BMW X3 G01: Projektleiter Arno Keller im ausführlichen Interview

BMW iX3, BMW X3 | 12.12.2017 von 6

Vor wenigen Wochen sind wir den neuen BMW X3 G01 erstmals gefahren und konnten auch ein ausführliches Interview mit Arno Keller führen. Der Projektleiter ist …

Vor wenigen Wochen sind wir den neuen BMW X3 G01 erstmals gefahren und konnten auch ein ausführliches Interview mit Arno Keller führen. Der Projektleiter ist für die dritte Generation des Mittelklasse-SUV, das seit 11. November in Deutschland verkauft wird, verantwortlich und konnte uns viele Fragen zum möglicherweise nächsten Bestseller aus dem Werk Spartanburg beantworten.

Neben einem ersten Ausblick auf den künftig zu erwartenden Ausbau der Motorenpalette – sowohl in Sachen Performance mit BMW X3 M40d und X3 M als auch mit dem rein elektrischen BMW iX3 – besprechen wir vor allem, welche Aspekte sich im Vergleich zum Vorgänger am deutlichsten weiterentwickelt haben. Hierbei stehen die Themen Verarbeitung und Materialien, Infotainment und autonomes Fahren im Mittelpunkt.

BimmerToday.de: In der Werbekampagne ist der neue BMW X3 sogar auf dem Mars unterwegs, aber können Sie auch etwas zu den irdischen Zielen mit der dritten Generation sagen? Wo sehen Sie das Fahrzeug im Vergleich zum Vorgänger, an welchen Punkten haben Sie besonders intensiv gearbeitet?
Arno Keller: Wir haben uns besonders auf die Themen Design und Wertigkeit konzentriert. Wenn man beispielsweise an die Proportionen an der Front denkt, mit der gewählten Nierengröße und den großen Lufteinlässen erhält das Auto einfach viel mehr Präsenz. Die sehr dynamische Dachlinie mit heruntergezogenem Dach und einer Reduzierung der Linien an der Seite sowie die dreidimensionalen Leuchten im Heckbereich bilden einen kraftvollen Abschluss. Wir haben auch auf Wertigkeit sehr viel Wert gelegt, das kann man im Interieur mit sehr guter Verarbeitung und guter Materialität klar erkennen. Und wir haben auch bei der Fahrdynamik Akzente gesetzt. Dabei ist es uns gelungen, auf der einen Seite mehr Komfort darzustellen und gleichzeitig die Agilität zu steigern. Das ist uns dadurch gelungen, dass wir den Radstand um 54 Millimeter vergrößert und zudem den Schwerpunkt abgesenkt haben. In Verbindung mit Leichtbau und 55 Kilogramm weniger Gewicht und einer Gewichtsverteilung von 50 zu 50 haben wir eigentlich die Grund-Gene an Bord, um ein Auto sowohl in der Agilität als auch im Komfort zu verbessern. Über die gemeinsame Architektur konnten wir die viele Systeme aus dem 5er und 7er in den X3 bringen, zum Beispiel das 1:1 übernommene Head-Up-Display, das klar den Benchmark in dieser Klasse setzt. Auch der Spurwechselassistent ist in diesem Segment absolut einzigartig. Last but not least setzen wir in den Bereichen Infotainment und Bedienung den Benchmark.

BimmerToday.de: Der Innenraum war beim Vorgänger sicherlich öfter ein Kritikpunkt als ein Auslöser von Lobeshymnen, nun wurde er deutlich aufgewertet. War das ein Schwerpunkt, damit man sich hier auch mit Blick auf den Wettbewerb einen großen Schritt nach vorn bewegen wollte?
Arno Keller: Auch unabhängig von den Wettbewerbern schauen wir natürlich immer darauf, was unsere Kunden wollen. Wir haben uns den Innenraum sehr genau angeschaut und insgesamt sicher einen guten Schritt nach vorn gemacht. Das sieht man auch an der Variabilität und den Möglichkeiten zur einfachen Beladung: Die Rückbank ist serienmäßig im Verhältnis 40:20:40 teilbar, optional lässt sie sich in einer Cargo-Stellung für weitere 50 Liter Gepäckraum arretieren. Andere Scharniere für die Heckklappe erlauben es uns, trotz flacherer Dachlinie keine Abstriche bei Kopffreiheit oder Kofferraumvolumen machen zu müssen. Und das Panoramadach reicht nun 20 Zentimeter weiter nach hinten, was auch auch den Fond-Passagieren einen direkten Blick nach oben in den Himmel erlaubt. Die serienmäßige Frontscheibe mit Akustik-Verglasung und die optionalen Akustik-Seitenscheiben vorn sorgen für eine deutliche Verbesserung in Sachen Windgeräusche, man kann hier von einer kultivierten Konzentration auf gewünschte Geräusche sprechen. Mit Bedufter und Ionisator, Klimasitzen, größeren Ablagen, Wireless Charging für Mobiltelefone und der weiter verbesserten Ergonomie der viel schlankeren Instrumententafel mit Fahrerorientierung sind wir ebenfalls deutlich weiter. Ich bin überzeugt, dass der Kunde spürt, ob man sich an einem Thema gerieben und es wirklich vorangebracht hat, oder ob man es nur abgehakt hat. Ich denke, dass wir uns hier ganz sicher auf Augenhöhe mit dem Wettbewerb befinden oder stellenweise sogar besser sind.

