BMW 3er G20: Das Ende des Handschalters rückt näher

BMW 3er | 6.11.2018 von 26

Bei Erlkönigen lohnt es sich oft, etwas genauer hinzusehen. Unser Leser Marcin hat so einen der ersten BMW 3er G20 mit manuellem Getriebe erwischt – …

Bei Erlkönigen lohnt es sich oft, etwas genauer hinzusehen. Unser Leser Marcin hat so einen der ersten BMW 3er G20 mit manuellem Getriebe erwischt – und während der Handschalter bis vor wenigen Jahren alltägliche Normalität war, wird er bei der neuen Generation ab 2019 beinahe Exoten-Status genießen. Es ist kein Zufall, dass alle gezeigten Fahrzeuge bei der Weltpremiere in Paris mit Achtgang-Automatik ausgerüstet waren, gleiches wird schließlich auch für die große Mehrheit der Kundenfahrzeuge gelten.

Erhältlich ist das 6-Gang-Schaltgetriebe zum Marktstart lediglich für die Vierzylinder-Diesel 318d und 320d, alle anderen Modelle sind serienmäßig mit Achtgang-Automatik ausgestattet. Klar ist auch, dass viele Kunden ihren 318d oder 320d mit Automatikgetriebe bestellen werden und keinen Wert auf das puristischere Fahrgefühl eines Handschalters legen.

Ebenso klar ist aber, dass viele langjährige 3er-Kunden der Entwicklung in Richtung Automatik-Zwang wenig abgewinnen können. Während man früher bei fast allen Motorisierungen die Wahl zwischen Handschalter und Automat hatte, ist die Auswahl heute extrem überschaubar – nicht nur der Basis-Benziner 320i sortiert seine Gänge immer selbst, auch das M Performance Modell M340i kommt immer ohne Kupplungspedal. Die Option, den Gang per Schaltwippe manuell zu wählen, ist dabei für überzeugte Handschalter-Fahrer kaum mehr als ein schwacher Trost.

Fragt man die Verantwortlichen nach den Gründen der seit Jahren zu beobachtenden Entwicklung, erhält man allerdings plausible Antworten: Obwohl viele meinungsstarke Kunden nach Handschaltern verlangen, ist die reale Nachfrage in den letzten Jahren immer kleiner geworden. Selbst bei sehr sportlichen Modellen wie M2 und M3 entscheidet sich die große Mehrheit für die Automatik-Variante und verschmäht den Handschalter.

In weniger sportlich positionierten Modellen wie der 5er-Reihe sehen viele Kunden das Automatikgetriebe als eine Art Basis-Assistenzsystem. Sie wollen bei vielen Aufgaben des täglichen Fahrens entlastet werden und betrachten die Automatik dabei als nützlichen Assistenten, der ihre Fahrten angenehmer macht. Der gleiche Trend ist auch in kleineren Fahrzeugklassen immer stärker zu beobachten.

Den endgültigen Todesstoß könnte das manuelle Getriebe von zwei weiteren Entwicklungen unserer Zeit erhalten: Die immer strengeren CO2-Grenzwerte für den Flottenverbrauch zwingen Autobauer dazu, auf jedes Gramm CO2-Emission zu achten. Da die Automatik-Modelle längst sparsamer als vergleichbare Handschalter sind, spricht auch dieser Punkt gegen Kupplungspedal und Schalthebel.

Ein weiterer Punkt sind die immer leistungsfähigeren Assistenzsysteme auf dem Weg zum autonomen Fahren, denn natürlich muss ein autonom fahrendes Auto ohne Hilfe des Fahrers die Gänge wechseln können. Wie lange sich BMW vor diesen Hintergründen noch den Luxus leisten will, den wenigen tatsächlich interessierten Kunden ein manuelles Getriebe anzubieten, ist eine zunehmend spannende Frage.

Auch wenn der BMW 3er G20 zunächst als Handschalter erhältlich ist, zeigt das Beispiel der aktuellen 5er-Reihe: Manchmal kann es sehr schnell gehen. Der zunächst erhältliche 520d mit manuellem Getriebe wurde vor wenigen Monaten still und heimlich aus dem Programm genommen, seitdem rollt ausnahmslos jeder 5er mit Achtgang-Automatik vom Band. Die bittere Wahrheit für Puristen ist: Vermissen werden den Handschalter-5er nur die Allerwenigsten. Und eines Tages wird der 3er den gleichen Weg beschreiten.

