Fahrbericht BMW X3 M F97: So fährt das Power-SUV mit 510 PS

Für den ersten Fahrbericht fuhren wir den 510 PS starken BMW X3 M Competition auf den Straßen New Jerseys und auf der Rennstrecke des Monticello Motor Club.

Auf den ersten Blick mag New Jersey nicht der am besten geeignete Ort für den ersten Fahrbericht zum BMW X3 M Competition sein. Der direkt an die Metropole New York angrenzende Bundesstaat hat die in den USA typischen Tempolimits und ist Kennern als idyllischer Garden State bekannt, aber mit Motorsport dürften die wenigsten Menschen New Jersey verbinden.

Bei genauerem Hinsehen wird jedoch klar, wie gut die Wahl tatsächlich ist: Der Bundesstaat bietet malerische Kulissen von grünen Gärten bis zur Skyline New Yorks, er beheimatet unzählige wohlhabende Vorstadt-Viertel – und er ist die Heimat des Monticello Motor Club, der sich mit vielen anspruchsvollen Kurven und wenigen Geraden als hervorragende Strecken zum Kennenlernen des BMW X3 M Competition entpuppt.

Fahrbericht BMW X3 M F97: So fährt das Power-SUV mit 510 PS

Bevor es so weit ist, sehen wir auf den Straßen New Jerseys unzählige Antworten auf die Frage, ob wirklich jemand ein SUV mit derart viel Leistung benötigt: Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten dominieren SUV und Pickup-Trucks das Straßenbild, nicht wenige stammen aus dem weit entfernten Süden Deutschlands. Zwischen Ford F-150 und Porsche Macan Turbo ist der BMW X3 M alles andere als ein Exot – und in den Vordergrund rückt statt der Sinn- die Zeit-Frage: Wieso hat die M GmbH so lange gewartet, bis sie einen echten Rivalen für Macan & Co. auf die Räder gestellt hat?

Und natürlich weiß man auch in Garching, welches Potenzial im Technik-Duo X3 M und X4 M steckt: Die beiden SUV haben absolute Bestseller-Gene. Schon der schwächere X3 M40i zählt zu den meistverkauften M-Modellen und trägt entscheidend dazu bei, dass die M GmbH 2018 das stärkste Jahr ihrer Unternehmensgeschichte feiern konnte und 2019 mit 48.000 Einheiten in den ersten fünf Monaten bereits einen Vorsprung von 21 Prozent auf das gerade erst beendete Rekordjahr herausgefahren hat.

Keine echte Überraschung ist, dass rund 30 Prozent aller BMW X3 M Zeit ihres Lebens Amerikaner bleiben werden: Genau wie die schwächeren Varianten des Mittelklasse-SUV werden auch die M-Modelle vor allem in Spartanburg gebaut und anschließend in den USA gefahren. Doch auch wenn ein Drittel der Power-SUV gleich im größten Einzelmarkt bleibt, sind die Amerikaner nur ein Teil der Zielgruppe – noch viel wichtiger für den geplanten Erfolg ist das Abschneiden in den anderen Märkten der Welt, die zusammen 70 Prozent der Zielgruppe ausmachen.

Zu den größten Märkten nach den USA gehört auch Deutschland, wo viele potenzielle Kunden schon lange auf ein Mittelklasse-SUV mit voller M Performance gewartet haben. Kurvige Landstraßen und unlimitierte Autobahnen sind es auch, die einen großen Teil zum Mythos aller M-Modelle beitragen. Um dabei niemanden zu enttäuschen, haben sich die Entwickler denkbar hohe Ziele gesteckt: Der BMW X3 M Competition soll die Präzision, die Dynamik und mithin die Faszination eines BMW M3 in die Fahrzeugklasse des X3 übersetzen.

Damit das gelingen kann, ist die bloße Anpassung von Komponenten aus dem M-Teile-Regal nicht genug. Sicher, einen Großteil der Technik kennen wir bereits aus dem M5: Die famose Achtgang-Automatik, der Allradantrieb M xDrive mit aktivem M Differenzial an der Hinterachse, vor allem aber auch das Betriebssystem und die komplette Bedienlogik stammen eins zu eins aus der Power-Limousine. Andere Elemente wie die Sättel der M Compound Bremsanlage übernimmt der X3 M vom M760Li, dessen Bremse ihre Gelassenheit im Umgang mit hohem Gewicht hinlänglich bewiesen hat.

Dass der Antriebsstrang dennoch massiven Neuigkeits-Wert besitzt, verdankt er seinem eigentlichen Herzstück: Unter der Haube feiert der brandneue BMW S58-Motor seine Premiere. Der Reihensechszylinder mit drei Litern Hubraum und zwei Monoscroll-Turboladern ist die kommende Allzweckwaffe der M GmbH und wird neben den M-Varianten von X3 und X4 auch die nächste Generation von M3 und M4 antreiben. Im Vergleich zum Vorgänger ist der S58 volle 11 Kilogramm leichter geworden, obwohl er in jeder Lebenslage spürbar mehr Leistung bietet. Wie er in Europa klingen wird, kann man derzeit nur spekulieren: Die Testwagen mit US-Spezifikation waren ohne Otto-Partikelfilter unterwegs und mussten folglich kein Blatt vor den Mund nehmen.

