BMW bringt Autos das Segeln bei

  • Abgelegt: 3.12.2010
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  • Kommentare: 34

Die Möglichkeit der Wahl eines Fahrprogramms gehört bei heutigen Fahrzeugen zum guten Ton. Mit Hilfe adaptiver Fahrwerke lassen sich Komfort und Sportlichkeit optimieren, außerdem gibt es in besonders leistungsstarken Fahrzeugen wie dem BMW M5 mehrere Motorprogramme. Auch im BMW 5er GT und anderen neueren BMWs lässt sich schon heute die Getriebe- und Motorabstimmung besonders sportlich einstellen, wenn es auf die letzten Zehntelsekunden ankommen sollte.

Genau in die andere Richtung geht eine neue Entwicklung von BMW EfficientDynamics, denn mit dem geplanten ECO-Modus soll der Fahrer zu besonders sparsamem Fahren erzogen werden. Im Display bekommt er dann beispielsweise angezeigt, wieviel Kilometer Reichweite er durch sein zurückhaltendes Fahren gewonnen hat – allein durch eine entsprechende Anpassung des Fahrverhaltens sind Einsparungen von bis zu 10 Prozent möglich. Durch die geplanten Funktionen Leerlaufsegeln und Vorausschauassistent steigt dieser Wert auf 15 Prozent.

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Der ECO-Modus bewirkt zunächst eine Anpassung der Motorcharakteristik und der Gaspedalkennlinie, wodurch deutlich mehr Druck aufs Gaspedal nötig ist, um maximale Beschleunigung zu erzielen. Drücktder Fahrer das Gaspedal zu mehr als 70 Prozent durch, liegt die volle Motorleistung an, um beispielsweise Überholmanöver auf Landstraßen trotz aktiviertem ECO-Modus souverän meistern zu können.

Im Instrumentenkombi sieht der Fahrer die momentan effizienteste Gaspedalstellung und einen Hinweis, falls er diesen Bereich verlässt. Somit kann er intuitiv erkennen, ob er grade besonders sparsam unterwegs ist oder nicht und die Anteile der entsprechenden Fahrweise maximieren. Für die letzten Minuten kann sich der Fahrer auch eine Historie anzeigen lassen, die ihm Auskunft über die zuletzt genutzten Fahrmodi gibt.

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Außerdem wird es eine Anzeige mit dem Titel “Technik erleben” geben, die darüber informiert, welche Maßnahmen des Pakets EfficientDynamics derzeit zu einem niedrigeren Verbrauch beitragen. Nach der Ankunft kann sich der Fahrer auch auf mobilen Endgeräten wie dem iPhone über die absolvierte Fahrt informieren und analysieren, wie effizient er unterwegs war. Bei MINI wird eine solche Application auch mit einem Community Ranking verknüpft sein, das den Vergleich mit anderen Fahrern erlaubt.

Aber was ist nun mit Segeln gemeint? Die Funktion Leerlaufsegeln ermöglicht es auch bei Fahrzeugen mit Automatikgetriebe, allein die kinetische Energie des Fahrzeugs auszunutzen und den Kraftschluss zwischen Motor und Getriebe zu trennen. In diesem Modus sorgen nur noch Roll- und Luftwiderstand für eine gewisse Verzögerung, der Verbrauch liegt aber bei nur 0,5 bis 1,0 Liter pro Stunde. Betätigt der Fahrer kurz die Bremse, nutzt das Fahrzeug die Motorbremse und rekuperiert wie gewohnt die Bremsenergie. Mit Hilfe der Menüs lassen sich auch für die sonstigen Verbraucher wie Klimaanlage und Sitzheizung spezielle Effizienzprogramme aktivieren.

Für eine weitere Steigerung der Effizienz soll außerdem der Vorausschauassistent sorgen. Dieser kündigt dem Fahrer rechtzeitig an, wenn die Verkehrssituation demnächst ohnehin eine Verzögerung erforderlich macht, beispielsweise durch niedrigere Tempolimits, Kreuzungen oder Kreisverkehre. In einem solchen Fall kann der Fahrer dank der Infos des Assistenten auch in unbekannter Umgebung frühzeitig vom Gas gehen und das Fahrzeug “segeln” lassen.

BMW-Leerlaufsegeln-EfficientDynamics-10

Silvia Patricia Ghella-Schröder (Leiterin Energiemanagement): “Der ECO Mode unterstützt eine beruhigte, entspannte und vorausschauende Fahrweise. Mit dem Ergebnis einer persönlich bestmöglichen Kraftstoffeffizienz. Ideal also zum Cruisen und mit dem Effekt, den einen oder anderen Tankstopp ausfallen lassen zu können.”

Christian Popp (Anzeigen EfficientDynamics): “Mit den ECO-Anzeigen habe ich direkt vor Augen, wie effizient ich gerade unterwegs bin. Ich kann mich situationsbedingt entscheiden, wie ich fahren will. Außerdem weiß ich, was dies für Auswirkungen auf meine Reichweite hat.”

