 gesprochen haben, ist der 2er Active Tourer nicht nur für BMW, sondern auch für Sie als Projektleiter ein völlig neues Konzept. Wie kam es dazu?
Wir haben uns 2008 im Rahmen der Strategie Number One unterschiedlichste Entwicklungen angesehen und als oberstes Ziel die Erschließung neuer Kundengruppen gesehen. Nachdem wir häufig das Kunden-Feedback erhalten haben, dass ein Fahrzeugkonzept wie das des Active Tourer im Portfolio fehlt, war diese Entscheidung für uns eigentlich sehr einfach.

BimmerToday.de: Wie lässt sich die neue Zielgruppe definieren?
Die Zielgruppen im primären Fokus sind natürlich Familien mit Kindern und sportliche aktive Menschen, aber natürlich spricht das Fahrzeug mit seinen vielen Vorzügen auch andere Menschen an, die vor allem die hohe Sitzposition, den leichten Einstieg und die Variabilität schätzen, weshalb sich kaum jemand wirklich ausschließen lässt.

BimmerToday.de: Richtet sich das Fahrzeug also auch an bisherige BMW-Kunden oder soll es in erster Linie neue Kunden erobern?
Die wesentliche Zielsetzung ist das Erschließen neuer Kundengruppen und Käuferschichten.

BimmerToday.de: Bei den Vans mit Premium-Anspruch spielt die Mercedes B-Klasse bisher praktisch den Alleinunterhalter. War dieses Fahrzeug bei der Entwicklung der Maßstab oder sieht man doch den VW Golf Sportsvan als härtesten Wettbewerber?
Natürlich haben wir uns intensiv mit dem Wettbewerbsumfeld vertraut gemacht und im Anschluss versucht, unsere eigene Interpretation für dieses Segment zu entwickeln. Wenn Sie Proportionen, Sitzposition oder Fahrzeughöhe vergleichen, wird man natürlich gewisse Ähnlichkeiten zu anderen Fahrzeugen des Segments finden, was sich aus dem grundlegenden Konzept dieser Fahrzeugklasse ergibt. Ich denke aber, dass wir mit unserem Fahrzeug eine BMW-typische Interpretation gefunden haben.

BimmerToday.de: BMW hat sich jahrelang gegen den Frontantrieb gewehrt, auch in der Werbung wurden die Vorzüge des Hinterradantriebs gerne in den Fokus gerückt. Wieso nutzt man ihn jetzt doch, wo liegen die Vorteile?
Grundsätzlich möchte ich betonen, dass der Heckantrieb völlig unstrittig die Domäne von BMW bleiben wird. In dem hier vorliegenden Fahrzeugsegment – kompakte Fahrzeuge mit großem Raumangebot – bietet die Architektur eines Fronttrieblers mit seinem quer eingebauten Frontmotor aber entscheidende Vorteile, weshalb sich auch im Wettbewerbsumfeld durchgehend diese Konzeption durchgesetzt hat. Ich bin überzeugt, dass wir ein für dieses Segment sehr gutes Gesamtpaket auf die Räder gestellt haben und auch die Traktion keine Wünsche offen lässt.

BimmerToday.de: Bei den Fahrzeugen der Marke MINI hat die BMW Group schon einige Erfahrungen mit dem Frontantrieb gesammelt, was dort durchaus unterhaltsam gelungen ist. Welche Gemeinsamkeiten gibt es nun zwischen BMW 2er Active Tourer und MINI F56, beide basieren schließlich auf der BMW UKL-Plattform?
Wir sprechen grundsätzlich nicht von einer Plattform, sondern von der UKL-Architektur. Wir nutzen keine gemeinsame Plattform mit verschiedenen Aufsätzen, ein solcher Ansatz erscheint uns nicht zielführend. Wir haben natürlich viele Komponenten und Baukasten-Regale, die wir ganz bewusst bei mehreren Baureihen nutzen, aber der BMW 2er Active Tourer ist dennoch ein völlig eigenständiges Fahrzeug. Die gesamte Abstimmung, angefangen von der Fahrdynamik bis hin zur Akustik, hängt ganz wesentlich von der Karosserieform ab und muss entsprechend eigenständig angepasst werden. Umgekehrt hat natürlich auch das Antriebskonzept einen gewissen Einfluss auf die Fahrzeugerscheinung. Ich bin sehr stolz darauf, hier vor einem sehr feinfühlig und mit viel Liebe abgestimmtem Gesamtfahrzeug zu stehen, das seinen eigenen Weg geht.

BimmerToday.de: Bei eigentlich allen BMW-Baureihen spielt das Thema Fahrdynamik eine wesentliche Rolle, auch und gerade in Abgrenzung zum Wettbewerb. Hierfür hat der Hinterradantrieb stets eine wesentliche Rolle gespielt. Sind fahrdynamische Nachteile im Segment des Active Tourer einfach nicht relevant?
Die fahrdynamischen Nachteile des Frontantriebs als Konzept sind bekannt. Genau deshalb haben wir einen unwahrscheinlichen Aufwand betrieben, damit die Kunden die von uns erwartete Fahrdynamik auch in diesem Fahrzeug erleben können. Das geht natürlich nur über hochwertige Komponenten, die sich auch wesentlich von den anderen Fahrzeugen dieses Segments unterscheiden. Wir haben versucht, die Antriebseinflüsse bestmöglich von der Lenkung zu entkoppeln und haben dabei viele Dinge komplett neue entwickelt, was unterm Strich zu einem sehr gelungenen Fahrverhalten führt.