Der völlig zu Unrecht unter einer schmucklosen Kunststoff-Abdeckung versteckte S55-Nachfolger ist ein von Grund auf neu konstruierter Motor, der sich lediglich 10 Prozent seiner Bauteile mit dem Basistriebwerk B58 teilt. 510 PS und 600 Newtonmeter Drehmoment machen ihn zum bisher stärksten in Serie gebauten Reihensechszylinder der BMW-Historie. Unzählige Veränderungen sorgen nicht nur für ein sattes Leistungsplus, sie bescheren dem S58 auch eine völlig eigenständige Charakteristik: Er liebt hohe Drehzahlen, er treibt die Drehzahlnadel vehement nach oben, seine Ölversorgung ist auf extreme Längs- und Querbeschleunigungen wie im Motorsport ausgelegt – und dennoch bietet er im ruhigeren Alltag die Gelassenheit eines großvolumigen Turbo-Triebwerks, das für souveränes Fahren keineswegs auf hohe Drehzahlen angewiesen ist.

Diesen Spagat geht der BMW X3 M Competition auch beim Fahrwerk, das auf übertriebene Härten verzichtet und dennoch mit ausgesprochen straffer Anbindung überzeugt: Die Carbon-Domstrebe im Motorraum harmoniert bestens mit den eigens für die beiden neuen Power-SUV entwickelten Strebenpaketen an Front und Heck, was eine scheinbar mühelose Umsetzung der wirkenden Kräfte erlaubt. Überraschender als die sportliche Eignung des M-Fahrwerks ist, wie viel Restkomfort die Competition-Variante selbst auf schlechten Nebenstraßen New Jerseys bietet: Ja, diesen X3 M kann man ohne Reue im Alltag fahren.

Doch auch wenn der Alltag den Normalfall darstellt, kauft sicher kaum ein Kunde aus Komfort-Gründen einen X3 M. Gekauft und gebaut wird er für jene Momente, die Nervenkitzel in den Alltag bringen. Zum Erleben dieser Momente ist der Monticello Motor Club perfekt, denn die Rennstrecke ist und bleibt der am besten geeignete Raum zum Ausloten des querdynamischen Potenzials. Wer bisher nie von Monticello gehört hat, hat wirklich etwas verpasst: Eingebettet in grüne Wiesen bietet die Strecke mehrere spannende Wechsel von schnellen und langsamen Passagen, viele technisch anspruchsvolle Kurvenkombinationen und beachtliche Höhenunterschiede, die an europäische Natur-Rennstrecken erinnern.

Noch beeindruckender als die Strecke ist, wie selbstverständlich der BMW X3 M sie meistert. Sind wir nicht eben in ein Mittelklasse-SUV eingestiegen? Ja, aber es ist eben eines mit Garchinger Wurzeln. An der feinen Herkunft lässt der X3 M niemals Zweifel aufkommen, denn trotz der höheren Sitzposition erinnert bei der Fahrt wirklich vieles an einen Sportwagen: Der drehzahlgierige Motor hat scheinbar nicht die geringste Mühe mit dem Gewicht, die Achtgang-Automatik feuert die Gänge im schärfsten Modus beinahe verzögerungsfrei hinein und der Allradantrieb ist im Modus 4WD Sport so hecklastig, dass man den vom M5 bekannten 2WD-Modus keine Sekunde lang vermisst.

Wer übersteuernd aus engen Kurven herausbeschleunigen will, kann das im DTC-Modus problemlos tun und dabei fast so schön quer fahren wie mit einem Hecktriebler. Dennoch merkt man auf der Rennstrecke, dass die Physik auch in Garching noch nicht deaktiviert werden kann: Vor allem in den engeren und teilweise nach außen hängenden Kurven des Monticello Motor Club drücken die zwei Tonnen M-SUV spürbar nach außen. Auch dabei bleibt der X3 M stets berechenbar und präzise kontrollierbar, weshalb man sein Limit gefahrlos ausloten kann.

Und auch wenn das hohe Gewicht auf öffentlichen Straßen so gut wie nie störend in Erscheinung tritt, wecken gerade die wenigen engen Kurven in Monticello die Vorfreude auf das, was da in Zukunft noch kommen wird: Geht man einmal davon aus, dass der S58 demnächst in einem fast 500 Kilogramm leichteren Umfeld zum Einsatz kommt und mit einem Chassis verheiratet wird, dass nicht nur dank des erheblich tieferen Schwerpunkts noch mehr Präzision und Agilität bietet, kann man die Neuauflage von M3 und M4 schon jetzt kaum noch erwarten.

Für all jene, denen die unbestreitbaren Alltags-Vorteile eines SUV am Ende des Tages wichtiger sind als die letzten Zehntelsekunden auf der Rennstrecke, stellt der BMW X3 M Competition einen überragenden Kompromiss dar. Er vereint ein großzügiges Platzangebot, 550 bis 1.600 Liter Kofferraumvolumen und angenehmen Reisekomfort mit einer Fahrdynamik und motorischen Potenz, die BMW-Kunden in dieser Klasse viel zu lange vermissen mussten.

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