Brexit: Viele offene Fragen bei BMW, MINI und Rolls-Royce

MINI, News, Rolls-Royce | 24.06.2016 von 10

Die Engländer haben für den Brexit gestimmt. Das sorgt nicht nur in Brüssel für Bestürzung, auch bei der BMW Group in München macht man sich Gedanken.

EU-Befürworter auf dem Festland sind ebenso sprachlos wie auf der Insel: Das Brexit-Lager scheint sich bei der Abstimmung in Großbritannien tatsächlich durchgesetzt und somit für einen Austritt Englands aus der Europäischen Union gestimmt zu haben. In zahlreichen Unternehmen wird die für viele Beobachter überraschende Entscheidung der Briten in den nächsten Tagen für Krisensitzungen sorgen, die BMW Group wird dabei keine Ausnahme sein. Das liegt nicht nur an den ungewissen Auswirkungen auf den Automarkt Großbritannien, sondern natürlich auch an den britischen Marken MINI und Rolls-Royce.

Die beiden englischen Traditionsmarken der BMW Group bauen ihre Autos zum größten Teil in Großbritannien, die Werke in Oxford, Swindon, Hams Hall und Goodwood sind feste Bestandteile des weltweiten Produktionsnetzwerks von BMW. Im Motorenwerk Hams Hall werden auch zahlreiche Motoren gebaut, die später Fahrzeuge der Marke BMW antreiben.

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Brexit: Viele offene Fragen bei BMW, MINI und Rolls-Royce

Wie dramatisch die Auswirkungen des Brexit auf die BMW Group tatsächlich ausfallen, hängt vom Verlauf der Verhandlungen zwischen Brüssel und London in den nächsten Monaten und Jahren ab. Einschränkungen der Reisefreiheit könnten den Standort England ebenso benachteiligen wie Zölle und andere Handelsbeschränkungen, beschlossen sind derartige Einschnitte aber noch lange nicht. Ziemlich sicher ist momentan nur, dass es Veränderungen geben wird.

Abzuwarten bleibt auch, wie stark sich der Brexit auf die Wirtschaftskraft der Engländer auswirken wird. Derzeit gehört Großbritannien neben Deutschland und Italien zu den wichtigsten Automärkten Europas, die BMW Group ist Premium-Marktführer auf der Insel. Aus Münchner Sicht gehört Großbritannien traditionell zu den fünf wichtigsten Einzelmärkten der Welt, 2015 wurden hier über 230.000 Fahrzeuge der Marken BMW, MINI und Rolls-Royce verkauft, das sind mehr als zehn Prozent des weltweiten Absatzes.

Dass sich der Absatz weiterhin so positiv wie zuletzt entwickelt, muss vor dem Hintergrund der vom Brexit ausgelösten Verunsicherung bezweifelt werden. Welche Auswirkungen der Austritt Großbritanniens aus der EU langfristig haben wird, kann derzeit niemand mit Gewissheit vorhersagen. Wir werden natürlich darüber berichten, wenn sich erste Effekte auf die BMW Group abzeichnen.

10 responses to “Brexit: Viele offene Fragen bei BMW, MINI und Rolls-Royce”

  1. JohnVI says:

    ein trauriger Tag 🙁

    Bin gespannt wie es mit den BMW Werken im UK weitergeht. Nachteile wird es mit Sicherheit geben…

    • Fredericus Rex says:

      Sehe ich ähnlich, Airbus und Toyota haben bereits ihre geplanten Investitionen auf den Prüfstand gestellt.
      Krisen Sitzungen anderer tangierender Unternehmen unterschiedlichster Branchen folgen in Kürze.

      Eine dauerhafte Pfund Schwäche, sowie der der drohende Verlust des Zugangs zum Binnenmarkt wird die britische Wirtschaft und deutsche Unternehmen mit Geschäft in GB hart und unmittelbar treffen.

