Audi RS 4 Avant 2012: Fahrbericht zum Sport-Kombi aus Ingolstadt

BMW M3 | 30.10.2012 von 59

Am vergangenen Wochenende bekam ich die Möglichkeit, den neuen Audi RS 4 Avant 2012 drei Tage auf Herz und Nieren testen zu dürfen. Als Referenz …

Am vergangenen Wochenende bekam ich die Möglichkeit, den neuen Audi RS 4 Avant 2012 drei Tage auf Herz und Nieren testen zu dürfen. Als Referenz galt ein BMW M3 der Baureihe E90, der leider schon mit Winterreifen bestückt war. Aber aus langjähriger Erfahrung sind dessen Qualitäten bekannt.

Am Freitag bekam ich den neuen RS4 vom örtlichen Autohaus. Das Fahrzeug war nahezu voll ausgestattet und zusätzlich foliert – mit einer Folie im Design “Alu gebürstet”! Ist schon wirklich ein Eyecatcher, aber nur im Sonnenlicht. Ansonsten wirkte das Fahrzeug schmutzig und die kleinen Riefen in der Folie zeigten auch leichte Schmutzansätze. Dennoch mal etwas anderes…

Grundsätzlich war ich sehr angenehm überrascht vom Audi RS 4 Avant: Alles sauber verarbeitet, die Spaltmaße stimmen und auch sonst erstmal keine negativen Überraschungen. Im direkten Vergleich zum E90 konnte ich die viel gerühmte überragende Audi-Qualität aber nicht feststellen – sie ist mit BMW auf Augenhöhe und beide schenken sich nichts.

Wirklich begeistert war ich vom Motor! Er hängt sauber und spontan am Gas, dreht willig hoch und steht dem des M3 bei den Fahrleistungen subjektiv erstmal in kleinster Weise nach. Zudem ist der Sound ein Gedicht! Im “Comfort”-Modus angenehm zurückhaltend – aber stellt man auf “Dynamic”, dann knallt, bollert und trompetet es herrlich aus dem Auspuff. Eine echt Show, die auch ständig für Aufmerksamkeit und Aufsehen sorgt.

Wo Licht ist, fällt allerdings auch Schatten: Aus reinem Interesse bin ich meine üblichen Strecke gefahren, um einen Vergleich zu bekommen. Wo ich im Alltagsmodus mit dem M3 14,7-14,9 Liter Verbrauch habe, lag der RS4 bei 19,8 Liter. Noch gravierender der Unterschied bei schnellen Autobahnfahrten: Wo der M3 sich schon um die 22 Liter gönnt, lag der RS4 bei 36 Liter!

Apropos Autobahn: Zweimal hat der RS4 die Gasannahme verweigert! Nachdem ein kurzes Stück mal 300 km/h möglich war, musste ich runter bremsen. Als die linke Spur wieder frei war, verweigerte er die Gasannahme komplett – ich konnte voll durchtreten und er wurde langsamer. Warnblinker an und rüber auf den Standstreifen – wo er sich dann plötzlich wieder fing und ganz normal anriss – sehr befremdlich, aber vermutlich ein Einzelfall.

Ansonsten ist der RS4 ein wirklich tolles Auto: Im “Comfort”-Modus absolut alltagstaugliches Fahrwerk, im “Dynamic”-Modus poltert er schon ziemlich – ähnlich dem M3!
Der Geradeauslauf ist selbst bei hohem Tempo trotz der optionalen Aluminium-Gussräder im 5-V-Speichen-Design, 9 J x 20, Titanoptik, glanzgedreht, mit Reifen 265/30 R 20 hervorragend und kaum empfindlich gegen Spurrillen! Die Sitze bieten hervorragenden Seitenhalt und man findet stets eine bequeme Sitzposition.

Als sehr gewöhnungsbedürftig empfand ich das Bedienkonzept des Audi RS4 – das MMI bietet sicherlich die gleichen Möglichkeiten wie das iDrive, aber ich persönlich empfand es als sehr umständlich und kompliziert. Da ist für meinen Geschmack das iDrive wesentlich intuitiver und logischer zu bedienen.
Auch der Tempomat gab mir bis zum Schluss Rätsel auf: eine vorgewählte Geschwindigkeit wieder abzurufen war mir nicht möglich. Was dem RS4 leider auch ein wenig die Sportlichkeit nimmt, ist die indirekte und gefühllose Lenkung. Beim Kreisverkehr hier um die Ecke reicht beim M3 eine 1/3-Lenkraddrehung um rumzukommen – der RS4 braucht über eine halbe Umdrehung, was ein Umgreifen nötig macht.

Zudem hat man zwar im Alltag im “Comfort”-Modus ein schön leicht drehendes Lenkrad – aber es fehlt jegliche Rückmeldung! Stellt man hingegen in den “Dynamic”-Modus, so wird die Lenkung so schwergängig, das man beinahe einen ausgewachsenen Bodybuilder braucht, um das Lenkrad zu drehen. Rückmeldung gibt es indes immer noch wenig bis gar nicht – jedenfalls im Vergleich zum M3! Insofern ist es Jammern auf sehr hohem Niveau!

Nicht mit “Jammern” hat hingegen die Bremse zu tun: Eine Vollbremsung von 310 km/h auf 80 und für den Rest der Probefahrt war beim Bremsen ein Wummern zu hören. Auch die Lenkung zitterte von diesem Moment an schon beim normalen Fahren – trat man auf die Bremse, begann das Lenkrad richtig zu zappeln. Und das wegen nur einer etwas festeren Bremsung aus dem Tempo! Das kann der M3 wesentlich besser, denn den lassen solche Manöver unbeeindruckt!

Ich habe mir den Audi RS4 2012 geliehen, um zwei Fragen für mich zu beantworten: Ist der Sport-Kombi eine Alternative zum derzeit noch nicht lieferbaren, neuen M3 – und wie schneidet er im Vergleich mit dem mittlerweile fünf Jahre alten BMW M3 E90 ab?

Mein subjektives Fazit ist folgendes:
Der neue RS4 ist ein tolles Auto und befindet sich nahezu auf Augenhöhe mit dem (noch) aktuellen BMW M3! Einzig die Lenkung, das Bedienkonzept und die “schwache Bremse” sehe ich als wirklichen Nachteil – und die “Störung” auf der Autobahn sowie der doch recht massive Mehrverbrauch zum M3.
Prinzipiell würde ich sogar fast einen Kaufvertrag unterschreiben – wenn es nicht einen M3 geben würde und der neue M3 unmittelbar vor der Tür stehen würde. Wer glaubt, dass man als BMW-Kenner mit dem Audi RS 4 Avant keinen Spaß haben könnte, sollte jedenfalls dringend eine Probefahrt machen und sich selbst vom Gegenteil überzeugen.

Insgesamt liegen beide Fahrzeuge auf einem sehr hohen Niveau sehr nah beieinander. So entscheiden letztlich nur Nuancen des subjektiven Geschmacks darüber, welches Auto besser gefällt. Jeder Interessent sollte daher beide Fahrzeuge im direkten Vergleich und direkt hintereinander fahren, um den eigenen Favoriten zu finden.
Denn eines ist klar:
Bei solchen Fahrzeugen – egal ob nun BMW M3, Audi RS 4 oder Mercedes C 63 AMG – entscheidet letztendlich niemals der Verstand, denn der würde alle drei als sinnfrei und unwirtschaftlich in die Abseitsposition manövrieren. Solche Fahrzeuge sind eine Bauchentscheidung, weshalb einzig und allein die eigenen Erfahrungen mit dem Fahrzeug den Ausschlag geben können.

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