BMW M235i USA Roadtrip Teil Acht: Auf der Traumstraße

BMW 2er | 26.01.2016 von 1
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US-Roadtrip 2015: Im achten Teil unserer Reportage mit dem BMW M235i entdecken wir die schönste Straße der Welt und fühlen uns in Fort Bragg wie James Bond

„Ich brauche Kaffee, einen Bagel und Wifi!“ Hanna hat an diesem Morgen eine durchaus konkrete Vorstellung von einem gelungenen Frühstück. Da uns die spektakuläre wie anstrengende Schlafplatz-Suche vom Vorabend noch deutlich in den Knochen steckt, wollen wir den vorletzten Roadtrip-Tag hier in Eureka ausnahmsweise einmal ruhig beginnen lassen. Mit kaum 30.000 Einwohnern gehört die beschauliche Stadt mit ihrem typisch-quadratischen Straßennetz tatsächlich zu den größten Ansiedlungen rund um die Redwood Nationalparks – für viele Westküsten-Reisende (uns definitiv mit eingeschlossen) ein willkommenes Fleckchen Zivilisation. Und während Hanna kurz später bei „Los Bagels“ mit für jeden Fisch-Feind kaum nachvollziehbarem Genuss einen Lachs-Bagel frühstückt, planen wir online unsere heutige Etappe im BMW M235i xDrive, die uns bis nach Fort Bragg bringen soll.    

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Anstatt dem stets von doch etwas zu entspannt gestimmten Pickup-Fahrern belagerten Highway 101 zu folgen, wollen wir noch einmal an der beeindruckenden Pazifikküste auf B-Road-Suche gehen. Gestärkt mit vollem Tank und Tatendrang lassen wir Eureka hinter uns und biegen schließlich ab in Richtung „Capetown Petrolia“, wie uns ein Hinweisschild mit verheißungsvoll rostigen Lettern mitteilt. In engen, brüchig asphaltierten Kurven schraubt sich die schmale Landstraße, die Hanna auf der Karte entdeckt hat, durch die Hügel. Zwanzig Grad und strahlender Sonnenschein – perfekte Bedingungen für eine sportliche Ausfahrt. Schon nach wenigen Metern kommen uns drei nagelneue Porsche Boxster entgegen, dicht am Grenzbereich unterwegs, beklebt mit kleinen GoPro-Kameras. „Ich glaube, wir sind hier richtig…“. Hanna macht es sich auf dem Beifahrersitz bequem, die Kameratasche fest in der Hand. Vollgas.

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Zunehmend begeistert jagen wir von einer Kurve zur nächsten, weichen mit kleinen Schlenkern den nach sieben Tagen schon gewohnt tückischen Schlaglöchern aus. Dann, beim ersten Foto-Stopp, stellt Hanna mit leichter Herausforderung im Ton diese eine Frage, die auch mich seit unserer kleinen Begegnung beschäftigt: „Na, würdest du gerade lieber in einem der Boxster sitzen?“. Die große Porsche-Frage also. Ein durchaus sensibles Thema, das gewiss auch manchen M235i-Kunden schon einmal umgetrieben hat.

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Sicher, all die ambitionierten Bad-Boys auf dem großen Auto-Spielplatz schwören auf die Zuffenhausener Sportlichkeit. Doch gerade hier, auf den amerikanischen Landstraßen, liegt unser BMW mit seinem gewissen Plus an Bodenfreiheit und Federungskomfort im Vorteil. In Sachen Fahrleistungen bewegt er sich mit dem Porsche ohnehin auf ähnlichem Niveau. Kompromisse bieten, ohne dabei selbst einer zu sein: Schlussendlich überzeugt der M235i mit seinem reizvollen Konzept – als ernstzunehmender Sportwagen und echter Alltagsbegleiter in einem. Ob ich da noch tauschen möchte? Danke Hanna, heute nicht.

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Lieber genießen wir Mal um Mal die Präzision der elektromechanischen Servolenkung auf den Serpentinen, lauschen dem Antriebskonzert der 326 PS am Kurvenausgang und genießen ganz nebenbei die Aussicht. Meilenweit zieht sich die Straße vor uns über die Hügel, schlängelt sich in weit gezeichneten Serpentinen bis ganz hinunter an die Pazifikküste. In der Ferne verläuft die See mit dem leichten Dunst des Spätsommerhimmels zu einer unendlich blauen Fläche. Mattole Road. Wir haben sie gefunden. Die schönste, ruhigste und tückischste Küstenstraße der Welt.

