BMW M2 Competition in Fahrt: Großer Schritt auf hohem Niveau

BMW M2, Fahrberichte | 30.07.2018 von 14

Fahrbericht BMW M2 Competition: Wer einen Kompaktsportler wie den M2 verbessern will, muss mehr als eine Leistungssteigerung auf 410 PS bieten.

Der M2 ist tot, lang lebe der M2! Die Thronfolge unter den spaßigsten Kompaktsportlern ist aus Garchinger Sicht schnell geklärt, denn mit dem neuen BMW M2 Competition steht der Nachfolger für den bisherigen Fahrspaß-Überflieger bereits fest. Während die Competition-Varianten normalerweise als besonders sportliches Angebot oberhalb der M-Modelle positioniert sind und parallel angeboten werden, ist der BMW M2 Competition eher die Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte – und zwar eine, die den Abschied vom M2 Coupé erstaunlich leicht macht. Für den ersten Fahrbericht durften wir den neuen BMW M2 Competition auf der Rennstrecke von Ascari und auf den umgebenden Landstraßen im Süden Spaniens bewegen.

Ob es dem neuen BMW M2 Competition gelingen würde, die mit dem klangvollen Namen verbundenen Erwartungen zu erfüllen, war dabei eine durchaus berechtigte Frage. Zwar war seit einiger Zeit klar, dass der M2-Nachfolger einen neuen Motor und damit eine Leistungssteigerung auf 410 PS erhalten würde, aber alle Kenner des bisherigen M2 wussten auch: Für die Faszination dieses Fahrzeugs spielt schiere Kraft nur eine untergeordnete Rolle. Starke Fahrzeuge sind in der Kompaktklasse keine Seltenheit, aber Hinterradantrieb, ausgeglichene Gewichtsverteilung und derart hochklassige Fahrwerkstechnik sucht man anderenorts vergeblich. Außerdem mangelte es dem BMW M2 Coupé gewiss nicht an Leistung, mehr davon konnte also höchstens eine von mehreren Zutaten für das Competition-Rezept sein.

Fahrbericht BMW M2 Competition: Viel mehr als 410 PS

Dennoch ist klar, dass der neue Biturbo-Reihensechszylinder S55 einen wesentlichen Teil der Faszination des BMW M2 Competition ausmacht. Denn beim Update vom bisherigen M2 zum neuen Competition haben die Entwickler das Pferd gewissermaßen von vorne aufgezäumt – und beim Tausch des Motors auch gleich den gesamten Vorderwagen des Kompaktsportlers überarbeitet. Genau wie M3 und M4 trägt nun auch der BMW M2 eine CFK-Domstrebe sowie eine Dom-Stirnwandstrebe, was den Vorderwagen des Competition-M2 erheblich steifer macht und dafür sorgt, dass die Fahrwerkstechnik an der Vorderachse ihre ganze Brillanz entfalten kann.

Der spürbare Fortschritt in dieser Hinsicht ist vor allem deshalb erstaunlich, weil man am Steuer des M2 eigentlich nur dann mangelnde Steifigkeit feststellen konnte, wenn man direkt aus einem M3 oder M4 umgestiegen ist – ein Szenario, das Motor-Journalisten durchaus hin und wieder erleben, das mit dem Alltag der allermeisten Kunden aber sehr wenig zu tun hat. Wer nun in den BMW M2 Competition steigt, fühlt sich durch den weiter vervollständigten Technik-Transfer noch näher an M3 und M4 als bisher. Dazu trägt natürlich auch der Motor bei, der schon im Stand nach S55 klingt und sich mit seiner spezifischen Akustik von den Reihensechszylinder-Motoren der AG-Modelle abhebt.

