Fahrbericht BMW 3er 2019: Erste Fahrt im neuen 320d G20

BMW 3er, Fahrberichte | 12.12.2018 von 4

Für den ersten Fahrbericht zum neuen BMW 3er G20 sind wir den potenziellen Europa-Bestseller 320d mit Sport Line und M Sportfahrwerk gefahren.

Kein anderer BMW wird weltweit mit so großer Spannung erwartet wie ein neuer 3er. Für den ersten Fahrbericht durften wir uns gleich drei Varianten des BMW 3er 2019 ansehen und werden diese jeweils separat vorstellen. Den Anfang macht an dieser Stelle der neue BMW 320d G20 mit Sport Line und M Sportfahrwerk, mit dem wir unsere ersten Meter in der neuen Mittelklasse-Limousine gefahren sind.

Genau wie andere Neuheiten der jüngeren Vergangenheit trägt auch der 3er G20 das gründlich überarbeitete Cockpit-Design mit Startknopf auf der Mittelkonsole. Zwei große Displays prägen das Armaturenbrett, darüber schwebt das Head-up-Display für den Fahrer. Sofort fällt auf, dass Materialien und Verarbeitung im Vergleich zum Vorgänger deutlich gewonnen haben. Dennoch gibt es einige Kunststoff-Oberflächen, die den 3er von den größeren Baureihen unterscheiden.

Fahrbericht BMW 3er 2019: Erste Fahrt im neuen 320d G20

Wichtiger ist uns aber, wie sich der neue 3er fährt. Gleich zu Beginn der Fahrt mit dem 320d fällt auf, dass der Motor akustisch noch viel stärker in den Hintergrund rückt als beim Vorgänger. Dass hier ein Diesel arbeitet, ist auf den ersten Metern mit typischem Stadtprofil praktisch nicht zu spüren. Und auch sonst hört man zunächst kaum etwas – weil der 3er auch mit Vierzylinder-Diesel erstaunlich leise geworden ist.

Für den erheblich verbesserten Geräuschkomfort sind eine ganze Reihe von technischen Maßnahmen verantwortlich. Die serienmäßige Akustik-Frontscheibe und die optionalen Akustik-Seitenscheiben stehen dabei sicherlich im Vordergrund, sind aber nur der Anfang. Die Entwickler sagen, dass außerdem jeder Hohlraum des 3ers konsequent ausgeschäumt wurde. Auch die steifere Verbindung zwischen Karosserie und Fahrwerk reduziert ungewollte Geräusche, insbesondere auf Kopfsteinpflaster und anderen schlechten Untergründen.

Aber Ruhe ist nicht das einzige, was den neuen BMW 3er 2019 auf den ersten Blick von seinem Vorgänger unterscheidet. Gemessen daran, dass unser 320d-Testwagen das M Sportfahrwerk mit hubabhängigen Dämpfern und große Felgen verbaut hat, fällt noch etwas sofort auf: Der 3er ist spürbar komfortabler geworden. Er ist auch weiterhin nicht das komfortabelste Fahrzeug des Segments, aber das würde viele Kunden ohnehin eher verwundern als erfreuen. Und wer es besonders kommod mag, wird nicht zum M Fahrwerk greifen – oder die adaptiven Dämpfer wählen, die im Komfort-Setup für ein noch sanfteres Abrollverhalten sorgen sollen.

Gerade weil Komfort im Fall eines BMW 3er mit M Sportfahrwerk nicht die Parade-Disziplin sein muss, überrascht die angenehme Gangart bei größeren Unebenheiten. Wichtiger ist aber zweifellos, was das neue Fahrwerk leisten kann, wenn aus Geraden zunehmend enge Kurven werden. Denn hier können die hubabhängigen Dämpfer ihre Stärke ausspielen: Weil sich ihre Härte je nach Stärke des Impulses verändert, können sie bei starken Impulsen für eine besonders direkte Verbindung sorgen, ohne auch schwächere Impulse unnötig ungefiltert in die G20-Karosserie zu übertragen. Die Folge: Mehr Komfort im Alltag und mehr Sportlichkeit bei dynamischer Gangart.

