Mit der Neuen Klasse haben die aktuellsten Elektroautos von BMW deutlich höhere Ladegeschwindigkeiten erreicht und können nun mit bis zu 400 kW geladen werden. Gleichzeitig zeigen chinesische Autobauer, dass sich ihre Akkus noch dramatisch schneller laden lassen: BYD will mit dem sogenannten Flash-Charge tatsächlich blitzartig laden, verspricht bis zu 1.500 kW Ladeleistung und damit ein Volladen des Akkus in nur 5 Minuten – eine Zeit, die sich wirklich nicht mehr hinter dem Volltanken eines Pkw mit Benzin- oder Diesel-Motor verstecken muss. Auch Denza will mit dem Flash Charger Energie für rund 500 Kilometer Reichweite in fünf Minuten nachladen können.

Verglichen mit diesen Zahlen klingen selbst die Werte des neuen BMW i3 (NA0) deutlich langsamer, auch wenn die Möglichkeit zum Nachladen von Energie für 400 Kilometer Reichweite in nur 10 Minuten eine ganz andere Liga als bei bisherigen BMW-Elektroautos darstellt. Gegenüber dem australischen Magazin carsales.co.au haben sich nun gleich zwei BMW-Manager skeptisch gegenüber den extrem hohen Ladegeschwindigkeiten der chinesischen Anbieter geäußert: Batterie-Produktions-Experte Markus Fallböhmer merkt an, dass die Fokussierung auf eine herausragende Eigenschaft immer mit Kompromissen in anderen Disziplinen verbunden ist – beispielsweise der mittel- und langfristigen Batterie-Haltbarkeit.

Auch Mike Reichelt, verantwortlich für die Neue Klasse, verweist auf den richtigen Mix der Akku-Eigenschaften. Neben der maximalen Geschwindigkeit beim Laden spielen auch die Energiedichte, die Langlebigkeit, die Zuverlässigkeit und natürlich die Kosten eine wichtige Rolle. Vor diesem Hintergrund scheint es für BMW derzeit nicht erstrebenswert, die Ladegeschwindigkeit immer und immer weiter zu steigern. Stattdessen streben die Münchner eine Optimierung aller Faktoren für einen insgesamt größtmöglichen Kundennutzen an.

Mit derzeit bis zu 400 kW Ladeleistung – und das Ende der Fahnenstange wird damit auch bei BMW nicht erreicht sein – ist ohne Frage ein Niveau erreicht, das nur selten mit objektiven Einschränkungen für die Kunden verbunden ist. Wer beispielsweise mit einem vollgeladenen BMW iX3 (NA5) in den Urlaub startet, kann dank 805 Kilometer WLTP-Reichweite und 400-kW-Laden mit weniger als 10 Minuten Ladestopp von München nach Rom fahren. Man kann also durchaus fragen, ob nicht schon mit Blick auf die Leistungsfähigkeit des menschlichen Körpers längere Pausen empfehlenswert sind, als für das Laden erforderlich wären – und ob es sich lohnt, für derartige “Vorteile” Kompromisse bei der Akku-Haltbarkeit in Kauf zu nehmen.

Dennoch ist klar, dass sich auch BMW mit Blick auf die unvermeidlichen Vergleiche mit der Konkurrenz bei künftigen Modellen weiter steigern wird – ganz unabhängig von der Praxis-Relevanz für die meisten Kunden.