Über den bereits im Stand geweckten Erwartungen schwebt jedoch ein kleines Fragezeichen, denn bekanntlich leistet der S55-Motor in M3 und M4 mindestens 431 PS. Zum Glück zerstreut das Triebwerk schon nach den ersten Kurven alle Befürchtungen, nach denen es sich irgendwie gedrosselt oder zugeschnürt anfühlen könnte. Stattdessen entfaltet der S55 an Bord des BMW M2 Competition eine ganz neue Qualität, weil man ihn intuitiv mit dem 370 PS starken N55-Motor des bisherigen M2 vergleicht – gewiss kein Kind von Traurigkeit und höchstens auf sehr hohem Niveau ein Grund zur Klage, aber im direkten Vergleich eben doch “nur” ein modifizierter AG-Motor.

So wird der BMW M2 Competition zur Bühne, auf der der S55-Motor seine ganze Stärke zelebrieren kann. Das praktisch verzögerungsfreie Ansprechverhalten, der rasante Ritt durch das Drehzahlband und die erheblich höheren Drehzahlen von bis zu 7.600 U/min hauchen dem M2 derart viel Emotionalität und Sportlichkeit ein, dass er endgültig zum Überflieger wird. 40 PS mehr? Mag sein. Viel wichtiger ist die Art und Weise, wie dieser Motor seine 410 PS und bis zu 550 Newtonmeter Drehmoment an die Hinterräder liefert: Jederzeit willig und immer nach noch etwas höheren Drehzahlen bettelnd fordert er Dich geradezu auf, ihn bis zum roten Finale der Drehzahlleiter auszuquetschen – objektiv gibt es dafür zwar so gut wie keinen Grund, aber wen kümmern in diesem Auto schon trockene Fakten oder der Umstand, dass der Motor auch bei mittleren Drehzahlen extrem druckvoll anschiebt?

Trotz seines charakteristischen Sounds verzichtet der S55 an Bord des M2 Competition auf die bei vielen Kompaktsportlern übliche akustische Dramatik – zumindest, wenn man darunter primär Lautstärke versteht. Bei niedrigen bis mittleren Drehzahlen bleibt der M2 noch zurückhaltender und leiser als bisher, erst im letzten Drittel des Drehzahlbands spielt der Reihensechszylinder mit voller Lautstärke. An dieser Sound-Charakteristik hat natürlich auch der zwingend vorgeschriebene Otto-Partikelfilter (OPF) seinen Anteil, aber sie passt auch zum Selbstverständnis des kompakten Überfliegers aus Garching: Lauter brüllen dürfen andere, aber schneller sein werden die allerwenigsten.

Die Zahlen zur reinen Längsdynamik spielen dabei weiterhin nur eine untergeordnete Rolle. Wer sich einen BMW M2 Competition kauft, macht das in den seltensten Fällen für Ampel- oder Autobahn-Duelle. Zwar ist der M2 mit 4,2 Sekunden für den Sprint auf 100 und optionalen 280 km/h Höchstgeschwindigkeit auch für diese Disziplinen gut aufgestellt, aber die stumpfe Beschleunigung auf gerader Strecke ist sicher nicht seine Paradedisziplin. Viel wichtiger ist den Kunden, dass der BMW M2 dank ausgeglichener Gewichtsverteilung, klassischem Hinterradantrieb, daher völlig von Antriebseinflüssen befreiter Lenkung und nochmals steiferem Vorderwagen auf kurvigem Untergrund ein Fahrdynamik-Feuerwerk abbrennt, das in dieser Klasse einzigartig ist.

Dass es in diesem Kompaktsportler primär um Emotionen und Fahrspaß geht, unterstreicht auch der vergleichsweise hohe Anteil von Fahrzeugen mit manuellem Getriebe – zu Gunsten einer noch direkteren Verbindung mit dem Fahrzeug verzichten die zahlreichen Handschalter-Kunden ganz bewusst auf zwei Zehntelsekunden beim Ampelsprint und nehmen die schlechtere Zeit von 4,4 Sekunden bis 100 km/h bereitwillig in Kauf. Dass der M2 mit Siebengang-DKG nüchtern betrachtet das etwas schnellere Auto ist, ist für die Anhänger der reinen Fahrspaß-Lehre eine kaum erwähnenswerte Randnotiz.

