Vorab-Fahrbericht: Erste Fahrt im neuen BMW 2er Coupé G42

Vorab-Fahrbericht: Am Steuer von BMW 230i und M240i xDrive durften wir schon jetzt die ersten Fahreindrücke vom neuen BMW 2er Coupé G42 sammeln.

Es sind gewaltige Erwartungen, denen sich das neue BMW 2er Coupé G42 schon lange vor seinem Marktstart Ende 2021 gegenübersieht: Für viele Anhänger der klassischen Freude am Fahren ist das kompakte Coupé so etwas wie das letzte gallische Dorf in der (eigentlich) vollkommen vom Frontantrieb beherrschten Kompaktklasse. Nachdem in der jüngeren Vergangenheit auch die letzten Nachbardörfer gefallen sind, ruhen die Hoffnungen vieler Fahrdynamik-Freunde ganz allein auf den Schultern des BMW 2er Coupés. Wie sich der Einzelkämpfer des Segments fahren wird, durften wir kürzlich für einen ersten Vorab-Fahrbericht auf bayerischen Landstraßen und auf abgesperrter Strecke erkunden.

Zum Glück können sich die für Konstruktion und Abstimmung verantwortlichen Bajuwaren bei ihrer Mammut-Aufgabe auf eine bewährte Rezeptur verlassen, die schon Generationen von BMW-Fahrern als Zaubertrank der Fahrdynamik zu schätzen wussten: Ausgeglichene Gewichtsverteilung, Hinterradantrieb und ein längs montierter Motor vorn. Nachdem auch der 1er und andere Varianten der 2er-Reihe auf eine Frontantriebs-Architektur umgestellt wurden, genießt das künftige BMW 2er Coupé eine exklusive Sonderrolle ohne direkte Konkurrenz. Welches Technik-Paket der 2er konkret bietet und wie es funktioniert, konnten wir schon jetzt in Erfahrung bringen.

Vorab-Fahrbericht: Erste Fahrt im neuen BMW 2er Coupé

Als technische Basis für das neue BMW 2er Coupé G42 dient die CLAR genannte Cluster-Architektur, die praktisch bei allen Modellen ab dem 3er zum Einsatz kommt. Als engsten Verwandter des 2ers sehen die Entwickler aber eher das 4er Coupé G22 als den 3er, schließlich haben die beiden Coupés einige Gemeinsamkeiten. Mit etwas mehr als 4,50 Metern Länge bleibt der 2er zwar rund 25 Zentimeter kürzer als der große Bruder, im Vergleich zum Vorgänger der Generation F22 wächst das Coupé aber um durchaus deutliche 10 Zentimeter.

Mit Blick auf die größeren Abmessungen und das bekannte Ursachen-Paket aus umfassenderer Serienausstattung, der Erfüllung schärferer Crashtest-Anforderungen und komplexerer Abgasreinigung liegt auf der Hand, dass der BMW 2er G42 sicher nicht leichter als die Vorgänger-Generation sein wird. Aber Abmessungen und Gewicht sind bekanntlich nicht alles, wesentlich wichtiger ist das tatsächlich erlebbare Fahrverhalten – und hier scheint der BMW 2er G42 aus der Last des großen Erwartungsdrucks ungeahnte Kraft zu schöpfen.

Der Hintergrund hierfür lässt sich leicht erklären: Während der Vorgänger technisch weitestgehend identisch mit dem 1er F20 war, der zumindest in seinen vielverkauften Einstiegsvarianten größeren Wert auf Komfort als auf ultimative Sportlichkeit legen musste, konnte der neue BMW 2er G42 konsequent auf Fahrdynamik getrimmt werden. Denn klar ist: All jene, die ihren Kompaktklasse-BMW nicht in erster Linie aus Fahrspaß-Gründen kaufen, haben mit dem 1er und dem 2er Gran Coupé alltagstaugliche Alternativen zur Hand. Wer sich jedoch für das zweitürige 2er Coupé entscheidet, macht dies vor allem aufgrund der erhofften und offensiv versprochenen Fahrdynamik.

