Weniger Optionen: BMW will bei Ausstattungs-Vielfalt sparen

News | 3.07.2017 von 15

Weniger Optionen für mehr Gewinn: Die BMW Group will die große Auswahl von Motoren-, Getriebe- und Ausstattungsoptionen reduzieren und so viel Geld sparen.

BMW leistet sich vielen Jahren einen Luxus, den einige Kunden sehr zu schätzen wissen: Für jede Baureihe sind eine ganze Reihe von Motoren erhältlich, viele davon mit mehreren Getriebe-Optionen. Lang und umfangreich präsentiert sich auch die Liste der Sonderausstattungen. Doch was Individualisierung erleichtert und den Kunden unzählige Möglichkeiten zur Konfiguration ihres Traumwagens liefert, sorgt auch für hohe Kosten: Zwangsläufig umfasst das Angebot auch Optionen, die nur selten gewählt werden und beinahe umsonst vorgehalten werden müssen.

Die Streichung der BMW 116d EfficientDynamics Edition, die nur auf einen Marktanteil von rund drei Prozent kam, soll vor diesem Hintergrund nur der Anfang gewesen sein. Gegenüber Reuters kündigte BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter unmissverständlich an, dass die Angebotsvielfalt in den nächsten Jahren reduziert werden soll. Unter anderem führt er an, dass für den BMW 5er derzeit vier verschiedene Dieselmotoren angeboten werden – und er würde nicht darauf wetten, dass dies bei der nächsten Generation noch immer der Fall sein wird. Auf dem deutschen Markt umfasst das Diesel-Angebot sogar noch mehr Modelle: 520d, 525d, 530d, 540d und M550d sind momentan bestellbar, hinzu kommen die xDrive-Varianten und die 520d EfficientDynamics Edition.

Und der 5er ist nur eines von vielen denkbaren Beispielen: In der 3er-Reihe werden derzeit nicht weniger als sieben Diesel-Varianten angeboten, die zum Teil sowohl mit Hinterrad- als auch mit Allradantrieb erhältlich sind. Betrachtet man auch noch die verschiedenen Getriebe-Optionen, werden allein für die 3er-Reihe 23 unterschiedliche Diesel-Konfigurationen angeboten. Ein erster Schritt zur Reduzierung wird der Entfall der manuellen Getriebe-Option für die BMW 2er-Reihe in den USA sein, denn die große Mehrheit der 2er-Kunden bestellt ihr Auto dort ohnehin mit Achtgang-Automatik.

In der Mittelklasse könnten sich die Verantwortlichen außerdem fragen, ob es wirklich eine derart breite Palette von Karosserievarianten geben muss: Die BMW 3er- und 4er-Reihe werden weltweit in sieben verschiedenen Varianten angeboten! Nicoles Peter nennt außerdem eine Gesamtzahl von über 100 verschiedenen Lenkrädern, die derzeit im Konzern angeboten werden. Auch hier liegt auf der Hand, dass eine Reduzierung des Angebots sinnvoll und ohne Schmerzen für die Kunden möglich ist.

Ein Grund für die angestrebte Reduzierung der Kosten durch ein sinnvoll reduziertes Angebot von Motoren und Sonderausstattungen ist die zunehmende Bedeutung von Fahrzeugen mit elektrifiziertem Antriebsstrang. Hohe Kosten für Forschung und Entwicklung tragen dazu bei, dass sich mit Elektroautos und Plug-in-Hybriden derzeit weniger Geld verdienen lässt als mit konventionell angetriebenen Fahrzeugen.

15 responses to “Weniger Optionen: BMW will bei Ausstattungs-Vielfalt sparen”

  1. M54B25 says:

    Autsch da hat wohl jemand mal die direkte Konkurrenz analysiert – z.B. bei Lexus scheint die Auswahlliste wohl nur eine Seite zu umfassen, der Rest im Vergleich zum germanischen Austattungsfetischismus ist bereits im Basismodell enthalten. Und naja es gibt frei atmende V8 Maschinen mit 5L Verbrennungsraum trotz der ganzen Euro-6 NEFZ/WLTP Diskussion.

