Saubere Diesel: BMW beklagt unfaire Diskussion in Europa

News | 20.04.2017 von 11

Seit dem Bekanntwerden des Abgasskandals bei VW hat es der Diesel nicht mehr leicht. Zweifel an seiner Sauberkeit sind zur ständigen Begleitmusik einer Debatte geworden, …

Seit dem Bekanntwerden des Abgasskandals bei VW hat es der Diesel nicht mehr leicht. Zweifel an seiner Sauberkeit sind zur ständigen Begleitmusik einer Debatte geworden, an deren Ende viele Kritiker am liebsten alle Diesel-Autos von den Straßen verbannen würden. Auf der Shanghai Motor Show 2017 beklagte sich BMW-Vorstand Ian Robertson nun über die wenig sachlich geführte Diskussion, denn hierbei werde weder nach Herstellern noch nach Baujahren oder Abgasnormen unterschieden. Stattdessen werden alle Diesel über einen Kamm geschoren.

Die aktuelle Diskussion in Europa berücksichtige demnach nicht, wie sauber aktuelle Euro-6-Diesel geworden seien. Ihr Schadstoff-Ausstoß wurde im Vergleich zu früheren Motoren erheblich reduziert, auch die Feinstaub-Belastung ist durch Partikelfilter praktisch kein Thema mehr. Außerdem wird gerne und oft verdrängt, wie wichtig die effizienten Selbstzünder zum Erreichen der künftigen CO2-Grenzwerte sind – die von der EU geforderten Flotten-Emissionswerte sind für alle Autobauer praktisch unerreichbar, wenn sie ohne einen großen Anteil sparsamer Diesel erzielt werden sollen.

Unabhängig von der öffentlichen Debatte, in der immer wieder auch Fahrverbote für Diesel in Städten gefordert und diskutiert werden, scheint die Nachfrage nach dem Selbstzünder weitgehend stabil. Robertson sagte in Shanghai, dass es lediglich einen leichten Rückgang bei den Bestellungen von Privatkunden gebe, auf die gerade im Premium-Bereich relevanten Bestellungen durch Firmen scheint die Diesel-Debatte bisher keinen Einfluss zu haben.

Gerade in Europa erfreuen sich Dieselmotoren seit Jahren großer Beliebtheit, in einigen Märkten stehen sie für weit mehr als die Hälfte der jährlichen Neuzulassungen. In Deutschland waren 2016 48,0 Prozent aller neuen Autos mit einem Diesel-Motor ausgerüstet, bei BMW standen die Selbstzünder für rund 65 Prozent aller verkauften Neuwagen.

Die saubere Alternative in Form des Elektroautos wird von den Kunden weiterhin nur eingeschränkt angenommen, zumindest in Deutschland entscheidet sich die große Masse der Autokäufer auch weiterhin für einen konventionellen Antrieb mit Verbrennungsmotor. Die insgesamt geringe Nachfrage nach der vor wenigen Monaten mit großen Hoffnungen eingeführten Umweltprämie erweckt bisher ebenfalls nicht den Eindruck, als ob sie für einen Kurswechsel bei den Autokäufern sorgen könnte.

11 responses to “Saubere Diesel: BMW beklagt unfaire Diskussion in Europa”

  1. eini says:

    Putzig

    “lediglich einen leichten Rückgang bei den Bestellungen von Privatkunden”
    Das es die Firmenflotten nicht trifft, überrascht mich nicht, aber mich wundert eher, dass das im Privatsektor nicht schlimmer ausfällt – bei Gebrauchtwagen sieht das nämlich deutlich übler aus. Euro-5-Diesel und älter sind praktisch nicht mehr verkaufbar, die werden im Moment hauptsächlich nach Osteuropa exportiert, wer weiß schon, wie es mit Euro-6 weiter geht.

    “Die saubere Alternative in Form des Elektroautos wird von den Kunden weiterhin nur eingeschränkt angenommen”
    Könnte evtl. daran liegen, dass es keine brauchbaren zu kaufen gibt.
    Reine E-Autos kann man (auch aufgrund der Infrastruktur) nur als Zweitwagen fahren, sie kosten aber in der Anschaffung sogar mehr als Verbrenner (z.B. die I-Reihe oder Tesla) oder der Hersteller verlangt Batteriemieten, die höher liegen, als die Spritkosten meines 2-l Beziners (Renault).

    Ich warte schon länger, das BMW es endlich schafft, einen 1er oder 2er mit Plugin-Hybrid (und zu einem vernünftigen Preis) auf den Markt zu bringen, bei 70km Real-Reichweite könnte ich den Arbeitsweg komplett elektrisch abspulen und sogar noch kostenlos “Tanken”.

    Also lieber Herr Robertson,
    nicht jammern, liefern!

    • Fagballs says:

      > bei Gebrauchtwagen sieht das nämlich deutlich übler aus. Euro-5-Diesel und älter sind
      > praktisch nicht mehr verkaufbar, die werden im Moment hauptsächlich nach Osteuropa
      > exportiert, wer weiß schon, wie es mit Euro-6 weiter geht.

      Ist das wirklich so? Frage ist nicht als Zweifel gemeint sondern als Neugier. Denn wenn man die Karren nicht mehr loswird, hat man im Leasing evtl ein Problem, oder wenn man sich Privat einen Neuwagen kauft. Dann kann man den ja nur noch kaputt fahren, wenn einem nicht irgendein hässliches Fahrverbot einen Strich durch die Rechnung macht.

      > Könnte evtl. daran liegen, dass es keine brauchbaren (Elektro-Autos) zu kaufen gibt.