Für unseren Vorab-Fahrbericht geht es zunächst ans Steuer eines heftig getarnten BMW 230i mit Turbo-Vierzylinder, der seine rund 250 PS ausschließlich an die Hinterräder schickt. Schon beim Einsteigen fällt auf, dass die Sitzposition ähnlich niedrig wie beim Vorgänger ist, was ihn sofort von den weniger sportlichen Kompaktklasse-Vertretern abgrenzt. Während der Vierzylinder-2er auf den kurvigen Landstraßen im Süden von München zunächst mit erstaunlichem Restkomfort punktet, lässt er schon in den ersten zügiger gefahrenen Kurven auch seine Agilität aufblitzen: Im Vergleich zum Vorgänger ist es wie schon bei M3 und M4 vor allem die Vorderachse, die dank zusätzlicher Versteifungen und satten 52 Millimetern zusätzlicher Spurweite ein erheblich willigeres Einlenkverhalten bietet.

Zusätzlich unterstützt wird die neue Vorderachsgeometrie mit größerem Sturz von der breiteren Bereifung, die den Grip spürbar erhöht. Auch an der angetriebenen Hinterachse arbeiten breitere Reifen und größere Spurweite Hand in Hand mit der steiferen Karosserie und ermöglichen mühelos deutlich höhere Kurvengeschwindigkeiten: Wo der Vorgänger langsam aber sicher ins Schwitzen kam, läuft sich der neue BMW 2er G42 gerade erst richtig warm. Die Hinterachse ist dabei ebenso steif an die Karosserie angebunden wie im Z4, nachdem man diese Lösung bei 3er und 4er noch aus Rücksicht auf den akustischen Komfort verworfen hatte.

Wer es mit der Kurveneingangsgeschwindigkeit nicht völlig übertreibt, erlebt den 2er insgesamt stets vorbildlich neutral, aber natürlich kann das Coupé mit mehr oder weniger sanftem Druck aufs Gaspedal auch jederzeit zu einem gut kontrollierbaren Leistungsübersteuern überredet werden. In dieser Hinsicht gibt sich der 2er nochmals eine ganze Spur lebhafter als der größere 4er, der im direkten Vergleich fast schon wie ein Gran Turismo wirkt. Das kleinere der beiden Coupés inszeniert sich im Gegensatz dazu als junger Wilder mit ordentlich Bewegungsdrang, ohne dabei die gute Kinderstube völlig zu vergessen.

So fassen geübte Fahrer schon nach wenigen Metern enormes Vertrauen und können den G42 erstaunlich mühelos im leichten Drift durch so gut wie jede Kurve zirkeln. Dank des im Vergleich zum Z4 deutlich längeren Radstands wirkt das BMW 2er Coupé dabei immer gutmütig und niemals übertrieben spitz oder gar giftig. Die Fahrt mit dem Kompakt-Coupé stellt sich insofern wie ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten dar, der seine Stärken in der letzten Zeit weiter perfektionieren konnte: Das 2er Coupé G42 ist ein typischer kompakter BMW mit sportlichem Anspruch und damit die Antwort auf eine Frage, die BMW in der Kompaktklasse zuletzt nicht mehr für alle Markenfans überzeugend beantworten konnte.

Gleich nach der Fahrt mit dem 230i Coupé dürfen wir ans Steuer der nächsthöheren Performance-Variante: Bühne frei für den neuen BMW M240i xDrive! Bedingt durch die starke Tarnung des Prototypen sind es vor allem Details, die auf die stärkere Motorisierung hinweisen: Trapezförmige Endrohre am Heck verraten den Reihensechszylinder im Bug, manche M240i-Prototypen tragen auch M-Außenspiegel wie sie bisher dem M2 vorbehalten waren. Doch um Äußerlichkeiten soll es heute nicht gehen, im Mittelpunkt steht das Fahrverhalten des kleinen M440i-Bruders.

