Die Lieblingskarten im Auto-Quartett tragen nicht selten klangvolle Namen und zeichnen sich durch enorm große Zahlen in bestimmten Disziplinen aus: Viel Hubraum, viele Zylinder, jede Menge PS und ein hohes Drehmoment. Leider gehört dazu in der Regel auch eine weitere große Zahl, nämlich die beim Verbrauchswert. Während man in den anderen Disziplinen mit dem BMW 316d eher nicht punkten kann, liegt seine Stärke eindeutig beim Verbrauch. Auch wenn der neue Einstiegsdiesel von BMW nicht an die 4,1 Liter des BMW 320d EfficientDynamics Edition herankommt, kann sich ein Normverbrauch von 4,5 Litern Diesel auf 100 Kilometer auf jeden Fall sehen lassen.

Andererseits sind 115 PS nicht nur im Autoquartett selten genug, verwöhnte Fahrer können sich mit dieser Zahl und den dahinterstehenden Fahrleistungen auch im automobilen Alltag nur schwerlich anfreunden. Dabei muss gesagt werden, dass der BMW 316d zwar kein Rennwagen ist und in Folge der Motorleistung nur bedingt zu sportlichem Fahren einlädt, er ist andererseits aber auch kein Verkehrshindernis und alle, die sportliches Fahren nicht nur mit Längsdynamik in Verbindung bringen, können mit dem kleinsten Diesel der BMW-Palette durchaus glücklich werden.

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Dafür verantwortlich ist zu einem großen Teil das Fahrwerk, denn das teilt sich der 316d mit seinen besser motorisierten Brüdern und bietet somit genau das, was man von einem BMW 3er erwartet: Das beste Fahrwerk seiner Klasse. Der von uns gefahrene 316d stand jahreszeitbedingt auf Winterreifen von Continental im Format 205/55 R16, die auf radkappenverzierten Stahlfelgen montiert waren.

Auch die sonstige Ausstattung des Fahrzeugs entstammt nicht wilden Träumereien, sondern ist stattdessen relativ bodenständig: Sitzheizung, Radio Professional, Klimaautomatik und Multifunktionslenkrad, damit ist die Liste der Sonderausstattungen weitestgehend abgehandelt. Daraus ergibt sich aber auch, dass der Listenpreis des Fahrzeugs unter der Marke von 35.000€ bleibt und den 316d somit auch finanziell durchaus attraktiv macht. In den gängigen Gebrauchtwagenbörsen finden sich eine ganze Reihe von jungen Gebrauchtfahrzeugen, die weniger als 10.000 Kilometer gelaufen und noch kein ganzes Jahr alt sind, die für unter 25.000€ den Besitzer wechseln können.

Die fürs Spritsparen relevanten Ausstattungen sind wie von BMW gewohnt serienmäßig im EfficientDynamics-Maßnahmenpaket enthalten: Bremsenergie-Rückgewinnung, Auto-Start-Stopp-Funktion, Schaltpunktanzeige und so weiter und so fort sorgen dafür, dass der BMW 316d mit einem Normverbrauch von 4,5 Litern Diesel noch unter Sparmodellen wie dem Audi A4 2.0 TDI e mit 4,6 Litern bleibt. Der Ingolstädter leistet mit 136 PS zwar etwas mehr, aber dessen Gegenspieler ist ja auch eher im BMW 320d EfficientDynamics Edition zu sehen, wo BMW alle Register zieht und den 3er trotz einer Motorleistung von 163 PS auf einen Normverbrauch von nur 4,1 Litern bekommen hat.

Aber kommen wir nun noch einmal zu den Fahreindrücken: Ehrlich gesagt haben wir vom BMW 316d mit seinen 115 PS nicht viel erwartet und waren insofern positiv überrascht, denn der kleine Diesel fährt sich deutlich angenehmer, als man anhand der Eckdaten vermuten würde. Es steht außer Frage, dass man sich gelegentlich mehr Leistung wünscht und kurz ein paar Gedanken an die stärkeren Brüder 318d und 320d aufkommen, angesichts des Preis-Leistungs-Verhältnisses bleibt der 316d aber dennoch attraktiv. Für das alltägliche Mitschwimmen im Landstraßenverkehr ist der Turbodiesel völlig ausreichend motorisiert, für Rennstreckenbesuche ist er andererseits genausowenig geeignet wie die anderen Vierzylinder-Diesel. Da man in Sachen Querdynamik keine Abstriche gegenüber den stärkeren Modellen machen muss, kann man zumindest auf kurvigem Geläuf auch zügig unterwegs sein und wird zudem an der Zapfsäule belohnt.