      • Stillnotlovintv14.PGDrew4life says:

        Das ist aber alles doch eher kurzfristig und alleine daran wird das Business bei BMW sicher nicht scheitern. Langfristig wird sich der Pfund trotzdem erholen. Dass GB nicht mehr in der EU ist, heißt ja auch nicht, dass es keinen Handel mehr geben wird. Ist mit der Schweiz und Norwegen doch auch so. Und wenn es in England nicht mehr profitabel wird zu produzieren, dann machen die es halt anderswo. Wäre nicht schlecht, die Produktion nach Deutschland zurück zu bringen und hier für Arbeitsplätze zu sorgen. Außerdem haben die ihre Produktionswerke auch außerhalb der EU wie z.B in den USA, die bekanntlich nicht in der EU sind, so dass es im Zweifelsfall auch da produziert werden kann.

        • Fredericus Rex says:

          Grundsätzlich ist festzuhalten, für den Austritt eines Landes aus der EU, zudem noch ein wirtschaftlich sehr gewichtiges, gibt es keine Blaupause, der Vergleich mit Norwegen, Schweiz ist allein deswegen schon nicht eins zu eins übertragbar.

          Zwar kann niemand zum heutigen Zeitpunkt die volle Tragweite des Brexit final beurteilen, aber die Konsequenzen hieraus werden massiv sein und sich quer über viele Branchen hinweg erstrecken.

          Und je länger die Hängepartie und Unsicherheit andauern wird, desto nachhaltiger werden die Folgen für alle Beteiligten sein !

          Artikel 50 sagt sehr deutlich :

          “(1) Jeder Mitgliedstaat kann im Einklang mit seinen verfassungsrechtlichen Vorschriften beschließen, aus der Union auszutreten.”

          Das Referendum ist als Schnittpunkt zu sehen, da die demokratische Mehrheit der Briten einen Ausstieg beschlossen haben. Insofern kann man als Startpunkt für die Verhandlungen den 23 Juni 2016 bestimmen.

          Und die 27 EU- Mitgliedstaaten können ganz klar einen gemeinsamen Beschluss fassen, ferner eine Verzögerung mit Strafmaßnahmen belegen!

          Allein um Nachahmungseffekte zu vermeiden, werden alle EU Länder konsequent ihre Interessen gegenüber GB vertreten müssen !

          Das bedeutet zugleich folgerichtig, den Brexit Befürwortern, die in hitzigen Debatten zuvor mit Überfremdung auf Stimmenfang gegangen sind, sollte unmissverständlich klar sein, ohne Freizügigkeit, auch kein freier Zugang zum Binnenmarkt – Rosinen picken und weitere Extrawürste herausschlagen das wird nicht funktionieren !

          Hier noch ein interessanter Artikel („Der Brexit beeinflusst die Automobilindustrie deutlich“), der wie ich finde auf die Big Points der Thematik anschaulich eingeht.

          http://www.automobil-industrie.vogel.de/brexit-beeinflusst-automobilindustrie-deutlich-a-539844/

          • Stillnotlovintv14.PGDrew4life says:

            Ja, die sozio-ökonomischen Folgen wird es geben, keine Frage. Aber so (dramatisch) wird es doch nicht ewig dauern. Die Briten waren schließlich nie besonders scharf auf die EU und haben schon früher mit dem Gedanken gespielt, auszutreten. Sie werden schon selbst wissen wie es für die am besten ist, da müssen wir ihnen doch nicht sagen wie die zu leben haben. Und als ob es vor der EU keinen Handel zwischen europäischen Ländern gegeben hat, wenn man bedenkt, dass UK erst 1973 eingetreten ist, also quasi 20 Jahre zu spät. Heißt es jetzt, dass wir vor 73 keine Waren aus GB hatten? Und BMW muss sich auch keine besonderen Sorgen machen, USA und China bleiben nach wie vor die Märkte und die waren noch nie in der EU. Außerdem werden in den USA kräftig die X-Modelle produziert, die weltweit erfolgreich verkauft werden. In China werden auch neue Produktionsstätten gebaut. Es kommt schließlich nicht auf die EU per se an, sondern an Handelsverträge und die wird es immer geben.

