AMI 2010: Der neue Audi A1 oder “Bei uns gibt es auch Hartplastik.”

MINI | 12.04.2010 von 46

Da ist er nun, der erste und damit einzige Kleinwagen im Premiumsegment – zumindest laut Aussagen eines gewissen Herstellers aus Ingolstadt. Warum der MINI, der …

Da ist er nun, der erste und damit einzige Kleinwagen im Premiumsegment – zumindest laut Aussagen eines gewissen Herstellers aus Ingolstadt. Warum der MINI, der nach übereinstimmender Wahrnehmung aller sonstigen Hersteller das Segment der Premiumkleinwagen seit 2001 definiert, eben kein Premiumangebot ist, hat Rupert Stadler kürzlich gegenüber Welt.de auf den Punkt gebracht: “Bei uns gibt es kein Hartplastik.” Eine gewagte Aussage für eine Marke, die mit dem A1 ein Fahrzeug auf den Markt bringt, das sich die wesentlichen technischen Elemente mit den Konzernbrüdern VW Polo und Seat Ibiza teilt und auch im Innenraum unverkennbar ein Kleinwagen ist.

Nun ist der Einsatz von Hartplastik unserer Meinung nach keine Schande, denn warum sollte man in Regionen, die der Nutzer des Fahrzeugs im Alltag nicht berührt, teure Soft-Touch-Oberflächen verbauen, wenn man das dafür nötige Geld an anderen Stellen sinnvoller nutzen könnte? Wenn Herr Stadler sich schon so weit aus dem Fenster lehnt, müssen wir die auf der Leipziger AMI ausgestellten Exemplare des Audi A1 aber doch genauer unter die Lupe nehmen.

Audi-A1-Exterieur-AMI-2010-03

Man sollte vielleicht dazusagen, dass die beiden von uns genauer inspizierten Modelle in den Farben Daytonagrau Perleffekt beziehungsweise Amalfiweiß nicht unbedingt die Basisausstattung repräsentierten, sondern jeweils über Sonderausstattungen im Gegenwert eines weiteren Kleinwagens verfügten und auf Gesamtpreise von 34.690€ respektive 35.900€ kamen. Beide Modelle verfügten unter anderem über die erweiterten farbigen Interieurelemente Leder Feinnappa und wir gehen insofern davon aus, dass Audi hier in etwa das obere Ende der Innenraumausstattung beim Audi A1 präsentiert hat.

Und was ergibt der Haptik-Test? Wie erwartet enttäuscht der Audi an den wichtigsten Stellen nicht: Sitze und Lenkrad fühlen sich – übrigens genau wie im MINI – gut an. Aber wie sieht es mit den Details aus? Wie erwartet zeigt sich, dass auch bei Audi an den Stellen, an denen Soft-Touch keinen Sinn ergibt, gespart wird. Lüftungsdüsen, die Umgebung des Navigationsbildschirms, die großen Kunststoffelemente der Mittelkonsole – wenn man diesen Kunststoff nicht als Hartplastik bezeichnet, was dann?

Audi-A1-Interieur-AMI-2010-07

Auch die Ablageschale vor dem Gangwahlhebel und die Bedieneinheit für Warnblinkfunktion sowie zum Deaktivieren des ESP sind sinnvollerweise in Hartplastik ausgeführt. Wir betonen noch einmal: Es ist unserer Meinung nach völlig legitim, in einem Kleinwagen an derartigen Stellen, die im Alltag ohnehin kaum berührt werden, Hartplastik zu verbauen. Auch der MINI ist hier keinen Deut besser: An Bedienelementen und Schaltern ist die Haptik angenehm, abseits der vielgenutzten Schalter findet sich wenig schmeichelnde Hartplastik. Unverständlich bleibt, wie Herr Stadler zu seiner Aussage kommt, dass im Audi A1 keine Hartplastik verbaut ist, denn zumindest die beiden von uns auf der AMI begutachteten Fahrzeuge widerlegen diese These gleich an mehreren Stellen.

Abgesehen davon ist unbestreitbar, dass Audi mit dem A1 ein Fahrzeug auf die Beine gestellt hat, das besonders junge Kunden ansprechen wird. Die Individualisierungsoptionen sind – ähnlich wie beim inoffiziellen Vorbild MINI – beinahe unendlich und beim Design dürfte die von Audi bekannte Linie männliche Kundschaft deutlich mehr ansprechen als die eher niedliche Formgebung des MINI.

Audi-A1-Exterieur-AMI-2010-08

Wie es um die technischen Fähigkeiten des A1 bestellt ist, bleibt zunächst abzuwarten: Selbst beim Spiegel zeigt man sich angesichts der immergleichen Versprechungen aus Ingolstadt ein wenig genervt und schreibt, dass es sich “wie eigentlich immer” um das sportlichste Auto seiner Klasse handeln solle – nicht ohne dies durch den verwendeten Konjunktiv zumindest ein wenig in Frage zu stellen. Sicher ist, dass Audi die Übersetzung des Lenkgetriebes schärfer als beim Polo gewählt hat, um so für ein subjektiv besseres Einlenkverhalten zu sorgen. Inwiefern das Fahrwerk auch in objektiven Tests überzeugen kann und ob der Polo-Ableger dem MINI tatsächlich die Pole Position unter den Kleinwagen nehmen kann, bleibt abzuwarten.

Unterm Strich hat Audi mit dem A1 in unseren Augen ein attraktives Angebot unter den Kleinwagen geschaffen, das dem MINI endlich einen echten Konkurrenten beschert – schließlich belebt Konkurrenz das Geschäft. In der gezeigten, äußerst preisintensiven Ausstattung mit Felgen im für Kleinwagen äußerst stattlichen 18 Zoll-Format sowie zahlreichen Optik-Finessen ist der A1 ohne Frage ein Hingucker, der seine Fans finden wird. Weshalb der Audi A1 aber ein Premiumfahrzeug sein soll, während es der MINI angeblich nicht ist, ist uns nicht klar geworden.

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