(Fotos: Marcin für BimmerToday.de)

26 responses to “BMW 3er G20: Das Ende des Handschalters rückt näher”

  1. DerOssi says:

    Dem ist eigentlich Nichts hinzuzufügen… ich persönlich will auch nie wieder Rühromatik… wer viel fährt, und das auch noch in stark verkehrsbelasteten Gebieten, weiß den Komfortgewinn einer Automatik zu schätzen, denke ich…

  2. M. Power says:

    Finde ich sehr traurig… wieder eine Tatsache mehr warum neue BMWs langweiliger werden und sich weniger von anderen Marken abheben.
    Ich vermute der nächste M3/M4 wird dann auch nur noch als Automatik angeboten.
    Wo bleibt da noch Freude am Fahren übrig..?

    • gesellschaftlicherGroßkonflikt says:

      Handschalter (bei Benzinern) ade ………

      „wieder eine Tatsache mehr warum neue BMWs langweiliger werden und sich weniger von anderen Marken abheben“

      DANN wird eben BMW so enden wie ehemals viele amerikanische Marken
      – die in GM AUFgegangen sind – und dann UNTERgegangen sind

      Nachtrag:
      WAS ist denn aus dem 7-Gang-Handschaltgetriebe (2011) von PORSCHE geworden?

      TOT?

      • M. Power says:

        Nun ob BMW deswegen UNTERgehen wird bezweifle ich mal und hoffe es schon gar nicht.
        Aber die TREUE Kundschaft die sportliche Handschalter von BMW liebt, wird evtl. versuchen Alternativen zu finden. Obwohl auch das schwierig sind wird.
        Nicht zu vergessen, auch viele Kunden in den USA kaufen BMW wegen dem Handschalter. Darum gab es z.B. den M5 E60 in den USA als Handschalter, leider leider bei uns nicht. Wenn es diese Option nicht mehr geben wird, fragen sich viele warum soll ich einen BMW kaufen ?

        Was mit dem Porsche 7 Gang-Schalter passiert ist weiss ich nicht, aber man kann immerhin noch 911er mit Handschaltung bestellen. Ob das in der nächsten Generation möglich sein wird weiss ich nicht. Mal schauen.

    • DerOssi says:

      Mit den Schaltpaddels hast meines Erachtens genug “manuelle Macht”, um auch so viel Spaß zu haben… die Kupplung brauchst doch eigentlich nur zum Reifen vernichten, mehr nicht… der Geldbeutels wird´s danken 🙂

      • M. Power says:

        Nein ganz und gar nicht, kann man nicht vergleichen.
        Ist etwas wie eine mechanische Uhr oder eine digitale Uhr.

        • DerOssi says:

          Lässt sich natürlich herrlich drüber philosophieren… ich finde, wenn man einmal in Fahrt ist, wo hat da ein Handschalter Vorteile?! Außer zu nerven, länger zu dauern, und ab und zu in der Hektik auch mal Ritzelgemüse zu produzieren… mir ging es oft so, dass wenn man den Ersten ordentlich ausdreht und dann den Zweiten reinknallen will, das nicht immer ganz reibungslos funktioniert hat… mit Automatik alles Vergangenheit… flutscht immer optimal….

          • M. Power says:

            Ja wir könnten vermutlich stundenlang hin- und herschreiben. Schlussendlich ist es jedem sein Empfinden.
            Was mich bei der Automatik stört, ist die Verzögerung bis meine Befehle beim Motor ankommen. z.b. ich fahre an eine übersichtliche Kreuzung, verzögere und möchte gleich wieder beschleunigen. Beim Schalter bleibe ich im Gang und gebe kurz Vollgas, mit guten Drehmoment geht das super. Beim Automat dauert es erstmal eine Weile bis der richtige Gange “eingelegt” wurde und dann dreht der Motor unnötig hoch…
            Komischerweise finde ich das die Automatik unnötig viel Gangwechsel macht, wo ich mit dem Handschalter einfach das Drehmoment nutze und im Gang bleibe.
            Den einzigen Vorteil von der Automatik sehe ich nur im stop-and-go Verkehr, wo es wirklich ein Komfortgewinn ist.