            • JohnVI says:

              Dein Kommentar zeigt ganz schön, dass die ganze Sache doch recht komplex ist. Oberflächig betrachtet leuchten Deine Argumente ein und das wird auch der Grund sein, warum viele für den Brexit gestimmt haben. Tatsächlich ist es leider nicht so einfach…
              Klar hat es auch vor der EU Handel gegeben und es wird ihn auch nach ihr noch geben. Worum es bei der EU geht ist eine Steigerung von Effizienz und Produktivität zur Stärkung des Wachstums. Die vielen Erleichterungen innerhalb der EU, wie wegfallende Zollbarrieren, gleiche gesetzliche Anforderungen an Produkte und auch die gemeinsame Währung sparen den Unternehmen viel Geld, stärken das Wachstum und heben somit den Wohlstand.
              Natürlich handeln wir auch mit Ländern außerhalb der EU aber eben nicht so effizient – besser währen ähnliche Abkommen wie innerhalb der EU, weshalb TTIP auch so wichtig für uns ist.
              England wird nach dem Brexit nicht untergehen, aber wenn das Wachstum durch Wegfall der EU Vorteile dauerhaft nur um 0,5% zurückgeht, wird sich das über die Jahre massiv auf den Wohlstand auswirken. Für die Briten ist das gar nicht witzig und die Verantwortlichen wissen das auch. Gerade im Vergleich zu den EU Ländern wird man den Rückfall sehen können. Länder wie Norwegen und die Schweiz taugen wenig zum Vergleich, da beide völlig anders strukturierte Volkswirtschaften haben. Gerade Nor lebt vom Öl.
              Bevor England in die EU aufgenommen wurde, ging es dem Land übrigens richtig schlecht und man hat 10 Jahre gebettelt um reinzukommen…

              Bei BMW folgt die Produktion den Märkten aus genau diesen Gründen. Die X Modelle werden in den USA gebaut, weil man sie dort am meisten verkauft. Gleiches gilt für China wo das Werk nur dazu dient hohe Importzölle zu vermeiden.
              Mit dem Werk in Mexiko hat man Zugang zu allen Ländern der NAFTA, also Mexiko, USA und Kanada.
              Ist das UK einmal von der EU isoliert, sieht es für die BMW/Mini Werke dort ganz schlecht aus. Der Grund warum man dort produziert liegt eben im Zugang zur EU. Allein der britische Markt wäre viel zu klein für eigene Werke.

              Ich glaube übrigens nicht, dass das UK das durchzieht… die Folgen währen zu gravierend. Ich vermute man wird die EU verlassen und wie Norwegen der EFTA beitreten, womit der Zugang zum Binnenmarkt gerettet ist, aber man wird die Kröte schlucken und weiter Beiträge zahlen, Freizügigkeit der Arbeitskräfte akzeptieren und dabei auf Mitbestimmung verzichten müssen… die spinnen die Briten.

              • Stillnotlovintv14.PGDrew4life says:

                Sehr schöne Argumente wie ich finde und die Sache ist in der Tat nicht so einfach. Zur EU bleibt trotzdem zu sagen, dass sie nicht nur Vorteile hat wie man uns im Mainstream immer einreden will. Das einzige effiziente Land in der ganzen Union ist wahrscheinlich Deutschland (und Schweden vielleicht noch). Der Rest besteht eigentlich nur aus Mitläufern, die nicht wesentlich zum Wachstum beitragen. Bestes Beispiel: Griechenland und prinzipiell der ganze Süden. Wie lange sollen wir denen noch helfen, wenn wir genug eigene Probleme haben? Welches Wachstum können Länder wie Rumänien und Bulgarien bringen, wenn sie selbst bettelarm sind? Das Beispiel mit Schweiz und Norwegen habe ich nicht umsonst erwähnt: Obwohl die beiden nicht in der EU sind, geht es Ihnen 100x besser als uns hier mit der tollen EU. Die meisten Menschen in diesen Ländern sind auch nicht traurig darüber, dass die nicht Mitglieder sind. Handel ist eine Sache, das Aufzwingen von Richtlinien (wieviel man wem finanziell helfen muss und wie viel Flüchtlinge man aufzunehmen hat) ist ne andere. Klar, vielleicht war alles am Anfang nicht so schlimm, aber so wie es jetzt läuft, wird uns die EU-Mitgliedschaft in Zukunft wenig Gutes bringen. Man kann wie CH und Nor mit der EU Handel treiben, aber darin Mitglied sein ist nicht mehr wichtig.

