Frank van Meel: BMW M2 wird letzter M ohne Elektrifizierung

BMW M, BMW M2, BMW XM | 8.06.2022 von 103

Frank van Meel ist alter und neuer Chef der BMW M GmbH, nach dreieinhalb Jahren in anderer Funktion hat der Niederländer vor wenigen Monaten erneut …

Frank van Meel ist alter und neuer Chef der BMW M GmbH, nach dreieinhalb Jahren in anderer Funktion hat der Niederländer vor wenigen Monaten erneut das Steuer der Garchinger Performance-Division übernommen. Wir hatten im Rahmen unserer ersten Testfahrt mit dem BMW XM die Gelegenheit zu einem längeren Gespräch mit dem M-Chef, der in den nächsten Jahren die weitere Elektrifizierung im M Town gestalten und lenken wird. Auch in unserem Interview spielen Elektroautos und Plug-in-Hybride daher eine wichtige Rolle, denn der Abschied vom Verbrennungsmotor als einziger Kraftquelle ist auch bei der M GmbH unumgänglich.

Der vor wenigen Stunden durch einen Leak teilweise enthüllte BMW M2 (G87) wird dabei so etwas wie das Abschiedsgeschenk für alle Puristen, denn er wird tatsächlich das letzte M-Modell ohne elektrifizierten Antrieb sein: Selbst ein 48-Volt-Bordnetz ist nicht mit an Bord, aber für viele Fans der klassischen Freude am Fahren ist dieser Verzicht auf jüngste Errungenschaften eher ein Vor- als ein Nachteil. Gleiches gilt für das manuelle Sechsgang-Getriebe, für dessen Reize so mancher liebend gerne auf ein paar Zehntel bei der Beschleunigung verzichtet. Was die aktuellen Herausforderungen für Frank van Meel mit dem neuen BMW LMDh-Prototypen für Le Mans und Daytona zu tun haben und welche Themen seine aktuelle Arbeit sonst noch prägen, erklärt der M-Chef am besten selbst: "

BimmerToday.de: Willkommen zurück! Wie ist es zurück bei BMW M nach dreieinhalb Jahren in der Luxusklasse?
Frank van Meel: Herrlich! BMW M hat sich in dieser Zeit auch weiterentwickelt, die Weichen dafür waren ja schon gestellt. Jetzt ist es für mich ein bisschen wie Kinderkriegen, aber die Kinder sind eben schon drei Jahre alt. Viele Themen waren bereits festgelegt, beispielsweise das Wiederbeleben des Themas CSL oder auch der neue Ansatz, im Motorsport den GT3-Rennwagen auf Basis des M4 zu stellen. Extrem schön sind auch die Themen LDMh und M3 Touring, die mein Vorgänger Markus Flasch auf den Weg gebracht hat. Toll finde ich auch, dass Motorsport und M wieder zusammen sind, etwas Ähnliches hatte ich damals schon mit Jens Marquardt angedacht, denn M kommt aus dem Motorsport und beides gehört einfach zusammen.

BimmerToday.de: Das klingt, als ob es bei der Rückkehr jetzt nicht viel zu ändern gibt?
Frank van Meel: Das stimmt, es geht einfach weiter. Die Kontinuität der Entwicklung war auch in den letzten dreieinhalb Jahren gegeben und jetzt geht es mit dem nächsten Schub in Richtung E-Mobilität weiter. Der XM ist dabei nur der Anfang im High Performance-Segment, mit i4 M50 und iX M60 und demnächst i7 M70 gibt es ja schon entsprechende Angebote im Performance-Segment. Das Ziel ist natürlich, irgendwann auch High Performance-Fahrzeuge vollelektrisch anbieten zu können. Das ist aus verschiedenen Gründen nicht ganz so einfach, deshalb gibt es das auch noch nicht. Aber die gleiche Frage stellt sich auch im Motorsport, denn natürlich wird es dafür eines Tages auch keine Basisfahrzeuge mit Verbrenner mehr geben. Wir müssen also genau wie im High Performance-Segment auch dort überlegen, wie Langstrecken-Motorsport vollelektrisch funktionieren kann. Ich bin aber optimistisch, dass wir hierfür auch mit unserem LMDh-Prototyp spannende Erkenntnisse sammeln können.