BimmerToday.de: Auch das aus anderen Baureihen bekannte M Sportpaket wird für den 2er Active Tourer angeboten, erwarten Sie da eine signifikante Nachfrage?
Wir kennen unsere Kunden sehr gut und wir glauben auch, dass viele Kunden auch in dieser Fahrzeugklasse das M Paket bestellen werden.

BimmerToday.de: Die Motorenpalette fällt für diese Klasse schon zum Marktstart sehr kräftig aus, aber welche werden die wichtigsten Motoren?
Unser Volumenmodell wird speziell in Europa der BMW 218d Active Tourer sein. Aber es gibt natürlich immer wieder den Wunsch nach stärkeren Motoren, gerade auch in anderen Märkten. Der Active Tourer soll ja weltweit angeboten werden und da brauchen wir auch diese stärkeren Motoren.

BimmerToday.de: Also werden Modelle wie 225i und 220d hauptsächlich außerhalb Europas anzutreffen sein?
Es gibt sehr spezifische Märkte, beispielsweise besteht auch in der Schweiz und in Österreich großes Interesse an Fahrzeugen wie dem 225i.

BimmerToday.de: Schon lange vor dem Marktstart wurde der 2er Active Tourer als Concept Car präsentiert, damals mit Plug-in Hybrid-Antrieb. Wann sehen wir diese Technik in der Serie?
Wir denken sehr intensiv über einen Plug-in-Hybrid nach, aber heute können wir da noch kein Zeitfenster nennen.

BimmerToday.de: Die Variabilität des Innenraums spielt in dieser Klasse eine besonders wichtige Rolle, mit welchen cleveren Details wollen sie Kunden vom vergleichsweise teuren BMW überzeugen?
Grundsätzlich bieten wir einen für diese Klasse sehr hochwertigen Innenraum mit Sonderausstattungen wie dem Head-Up Display oder dem Navigationssystem Professional. Die Kunden bekommen also auch im 2er Active Tourer nahezu das gesamte ConnectedDrive-Angebot, das sie aus anderen Baureihen kennen, womit wir uns deutlich vom Wettbewerb unterscheiden.
Wir haben aber auch viele kleine, clevere Lösungen in das Fahrzeug integriert. Praktische Details wie die Möglichkeit der Unterbringung von 1,5-Liter-Flaschen in der Tür oder die große Variabilität der Rückbank, die im Verhältnis 40:20:40 teilbar ist und in verschiedenen Neigungswinkeln arretiert werden kann. Alles, was die Kunden in diesem Fahrzeugsegment erwarten, werden sie auch im 2er Active Tourer finden.

BimmerToday.de: Trotzdem wird sich der eine oder andere potenzielle Kunde noch mehr Platz wünschen. Ist der BMW 2er Gran Tourer als Langversion des Active Tourer bereits beschlossen?
Details dazu werden wir später kommunizieren, aber ein solches Fahrzeug wird es auf jeden Fall geben.

BimmerToday.de: Der Active Tourer wird beinahe weltweit angeboten. Wo sehen Sie die wichtigsten Märkte für das Fahrzeug?
Die Markteinführung erfolgt zunächst am 27. 9. in Europa, anschließend folgen asiatische Märkte wie Japan und China. Wann wir das Fahrzeug in den USA einführen, wird derzeit noch geprüft. Der Hauptmarkt wird Europa sein, aber auch China dürfte ein Schwerpunkt sein.

BimmerToday.de: Von der Mercedes B-Klasse werden über 100.000 Einheiten pro Jahr verkauft. Peilt BMW mit dem 2er Active Tourer eine ähnliche Größenordnung an?
Über Stückzahlen wollen wir an dieser Stelle nicht reden, da lassen wir uns vom Markt überraschen.

BimmerToday.de: Aber es wäre schon enttäuschend, wenn die B-Klasse erheblich erfolgreicher wäre?
Das ist eine sehr gute These von Ihnen (lacht).

BimmerToday.de: Gibt es für Sie als Projektleiter noch ein spezielles Highlight, das Sie besonders begeistert?
Es war eine sehr spannende Aufgabe, ein wirklich komplett neues Fahrzeugkonzept in dieser für uns neuen Klasse zu entwickeln. Besonders viel Herzblut haben wir in die Themen Fahrdynamik und akustische Abstimmung gesteckt, was stellenweise auch sehr herausfordernd war. Die erreichten Lösungen machen mich durchaus stolz und glücklich.