Je geschwungener die Straße wird, um so klarer wird auf jedem Meter: Auch der neue 3er ist verliebt in Kurven aller Art. Dabei helfen nicht nur die neuartigen Dämpfer, sondern natürlich auch die noch besseren physikalischen Grundlagen: Wie seine Vorgänger kommt der 3er mit ausgeglichener Gewichtsverteilung, aber er bietet gleich eine ganze Reihe von Verbesserungen im Detail – was in Summe einen für jedermann klar erfahrbaren Vorteil bringt. Zunächst ist wichtig, dass die Karosserie deutlich steifer als beim Vorgänger ausfällt, während das Fahrzeug gleichzeitig um bis zu 55 Kilogramm leichter geworden ist. Außerdem liegt der Schwerpunkt weitere 10 Millimeter niedriger als beim Vorgänger. Und 43 Millimeter mehr Spurweite vorn sowie 21 Millimeter mehr Spurweite hinten machen endgültig klar, wie ernst es dem neuen 3er mit der Fahrdynamik ist.

Die sehr solide Anbindung des Fahrwerks an die Karosserie macht sich gleich beim Einlenken in die Kurve bemerkbar, der 3er folgt dem Lenkimpuls ausgesprochen agil. In Kombination mit dem M Sportfahrwerk wird immer auch die Sportlenkung verbaut, was sich in Verbindung mit steiferen Gummilagern und 10 Millimetern Tieferlegung zu einem klaren Zugewinn an Agilität summiert.

Dabei muss man sich von Zeit zu Zeit in Erinnerung rufen, dass man lediglich am Steuer eines 320d sitzt. Aber sowohl der akustisch bestens gekapselte und gewohnt drehmomentstarke Biturbo-Motor als auch die ZF Achtgang-Automatik der dritten Generation lenken überzeugend von diesem Umstand ab und verstärken einen Effekt, der den 3er schon immer ausgezeichnet hat: Man muss nicht zum teuren Topmodell greifen, um ein dynamisches Paket zu erhalten – Fahrdynamik steckt hier in den Genen und lässt sich auch in einem 320d erleben.

Die Biturbo-Konfiguration des Vierzylinder-Diesels B47 arbeitet mit einem großen Niederdruck-Lader, der dank variabler Turbinengeometrie spontan auf Gaspedalbefehle reagieren kann. Für hohe Drehzahlen und große Last gibt es außerdem einen kleineren Hochdruck-Lader, der die Spitzenleistung von 190 PS ermöglicht. Das Biturbo-Setup erlaubt eine effizientere Abgasrückführung und steigert die Effizienz, während die komplexe Abgasreinigung mit zwei insgesamt 19 Litern fassenden AdBlue-Tanks für möglichst saubere Luft hinter dem 320d sorgen.

Da verkommt es fast zur Randnotiz, dass der BMW 3er G20 auch bei den Assistenzsystemen und Sicherheitsausstattungen kräftig nachlegt und nun serienmäßig über ein 8,8 Zoll großes Infotainment-Display verfügt. Egal ob Engstellenassistent für Baustellen, Rückfahrassistent, Laser-Scheinwerfer mit bis zu 500 Meter Reichweite oder Gestiksteuerung – der 3er lässt sich in vielen Punkten wie seine großen Brüder der 5er- und 7er-Reihe ausstatten, die er auf kurvigen Strecken mühelos abschütteln kann. Außerdem erleichtert der Intelligent Personal Assistant die Bedienung während der Fahrt, weil die Spracheingabe nun auch für Funktionen wie die Klimatisierung genutzt und ohne Tastendruck aktiviert werden kann.

Sicher sagen lässt sich, dass die Entwickler des neuen BMW 3er G20 ihre Hausaufgaben gemacht haben. Wenn die Limousine im März 2019 ihren weltweiten Marktstart feiert, dürfen sich die Kunden aller Varianten auf einen echten Dynamiker freuen, der zudem komfortabler, effizienter und sauberer als all seine Vorgänger fährt. Dass er außerdem auch noch intelligenter und nutzerfreundlicher geworden ist, rundet das starke Paket überzeugend ab.

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