Fahrbericht: Automobile Vernunft aus München: Der BMW 316d E90

BMW 3er | 17.03.2010 von 16

Die Lieblingskarten im Auto-Quartett tragen nicht selten klangvolle Namen und zeichnen sich durch enorm große Zahlen in bestimmten Disziplinen aus: Viel Hubraum, viele Zylinder, jede …

Die Lieblingskarten im Auto-Quartett tragen nicht selten klangvolle Namen und zeichnen sich durch enorm große Zahlen in bestimmten Disziplinen aus: Viel Hubraum, viele Zylinder, jede Menge PS und ein hohes Drehmoment. Leider gehört dazu in der Regel auch eine weitere große Zahl, nämlich die beim Verbrauchswert. Während man in den anderen Disziplinen mit dem BMW 316d eher nicht punkten kann, liegt seine Stärke eindeutig beim Verbrauch. Auch wenn der neue Einstiegsdiesel von BMW nicht an die 4,1 Liter des BMW 320d EfficientDynamics Edition herankommt, kann sich ein Normverbrauch von 4,5 Litern Diesel auf 100 Kilometer auf jeden Fall sehen lassen.

Andererseits sind 115 PS nicht nur im Autoquartett selten genug, verwöhnte Fahrer können sich mit dieser Zahl und den dahinterstehenden Fahrleistungen auch im automobilen Alltag nur schwerlich anfreunden. Dabei muss gesagt werden, dass der BMW 316d zwar kein Rennwagen ist und in Folge der Motorleistung nur bedingt zu sportlichem Fahren einlädt, er ist andererseits aber auch kein Verkehrshindernis und alle, die sportliches Fahren nicht nur mit Längsdynamik in Verbindung bringen, können mit dem kleinsten Diesel der BMW-Palette durchaus glücklich werden.

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Dafür verantwortlich ist zu einem großen Teil das Fahrwerk, denn das teilt sich der 316d mit seinen besser motorisierten Brüdern und bietet somit genau das, was man von einem BMW 3er erwartet: Das beste Fahrwerk seiner Klasse. Der von uns gefahrene 316d stand jahreszeitbedingt auf Winterreifen von Continental im Format 205/55 R16, die auf radkappenverzierten Stahlfelgen montiert waren.

Auch die sonstige Ausstattung des Fahrzeugs entstammt nicht wilden Träumereien, sondern ist stattdessen relativ bodenständig: Sitzheizung, Radio Professional, Klimaautomatik und Multifunktionslenkrad, damit ist die Liste der Sonderausstattungen weitestgehend abgehandelt. Daraus ergibt sich aber auch, dass der Listenpreis des Fahrzeugs unter der Marke von 35.000€ bleibt und den 316d somit auch finanziell durchaus attraktiv macht. In den gängigen Gebrauchtwagenbörsen finden sich eine ganze Reihe von jungen Gebrauchtfahrzeugen, die weniger als 10.000 Kilometer gelaufen und noch kein ganzes Jahr alt sind, die für unter 25.000€ den Besitzer wechseln können.

Die fürs Spritsparen relevanten Ausstattungen sind wie von BMW gewohnt serienmäßig im EfficientDynamics-Maßnahmenpaket enthalten: Bremsenergie-Rückgewinnung, Auto-Start-Stopp-Funktion, Schaltpunktanzeige und so weiter und so fort sorgen dafür, dass der BMW 316d mit einem Normverbrauch von 4,5 Litern Diesel noch unter Sparmodellen wie dem Audi A4 2.0 TDI e mit 4,6 Litern bleibt. Der Ingolstädter leistet mit 136 PS zwar etwas mehr, aber dessen Gegenspieler ist ja auch eher im BMW 320d EfficientDynamics Edition zu sehen, wo BMW alle Register zieht und den 3er trotz einer Motorleistung von 163 PS auf einen Normverbrauch von nur 4,1 Litern bekommen hat.