    Beim Diesel ist es ja nun einfach die Lösung umzusetzen:
    In der UKL Klasse die 3-Zylinder, im 3er die 4-Zylinder und im 5er die 6 Zylinder als einzige mechanische Variante einsetzen – der Rest an Leistungsvariationen kommt mittels Software-Freischaltung – auch on-demand over the air – siehe Tesla bei den 60/70Kwh Modellen. Vom 520d mit 190PS bis zum 550d mit 400PS alles machbar – beim 520d können ja 2 der 4 Turbos in Reserve bleiben, falls die bei 250Tkm mal hops gehen, wird auf die bisher ungenutzten umgeschaltet. Spaß beiseite – interessantes Interview und ein Fingerzeig in Richtung Zukunftsausrichtung bei BMW – mal sehen wann die deutschen Mitbewerber nachziehen und die Auswahl der Innenraum LED Beleuchtungsvarianten reduzieren…

    • Lukas Merk says:

      Per Software Leistung hinzufügen wird BMW nicht machen, da BMW Kolben mit unterschiedlichen Legierungen verbaut, um Überhitzung zu vermeiden und bei schwachen Motoren Geld zu sparen. Zudem würde das ja dem Kunden zeigen, dass eine höhere Leistung total einfach zu erreichen ist und der Aufpreis dann eigentlich nicht gerechtfertigt wäre 😉
      Ansonsten gute Idee!

      • M54B25 says:

        Auch das mit den 4 Turbos würde nicht gehen, da ja die einzelnen Turbos für andere Zylinder verantwortlich sind – war aber alles auch etwas ironisch gemeint 😉

        Tesla allerding machte das sehr wohl wie beschrieben – die 60kWh Version gibt es jetzt nicht mehr – war ja auch eine 70er Batterie und nur die Leistungsabgabe war auf 60kWh begrenzt und over the air freischaltbar.

        Das mit der Überhitzung ließe sich aber durch entsprechende Kühlerdimensionierung lösen – nur alleine Legierungen dürften ja fast nicht reichen um die 400PS beim 550d abzuführen im Verleich zu den 32xPS beim 540d.

        • Mini-Fan says:

          Tesla 70/ 60 kWh Batterie

          ist ja wohl ein Schwachsinn sondernsgleichen, ein Autoleben lang 100 kWh (wieviel Masse ist das, 100 kg?) unnütz spazieren zu fahren.

        • Lukas Merk says:

          Ja, natürlich nicht, aber die Hitze muss ja auch erstmal vom Brennraum an die Wasserkühlung bzw. über den Kolben ans Öl gebracht werden (Die Kolben werden ja von unten mit Öl bespritzt). Und da arbeitet eben BMW (und vermutlich auch andere Hersteller) mit Legierungen mit unterschiedlichen Wärmeleiteigenschaften an den Kolben. Das ist auch der Grund, warum (starkes) Chiptuning mit Vorsicht zu genießen ist.

  2. Fagballs says:

    Hmm, also solange tendenziell die niedrigeren Ausstattungsvarianten gestrichen werden und so die besseren Serie werden, wie es beispielsweise viele Japaner machen, könnte ich damit leben. Zum Teil macht BMW das ja auch schon seit ner Weile. Im 1er gibt es das Radio ohne zentrales Display seit dem ersten Facelift nicht mehr. Eigentlich gehört auch das HiFi System serienmäßig in jeden BMW, nur die größeren Soundsysteme sollte es als Option geben. Halogenscheinwerfer könnten meinetwegen auch abgeschafft werden.

