BMW X5 M50d G05 im Fahrbericht: Vier Turbos im Topmodell

BMW X5, Fahrberichte | 8.10.2018 von 15

Wenn 2,3 Tonnen in 5,2 Sekunden auf Tempo 100 gewuchtet werden, fühlt sich das an wie eine kleine Sensation – doch der eigentliche Reiz des neuen BMW X5 M50d liegt ganz woanders.

Eine Ampel im Nirgendwo. Ein maßlos motorisierter US-Pick-up trödelt blubbernd über die Kreuzung und verschwindet in der nächsten Querstraße. Dann wird es unvermittelt grün und der BMW X5 M50d sieht rot. In einer Millisekunde sammeln sich die vier Turbolader, feuern 760 Newtonmeter Drehmoment in den Asphalt und schießen das 400 PS starke M Performance SUV in absurd kurzen 5,2 Sekunden in Bereiche, die all zu schnell das Interesse der strengen Highway Patrol wecken könnten. Wir grinsen und finden mit aktivierter Geschwindigkeitsbegrenzung zurück zur Vernunft.

Die eigentliche Sensation unserer kurzen Sprinteinlage ist nicht einfach nur die reine Beschleunigungsmacht des bereits aus M550d und 750d bekannten Quadturbo-Diesels. Was den BMW X5 M50d zu einem wirklich besonderen Performance-SUV macht, ist das Fahrverhalten auf den zurückliegenden ersten Kilometern unserer Testfahrt: Die Ruhe und Verbindlichkeit, mit der das zumindest temporäre Topmodell der vierten X5-Generation den Alltag bewältigt.

Bis der G05 als vollwertiges M-Modell an den Grenzen der technischen Machbarkeit kratzt, verkörpert der powerdieselnde M Performance X5 M50d die Rolle des Rudelführers. Das Sport-Versprechen ist allerdings reine Theorie, wenn man – so wie wir an diesem Morgen – auf einem Highway dahinrollt, dessen sechs Spuren im Berufsverkehr nicht mehr als ein Stop-and-Go ermöglichen. Im Comfort-Modus arbeitet der gut gedämmte Dreiliter-Sechszylinder kaum hörbar in der Ferne, reagiert sachte und sensibel auf Befehle mit dem Gaspedal und federt trotz serienmäßiger 21-Zöller kaum weniger verbindlich über Bodenwellen und Asphalt-Kanten als die zivileren X5-Modelle mit der neuen Zweiachs-Luftfederung.

Auf der Preisliste hält BMW verschiedene Fahrwerks-Optionen bereit, mit denen sich das M Performance Modell nach persönlicher Präferenz konfigurieren lässt. Serienmäßig verbauen die Münchner ein adaptives M Fahrwerk, alternativ stehen das im X5 xDrive30d getestete und für hochkomfortabel befundene Luftfahrwerk mit 80 Millimeter Verstellweg sowie das in unserem Testwagen verbaute adaptive M Fahrwerk Professional zur Wahl. Dann verfügt der BMW X5 M50d über die volle Sportausrüstung mit aktiver Wankstabilisierung, die besonders bei zügiger Kurvenfahrt mittels elektrischer Stellmotoren die Seitenneigung reduziert.

Hinzu kommt erstmals in einem X-Modell eine Integral-Aktivlenkung, bei der die Hinterräder je nach Fahrsituation gleich oder entgegen der Vorderräder mitlenken und auf diese Weise spürbar die Agilität fördern. Das M Sportdifferenzial an der Hinterachse rundet das Dynamik-Paket ab und bewahrt vor dem angesichts der 760 Newtonmeter Drehmoment unweigerlich drohenden Traktionsverlust beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren – Probleme, mit denen wir uns auf dem überfüllten Highway an diesem Morgen vorerst wohl nicht befassen dürfen.

Irgendwann lichtet sich der dichte Verkehr jedoch ein wenig und wir wagen einen vorsichtigen Druck auf die Sporttaste. Aus Theorie wird Praxis: Mit erwartungsvollem Elan strafft der M50d die Seitenwangen der hervorragenden Komfortsitze, ändert die Grafik der digitalen Instrumentierung und faucht plötzlich viel präsenter aus dem Motorraum, unterstützt durch das feine Blubbern der Sportabgasanlage, das nun irgendwo weit hinten durch die Innenraumdämmung dringt. So bereitwillig sich der BMW M50d zuvor mit den rigiden US-Tempolimits abgefunden hat, so nervös verlangen nun die 400 PS unter schärferer Gaspedalkennung nach Freiheit.