      Isso! Das Thema ist in meinen Augen nicht lösbar. In der Stadt ist das E-Auto doof, weil der durchschnittliche Stadtbewohner keinen festen Parkplatz hat. Auf dem Land ist das E-Auto doof, weil Reichweite zum Problem werden kann. Je größer die Reichweite, umso länger braucht der Wagen zum Aufladen. Wer von Hamburg nach Frankfurt pendelt und dann das Auto erstmal 12 Stunden laden muss, findet das vielleicht auch nicht so geil.

      Hybrid-Autos (Plug-in hilft auch nur, wenn man die Karre irgendwo an den Strom kriegt, ich kann das bspw nicht) halte ich für eine anständige Lösung, habe aber schon Berichte gelesen, dass z.B. ein 330e so gar nicht mehr Freude am Fahren bietet, wenn der Akku leer ist. Dann ist es nämlich nur noch ein 320i mit Extragewicht, dafür kostet er auch nur so viel mehr, dass die Zuzahlung von Vadder Staat das wieder ausgleicht. Kann man machen.

      So richtig sinnig finde ich aber nur ein schnell nachfüllbaren Kraftstoff aus nachwachsenden Quellen. Wasserstoff-Brennstoffzelle mit Wasserstoff aus einer Solarfarm, Sprit oder Erdgas aus Biomasse o.Ä. Wobei auch das wieder Mist ist, weil dadurch Kapazitäten zum Ernähren von Menschen flöten geht oder Tropen abgeholzt werden. So oder so ruinieren wir die Erde, es führt kein Weg drumherum.

    • M54B25 says:

      Ein i3 für 35K Euro ist für Dich teurer als Verbrenner? Ja als eine S-Klasse oder ein 7er schon, aber nimm mal einen z.B. Golf 7 Highline Austattung GTD mit 184PS (um leistungsmäßig beim 170PS i3 zu landen) das dürfte preislich in einer Liga spielen.

      Und zur Modellpolitik von BMW – der 2er AT als 225xe ist Dir bekannt? Aktuell käuflich zu erwerben und wie auch eine Hybrid S-Klasse zum 5-fachen Preis mit ca. 35km reiner E-Fahrstrecke fahrbar. Aber wer für eine 70km Pendlerstrecke (einfach oder Hin und Rückweg verschweigst Du ja lieber) einen 2L Renault Benziner nimmt, scheint im Betreibskostenrechnen eine eigene Variablenbildung zu benutzen.

      Also nicht jammern @eini – einfach mal schlau machen bevor Du hier rummotzt!

      • Quer says:

        Einige sind halt zum motzen geboren, von Akkumieten habe ich bis dato noch nichts gehört.
        BMW gibt sogar auf die Batterie 8 Jahre, bzw 100.000 km Laufleistung Garantie.

        • Mini-Fan says:

          Also Akkumieten gab’s – zumindest in der jüngeren Vergangenheit – bei Renault/ Zoe und beim (eingestellten) e-smart. Ratenhöhe abhängig von jährlicher Fahrleistung und Nietdauer.
          Wie es aktuell aussieht, weiß ich nicht. Jedenfalls waren die Kaufpreise dadurch nicht untereinander vergleichbar.

    • Sniickers says:

      “Ich warte schon länger, das BMW es endlich schafft, einen 1er oder 2er mit Plugin-Hybrid (und zu einem vernünftigen Preis) auf den Markt zu bringen”
      Ist vermutlich nicht der 2er den du meinst, aber es gibt einen ;D
      BMW 225xe iPerformance Active Tourer

      • Mini-Fan says:

        .. und der 225xe ist -ausstattungsbereinigt- sogar Einiges günstiger als ein etwa gleichstarker 225i mit xDrive!

  2. Uwe says:

    “Die saubere Alternative in Form des Elektroautos wird von den Kunden
    weiterhin nur eingeschränkt angenommen, zumindest in Deutschland
    entscheidet sich die große Masse der Autokäufer auch weiterhin für einen
    konventionellen Antrieb mit Verbrennungsmotor.” Welches E-Auto als Alternative zum 5er soll der Kunde kaufen, einen Tesla?

    • M54B25 says:

      Ja dafür gab es ja mal den Tesla Model S mit 60kWh Batteriepackage – war zwar ein künstlich begrenztes 70er Paket, dasss sich mittels des Einsatzes von weiteren 10.000€ freischalten liess – aber ja das wäre die Alternative. Kostenpunkt für das Modell waren genau der noch förderungsfähige Preis von knapp 60k Euro. Leistung und Austattung lagen/liegen auf dem Niveau eines kleinen R6 5ers, preislich dann auch. Infos auch zur Einstellung u.a. hier: http://www.autozeitung.de/tesla-model-s-2012-preis-technische-daten-137320.html

      Und nein ich möchte keine Diskussion über die Reichweite eines 520D und eines Tesla Model S 60D führen – ich habe nur die Frahe nach der 5er Tesla Alternative beantwortet…

  3. Quer says:

    Laut diesem Artikel muss ich Ian Robertson recht geben, wenn er beklagt das alle über einen Kamm geschoren werden.

    https://www.welt.de/amp/wirtschaft/article155021260/Warum-nur-BMW-kein-Diesel-Problem-hat.html

  4. Eesi says:

    hmm, mein Händler erzählte letztens, dass Diesel kaum noch nachgefragt werden und das es daher zu längeren Lieferzeiten bei Benzinern kommt. Einer erzählt hier also Unsinn …

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Find us on Facebook

Tipp senden