Viel wichtiger ist dieser Klientel der umfangreiche Feinschliff, der den BMW M2 Competition auf der Rennstrecke und im Alltag noch schneller macht. Im Vergleich zum bisherigen M2 gibt es neben neuem Motor und steiferem Vorderwagen auch eine komplett neue Abstimmung für das aktiv geregelte M Differenzial an der Hinterachse und eine nochmals weiterentwickelte DSC- und DTC-Abstimmung. Speziell letztere ist für viele Sportfahrer wichtig, denn sie erlaubt unterhaltsame Driftwinkel und unterstützt beim sicheren Schnellfahren, ohne gleich alle elektronischen Rettungsseile zu kappen.

Eine weitere Verbesserung für den Alltag ist die feinere Justierbarkeit des Fahrmodus: Wo bisher nur der konventionelle Fahrerlebnisschalter war, finden sich nun wie bei den großen Brüdern separate Knöpfe zur Einstellung von Gaspedal- und Lenkungskennlinie. Wer will, kann nun beispielsweise das schärfste Ansprechverhalten des Motors mit einer komfortablen Lenkung kombinieren. Weil der M2 auch als Competition auf ein adaptives Fahrwerk verzichtet, bleibt der mittlere der drei Zusatz-Knöpfe unbelegt.

Wie viel die Maßnahmen zur Fahrspaß- und Fahrdynamik-Steigerung gebracht haben, zeigt sich nicht nur auf der Rennstrecke von Ascari: Auch auf den spanischen Landstraßen rund um die Rennstrecke ist die gesteigerte Präzision beim Einlenken und die höhere Agilität deutlich spürbar. Der extrem drehwillige Motor ist dabei ein ständiger Quell der Freude, mit dessen Hilfe das Heck in jeder Kurve seinen Willen zur konstruktiven Mitarbeit zeigen kann.

Klar, wer auf einer so guten Basis aufbauen darf, kann eigentlich nicht viel falsch machen. Sie aber nochmals spürbar weiterzuentwickeln, ist ein Zeichen echter Ingenieurskunst. Auch wenn sich der Motor mit seinen deutlich höheren Drehzahlen und der zusätzlichen Leistung immer wieder in den Vordergrund drängen will, sind die Fahrwerks-Fortschritte aus unserer Sicht die eigentliche Sensation am BMW M2 Competition.

So bestätigt der BMW M2 Competition am Ende des Tages gleich drei Weisheiten: Man muss nicht immer alles verändern, was schon sehr gut ist. Aber ein bisserl was geht immer. Und wenn es gelingt, ein bereits überzeugendes Gesamtpaket nochmals spürbar zu verbessern, entsteht zwangsläufig etwas ziemlich Großartiges.

14 responses to “BMW M2 Competition in Fahrt: Großer Schritt auf hohem Niveau”

  1. Cjkologe . says:

    Wahnsinnig geiles Auto, aber das Interieur ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Außerdem würde ich mir den hauptsächlich nie holen wegen dem S55. Der Klingt einfach viel zu komisch und hat nichts mit Emotionalität zu tun.

    • Ferro says:

      Bist du schon einmal einen S55 gefahren? Der Sound ist der Hammer!
      Bis jetzt habe ich auch nur in den Kommentarspalten negative Kommentare zum Sound eines M3 oder M4 mitbekommen, in der Realität sind die meisten begeistert vom Sound.

      • Cjkologe . says:

        Ich habe den sound so oft beim vorbeifahren schon gehört und ich finde den nicht schön. Bin übrigens 335i e92 n54 Fahrer und kenne den reihensechser sound ziemlich gut. Der n55 klingt am besten und der s55 am schlimmsten.

        • M54B25 says:

          e92 = unzeitgemäßes Interieur!

          Bringt dir das Interieur auch nur eine Zehntel-Sekunde oder ein km/h mehr Topspeed?

          • Till says:

            Hat er das irgendwo behauptet?

          • Cjkologe . says:

            Was ist das denn für eine kindliche Reaktion? Hab das nirgendswo behauptet. Mein Auto ist steinalt und aus einem andern Jahrzehnt. Kein Vergleich zur Neuzeit, aber der M2 sieht von innen einfach nach 2012 aus. Das ist nun mal ein Fakt.