BimmerToday.de: Mit den verschiedenen Ausstattungslinien M Sportpaket, xLine und Luxury Line erlauben Sie den Kunden eine starke Differenzierung. Mit welchen Take-Rates rechnen Sie hier ungefähr?
Arno Keller: Die Spreizung der Charaktere, die mit dem Grundauto möglich sind, finde ich sehr groß. Angefangen mit den Basismodellen, dann mit der etwas robusteren xLine mit stärker betontem Offroad-Charakter, der Luxury Line für noch mehr Prestige und dem Modell M Sport. Und wenn das nicht genügt, haben wir ja auch noch das M Performance Automobil X3 M40i als oberes Bookend. Ich glaube, da ist es uns sehr gut gelungen, viele verschiedene Charaktere mit diesem Auto darzustellen und die unterschiedlichen Neigungen der Kunden in aller Breite gut abzudecken. Die beliebtesten Varianten werden unserer Prognose nach das Modell M Sport und die xLine sein.

BimmerToday.de: Ein wichtiges Thema in der Öffentlichkeit ist das autonome oder teilautonome Fahren, wo steht der X3 in dieser Hinsicht?
Arno Keller: Durch die gemeinsame Architektur sind wir in der Lage, auch das Thema Assistenzsysteme zu skalieren und zu übernehmen. Wir haben hier viele Elemente von 5er und 7er übernehmen können und setzen im Wettbewerbsvergleich ganz klar den Benchmark, unter anderem durch den Spurwechselassistent.

BimmerToday.de: Mit Spannung beobachtet werden zur Zeit auch sämtliche Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz und Reduzierung der Emissionen. Was zeichnet den X3 in dieser Hinsicht aus?
Arno Keller: Wir haben natürlich neue Motoren eingeführt, das Thema Leichtbau massiv betrieben und auch in der Aerodynamik viel gemacht. Mit einem cW-Wert von 0,29 setzen wir hier klar den Benchmark, kein Fahrzeug des Segments kommt auch nur annähernd an diesen Wert heran. Das sind natürlich wesentliche Elemente unserer EfficientDynamics-Story, die natürlich weiter geht. Der M40i hat gegenüber dem Vorgänger rund 40 kW mehr Leistung und dennoch 4 Prozent weniger Verbrauch, das spricht schon für sich.

BimmerToday.de: In Europa gibt es eine inzwischen seit Jahren anhaltende Diskussion um die Sauberkeit von Diesel-Motoren, die gerade bei den X-Modellen ein sehr wichtiges Standbein sind. Erwarten Sie hier eine reduzierte Nachfrage und einen größeren Benziner-Anteil als in der Vergangenheit?
Arno Keller: Ich glaube nicht. Wir werden nach wie vor unsere Diesel-Fahrzeuge verkaufen. Alle unabhängigen Berichte belegen ja ganz klar, dass unsere Autos die saubersten ihrer Klasse sind und alle gesetzlich geforderten Grenzwerte bei weitem unterschreiten. Ich glaube, dass diese Fakten über kurz oder lang auch jeden Kunden überzeugen werden, dass in unseren Autos eine wirklich gute und saubere Motorentechnik verbaut ist.

BimmerToday.de: Ein möglicher Schritt in Sachen Effizienz wird zumindest in Europa nicht gegangen: Das heckgetriebene Modell X3 sDrive20i gibt es nur auf anderen Märkten. Wie kommt es dazu, wird sich das eventuell noch ändern oder bleibt der X3 hier bei uns immer ein xDrive-Auto?
Arno Keller: Der X3 sDrive20i ist eine Einstiegsvariante, die wir nur auf ein paar wenigen Märkten anbieten werden. Auch einen Nachfolger für den X3 sDrive18d haben wir derzeit nicht geplant.

BimmerToday.de: Okay, also bleibt xDrive der Standardantrieb des X3. Welche Unterschiede zum Vorgänger gibt es denn in Sachen xDrive?
Arno Keller: Wir haben die Technik natürlich überarbeitet, im Sinne des Packagings und der Effizienz. Die Grundthemen bleiben aber die selben, denn auch im Bereich Allradtechnik sehen wir uns im Vergleich zum Wettbewerb weit führend.