BMW X5 M50d: Komfort-SUV mit Performance-Anspruch

Wir müssen hier weg, folgen gerne dem Wunsch des Navigationssystems und verlassen den Highway an der nächsten Ausfahrt. Eine neu geteerte Landstraße schlängelt sich verheißungsvoll durch die bewaldete Hügellandschaft. Na also – perfektes M Performance-Terrain. Präzise folgt das aufwändige Lenksystem dem Kurvenverlauf. Dank der mitlenkenden Hinterräder wirkt der 4,9 Meter lange M50d leichtfüßig, geradezu kompakt. Der hellwache Allradantrieb verteilt dazu das Drehmoment in enger Zusammenarbeit mit dem Sperrdifferenzial bevorzugt an die Hinterräder und eliminiert wirkungsvoll den Drang zum Untersteuern.

Auch die gewohnt tadellose Achtgang Sport-Steptronic trägt ihren Teil zum dynamischen Fahrerlebnis bei. Beim Anbremsen schaltet das Getriebe präzise und in Sekundenbruchteilen in den passenden Gang, stets bereit für den größtmöglichen PS-Punch – und ohne nervös die Drehzahl zu halten, wenn man sich den nächsten Beschleunigungsversuch doch noch einmal anders überlegt.

Der BMW X5 M50d G05 ist nicht einfach nur ein Geländewagen mit einem absurd starken Dieselmotor. Was wir hier im legalen Bereich und auf öffentlicher Straße ausprobieren dürfen, wird dem Performance-Anspruch, den man nun auch an ein Sports Utility Vehicle stellen kann, mehr als gerecht. Der gewaltige Motor, das pfeilschnelle Getriebe und die Hightech-Fahrwerkskomponenten bieten im gelungenen Zusammenspiel nicht nur echten M Sport auf Knopfdruck, sondern eben auch einen überzeugenden Alltagskomfort. Nur der Blick auf die Preisliste lässt das Grinsen vom anfänglichen Ampelsprint für einen Moment einfrieren: der neue BMW X5 M50d kostet mindestens 92.900 Euro. Doch auch das bringt der Titel “temporäres Topmodell” eben mit sich…

Weitere ausführliche Eindrücke und Technik-Details zur neuen X5-Generation findet Ihr im BMW X5 xDrive 30d Fahrbericht

Jonas Eling

 

 

15 responses to “BMW X5 M50d G05 im Fahrbericht: Vier Turbos im Topmodell”

  1. BMarcoW says:

    Schön geschrieben! 🙂

  2. gesellschaftlicherGroßkonflikt says:

    Was erlauben Diesel?

    https://www.theeuropean.de/reinhard-schlieker/14779-hysterie-wie-zu-zeiten-der-hexenverbrennungen

    hysterie-wie-zu-zeiten-der-hexenverbrennungen

    • DerOssi says:

      Oh ja, sehr wissenschaftlicher und seriöser Bericht… mir wurden die Augen geöffnet… 😉

      • DanielS says:

        Wieviele Millionen Heizöl-Verbrenner (“Ölheizungen”), ganz ohne SCR-Kat, AGR und AdBlue, gibt es eigentlich in Deutschland?
        Die verbrennen alle jeweils tausende Liter jährlich.
        Wo bleibt da die Hysterie?
        Mir völlig unverständlich.

      • gesellschaftlicherGroßkonflikt says:

        „Was erlauben Diesel?“
        „hysterie-wie-zu-zeiten-der-hexenverbrennungen“
        „sehr wissenschaftlicher und seriöser Bericht… mir wurden die Augen geöffnet… ;“

        ……… ICH habe den Artikel nicht verfasst – und ihn auch nur zur Diskussion gestellt.

        Ich selbst bin weder Diesel-Fahrer, noch bin ich ein ausgesprochener Diesel-Freund.
        ABER: ich sehe seine Daseinsberechtigung – auf Dauer!

        Ist jedenfalls sinnvoller – da mobile Energie – als jährlich 3.000 Liter Heizöl – stationär – rauszuballern, für die Wohngebäudebeheizung.

        Jedenfalls hat mir der Richtige geantwortet – immerhin bist DU mit durchaus vernünftigen Meinungen hier bisher aufgetreten;
        viele andere, insbesondere diverse Neulinge dafür umso weniger:
        Apfelbauern, ´Elend-Murks´-Verehrer, Weltverbesserer und Leute, die hier regelmäßig nur Spinnereien loslassen.

        • DerOssi says:

          Diskutiert werden darf bzw. soll natürlich… zu dem Journalist:
          “Der Journalist Reinhard Schlieker ist Börsen- und Finanzexperte beim ZDF.”