            • M54B25 says:

              Ok also Du entscheidest, wie ein Auto in 2018 auszusehen hat und definierst den M2 innen als 2012er Auto? Woran genau machst du das denn fest – was genau sind deine 2012er Fakten?

              Na gut zu wissen an wen ich mich bei solchen Fragen wenden muss – gibt es wenigstens eine offizielle Geschmackspolizei hier auf Bimmertoday.

              Oh – oder sorry – sollte das etwa eine persönliche Meinung von Dir sein, die keinen Anspruch auf Allgemeinheit besitzt – nun, das würde diese subjektive Wahrnehmung natürlich begründen.

      • Dancing Bear says:

        Wenn man sich einen ALPINA B4 anhört, dann versteht man was man aus solchen Motoren soundtechnisch machen kann. Alles eine Geschmacksfrage aber der M4 klingt oberpeinlich. Das ist Krach und kein Sound. Im Inneren wird es mit steigender Drehzahl einfach nur lauter statt dass eine andere Note dazukommt. Vom Lautsprechergedöns ganz zu schweigen. Das ist ein Armutszeugnis erster Klasse.

        • Ferro says:

          Interessant, kann ich wirklich nicht nachvollziehen, aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Mich würde jetzt noch interessieren wie ihr im Vergleich dazu den Sound von C63 und Kollegen findet.
          Beim Active Sound Design bin ich komplett deiner Meinung, den Quatsch könnte BMW sich getrost klemmen.

          • Dancing Bear says:

            Der C63 war schon immer ne peinliche Nummer obwohl beide Motoren grandios sind. AMG-Philosophie halt. Hauptsache schnell auf der Bahn und dass Kinder im Umkreis von 2km anfangen zu weinen wenn mal irgendwo ein C63er auf Volllast läuft. Der M4 haut mit seiner brachialeren Optik und dem Brülltüten-Sound noch heftiger in diese Assi-Kerbe. Dann hab ich lieber einen ALPINA, wobei der Sound ruhig etwas kerniger sein könnte.

  2. Dancing Bear says:

    Sehr opportunistisch und ignorant geschriebener Artikel nach dem Motto: Was alt ist, taugt nichts mehr. Vom 718 hat man bei bimmertoday wohl auch noch nie gehört. Wo ist der Fahrbericht statt eines aufgewärmten alten Artikels?

    • M54B25 says:

      Du hast aber schon den Artikel über den 2018er M2 Competition gelesen und kommentiert?

      Dann würde mich mal interessieren an welchen Aussagen du deine Einschätzung festmachst – Vielen Dank!

      Und zum 718er – die Webseite heisst nicht umsonst bimmertoday – für die Käfer-News -oh sorry ist ja eine Mittelmotor-Schleuder- müsstest du dir eine andere Informationsquelle suchen…

      • Dancing Bear says:

        Gehört nicht ein wenig Kritik bzw. Realismus auch zu BT? Kommt man sich nicht sehr schnell vollkommen blöd vor wenn man nur positives über BMW liest? Schwächen werden schön geredet und Stärken übertrieben dargestellt.

        Wenn die Schreiberlinge hier Eier haben, dann organisieren sie sich mal einen Test zwischen M2 Comp vs. TTRS vs. 718 GTS und berichten dann gerne mal ungefärbt statt immer nur unbewiesen zu blubbern, dass der M2 die Benchmark ist und es nix vergleichbares gibt. Ist doch hochgradig peinlich.

        • M54B25 says:

          Tja so ein Vergleich wäre mal eine Premiere. Ich gehe mal davon aus, dass du BT noch nicht all zu lange liest, sonst würdest du solche Forderungen nicht stellen. Das ist eine nahezu reine BMW only Webseite – einzig wenn die neuen Versionen der “Klassengegner” von Mercedes/Audi rauskommen, gibt es ein side-by-side Fotoshooting – aber vergleichende Test – nein wozu auch!

          Es zwingt Dich ja niemand diese Webseite zu lesen – für Vergleiche kann gerne die AMS genommen werden

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