            • DerOssi says:

              Deine Punkte sind nicht unberechtigt… die Kreuzungsproblematik empfinde ich auch so, jedoch wie oft hast die Situation? 0,x % im Alltag? Dafür gebe ich den Komfort nicht mehr her… und das runterschalten, nun ja, mit der Zeit lernst das “Schalten über den Gasfuß”… ist genauso Gewöhnungssachse wie alles andere… und ab da wirst Automatik nie mehr missen wollen… 😉

  3. gesellschaftlicherGroßkonflikt says:

    „Ein weiterer Punkt sind die immer leistungsfähigeren Assistenzsysteme auf dem Weg zum autonomen Fahren, denn natürlich muss ein autonom fahrendes Auto ohne Hilfe des Fahrers die Gänge wechseln können.“

    Erstens:
    solange es nicht die PFLICHT zum autonomen Fahren gibt – bzw. bei Neuzulassungen dies zur „Pflichtausstattung“ zu machen – sehe ich diesen „Zwang“ nicht

    Zweitens:
    WENN die Hersteller – oder ein Zulieferer – es wollten, DANN gäbe es durchausauch PlugIn-Hybride mit Handschaltung:
    da stellt sich gerade diese Frage eines automatischen Gangwechsels nicht mehr – im Elektrobetrieb.
    (SO wie es aussieht, wird FORD hier Vorreiter sein / auch bei der Nicht-Abschaffung des Kupplungspedals)

    Der PlugIn-Hybrid wird viel länger überleben, als viele meinen.

    Denn nicht jeder lässt gerne sein Leben komplett FREMDBESTIMMEN – oder begibt sich gerne in VERMEIDBARE Abhängigkeiten.
    DAS mag die „VISION“ von so manchem Politiker sein – der wegen der Behandlung seiner Visionen einfach nicht „zum Arzt gehen“ will (laut Helmut Schmidt).
    Und der für die Zeit ab 2037 „vorhersagt“ – weil seine Spezies dies BESTIMMEN will – dass man dann „für das Selbstfahren eine Sondererlaubnis benötigt“ (lautMerkel)

    https://www.welt.de/politik/deutschland/article165359594/Als-Merkel-in-die-Zukunft-blicken-soll-lacht-das-Auditorium.html
    Als-Merkel-in-die-Zukunft-blicken-soll-lacht-das-Auditorium

    Über den (bis dahin abgeschafften) Geldbeutel eines jeden wird ja dann auch schon längst fremdbestimmt. Passt also.

    • M. Power says:

      So ist es leider, wir werden immer mehr bevormundet… und damit habe ich grosse mühe.
      Mein Alltagsauto ist auch ein Automat, da ich gewisse Vorteile sehe im Stadtverkehr mit Stau etc.
      Aber wenn ich Fahrspass will, dann nehme ich ganz klar einen Handschalter.
      Ich finde BMW müsste das den Kunden überlassen, was sie fahren möchten. Andere “Nischenprodukte” haben BMW bestimmt schon viel mehr Geld gekostet.

      • DanielS says:

        Der BMW 3.3 Li von 1977 (Baureihe E3) hatte serienmäßig Automatik.
        Aber es gab als Option “aufpreisfrei” auch ein Schaltgetriebe.
        Den 3.0 CSi (E9) hingegen gab es ausschließlich als Schalter.

  4. Meier says:

    Ich habe auch immer gedacht, niemals Automatik. Aber was spricht denn wirklich noch für einen Handschalter? Nichts – absolut rein gar nichts. Gerade die BMW-Automatik funktinioniert so perfekt – wer will da ernsthaft noch selbst rühren. Schneller, sparsamer, entspannter, komfortabler.

    • M. Power says:

      Oh doch, für den Handschalter spricht: mehr Fahrspass, das Gefühl für das Auto, die direktere Verbindung vom Fahrer zum Auto weil alles 1 zu 1 umgesetzt wird was ich will.

