Eigentlich schien das Ende der Verbrenner-Ära bei Rolls-Royce bereits fix terminiert: 2030 sollte das letzte Luxus-Automobil mit V12-Triebwerk in Goodwood gebaut werden, ab dann hätten selbst die anspruchsvollsten und statusbewusstesten Kunden der Welt nur noch Elektroautos kaufen können. Dieser Zeitplan scheint nun jedoch nicht mehr aktuell zu sein, denn Rolls-Royce-Chef Chris Brownridge stellt gegenüber dem Guardian eine neue Ausrichtung vor: Der BMW-V12 werde von einigen Kunden so hoch geschätzt, dass ein Elektroantrieb zumindest im Moment nicht alle Wünsche erfüllen kann.

Mit anderen Worten: Rolls-Royce wird auch nach 2030 noch Neuwagen mit Verbrennungsmotor anbieten. Die Entscheidung zur Verlängerung des Zwölfzylinder-Angebots fällt in eine Zeit, in der auch andere Hersteller ihre ambitionierten Pläne zur Elektrifizierung des gesamten Portfolios aufgegeben oder zumindest aufgeschoben haben. Gerade in der Luxusklasse zeigen Fahrzeuge wie der Rolls-Royce Spectre zwar, dass es ohne Zweifel einen Markt für extrem hochwertige Elektroautos gibt – aber für viele der bisherigen Kunden kommt ein Wechsel zum reinen Elektroauto derzeit noch nicht in Frage.

In der Konsequenz dürfte Rolls-Royce auf absehbare Zeit verschiedene Antriebe parallel anbieten und neben Elektroautos auch weiterhin Benziner in den Showrooms haben. Je nach Markt und Kundenpräferenz ist dabei durchaus davon auszugehen, dass es auch elektrische Angebote neben dem Spectre geben wird, beispielsweise in Form eines elektrischen Phantom, Ghost oder Cullinan.

Die Technik hierfür ist für Rolls-Royce dank der BMW eDrive Gen6 aus der Neuen Klasse problemlos verfügbar. Und wenn bereits ein BMW i3 (NA0) auf 900 Kilometer WLTP-Reichweite kommt, ließe sich bei einem Elektroauto mit den Abmessungen eines Rolls-Royce Phantom vermutlich sogar die 1.000-Kilometer-Marke knacken.

Auf Seiten des V12-Triebwerks dürften ebenfalls Anpassungen erforderlich sein, damit dieser auch 2030 und darüber hinaus noch angeboten werden kann. Zwar gibt es hierzu bisher keine konkreten Ankündigungen, aber zum Erreichen der Anforderungen der Abgasnorm Euro-7 könnte auch beim V12-Biturbo N74 die Umstellung auf den Miller-Cycle eine Rolle spielen. Eine Klasse unterhalb von Ghost und Phantom bereitet BMW nach unseren Informationen ein V8-Comeback zum 7er Facelift 2026 vor.