Norman Wiebking (Projektleiter vorausschauendes Energiemanagement): “Wenn ich in die Zukunft sehen kann, kann ich mich natürlich besser auf die kommenden Situationen einstellen. Prädiktion gibt damit dem intelligenten Energiemanagement, das wir mit BMW EfficientDynamics flächendeckend in alle unsere Fahrzeuge eingeführt haben, eine neue Dimension.”

Victor Kühn (Projektleiter Leerlaufsegeln): “Das ist ein simples Rechenspiel. Ohne Vorausschau würde ich vielleicht bis kurz vor einer Geschwindigkeitsbegrenzung noch konstant fahren, erst dann Gas wegnehmen und bremsen. Mit Vorausschau kann ich das Leerlaufsegeln optimal ausnutzen und lange mit geringem Verbrauch dahinsegeln. Schon nach um die zwei Sekunden im Segelbetrieb habe ich einen Verbrauchsvorteil.”

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  • Hans

    Sehr gut!
    Gefällt mir.

  • MarkusS

    Das wäre ein weiteres Argument für eine Automatik.
    So mache ich es mit meinem Schalter, wenn ich sparsam fahren will. Da sind die EU Drittelmix-Werte locker zu erreichen.

  • John

    Eine tolle Technik, die mir sicher auch viel Spaß bereiten würde. Solche Infos sind eh immer ganz interessant.

    Als leidenschaftlicher Segler muss ich aber sagen, dass BMW den Begriff hier falsch verwendet. Hört sich zwar sehr gut an, leitet aber in die Irre. Segeln bedeutet, dass man durch aerodynamische Effekte zusätzlichen Auftrieb erzeugt. Man hat also mehr Energie als nur die im System vorhandene kinetische Energie zur Verfügung. Deshalb fährt ein Segelschiff überhaupt und ein Segelflugzeug kann deutlich länger in der Luft bleiben, als wenn es nur auf den Boden “gleiten” würde.

    Letzteres ist wohl eher das, was man bei BMW sagen möchte, denn das Auto kann im “Segelmodus” ja keine zusätzlich Energie zur Verlängerung der Fahrt gewinnen.

  • wasdf

    “Der Verbrauch liegt aber bei nur 0,5 bis 1,0 Liter auf 100 Kilometer” Korrekterweise müsste es “der Verbrauch liegt aber bei nur 0,5 bis 1,0 Liter pro Stunde” heißen. Im Schaubild steht es sogar so. Irgendwie finde ich es dennoch irreführend, denn man muss ja ohne diese Funktion auch nicht bremsen um die Geschwindigkeit zu reduzieren. Im Gegenteil. Wenn man einfach vom Gas geht, verzögert das Auto sogar schneller und verbraucht dabei auch noch weniger, nämlich gar nichts. Die Aussage von Herrn Kühn ist genauso irreführend. Man kann auch ohne die Segel-funktion vorausschauend fahren und muss nicht spät gas wegnehmen und anschließend bremsen. Man kann auch mit eingelegtem Gang das Auto ausrollen lassen. Außerdem macht man sich bestimmt nicht viele Freunde beim Fahren, wenn man immer über einen Kilometer vor einer Stadt vom Gas geht und in den Leerlauf schaltet. Dazu kommt noch, dass das in Kurven die Fahrstabilität negativ beeinflussen kann.
    Achso und mit Dynamik und Freude am Fahren hat diese Fahrweise schon gar nichts zu tun…

    • Benny

      Korrekt, pro Stunde, nicht pro hundert Kilometer.
      Der Vorteil ist der, dass man bei Automatik normalerweise immer mit Motorbremse bremst und eben nicht auskuppeln kann, wie bei einem Fahrzeug mit manuellem Getriebe. Durch das Auskuppeln und folglich ohne Motorbremse kann man wesentlich länger rollen/segeln und dabei sehr wenig verbrauchen – die 0,5 bis 1,0 Liter pro Stunde dürfte man auch bei der Schubabschaltung haben, um die elektronischen Verbraucher des Fahrzeugs nutzen zu können, nehme ich an.

      Für hohe Fahrdynamik gibt es selbstredend die anderen Fahrmodi, der ECO-Modus ist ja nur eine von vier möglichen Einstellungen. Für die Fahrstabilität ist es natürlich besser, wenn man etwas Antriebsmoment auf der Hinterachse hat, aber beim “Gleiten” fährt man in der Regel nicht so durch Kurven, dass man diese zusätzliche Stabilität benötigt.