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Tückisch? Ohja, und das längst nicht nur wegen der erwähnten Schlagloch-Fallen. Denn irgendwo hinter dem kleinen Dörfchen Petrolia wechselt unsere Traumroute ganz unvermittelt den Fahrbahn Belag. Die brüchige B-Road wird zur Staubstraße. Erinnerungen an den gestrigen Abend kommen wieder auf, an die quälenden sechs Meilen Lehm und Sand bis zum vollen Campingplatz. Mit leicht ironischem Unterton merkt Hanna an, dass unsere Beef Jerkey Vorräte erschöpft seien.

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Um eine ähnliche Odyssee wie am Vorabend zu verhindern, drehen wir um und fahren ein Stück zurück in Richtung Petrolia. Dort hat Hanna auf der Karte eine rund 40 Kilometer lange Verbindungsstraße zum Highway 101 ausgemacht – immerhin eine gute Möglichkeit, um nicht erst mitten in der Nacht in Fort Bragg anzukommen.

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Unser erhoffter Ausweg aus der drohenden Odyssee beginnt mit einer rostigen Eisenbrücke, die über verwitterte Holzbohlen auf die andere Seite eines kleinen Flusses führt. Glücklicherweise haben sich fleißige Bauarbeiter scheinbar vor kurzer Zeit erbarmt und die breite Straße dahinter mit gemahlenen Muscheln präpariert – ein perfekter Spielplatz für den Allradantrieb unseres M235i xDrive. Vorsichtig lassen wir in den Kurven das Heck ein wenig mitlenken. Man kann förmlich fühlen, wie die vier angetriebenen Räder das Sport-Coupé auf Kurs halten. Doch das beste am ungewöhnlichen Muschel-Belag: wir kommen voran!

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BMW M235i xDrive: Kleine Zettel in Ford Bragg

Nach nur etwas mehr als einer Stunde Fahrt über die menschenverlassenen Berge (ja, in Amerika gelten andere Relationen) weichen die Muscheln einer geradezu perfekt asphaltierten Straße, die uns durch die riesigen Redwood Bäume des Humboldt State Park tatsächlich wieder auf den 101 bringt. Die Definition des Wortes „Highway“ ist hier an der Westküste allerdings breit gefächert. Im Grunde kann alles ein Highway sein, vom achtstreifigen Rushhour-Bewältiger bis zum zweispurigen Serpentinen-Monster – so wie hier. Noch rund 70 Kilometer verbringen wir bei einbrechender Dunkelheit auf dem Pacific Coast Highway 1, der in niemals enden wollenden Serpentinen dicht an brüchigen Fels gedrückt bis Fort Bragg führt.

Kurven machen Spaß, doch das ist zu viel. Erst im letzten Moment erkennt man entgegenkommende Autos und Trucks hinter den Felswänden, verwirrte Rehe stehen wie eingefroren im Licht der Xenon-Birnen. Zu allem Übel hat uns die schönste Küstenstraße der Welt fast eine ganze Tankfüllung gekostet („Das war’s wert“, meint Hanna). Nach acht Tagen Westküste hat sich bei uns jedoch eine gewisse Routine eingestellt, dank der anstrengende Straßenverhältnisse und Benzinengpässe weitgehend stressfrei vorübergehen – auch wenn die hartgesottene Hanna tatsächlich zum ersten Mal auf der Reise ob der Kurven über ein gewisses Unwohlsein klagt. Schnell zeigt die Reichweitenanzeige dank etwas ruhigerer Gangart und der Segelfunktion des EcoPro-Modus wieder ausreichend viele Restkilometer an.

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Kurz vor neun erreichen wir schließlich wohlbehalten und mangels erwähntem Beef Jerkey reichlich hungrig unser Ziel Fort Bragg. Gleich drei ansehnliche Strand-Motels buhlen am Ortseingang um unsere Aufmerksamkeit und ohne Vorab-Reservierung können wir ganz entspannt um den günstigen Übernachtungspreis feilschen. Wer sich vom gewissen Nervenkitzel einer fehlenden Hotelbuchung nicht stören lässt, kann viel Geld sparen – oder muss mit viel Pech im Auto übernachten.

Wir haben heute Glück. Während neben uns ein älteres Ehepaar eincheckt, lehnt der Mann an der Rezeption unsere Preisvorstellung lachend ab – nur um uns sogleich unauffällig einen kleinen Zettel zuzuschieben. „Ihr bekommt das Zimmer“, steht darauf. Er wolle die Gäste am Counter neben uns nicht verärgern, flüstert der Held unseres Abends verschwörerisch. Ich fühle mich ein bisschen wie James Bond, als ich den Zettel ebenso unauffällig in meiner Tasche verschwinden lasse. Immerhin: auch der britische Top-Agent war einst in einem BMW unterwegs…

Text: Jonas Eling
Fotos: Hanna Coco

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