BimmerToday.de: Würden Sie persönlich einen 2er Active Tourer einem 3er Touring vorziehen?
Ich würde das natürlich tun, weil ich der Projektleiter war, das ist vollkommen klar (lacht). Aber in der Realität ist das eine Frage, die man von der Lebenssituation abhängig machen sollte. Der 2er Active Tourer ist sehr kompakt und eignet sich entsprechend gut für die Stadt, im Innenraum bietet er ebenfalls sehr viele praktische Vorzüge. Welches Fahrzeug zu welchem Kunden besser passt, bleibt aber eine individuell zu beantwortende Frage.

Herr Müller, wir danken Ihnen für das ausführliche Gespräch!

18 responses to “Interview zum BMW 2er Active Tourer: “Heckantrieb bleibt die Domäne von BMW!””

  1. digger says:

    wann baut BMW 40 tonner?

    • BMW_550i says:

      Wenn du endlich mal aus dem “Forum” hier verschwindest, wird BMW mit 40 Tonnern anfangen. Also leider Gottes (in deinem Fall) nie – zum Glück (im BMW-Falle) 🙂

  2. BMW_550i says:

    Gutes Interview. Nicht viel um den heissen Brei geredet, sondern gezielt geantwortet.

    Grüsse aus Munich.

  3. Polaron says:

    Ob der gute Siggi Müller weiß, dass ein Heckantrieb nicht das gleiche wie ein Hinterradantrieb ist? Mann, Mann, Mann…

    • B3ernd says:

      Das ist Haarspalterei! Umgangssprachlich wird Heckantrieb auch für BMW verwendet – das hat sich so entwickelt und auch wenn es Hinterradantrieb ist(bei BMW). Do mäste nix! 😉

      • Polaron says:

        Nö, das ist es ganz gewiss nicht. Wenn man diese zwei Begrifflichkeiten munter durcheinanderwürfelt, spricht man schlicht von zwei verschiedenen technischen Antriebskonzepten. Wenn sogar die Autobild hier korrekt unterscheidet, sollte man dies auch von einem Projektleiter – der technisches Know-How haben sollte – erwarten können.

        Wenn aber du das nicht so als wichtig empfindest, na meinetwegen…;)

        • digger says:

          du alter korinthenkacker.^^

        • B3ernd says:

          Ich weiß was du meinst, wollte sagen, dass es heute synonym verwendet wird und das nicht gerade von wenigen Leuten. Dass es einen Unterschied gibt, ist mir klar. Da ich i.d.R. weiß, welches Wagen Heckantrieb oder Hinterradantrieb hat, überlesen ich dies ganz gern mal und korrigiere den Verfasser im Gedanken 😉

      • Pro_Four says:

        …ist doch der gleiche blödsinn das man jetzt meint, dass heckgetriebene Autos nur schönwetter Autos sind. Füher gabs die Stammtischparolen doch auch nicht und das obwohl es kein ASC + T oder gar ESP.

        • B3ernd says:

          Gebe dir Recht, aber die Leistungsentwicklung der Autos darf nciht außer Acht gelassen werden. Während in den 90er Jahren ein Sportwagen mit 400PS schon fast ein Hypercar war, sind heute 500-600PS fast Standard für einen Sportwagen.

          • Lauerput says:

            “aber die Leistungsentwicklung der Autos darf nicht außer Acht gelassen werden” – ebenso wie die Reifenentwicklung

            • B3ernd says:

              Stimmt auch, dennoch hebt der Mehrgrip der Reifen dies nicht auf. Besonders kommt dies bei modernen Turbomotoren zur Geltung. Einen M3 e90 konnte man im launch modus nicht bis in den dritten gang schwarze Striche auf den Asphalt ziehen – bei M4 schaltet der Wagen mit durchdrehenden Rädern ohne probebleme durch die Gänge bis in den dritten und malt noch bei über 100kmh schwarze Striche. Die Power wird immer größer und die Systeme immer feinfühliger. Meine Meinung. Ich bin aber auch den Meinung, dass RWD nciht nur Schönwetterwagen sind – man muss aber deutlich vorsichter sein, als bei einem AWD Wagen

  4. der_ardt says:

    Warum denn überhaupt Hinterradantrieb?
    Meinte nicht in einem Interview letztens einer der Verantwortlichen, dass die Nachteile des Frontantriebs fast egalisiert seien?

  5. […] Neue Zielgruppen erfordern eine neue Art der Ansprache: Mit dem BMW 2er Active Tourer betritt BMW nicht nur technisch Neuland, auch viele potenzielle Kunden hatten bisher nichts mit dem weltweit erfolgreichsten Anbieter von Premium-Automobilen zu tun. Die für BMW neue Herangehensweise wird auch in der seit wenigen Tagen laufenden Werbe-Kampagne deutlich: Im Mittelpunkt stehen Menschen jeden Alters mit besonders aktivem Lebensstil. […]

  6. PHoel says:

    Merkt man ja deutlich, das HINTERRADANTRIEB die Domäne bleibt, deshalb werden jetzt der 1er, X1, vermutlich 2er und Z2 mit Vorderradantrieb gebaut.

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