      Der Gag am Vorausschauassistent ist ja grade der, dass man auch in unbekannter Umgebung vorausschauend fahren kann, was man ohne Ortskenntnis eben nicht kann. Wenn man 200 auf der Autobahn fährt und es folgt ein Tempolimit auf 120, kann man schon ewig vorher vom Gas gehen und ausrollen lassen, ohne den Verkehr zu behinden (bei mehreren Fahrspuren) – wenn man das Schild sieht und dabei noch 200 fährt, muss man theoretisch ziemlich scharf bremsen und dabei viel Energie vernichten.
      Der ECO-Modus ist nicht als einziger Fahrmodus gedacht und ich kann mir vorstellen, dass ihn viele Fahrer nur auf der Autobahn oder im Kolonnenverkehr auf der Landstraße nutzen, da dürfte man mit einer solchen Fahrweise kaum auffallen. Für dynamisches Fahren ist er selbstredend nicht gemeint.

      • Maddy

        Das Problem beim Auskuppeln ist aber, das der Motor dann nicht mit Schubabschaltung nur als “Luftpumpe” arbeitet, sondern trotzdem im Idle (wenn auch minimal) Kraftstoff einspritzt.
        Also ein zweischneidiges Schwert: Entweder mit Motorbremse schneller zum Stehen kommen, oder ohne Motorbremse (dafür aber Motor verbrauchend) “Segeln”.

        Ich hatte das die Tage in der Autoblöd gesehen und fand die Idee ziemlich klasse, gerade die Geschichte mit dem vorrausschauenden Navi find ich klasse. Sowas sollte selbst auf den Nachrüst “HansHans” mal Serie werden, spart Stress und Sprit.

        • tobias

          Bei der Schubabschaltung wird der Motor aber mit einer viel höheren Drehzahl bewegt, als wenn man auskuppelt und nur die Einspritzung für den Leerlauf braucht. Das führt zu höherer Reibung und vernichtet mehr kinetische Energie, als der Motor im Leerlauf benötigt. Insofern spart das Auskuppeln und “segeln” mehr Sprit, auch wenn die Anzeige 0 durch Schubabschaltung was anderes suggeriert.

          • Lennardt *echt*

            Sinnvoll Schubabschaltung nutzen wäre z.B. bei einem Ortseingang den Wagen bereits vorher mit Schubabschaltung ausrollen lassen, statt – wie es ein Freund von mir tut – bis zuletzt Landstraßentempo zu fahren und dann kurz vor Ortsschild kräftig zu bremsen. Wenn man die Tempolimits gut ausnutzen will ist Schubabschaltung sinnvoll, weils eben schneller geht als Ausrollenlassen mit Kupplung. Ich glaub die wenigsten haben Lust einen Kilometer zu rollen damit die 50 ungefähr steht wenn das Ortsschild kommt.
            Vorausschauendes Navi klingt nach einem ziemlich guten Ansatz!

          • Maddy

            Vernichtung von KE wäre auch eine sinnvollere Massnahme, spart Sprit und könnte gleichzeitig die Reichweite der Bremse verlängern.
            Gerade bergab ist Schubabschaltung sinnvoller, da weniger die Bremse benötigt wird und gleichtzeitig Sprit gespart wird.
            Ist sicherlich ne Milchmädchenrechnung, aber ggf. könnte ein Hybrid aus beiden Systemen ein Kompromiss sein.
            Ich denke aber mal, das die Ings der AG da die beste Möglichkeit ausschöpfen werden.

          • tobias

            @Maddy natürlich kommt es in dem Fall darauf an, wie stark die Geschwindigkeit verringert werden muss. Wenn der Fahrer schon viel eher weiß, dass er bald langsamer fahren muss kann er segeln. Auf meiner Stammstrecke auf der Autobahn gibt es ein starkes Gefälle und unten kommt dann erst eine 120, dann 100 dann 80. Ich weiß bei meinem Auto genau, wann ich bei 160 die Kupplung treten muss und den Motor im Leerlauf lasse damit ich dann am Schild die richtige Geschwindigkeit habe. Ohne Kupplung treten müsste ich die ganze Zeit noch Gas geben, da die Schubabschaltung viel mehr verzögert.

            Klar, segeln und gleichzeitig bremsen ist unsinnig, dann lieber die Schubabschaltung nutzen, spart Sprit und Bremsbelag.

  • Vincent

    Benny, wie kommst du immer an die Infos?

  • hans

    es gibt sogar schon einen fahrbericht dazu. nachzulesen im spiegel.

  • Hans

    Liebe Leute, ich lese hier immer von “Energie vernichten”.
    Energie ist eine Erhaltungsgröße, weshalb man sie nicht erzeugen oder gar vernichten kann; auch BMW nicht ;-).

    • Jan

      Lieber Hans. Energie kann aber ungenutzt entweichen. Dies nennt man umgangssprachlich “Energie vernichten”.
      Ich würde sagen, es ist in Ordnung dies so zu bezeichnen, denn jeder weiß was gemeint ist; auch BMW ;D.

    • Lennardt *echt*

      Klugscheißer :-D

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  • Leoranch

    Ab wann stehen diese Funktionen zur Verfügung? Wird es diese auch im 5er GT geben?

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  • Peter

    Tolle Technik. Wird bestimmt beim nächsten Autokauf Berücksichtigung finden!

    PK

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