      Aber heutzutage könne viele Menschen gar nicht mehr richtig Autofahren und sind mit Handschalter wohl überfordert.

      • B3ernd says:

        Viele haben einfach keine Lust mehr auf schalten und/oder das Autofahren an sich. Es macht ja auch immer weniger Spaß. Egal wie viel ps, am Ende ist der 500ps Porsche unwesentlich schneller am Ziel als der 100ps Golf. Es wird immer voller und hektischer. Nicht jeder hat Geld und Möglichkeiten für ein Zweitwagen (Spaßmobil)
        Ich würde das nicht unbedingt aufs Können beziehen.

        • M. Power says:

          Natürlich verstehe ich, dass es viele Autofahrer gibt die einen Automat vorziehen und das ist ja auch OK.
          Was mich stört, für die “Puristen” wo noch Fahrspass mit Handschaltern haben möchten gibt es bald keine Möglichkeiten mehr. Ausser eben die “älteren” Autos zu behalten…

          • gesellschaftlicherGroßkonflikt says:

            Dann eben den FORD Fiesta ST (3-Zylinder mit Zylinderabschaltung)
            [mit 200 PS und NUR als Handschalter lieferbar]
            des SOHNEMANNs nehmen,

            …… ab und zu ……

            ERGÄNZUNG:

            Neuer BMW-Werbeslogan:
            „ B M W ade!“

  5. Torsten Windbeutel says:

    https://www.youtube.com/watch?v=IwPrEyAZbwA

    Der Abschied vom Handschalter sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Rolls-Royce Silver Dawn noch Standes gemäß mittels Kurbel gestartet wurde, selbstredend mit Krawatte, Jackett und Lackschuhen.

    Diese Tradition sollten nunmehr alle BMW Neuwagen wieder pflegen.

    Und als kleines Präsent beim Kauf eines Hand gekurbelten BMW gibt es gratis eine zeitgenössische Original Majolika Blumenvase aus der Jugendstil Epoche, sowie zwei Eintrittskarten auf eine der ältesten Pferderennbahnen in Ascot, Großbritannien.

    • DanielS says:

      Brauchst gar nicht so weit zurück zu gehen:
      Das Studentenauto der 80er, der 2 CV (“die Ente”), hatte vorne im Lüfter eine Aussparung, da passte die “serienmäßig mitgelieferte” Handkurbel rein (die gleichzeitig auch Radmutternschlüssel war, und mit der man auch den Wagenheber hochkurbelte) – damit konnte man den luftgekühlten 2-Zyl.-Boxer zum Leben erwecken.

      Und die Yamaha XT 500 ließ sich seinerzeit sogar ausschließlich mit Kickstarter anwerfen. Einen solchen konnte man auch bei den großen BMW-Boxern als Extra ordern. War in der Sahara oder im Busch vielleicht überlebenswichtig.

      • Torsten Windbeutel says:

        Wir treuen PARTEI-Soldaten gehen immer ganz weit in der Historie zurück.

        Die 2 CV “Ente” scheidet aus zweierlei Gründen als angemessener Vergleich aus.

        Erstens ist die “Alt-68er- Hippy-Ente” für die wenigen Überlebenden des Woodstock Festivals kein adäquates Vorbild, um weltweit neue BMW Kunden zu genieren, hier bedarf es ein Standes gemäßes Vorbild.

        Wer außer ein authentischer Laien-Darsteller mit Krawatte, Anzug und Lackschuhen kann diese RR Werbe-Ikone besser in Szene setzen ?

        Und zweitens dürfen die Deutschen seit der Demütigung der Franzosen im Versailler Spiegelsaal am 18. Januar 1871, als der Großherzog von Baden die Kaiserproklamation ausrief, sich keine erneute Provokation gegenüber den Franzosen erlauben, indem wir ihnen “ihre legendäre 2 CV-Ente” einfach abkupfern.

        Anderseits, wer weiß wozu das vielleicht gut sein könnte, wenn Frankreich ins Saarland ein marschierte und die cdu plötzlich Frau AKK als neue Parteivorsitzende verlöre ?

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