    Aber vielleicht kann mir mal jemand auf die Sprünge helfen: Ich dachte der Hintergrund von einem Baukastensystem ist, dass man die Varianten einfacher und günstiger an den Start bringen kann. Also zum Beispiel: den x20d gibt es für 1er und 3er, ein passendes manuelles Getriebe gibt es auch. Das nimmt man aus dem Regal und baut es in den 5er ein und TADAA man hat nen 520d. Also auch wenn eine Variante vielleicht nicht so nachgefragt ist, besteht doch quasi kein Aufwand, sie trotzdem vorzuhalten, weil alle Einzelteile dafür da sind.

    Wenn man nun aber diese etwas milchmädchige Rechnung aufzieht und von 23 Varianten spricht, dann haben die ja schon im Schnitt weniger als 5% Anteil an den Verkaufen. Da sind dann 3% nicht katastrophal wenig, finde ich. Wenn man so zwischen den Zeilen liest, klingt das alles etwas hanebüchen.

    Ich finde, BMW hat aktuell eine reichliche Auswahl, die Motoren sind aber aber gut abgestuft. Bei VW habe ich neulich vom Polo gelesen, der mit 65,75,95 und 115 PS kommt. Da habe ich mich schon gewundert, was das für ne Abstufung ist. Beim 1er BMW sind es 116, 150, 190 und 224. Das ist jedesmal ein ordentlicher Sprung und es wäre eine Lücke da, wenn man ein Modell streichen würde.

    Bezüglich Karosserievarianten finde ich die Aussagen aber wieder abstrus. Erst wird überall eine Lücke gesucht, teilweise sogar erzwungen und dann gefüllt. Dann stellt man wenige Jahre später fest “Huch, wir haben zu viele Karosserievarianten.”. Ach nee. Ich wüsste schon ein paar Kandidaten, die man streichen könnte, aber man schielt doch so gern nach Stuttgart, die gefühlt noch mehr Varianten/Modelle haben (z.B. 3 Roadster).

    • Lukas Merk says:

      Ja aber trotz Baukastensystem muss man immer noch für jede Variante Entwicklungsarbeit rein stecken. Zum Bespiel muss ja das Fahrwerk an die verschiedenen Gewichte von den Motoren und Getrieben angepasst werden (Extremfall wäre hier der V12 im 7er). Die Motor- und Getriebesoftware muss auch an die verschiedenen Leistungen angepasst werden usw.
      Mit Baukasten kann man vieles einfacher und billiger machen, aber halt nicht kostenlos.

    • moehre says:

      Hinzu kommt die aufwendige weil schwankende Beschaffung. Trotz gleichteilen laufen so Fahrzeuge nicht immer vom selben Band bzw im selben Werk.

    • M54B25 says:

      Der Entwicklungsaufwand wurde ja schon erwähnt, hinzu kommt noch die Zulassung für jede der Kombinationen – da werden jeweils entsprechende Bestätigungen und Test notwendig und das dann in den verschiedenen Ländern/Absatzmärkten. Zudem die Ersatzteilhaltung und Logistik dazu – bei 100 Lenkrädern müssen im schlimmsten Falle alle 100 Varianten im Lager vorrätig sein. Und das Ganze musst Du auf die Lebenszeit berechnen, in der die Ersatzteile vorgehalten werden sollten.

      Bei der Karosserie sehe ich es genauso wie Du – erst werden die Lücken gesucht und ja quasi dem Kunden schöngeredet und jetzt machen drei viertürige Limo-Varianten beim 3er keinen Sinn mehr?

      Zum Polo-Motorenangebot: 65 und 75 sind derselbe Motor als R3 Sauger nur mit anderer SW, 95 und 115 ebenfalls das sind die R3 Turbo mit anderer Software. Und dann gibt es noch 150 (neuer 1,5 R4) und 200PS (2.0L GTI Abklatsch). Bei jedoch knapp 1050kg Leergewicht sind die 10 bzw. 20PS und entsprechenden Nm mehr/weniger schon merkbar – in der Stadt dem Haupteinsatzgebiet eines Polos jedoch gut vernachlässigbar.