BimmerToday.de: Gerade in Deutschland und Europa fragen sich einige Kunden, wie die Chancen für einen BMW X3 M40d mit Biturbo-Diesel stehen?
Arno Keller: Über ein solches Modell kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts sagen.

BimmerToday.de: Beim Blick auf den Wettbewerb fällt auf: Auch oberhalb des X3 M40i ist noch Platz. Aktuelle Erlkönig-Fotos von Prototypen mit vier dicken Endrohren bestätigen, dass an einer noch schärferen Variante gearbeitet wird. Können Sie ungefähr sagen, wieviel Geduld wir in Sachen BMW X3 M F97 noch aufbringen müssen?
Arno Keller: Das fällt jetzt in die Kategorie Spekulation, dazu kann ich mich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht konkreter äußern.

BimmerToday.de: Keine Spekulation, sondern bereits offiziell für 2020 angekündigt ist ein BMW X3 mit reinem Elektroantrieb. Können Sie zu diesem Auto schon etwas sagen? Bisher ist es ja bei BMW noch nicht passiert, dass ein konventionell angetriebenes Fahrzeug später als reines Elektroauto in Serie geht.
Arno Keller: Ja, das zeigt die Stärken unserer Architektur: Wir sind in der Lage, auch dieses Auto mit reinem Elektroantrieb zu versehen und werden das 2020 auf den Markt bringen. Details dazu können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verraten, aber Sie können sicher sein, dass wir dank unserer flexiblen Architektur kein neues Auto in Gänze entwickeln müssen.

BimmerToday.de: Bis 2020 sind es ja auch noch ein paar Tage. Werden wir denn den allgemein oft als Überbrückungstechnologie bezeichneten Plug-in-Hybrid-Antrieb schon vorher zu Gesicht bekommen, also beispielsweise einen X3 xDrive30e von BMW iPerformance?
Arno Keller: Ich denke, dass unser vollelektrisches Angebot ab 2020 ein sehr klares Statement ist. Ob wir vorher noch ein anderes Modell mit elektrifiziertem Antriebsstrang bringen werden, fällt wieder in das Reich der Spekulationen.

BimmerToday.de: Der BMW X3 kommt nun in seine dritte Generation und ist bisher sowohl in Europa als auch in Asien und Nordamerika sehr gut angekommen. Erwarten Sie bei den Hauptmärkten relevante Änderungen oder bleibt hier alles wie bisher?
Arno Keller: Die wichtigsten Märkte sind Amerika, China und Europa. Das war so und wird auch so bleiben.

BimmerToday.de: Herr Keller, vielen Dank für das informative Gespräch!

6 responses to “BMW X3 G01: Projektleiter Arno Keller im ausführlichen Interview”

  1. Dailybimmer says:

    Die 462 PS aus dem M3 CS wären schon eine Ehrensache für den neuen BMW X3 M F97, der es im Competition Package dann auf 480 PS bringt. Die 500 PS Marke sollte erst der neue M3 G80 in der Standversion mittels Wasserdirekteinspritzung knacken dürfen.

  2. Fagballs says:

    Gibt es eigentlich schon eine Ansage, ob und wann ein X3 30e geplant ist? Ich finde dazu gerade nichts außer Gerüchten, dass er gecancelt wurde zugunsten des iX3, was ich schade fände.

  3. Fabio says:

    Das Interview bringt keine einzige neue Information zum X3 – nur allgemeines Marketingelaber – echt schade und eigentlich unnötig!
    Das es anscheinend doch keinen X3 30e gibt, finde ich eine Fehlentscheidung von BMW, da es im ganzen BMW-Konzern keinen Plug-in-Hypriden mit familientauglichen Kofferraum gibt – vom 2er Active Tourer abgesehen, der für mich kein richtiger BMW ist.
    BMW hat mit der Elektromobilität früh angefangen und verspielt seinen Vorsprung zunehmend.
    2020 wird der iX3 keine Besonderheit am Markt sein, weil Audi und Mercedes dann nachgezogen haben – auch schade!

    • manuelf says:

      Und der X5 40e?
      Die Frage ist schon, ob ein X3 BEV neben einem X3PHEV sinnvoll ist? Ich denke, die Käufergruppen überschneiden sich zu sehr, als dass man Entwicklungskosten für beide Varianten aufbringen kann…

      • Fabio says:

        Der sprengt mit 72.000€ Grundpreis, mit Wunschausstattung so um die 85.000€ ganz einfach mein Budget und vieler anderer auch!

      • Fagballs says:

        Ich finde BEV und PHEV haben zwar bei den potentiellen Kunden eine Schnittmenge, aber ein Plug-in holt einfach Menschen wie mich, die nicht immer einen Platz haben, wo der Schlitten geladen werden kann, und auch mal eine längere Strecke fahren wollen, tendenziell mehr ab. Wenn ich dann in die Wahl habe, würde ich vielleicht doch nochmal einen Diesel nehmen und kein reines Elektroauto.

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