                • JohnVI says:

                  Die Beispiele Norwegen und Schweiz sind wie gesagt etwas unglücklich für die Frage nach dem Nutzen der EU. Bin selber häufig in Norwegen und dort wird ein EU Beitritt recht lebhaft disskutiert – gerade nachdem die Ölpreise sanken. Ich denke es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Beitritt kommt. Im Moment lebt der ganze Norwegische Staat von gigantischen Ölreserven, die kein anderes Land in Europa hat. Norwegen ist sehr reich und hat kein Bedarf sich mit anderen Ländern zu solidarisieren. Aber spätestens wenn das Öl zur Neige geht wird eine EU Mitgliedschaft wohl sinnvoll werden.
                  Die Schweiz ist auch sehr speziell durch ihre sehr starke Ausrichtung auf den Finanzsektor und traditionelle Neutralität. Zudem war die Schweiz schon immer reich, was für alle anderen europäischen Staaten nicht gilt.
                  Würde auch nicht außer Acht lassen, das sowohl Norwegen als auch die Schweiz EU Beiträge in enormer Höhe zahlen, die Arbeitnehmerfreizügigkeit akzeptieren und EU Gesetze und Vorschriften übernehmen ohne dass sie darauf Einfluss nehmen können, um Zugang zum Binnenmarkt zu bekommen. Dadurch geben sie viel Souveränität auf – man könnte sagen sie befinden sich quasi in einer Abhängigkeit von der EU. Das kann man sich nur erlauben, wenn man sehr reich ist. Für England gilt, dass sie all das genau nicht wollten – das macht die Absudität der ganzen Sache umso deutlicher.
                  Das die EU Probleme hat steht außer Frage – gerade mit der Haushaltsdisziplin der südlichen Länder. Aber ein Austritt Deutschlands wäre fatal, geradezu unvorstellbar katastrophal für die Wirtschaft… da ist es besser daran zu Arbeiten die Probleme der EU zu beseitigen, wobei die Briten uns nun im Stich lassen.
                  Ob die anderen Länder arm oder reich sind, ist für Deutschland übrigens erstmal egal. Der Handel mit einem armen Land innerhalb der EU ist in jedem Fall profitabler als mit einem armen Land außerhalb. Die EU Beiträge sind im Vergleich zu den entstehenden Unternehmensgewinnen und den daraus entstehenden Steuereinnahmen übrigens Peanuts – gut daran zu erkennen, wie die Steuereinnahmen gerade sprudeln.
                  Wir werden das alles demnächst am Beispiel UK live beobachten können. Da es eh nicht gut um deren Wirtschaft bestellt ist, wird das heftig werden – gerade die vielen jungen Menschen tun mir wirklich leid 🙁 Mal schauen ob es dort zu einem Braindrain kommt…

                  • Stillnotlovintv14.PGDrew4life says:

                    Wieder sehr schön geschrieben von Ihnen. Generell sieht es im Moment so aus als ob ganz Europa am Arsch wäre, sodass der Braindrain uns alle treffen wird. Letztes Jahr haben rund 830000 Menschen Deutschland verlassen (stand glaub ich in der Zeit oder der Welt, so hoch wie nie zuvor). Die meisten davon, werden wohl eben mehr oder weniger gebildete Leute sein. Was uns hier übrig bleibt, sind entweder “hochqualifizierte” Flüchtlinge oder Hartz4-Assis. Überlege gerade selbst nach Übersee auszuwandern. In der EU sehe ich jedenfalls keine Zukunft.

  2. Thilo Langbein says:

    Auf jedem Fall sinken – bei fallendem Pfund – die Produktionskosten in UK.

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