  3. Polaron says:

    Der Dieselmotor wird wohl wegen der schwindenden Nachfrage in den nächsten Jahren ohnehin Zug um Zug aus den Modellprogrammen der Autohersteller verschwinden. Das reduziert die Variantenvielfalt bereits enorm.

    Mildhybride/Vollhybride und Elektrofahrzeuge werden diesen Variantenreichtum wohl nur zu einem kleinen Teil ausfüllen, weil es dort schlichtweg weniger Auswahloptionen geben wird (z. B. keine manuelle Handschaltung, identische Akkus mit Kapazitäts-/Leistungsbegrenzung nur durch Software).

    Dass die Modellvielfalt an sich gestrafft werden soll, scheint mir zum jetzigen Zeitpunkt aber doch etwas überraschend, wenn man z. B. bedenkt, welche neuen Ableger bspw. aus der ursprünglichen 3er-Reihe in der jüngeren Vergangenheit erfolgreich abgeleitet wurden (z. B. 3er GT, 4er GC).

    Blöd und wieder zu kompliziert fände ich es hingegen, wenn man grds. ein ‘kastriertes’ Auto bekommt, aber viele Optionen nach Bedarf für eine gewisse Dauer (z. B. Sitzheizung in den Wintermonaten oder Akkureichweite für längere Strecken) dazubuchen könnte.

    • Fagballs says:

      Schritt 1: “Sitzheizung brauche ich nur in den Wintermonaten”
      Schritt 2: “Das Auto steht eh 23 Stunden am Tag rum”
      Schritt 3: Bahn fahren
      Nee Nee, so fangen wir gar nicht erst an.

  4. moehre says:

    Krasse Entwicklung. Lange Zeit war gerade der europäische Markt ja von hoch individuelle Fahrzeugen geprägt. 2*10^32 Varianten des E90/91/92/93 waren rechnerisch drin.der prius kommt auf 10000.
    All das führt nicht nur in der Entwicklung, sondern auch der Fertigung zu sehr hoher Steuerungskomplexität
    Hinzu kommt das grundlegend andere Vertriebsmodell in Japan. 50% der Neuwagen kommen von der “Halde” und werden über Rabatte verkauft. Auch Volvo bietet nur noch optionspakete und eben Farben und Felgen an.

    • M54B25 says:

      Noch krasser ist der Automarkt in den USA – da werden Autos zu 95% gleich vom Hof mitgenommen und daher müssen die Fahrzeuge dann schon all das enthalten, was der Fahrer so möchte. Das musste auch VW erst lernen – die schöne deutsche Angewohnheit des Bestellens und Lieferns mit den Wunschoptionen mögen die Amis gar nicht.

  5. Mini-Fan says:

    “Optionen, die beinahe umsonst vorgehalten werden müssen”

    heißt ja wohl, dass BMW an allen Optionen immer noch “wenigstens ein kleines bisschen etwas” verdient.

    Ich gehe mal davon aus, dass die Betriebswirte bei BMW die Gemeinstückkosten bei der Kalkulation der Sonderausstattungen voll berücksichtigt haben – wovon ohnehin bei den im Vergleich zu anderen Herstellern exorbitant hohen Aufpreisen bei BMW auszugehen ist.

    Jetzt ist die Frage, welche Kosten BMW einsparen will, wenn der Umsatz aus diesen Sonderausstattungen ausbleibt.

    • M54B25 says:

      Die Grundpreise steigen – stand jetzt in der AMS drinne beim Vergleich von 318i Touring mit C-Klasse T 180 – Da ist dann die 8-Gang ZF Standard und der Preis steigt um 2000€ mit ein paar anderen Zusätzen – durch den Entfall des Optionsverbaus dürfte die Produktion günstiger werden und sich das Gesamtangebot gut rechnen.

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