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Zumindest laut Bordcomputer ist der Verbrauch nämlich wirklich erfreulich: Während unserer Testfahrt konnten wir problemlos mit einem Verbrauch von knapp über 5 Litern Diesel fahren, bei Abruf der kompletten Leistung kann man aber auch eine 6 oder gar eine 7 vor dem Komma sehen – im Alltag dürfte das allerdings kaum vorkommen. Wer es bewusst ruhig angehen lässt, wird auch ohne große Anstrengung mit einer 4 vor dem Komma belohnt. Andererseits steht zu bedenken, dass die potenteren Modelle mit demselben Grundmotor kaum mehr verbrauchen, aber bei Bedarf souveränere Fahrleistungen anbieten.

Das Triebwerk des 316d wirkt bis zu einer Drehzahl von rund 3.500 U/min durchaus munter und agil, spätestens bei 4.000 U/min geht dem Vierzylinder aber merklich die Puste aus und man neigt unbewusst zu der Frage, ob das jetzt wirklich alles war. Das Ausdrehen des Motors lohnt sich nach unserem subjektiven Empfinden kaum, denn der Motor wird in hohen Drehzahlen derart müde, dass auch kaum noch ein Geschwindigkeitszuwachs zu verzeichnen ist und der Wechsel in den nächsten Gang die naheliegendere Wahl darstellt. Dieseltypisch – zumindest abgesehen von den Biturbo-Triebwerken in BMW 123d, 335d & Co. – ist das nutzbare Drehzahlband also relativ schmal, Schaltvorgänge sind entsprechend häufig nötig. Die machen mit dem Sechsgang-Getriebe aber durchaus Freude, denn es schaltet knackig und präzise, sodass keine Wünsche an das Getriebe offen bleiben.

Im Innenraum zeigt sich der von uns gefahrene 3er mit Stoffsitzen und ohne Navigationssystem etwas karg ausgestattet, dennoch konnte uns die Materialqualität an den meisten Stellen überzeugen. Zwar sind die silbernen Zierleisten haptisch kein Genuss, aber normalerweise fasst man diese Teile ja auch nicht an. Alle Teile, die man im täglichen Betrieb berührt, sind haptisch angenehm ausgeführt, Hartplastik kommt erst im Fußraum zum Einsatz, wo man mit den Händen in aller Regel nicht unterwegs ist. Klimaautomatik und Radio Professional überzeugen genau wie in den größeren Modellen. Eine Sonderausstattung, die wir wirklich vermisst haben, war das Xenon-Licht, denn im Dunkeln ist man ohne Fernlicht überwiegend im Blindflug unterwegs, jedenfalls für unseren Geschmack leuchten die Halogen-Scheinwerfer die Fahrbahn nicht ausreichend aus.

In unserer Galerie beschränken wir uns auf Detailfotos, denn das generelle Design des BMW 3er E90 LCI ist ja durchaus bekannt. Dennoch haben wir noch ein paar Pressebilder eines weißen BMW 320d eingefügt, die das Exterieur der Limousine zeigen.

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  • http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2010-03/16400963-bmw-vorstaende-verdienen-trotz-krise-mehr-geld-015.htm Dennis

    Danke für den tollen Fahrbericht! Ich selbst spiele mit dem Gedanken mir einen neue BMW zuzulegen und meine Wahl wird wohl auf den neuen 3er fallen, doch über den Motor bin ich mir noch nicht ganz klar. Nach diesem Test würde ich allerdings zu dem “kleinen” 316d tendieren, da sein Preisleistungsverhältnis wirklich beeindruckend ist. lg

    • Benny

      Er ist auf jeden Fall eine Probefahrt Wert! Ich war wirklich positiv überrascht!