Aber kommen wir nun noch einmal zu den Fahreindrücken: Ehrlich gesagt haben wir vom BMW 316d mit seinen 115 PS nicht viel erwartet und waren insofern positiv überrascht, denn der kleine Diesel fährt sich deutlich angenehmer, als man anhand der Eckdaten vermuten würde. Es steht außer Frage, dass man sich gelegentlich mehr Leistung wünscht und kurz ein paar Gedanken an die stärkeren Brüder 318d und 320d aufkommen, angesichts des Preis-Leistungs-Verhältnisses bleibt der 316d aber dennoch attraktiv. Für das alltägliche Mitschwimmen im Landstraßenverkehr ist der Turbodiesel völlig ausreichend motorisiert, für Rennstreckenbesuche ist er andererseits genausowenig geeignet wie die anderen Vierzylinder-Diesel. Da man in Sachen Querdynamik keine Abstriche gegenüber den stärkeren Modellen machen muss, kann man zumindest auf kurvigem Geläuf auch zügig unterwegs sein und wird zudem an der Zapfsäule belohnt.

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Zumindest laut Bordcomputer ist der Verbrauch nämlich wirklich erfreulich: Während unserer Testfahrt konnten wir problemlos mit einem Verbrauch von knapp über 5 Litern Diesel fahren, bei Abruf der kompletten Leistung kann man aber auch eine 6 oder gar eine 7 vor dem Komma sehen – im Alltag dürfte das allerdings kaum vorkommen. Wer es bewusst ruhig angehen lässt, wird auch ohne große Anstrengung mit einer 4 vor dem Komma belohnt. Andererseits steht zu bedenken, dass die potenteren Modelle mit demselben Grundmotor kaum mehr verbrauchen, aber bei Bedarf souveränere Fahrleistungen anbieten.

Das Triebwerk des 316d wirkt bis zu einer Drehzahl von rund 3.500 U/min durchaus munter und agil, spätestens bei 4.000 U/min geht dem Vierzylinder aber merklich die Puste aus und man neigt unbewusst zu der Frage, ob das jetzt wirklich alles war. Das Ausdrehen des Motors lohnt sich nach unserem subjektiven Empfinden kaum, denn der Motor wird in hohen Drehzahlen derart müde, dass auch kaum noch ein Geschwindigkeitszuwachs zu verzeichnen ist und der Wechsel in den nächsten Gang die naheliegendere Wahl darstellt. Dieseltypisch – zumindest abgesehen von den Biturbo-Triebwerken in BMW 123d, 335d & Co. – ist das nutzbare Drehzahlband also relativ schmal, Schaltvorgänge sind entsprechend häufig nötig. Die machen mit dem Sechsgang-Getriebe aber durchaus Freude, denn es schaltet knackig und präzise, sodass keine Wünsche an das Getriebe offen bleiben.

Im Innenraum zeigt sich der von uns gefahrene 3er mit Stoffsitzen und ohne Navigationssystem etwas karg ausgestattet, dennoch konnte uns die Materialqualität an den meisten Stellen überzeugen. Zwar sind die silbernen Zierleisten haptisch kein Genuss, aber normalerweise fasst man diese Teile ja auch nicht an. Alle Teile, die man im täglichen Betrieb berührt, sind haptisch angenehm ausgeführt, Hartplastik kommt erst im Fußraum zum Einsatz, wo man mit den Händen in aller Regel nicht unterwegs ist. Klimaautomatik und Radio Professional überzeugen genau wie in den größeren Modellen. Eine Sonderausstattung, die wir wirklich vermisst haben, war das Xenon-Licht, denn im Dunkeln ist man ohne Fernlicht überwiegend im Blindflug unterwegs, jedenfalls für unseren Geschmack leuchten die Halogen-Scheinwerfer die Fahrbahn nicht ausreichend aus.

In unserer Galerie beschränken wir uns auf Detailfotos, denn das generelle Design des BMW 3er E90 LCI ist ja durchaus bekannt. Dennoch haben wir noch ein paar Pressebilder eines weißen BMW 320d eingefügt, die das Exterieur der Limousine zeigen.

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