BMW X5 M50d G05 im Fahrbericht: Vier Turbos im Topmodell

BMW X5, Fahrberichte | 8.10.2018 von 14

Wenn 2,3 Tonnen in 5,2 Sekunden auf Tempo 100 gewuchtet werden, fühlt sich das an wie eine kleine Sensation – doch der eigentliche Reiz des neuen BMW X5 M50d liegt ganz woanders.

Eine Ampel im Nirgendwo. Ein maßlos motorisierter US-Pick-up trödelt blubbernd über die Kreuzung und verschwindet in der nächsten Querstraße. Dann wird es unvermittelt grün und der BMW X5 M50d sieht rot. In einer Millisekunde sammeln sich die vier Turbolader, feuern 760 Newtonmeter Drehmoment in den Asphalt und schießen das 400 PS starke M Performance SUV in absurd kurzen 5,2 Sekunden in Bereiche, die all zu schnell das Interesse der strengen Highway Patrol wecken könnten. Wir grinsen und finden mit aktivierter Geschwindigkeitsbegrenzung zurück zur Vernunft.

Die eigentliche Sensation unserer kurzen Sprinteinlage ist nicht einfach nur die reine Beschleunigungsmacht des bereits aus M550d und 750d bekannten Quadturbo-Diesels. Was den BMW X5 M50d zu einem wirklich besonderen Performance-SUV macht, ist das Fahrverhalten auf den zurückliegenden ersten Kilometern unserer Testfahrt: Die Ruhe und Verbindlichkeit, mit der das zumindest temporäre Topmodell der vierten X5-Generation den Alltag bewältigt.

Bis der G05 als vollwertiges M-Modell an den Grenzen der technischen Machbarkeit kratzt, verkörpert der powerdieselnde M Performance X5 M50d die Rolle des Rudelführers. Das Sport-Versprechen ist allerdings reine Theorie, wenn man – so wie wir an diesem Morgen – auf einem Highway dahinrollt, dessen sechs Spuren im Berufsverkehr nicht mehr als ein Stop-and-Go ermöglichen. Im Comfort-Modus arbeitet der gut gedämmte Dreiliter-Sechszylinder kaum hörbar in der Ferne, reagiert sachte und sensibel auf Befehle mit dem Gaspedal und federt trotz serienmäßiger 21-Zöller kaum weniger verbindlich über Bodenwellen und Asphalt-Kanten als die zivileren X5-Modelle mit der neuen Zweiachs-Luftfederung.

Auf der Preisliste hält BMW verschiedene Fahrwerks-Optionen bereit, mit denen sich das M Performance Modell nach persönlicher Präferenz konfigurieren lässt. Serienmäßig verbauen die Münchner ein adaptives M Fahrwerk, alternativ stehen das im X5 xDrive30d getestete und für hochkomfortabel befundene Luftfahrwerk mit 80 Millimeter Verstellweg sowie das in unserem Testwagen verbaute adaptive M Fahrwerk Professional zur Wahl. Dann verfügt der BMW X5 M50d über die volle Sportausrüstung mit aktiver Wankstabilisierung, die besonders bei zügiger Kurvenfahrt mittels elektrischer Stellmotoren die Seitenneigung reduziert.

Hinzu kommt erstmals in einem X-Modell eine Integral-Aktivlenkung, bei der die Hinterräder je nach Fahrsituation gleich oder entgegen der Vorderräder mitlenken und auf diese Weise spürbar die Agilität fördern. Das M Sportdifferenzial an der Hinterachse rundet das Dynamik-Paket ab und bewahrt vor dem angesichts der 760 Newtonmeter Drehmoment unweigerlich drohenden Traktionsverlust beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren – Probleme, mit denen wir uns auf dem überfüllten Highway an diesem Morgen vorerst wohl nicht befassen dürfen.

Irgendwann lichtet sich der dichte Verkehr jedoch ein wenig und wir wagen einen vorsichtigen Druck auf die Sporttaste. Aus Theorie wird Praxis: Mit erwartungsvollem Elan strafft der M50d die Seitenwangen der hervorragenden Komfortsitze, ändert die Grafik der digitalen Instrumentierung und faucht plötzlich viel präsenter aus dem Motorraum, unterstützt durch das feine Blubbern der Sportabgasanlage, das nun irgendwo weit hinten durch die Innenraumdämmung dringt. So bereitwillig sich der BMW M50d zuvor mit den rigiden US-Tempolimits abgefunden hat, so nervös verlangen nun die 400 PS unter schärferer Gaspedalkennung nach Freiheit.

BMW X5 M50d: Komfort-SUV mit Performance-Anspruch

Wir müssen hier weg, folgen gerne dem Wunsch des Navigationssystems und verlassen den Highway an der nächsten Ausfahrt. Eine neu geteerte Landstraße schlängelt sich verheißungsvoll durch die bewaldete Hügellandschaft. Na also – perfektes M Performance-Terrain. Präzise folgt das aufwändige Lenksystem dem Kurvenverlauf. Dank der mitlenkenden Hinterräder wirkt der 4,9 Meter lange M50d leichtfüßig, geradezu kompakt. Der hellwache Allradantrieb verteilt dazu das Drehmoment in enger Zusammenarbeit mit dem Sperrdifferenzial bevorzugt an die Hinterräder und eliminiert wirkungsvoll den Drang zum Untersteuern.

Auch die gewohnt tadellose Achtgang Sport-Steptronic trägt ihren Teil zum dynamischen Fahrerlebnis bei. Beim Anbremsen schaltet das Getriebe präzise und in Sekundenbruchteilen in den passenden Gang, stets bereit für den größtmöglichen PS-Punch – und ohne nervös die Drehzahl zu halten, wenn man sich den nächsten Beschleunigungsversuch doch noch einmal anders überlegt.

Der BMW X5 M50d G05 ist nicht einfach nur ein Geländewagen mit einem absurd starken Dieselmotor. Was wir hier im legalen Bereich und auf öffentlicher Straße ausprobieren dürfen, wird dem Performance-Anspruch, den man nun auch an ein Sports Utility Vehicle stellen kann, mehr als gerecht. Der gewaltige Motor, das pfeilschnelle Getriebe und die Hightech-Fahrwerkskomponenten bieten im gelungenen Zusammenspiel nicht nur echten M Sport auf Knopfdruck, sondern eben auch einen überzeugenden Alltagskomfort. Nur der Blick auf die Preisliste lässt das Grinsen vom anfänglichen Ampelsprint für einen Moment einfrieren: der neue BMW X5 M50d kostet mindestens 92.900 Euro. Doch auch das bringt der Titel “temporäres Topmodell” eben mit sich…

Weitere ausführliche Eindrücke und Technik-Details zur neuen X5-Generation findet Ihr im BMW X5 xDrive 30d Fahrbericht

Jonas Eling

 

 

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