Wie schon der 230i gibt sich auch der neue BMW M240i xDrive betont vorlaut und in vielerlei Hinsicht etwas wilder als der identisch motorisierte 4er. Identisch motorisiert? Ja, auch der M240i wird mit vollen 374 PS an den Start gehen und keinen Respektabstand zu M340i und M440i einhalten! Genau wie die beiden Mittelklasse-Modelle wird er auch mit dem Allradantrieb xDrive ausgerüstet sein, dessen Abstimmung zugunsten der Agilität aber noch etwas hecklastiger ausfällt. Alle Freunde des reinen Hinterradantriebs dürfen an dieser Stelle bereits aufatmen: Ja, etwas später kommt der BMW M240i G42 nach unseren Informationen auch ohne xDrive in den Handel.

Zum Marktstart wird der BMW M240i G42 zwar stets mit Allradantrieb auf die Strecke geschickt, aber das steht dem kompakten Sportcoupé sehr gut: Während xDrive die Kraft im Alltag lässig und souverän auf den Asphalt bringt und in Verbindung mit der serienmäßigen Achtgang-Automatik für eine Sprintzeit von unter 4,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h sorgen dürfte, werden die 374 PS und 500 Newtonmeter Drehmoment durch Wahl der sportlicheren Fahrmodi und Deaktivierung des DSC immer hecklastiger verteilt.

Schon im Modus Sport arbeitet das Heck bei aktiviertem DTC-Modus jederzeit spürbar mit und drängt bei entsprechendem Druck aufs Gaspedal fordernd nach außen. Wer in Sport Plus und DSC OFF unterwegs ist, fühlt sich phasenweise wie in einem Hecktriebler – auch wenn die zusätzliche Traktion der angetriebenen Vorderräder den M Performance-2er natürlich ein gutes Stück leichter beherrschbar machen. Die gute Nachricht dabei ist, dass sich der 2er auch mit xDrive keinen Millimeter von seinem neutralen bis leicht übersteuernden Grundsetup entfernt.

Für die Anhänger der reinen Freude am Fahren wird der heckgetriebene M240i (oder der noch etwas später kommende BMW M2 G87) zweifellos die bessere Option sein, denn natürlich fordert und honoriert er fahrerisches Können noch stärker als der Allradler. Für alle anderen, die einfach nur sehr schnell und dynamisch von A nach B kommen wollen, wird die auf Wunsch stark hecklastige xDrive-Auslegung niemals ein Problem darstellen.

Wer Fahrspaß und Freude am Fahren nicht über die Werte auf der Stoppuhr definiert, sollte sich aber unbedingt auch den kommenden BMW 230i ansehen: Der Vierzylinder bietet nicht nur klassischen Hinterradantrieb, er ist dank des kleineren Motors und des Verzichts auf die Allrad-Technik auch ein gutes Stück leichter auf der Vorderachse und lenkt daher noch enthusiastischer ein als der natürlich wesentlich stärkere und daher unterm Strich auch schnellere M240i.

Die vielleicht am schwersten zu verdauende Nachricht rund um den BMW 2er G42 betrifft den Marktstart, denn anders als erhofft wird das Kompakt-Coupé in diesem Jahr keinen einzigen europäischen Kunden mehr erreichen: Das übergeordnete Ziel einer Produktion in der Nähe des größten Einzelmarkts führt dazu, dass der G42 ab dem Spätsommer ausschließlich im mexikanischen Werk San Luis Potosí gebaut wird. Von dort schafft er es zwar noch im November auf den US-Markt, aber in Europa wird er erst im Januar 2022 eintreffen.

Noch wichtiger ist aber: Die automobile Entsprechung des gallischen Dorfs wird den zahlenmäßig weit überlegenen Fronttrieblern in der Kompaktklasse auch in den nächsten Jahren selbstbewusst die Stirn bieten. Das Erfolgsrezept aus München hat dabei seit dem BMW 2002 nichts von seiner Wirkung verloren – und insgeheim dürfen wir uns schon heute darauf freuen, welchen explosiven Zaubertrank die M GmbH derzeit für den nächsten M2 zusammenbraut.

Trotz starker Tarnung noch eine Spur schärfer ist das kommende BMW M240i xDrive Coupé G42:

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