          Das sagt mir persönlich eigentlich alles… mag jetzt Schubladendenken sein, aber das riecht mir schon fast nach Lobbyismus, wenn sich ein (wahrscheinlich selbsternannter) “Finanzexperte” derart subjektiv gegen erneuerbare Energien und so wohlwollend für Fossile äußert… da gibt’s einen im Weißen Haus, der schwätzt genauso… 🙂

        • Torsten Windbeutel says:

          Grundsätzlich gilt hier Minderheitenschutz, insbesondere für Neulinge mit Erstanmeldungen ab 7. Juni 2018, die sichtbar Probleme haben, sich in verständlicher Sprache auszudrücken.

          Nicht von ungefähr hat sich unser Spitzenkandidat Häns Dämpf, alias Markus E. Vogt, bei seiner Wahl zum OB in Tübingen gegen Diskriminierung von Minderheiten, Autofahrern, Betrunkenen und Ruhestörern ausgesprochen.

          In seinem 99 Punkte umfassenden Grundsatzprogramm werden überlebensnotwendige Fragen gestellt, wie zum Beispiel:

          1. Was müssen wir trinken? Die Kampagne „Tübingen macht blau“ wird sofort beendet. Es geht um das BlauSein und nicht um das Blaumachen.

          2. Wo können wir parken? Bobbycars bekommen die “Grüne Plakette”, da 100% schadstofffrei und dürfen überall abgestellt werden. Diesel hingegen werden in Osteuropa entsorgt.

          3. Mit wem dürfen wir tanzen?
          Als Oberbürgermeister sollte man eine höfliche Distanz wahren.
          Zu viel Bürgernähe stört den Bürger nur in seinem täglichen Schaffen. Das gilt insbesondere deshalb, da unser neue OB Häns Dämpf gerne mit Knoblauch würzt.

          4. Wozu sollen wir unsere Miete bezahlen, der Bundespräsident wohnt doch auch umsonst -im Schloss Bellevue ?

          Frage 5 bis 99 folgen gegen ein entsprechendes Entgelt.

          https://uploads.disquscdn.com/images/b797ea62505eb12a972e9803e097e2568ad86c9376a08b376cc1427892d26c0b.jpg

  3. DanielS says:

    Gleich 2x im Text:
    “breitwillig” 🙂

    • Jonas Eling says:

      Hoppla, danke für den Hinweis! Der Fehler wird bereitwillig korrigiert.

    • gesellschaftlicherGroßkonflikt says:

      Gleich 2x im Text:
      “breitwillig” 🙂

      Hatte wohl eine heiße Nacht, womöglich zu dritt.
      Ich korrigiere daher: „ :-: „

      • Mini-Fan says:

        Ein xDrive45e beschleunigt mit 5.6sec auf 100 km/h nur unwesentlich schlechter als der teure 50d.

        vgl. auch meinen Post unter dem Bericht von bimmertoday v. 07.09.18

  4. gesellschaftlicherGroßkonflikt says:

    X5 45e – versus X5 50d

    MEINE absolut gefestigte Meinung:
    Spitzenmodell KANN h e u t e NUR noch ein Plug-In-Hybrid sein, mit mind. 50 – 80 km rein elektrischer Reichweite.
    (der reine Diesel ist da nur noch deswegen teilweise akzeptabel, da er im Teillastbetrieb ausgesprochen genügsam ist.)

    DAMIT, mit einem solchen Hybriden, sind ALLE lokalen Emissionsprobleme in den Städten der Welt gelöst, denn NUR DIE sind ein Problem.

    UND:
    resourcenschonender geht´s auch nicht, Stichwort „Brems-/Bewegungs-Energie-Rückgewinnung“

    Ein 700-kg-Akku permanent mit sich herumzuschleppen ist nicht „die“ Lösung.
    Für BMW (und Porsche) schon gar nicht.

    Von BMW – als Technologieführer – erwarte ich das.
    Und AUCH, 5.000 Euro-Mehrwert für die Plug-In-Hybridisierung quasi zum STANDARD zu machen – bzw. preislich attraktiv zu machen, gegenüber der BASIS.

    Gute Gebrauchtwagenpreise werden die Basisversionen dann nicht mehr erzielen.

    P.S.
    Der 45e benötigt 5,6 Sekunden bis 100 km/h – der 50d 5,2 Sekunden. Kein nennenswerter Unterschied.

  5. […] Enjoy this Cockpit, if there is a V8 under the hood provides the appropriate musical accompaniment. As the xDrive50i accelerates the X5 when needed in 4.7 seconds from 0 to 100, and easily reached the electronically limited top speed of 250 km/h. How the in Europe available BMW X5 M50d with 400 horsepower Quad turbo-Diesel, proposes, clarifies our M Performance G05-minute report. […]

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