  • Südstaatler

    Zitat eines Arbeitskollegen bei BMW: Es ist eine Schande, dass die ganzen Leute hier mittlerweile einen 118i oder 316d fahren. Wenn schon kleines Auto, dann wenigstens großer Motor. Und wer -wie ich- ein großes Auto fährt, der braucht auch einen anständigen Motor unter der Haube.

    Ich schließe mich dem an: Man kann an allem sparen, aber nicht am Auto. Wer den 3er will (kann ihn seit dem Facelift empfehlen), der soll den 330d nehmen. Da kommt dann auch FREUDE AM FAHREN auf. Und ob die Kiste nun 5 oder 6,5 Liter schluckt – who cares?

    • Benny

      Beim Verbrauch mag das so sein und ohne jeden Zweifel ist ein 330d um Längen begehrenswerter, aber dessen Grundpreis liegt eben auch 11.700€ über dem des 316d. Man kann darüber streiten, ob man statt einem neuen 316d nicht lieber einen jungen gebrauchten 320d nehmen sollte, aber der 330d spielt finanziell in einer ganz anderen Liga, weshalb sich die Frage “316d oder 330d” nur für sehr wenige Menschen stellen dürfte.

      • Südstaatler

        Zitat Jeremy Clarkson:

        Work harder and get the right car.


        Stimmt schon, dass 11.700 Euro ne Stange Geld sind. Aber ich finde diese kleinen Motoren bringen nicht im Ansatz den Spaß auf den Asphalt, welchen du mit den großen Motoren hast. Natürlich hat jeder Mensch unterschiedliche Präferenzen – gibt ja auch viele, die nur einfach von A nach B wollen und stattdessen ein teures Haus oder was immer kaufen. Aber FREUDE AM FAHREN bekommt man mit nem alten 330d viel eher als mit einem neuen “grünen” 316d.

        • Benny

          Da stimme ich Dir völlig zu, der 316d ist sicherlich nicht die Krönung in Sachen Fahrspaß und ein 330d macht da ohne jeden Zweifel mehr Freude. Trotzdem hat der 316d meiner Meinung nach seine Berechtigung, denn es kann / will sich eben nicht jeder einen 330d leisten. Man braucht ja auch noch Platz nach oben, um sich steigern zu können ;-) Als Einstieg finde ich den 316d jedenfalls nicht verkehrt, subjektiv ist man damit im Alltag auch nicht langsamer unterwegs als mit einem 318i oder 320i, auch wenn man natürlich weniger Leistungsreserven als bei den stärkeren Modellen hat.

    • Heim von Kuehn

      Oh Gott welch konservatives, angestaubtes Bild ihr beide habt. Wer nicht entweder nen dicken Motor oder ein Dickes Auto und einen dicken Motor hat, ist bescheuert…

      Wahrscheinlich findet ihr auch noch gut, wenn Frauen nur am Herd stehen und Kinder groß ziehen…

      Oder dein Kollege ist im Controlling … dann wäre diese Ansicht auch erklärbar: an den “Dicken Motoren” verdient BMW halt mehr… so eine Schande, daß den Leuten die dicken Motoren zu teuer sind….

      Merke: Brauch nicht jeder ein Defizit im Beckenbereich auszugleichen, mit dicken Schlitten, ….

      • six-in-a-row

        omg, geh doch bitte zu den grünen wenn es dir nicht passt dass es noch menschen gibt, die spaß am autofahren haben- benny hat doch völlig sachlich geschrieben dass ein 330d mehr spaß machen würde als ein 316d, sich diese frage aber normalerweise nicht stellt.
        ich geh insofern mit dass man eben nich nur beim auto nicht sparen darf- man sollte möglichst nicht in einer sozialwohnung leben aber dabei n neuen 3er fahren

        • Heim von Kuehn

          >omg, geh doch bitte zu den grünen wenn es dir nicht passt dass es noch menschen gibt, die spaß am autofahren haben-

          Habe ich nie geschrieben….

          …ich habe nur gegen die Sichtweise “es darf nicht sein, daß Leute am Auto sparen … und wenn, dann nur am Modell, aber nicht am Motor – es braucht einen großen Motor, um glücklich zu sein”

          >Ich geh insofern mit dass man eben nich nur beim auto nicht sparen darf- man sollte möglichst nicht in einer sozialwohnung leben aber dabei n neuen 3er fahren

          Das ist DEINE – vernünftige – Einstellung….

