Jahrelang wollte Cadillac beweisen, dass es eine Sportlimousine aus den USA auch mit den etablierten deutschen Premiumherstellern aufnehmen kann, doch inzwischen haben die Amerikaner offenbar die Freude an derartigen Vergleichen verloren: Mit dem Cadillac CT5-V Blackwing wurde ganz bewusst ein Auto auf die Räder gestellt, dass sich nicht über Vergleiche zu BMW M5, Audi RS 6 oder Mercedes-AMG E 63 definiert. Im Drivecast-Podcast von TheDrive.com erklärt es Tony Roma mit einem simplen Vergleich: Der CT5-V Blackwing ist die Sorte Eis, die dem Team und offenbar auch den Kunden der Marke am besten schmeckt – und ob es andernorts noch andere leckere Sorten gibt, spielt eigentlich keine Rolle.
Bei dieser Strategie profitiert Cadillac im Vergleich mit BMW M5 & Co. natürlich auch davon, dass der eigene Favorit in erster Linie dem US-Markt und nicht zwingend Kunden im Rest der Welt schmecken muss. Im Fall des Cadillac CT5-V Blackwing konnten die Amerikaner so ein faszinierendes Paket mit mächtigem Kompressor-V8, Hinterradantrieb und manuellem Getriebe schnüren, dass auf emotionaler Ebene eine durchaus andere Zielgruppe ins Visier nimmt als ein aktueller BMW M5 mit Plug-in-Hybrid-Antrieb. Der 6,2 Liter große Achtzylinder leistet auch ohne Elektro-Unterstützung 668 PS – und dass Verbrauch und Emissionen deutlich höher ausfallen als bei einem M5 mit bis zu 68 Kilometern Elektro-Reichweite, stört unter eingefleischten Cadillac-Kunden niemanden.

Cadillac versucht damit nicht länger, die technischen Entwicklungen der deutschen Konkurrenz nachzuvollziehen oder sich auf Rundenzeit-Duelle einzulassen, sondern macht die eigene Andersartigkeit ganz gezielt zum Verkaufsargument. Roma beschreibt den Blackwing sinngemäß als das Auto, das man bei Cadillac selbst gerne fahren möchte. Für viele Kunden bedeute Luxus schließlich auch, etwas Eigenständiges zu kaufen, statt einfach nur das vermeintlich Beste aus einer bekannten Klasse zu wählen.
Der Wunsch nach Eigenständigkeit wird künftig sogar noch klarer, denn die nächste Generation des CT5-V soll mit V8-Saugmotor kommen. Cadillac positioniert sich damit als begehrenswertes Gegenangebot zum deutschen Mainstream – und das in einer Zeit, in der Effizienz, Elektrifizierung und Automatisierung auch im High-Performance-Segment die Entwicklung bestimmen.
In einem ganz anderen Bereich des Modellportfolios könnte BMW seinerseits bald Cadillac ins Visier nehmen, denn die Überlegungen in Richtung eines möglicherweise BMW X9 genannten XXL-SUV als Alternative zum Cadillac Escalade wurden jüngst ganz offiziell bestätigt.
(Fotos: Cadillac)