BimmerToday.de: Beim Thema Power-Hybride spielt natürlich auch der BMW XM eine Rolle, ein Hybrid-SUV mit extrem viel Leistung. Sie kombinieren hier den neuen V8 S68 mit einem Elektro-Motor, was nicht gerade für Leichtbau spricht. Wieso verfolgt der erste eigenständige M seit Jahrzehnten ein so grundlegend anderes Konzept als der Supersportler M1, der gewissermaßen sein Vorgänger ist?
Frank van Meel: Das hat aus meiner Sicht zwei Gründe. Einerseits stammt der M1 aus einer Zeit, in der Sportwagen das Non-plus-ultra waren und das auch ein Boom-Segment war, während das Boom-Segment unserer Zeit eben das SUV-Segment ist. Der zweite Grund ist, dass uns im M-Lineup am obersten Rand noch ein extrem starkes, aber auch extrem extrovertiertes Modell gefehlt hat. Die Nachfrage nach solchen Fahrzeugen ist gerade sehr groß und deshalb engagieren wir uns nun auch in diesem Segment.

BimmerToday.de: Mit eigenständiger Karosserie, eigenständigem Radstand und Hybrid-Antrieb rückt man natürlich auch kostenseitig in eine ganz andere Liga. Sind Sie sicher, dass es hierfür einen ausreichend großen Markt gibt?
Frank van Meel: Wir glauben fest daran, ja.

BimmerToday.de: Zu den Hintergründen zählt sicher auch, dass der Hybrid-Antrieb nicht nur für den XM entwickelt wird, auch der nächste BMW M5 (G90) wurde bereits mit vielsagenden “Hybrid Test Vehicle”-Aufklebern erwischt. Ist die Hybridisierung also der Weg, den wir in Zukunft bei so gut wie jedem neuen M-Modell sehen werden?
Frank van Meel: Auf jeden Fall ist es so, dass wir einen neuen M-Antrieb im Regelfall nicht nur für die Verwendung in einem einzigen Fahrzeug entwickeln.

BimmerToday.de: Mit immer mehr komplexer Technik an Bord steigt auch das Gewicht. Wie schafft man es, dass solche schweren Fahrzeuge dennoch so dynamisch werden, wie es die Kunden der M GmbH mit Recht erwarten?
Frank van Meel: Auch wenn das Gewicht zwangsläufig zunehmen wird, ist die Umsetzung der richtigen Leichtbau-Maßnahmen weiterhin wichtig. Die M GmbH hat da ja eine gute Geschichte, nicht nur mit dem berühmten M Carbon-Dach. Das bleibt nach wie vor wichtig, um das Gewicht nicht unnötig hoch werden zu lassen. Der Vorteil bei elektrifizierten Fahrzeugen ist natürlich, dass sich der Schwerpunkt nach unten verlagert, weil die Hochvoltspeicher immer im Unterboden platziert sind. Man kann zwar die Gesamtmasse nicht auf dem heutigen Niveau halten, aber für die Fahrdynamik wichtige Fragen wie die Aufbaukontrolle und das Wankverhalten können wir dank des tieferen Schwerpunkts sogar verbessern. Das ist wirklich anders als in der Vergangenheit, wo Gewichtszunahme immer an der falschen Stelle stattfand und der höhere Schwerpunkt zu mehr Schwerfälligkeit und stärkerer Wankneigung geführt hat. Damit der Schwerpunkt so niedrig wie möglich ist, hilft unsere Leichtbau-Kompetenz also auch weiterhin sehr. In Verbindung mit unseren Stärken in den Bereichen Fahrwerk und Struktur-Steifigkeit des Gesamtfahrzeugs kriegen wir dann auch die Präzision und Agilität hin, die unsere Kunden von einem M erwarten.