          …aber nicht die von “Südstaatler”:

          >Ich schließe mich dem an: Man kann an allem sparen, aber nicht am Auto.

          • Sauerländer

            Egal ob 6,5 oder 5 l pro 100 km -> Immer feste druff. Jeder leistet seinen Beitrag so gut er kann, die Ölreserven so schnell wie möglich aufzubrauchen.
            Zwischen (politisch) “grün” und “schwarz” gibt es übrigens nur einen Unterschied: Die Schwarzen brauchen länger bis sie kapieren, was umweltmäßig los ist.

    • s-abf

      Meine Elternhaben im moment einen Ford Galaxy 1,9 TDI und wir überlegen diesen zu verkaufen. Ein 316d Touring scheint eine gute Wahl, mehr Leistung brauchen meine Eltern nicht und vor allem ist der Verbrauch eben geringer. Genauso wie der Preis – der 320d ED ist sicher ein gutes Stück teurer. Nicht jeder hat mal eben 20.000€ für ein neues Auto auf der Kante – und da wäre ein gebrauchter 316d schon eine gute Wahl. Ich selbst studiere im IT Bereich und träume auch von 330d und co, aber das nimmt dem 316d etc. m.M.n. nicht die Daseinsberechtigung. Und schnell um Kurven geht der sicher auch.

  • Robert

    Ich seh gerade, dass der 316d auch ohne Xenon die leuchtenden Coronaringe an den Scheinwerfern hat. Hab ich das richtig gesehen? Kenne es nur vom 1er wo das ja nicht der Fall ist. Würdet ihr daher beim neuen 1er F20 nächstes Jahr auch mit den Coronaringen beim Halogenlicht rechnen? Vielen Dank für eure Meinung!

    • Benny

      Ja, das ist durchaus denkbar. Dadurch erhalten alle Fahrzeuge das Familiengesicht im Dunkeln, außerdem lässt sich so ja auch das Tagfahrlicht besser einbauen als mit verschiedenen Varianten. Ähnlich wie beim E92/E92 LCI könnte man ja dann andere Merkmale wie den illuminierten Streifen am oberen Rand und LED-Blinker aufpreispflichtig machen, aber das ist derzeit natürlich reine Spekulation.

  • 323ti

    316 d – Testverbrauch: 4,76 l/100km . . . gesehen am Sa, 06.03.2010 auf ´Kabel 1´ in der Sendung ´Abenteuer Auto´ . . .

    .
    vgl. auch mein Beitrag:

    http://www.bimmertoday.de/2010/03/05/genfer-salon-2010-der-bmw-320d-efficientdynamics-edition/#comment-11673

  • mb81

    zur Materialquali:
    Ich war heute mal wieder in einem normal ausgestatteten A4 Avant von Sixt unterwegs. Habe mir mal, in Hinsicht auf die Kritik zum X1, die Materialauswahl etwas genauer angesehen:
    Zierleisten vorne und an den Türen sind als Standard ebenso nur Kunststoff wie im 1er/3er Standard. Kein Alu!! Mittelkonsole ist rund um die Cupholder ebenso Hartplastik. Also sage mir keiner, Audi würde hier bessere Materialien einbauen!

    • Benny

      Laut dem Audi-Chef ist der A1 übrigens deshalb der einzige Premium-Kleinwagen (und der MINI eben nicht), weil dort kein Hartplastik verbaut wird. Ich bin gespannt…
      Wichtig ist doch letztlich nur, dass die von Fahrern und Mitfahrern berührten Teile eine haptisch ansprechende Qualität haben. Also im Wesentlichen alle Knöpfe und Bedienelemente. Mich persönlich kümmert es nicht, ob ich im Fußraum Hartplastik oder Leder verbaut habe, weil ich dort ohnehin nicht hinfühle. Im Rahmen von Individual und dergleichen vielleicht ein nettes Feature, aber für den Massenmarkt völlig überflüssig. Ich bin sehr gespannt, denn völlig ohne Hartplastik wäre der A1 deutlich mehr “Premium” als A4, A6 & Co., wo Teile, die man abgesehen von Haptik-Checks nie berührt, natürlich ebenfalls in Hartplastik ausgeführt sind…