BimmerToday.de: Also täuscht der Eindruck, den mancher beim Blick in die Datenblätter der neuen Generation von M3 und M4 hatte, nämlich dass Leichtbau auf der Prioritäten-Liste der M GmbH nicht mehr so weit oben steht wie früher?
Frank van Meel: Das ist definitiv nicht der Fall, ja. Leichtbau stand bei uns in der Vergangenheit ganz oben und steht auch weiterhin ganz oben. Fahrzeuge werden zum Teil aus regulatorischen Gründen schwerer, zum Teil weil sie einfach größer werden, aber deshalb wird das Thema Leichtbau eher wichtiger als weniger wichtig. Der heutige M3 hat ja auch sehr viele Leichtbau-Umfänge an Bord, aber er ist größer als sein Vorgänger, hat auch mehr Serienausstattung und muss andere Emissionierungs-Vorgaben erfüllen. Er ist unterm Strich dennoch deutlich schneller als sein Vorgänger, was eine starke Leistung ist.

BimmerToday.de: Wird es auch weiterhin M-Modelle ohne Hybridisierung geben oder ist der BMW M2 hier einer der letzten Aufschläge, die nur einen Verbrenner an Bord haben?
Frank van Meel: Der BMW M2 wird mit Reihensechszylinder und Hinterradantrieb definitiv eine puristische Fahrmaschine. In anderen Fahrzeugen werden wir eine zunehmende Elektrifizierung sehen, natürlich in unterschiedlichen Ausprägungen, angefangen vom 48-Volt-Bordnetz über Plug-in-Hybride bis zum vollelektrischen Antrieb. So gesehen wird der M2 der letzte M mit reinem Verbrenner-Antrieb und auch ohne Elektrifizierungs-Umfänge wie ein 48-Volt-Bordnetz sein, ja.

BimmerToday.de: Mit manuellem Sechsgang-Getriebe ist der M2 ein starkes Angebot für Puristen, aber generell geht der Trend eher in Richtung Automatikgetriebe, oder?
Frank van Meel: Der Trend geht schon seit Jahren in Richtung Automatikgetriebe, wobei er in letzter Zeit ein bisschen stehengeblieben ist. Gerade im Segment des M2 gibt es weiterhin sehr viele Handschalter-Fans, die etwas Besonderes suchen und dabei immer weniger Auswahl haben. Gerade auch in den USA haben wir deshalb einen sehr hohen Handschalter-Anteil von sogar über 50 Prozent, auch in Europa hatten wir bis zum Schluss noch über 20 Prozent Anteil, auch wenn es nicht schneller und auch nicht effizienter als die Automatik ist.

BimmerToday.de: Dieses Jahr werden 50 Jahre BMW M gefeiert, viele Neuheiten sind bereits bekannt oder zumindest angekündigt. Dürfen wir uns darüber hinaus noch auf die eine oder andere Überraschung freuen oder sind alle wesentlichen Neuheiten schon bekannt?
Frank van Meel: Da würde ich es gerne bei einem Zitat meines Landsmanns Rudi Carrell belassen und sage “Lass Dich überraschen!”

BimmerToday.de: Was haben Sie sich sonst noch für Ihre zweite Amtszeit an der Spitze der M GmbH vorgenommen?
Frank van Meel: Das sind eigentlich drei wesentliche Themen: Wie findet die Transformationen in Richtung Elektromobilität so statt, dass ein M ein M bleibt und besser wird als sein eigener Vorgänger? Wie schaffen wir es, Erkenntnisse und Technologien aus den Motorsport-Einsätzen mit M4 GT4, M4 GT3 und LMDh in unsere High Performance-Fahrzeuge zu übertragen? Und das dritte wichtige Thema nennen wir intern “Expressive Luxury”, hier geht es um das Bedienen einer wachsenden Nachfrage nach sehr expressiven und sehr individuellen Fahrzeug-Wünschen.

BimmerToday.de: Alles klar, wir bleiben gespannt und wünschen viel Erfolg!

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