Sim Racing: Philipp Eng über Simulation und Realität

Motorsport | 27.03.2020 von 0

Normalerweise sitzt Philipp Eng in Rennwagen vom Schlage eines BMW M4 DTM, M8 GTE oder M6 GT3, die ohne Zweifel zu den schnellsten und faszinierendsten …

Normalerweise sitzt Philipp Eng in Rennwagen vom Schlage eines BMW M4 DTM, M8 GTE oder M6 GT3, die ohne Zweifel zu den schnellsten und faszinierendsten Renn-Tourenwagen unserer Zeit zählen. Aber an normalen Motorsport ist in Zeiten der Corona-Pandemie auch für ihn nicht zu denken, weshalb Sim Racing einen immer größeren Stellenwert in seinem Alltag einnimmt. Kein Wunder, wenn immer mehr reale Rennen gestrichen und gleichzeitig immer mehr Sim Racing-Events aus dem Boden gestampft werden.

Seinen ersten Kontakt mit virtuellem Motorsport hatte Philipp Eng wie viele Altersgenossen im Kinderzimmer: “Ich glaube, ich war 17, und mein Simulator sah damals so aus, dass ich meine Schulhefte zur Seite geräumt, mein Lenkrad am Schreibtisch festgeklemmt und die Pedale mit Tape am Fußboden befestigt habe”, sagt der heutige Profi-Rennfahrer. Dass er heute auch beim Sim Racing auf professionelle Ausrüstung setzt, versteht sich von selbst – mit dem fahrerischen Können im echten Leben ist schließlich auch der Anspruch an den Realismus der Computer-Simulation immer weiter gewachsen.

Obwohl Philipp Eng selbst schon viele Jahre im Simulator fährt, liegt sein Fokus auf dem echten Motorsport mit realen Fahrzeugen. Im Wettkampf mit Sim Racing-Profis, die sich komplett auf virtuelle Rennen spezialisiert haben, ist er dadurch klar im Nachteil. Umgekehrt wäre aber vermutlich auch die Sim Racing-Elite völlig chancenlos, wenn sie in einem echten Auto gegen Philipp Eng antreten müsste.

Den unbestreitbaren Rückstand in der virtuellen Welt erklärt sich Eng vor allem mit der investierten Trainings-Zeit: “Das liegt hauptsächlich an der unglaublichen Menge an Zeit, die diese Jungs über Jahre hinweg im Simulator verbracht haben. Ich vergleiche das gerne mit Fitnesstraining: Wenn ich regelmäßig dabei bin und 350 Kilometer in der Woche auf dem Rad verbringe, dann bin ich entsprechend fit. Dann mache ich aber wieder zwei Wochen lang gar nichts, weil ich unterwegs bei Rennen bin, und schon sinkt mein Niveau wieder. Genauso ist der Unterschied zwischen mir, der in einer normalen Saison nur unregelmäßig im Simulator sitzt, und einem professionellen Sim-Racer, der dazu noch sehr talentiert ist.”

Als Konkurrenten auf der echten Rennstrecke sieht Philipp Eng die Sim Racing-Profis eher nicht: “Die Besten haben bestimmt das nötige technische Verständnis und das fahrerische Potenzial, aber ich denke, in einem echten Rennfahrzeug müssen sie erst einmal damit umgehen lernen, dass ihnen hier etwas passieren kann, wenn sie einen Fehler machen. Das merke ich an mir selbst. Ich riskiere im Simulator immer mehr als in einem echten Rennfahrzeug.”

Für BMW Motorsport spielt die Simulation von Rennen schon länger eine wichtige Rolle, denn hier lässt sich mancher teure Test-Kilometer mit den echten Autos einsparen. Dass der BMW Motorsport Simulator deutlich leistungsfähiger als die Geräte in den Spielzimmern der Sim Racer ist, unterstreicht auch Philipp Eng: “Der Simulator, den ich zu Hause habe, ist für das, was man als Normalbürger kaufen kann, schon sehr gut. Aber er ist meilenweit von dem entfernt, was der BMW Motorsport Simulator kann. Dadurch, dass sich der BMW Motorsport Simulator auf einer flexiblen Plattform bewegt, bekommst du als Fahrer jeden Kerb und jede Bodenwelle genauso mit wie in der Realität. Es gibt für mich vom reinen Fahrverhalten her kaum einen Unterschied zur Wirklichkeit.”

Dennoch ist für Philipp Eng klar, dass der virtuelle Motorsport momentan einen guten Ersatz für echte Rennen darstellt: “Ich bin sehr froh, im Moment meinen Rennsimulator zu Hause zu haben, denn in diesen Zeiten, in denen jeder darauf achten sollte, sich so wenig wie möglich in der Öffentlichkeit zu bewegen, ist er quasi meine ‚Racing-Ersatz-Droge. Die virtuellen Rennen helfen mir dabei, vor allem mental im Rennmodus zu bleiben, denn auch wenn es sich im Simulator nicht genauso anfühlt wie in der Realität, sind meine Instinkte doch die gleichen wie auf der echten Rennstrecke. Die kann ich somit weiter schärfen. Für mich ist das Sim-Racing also nicht nur Spaß, sondern es bringt mir als professionellem Rennfahrer auch einen echten Mehrwert.”

BMW Motorsport hat schon vor der Corona-Krise einen deutlichen Ausbau seiner Sim Racing-Aktivitäten angekündigt und begonnen, nun erhält der virtuelle Motorsport noch einen zusätzlichen Boost. Erfreulich ist, dass die Kosten für den Fahrer erheblich niedriger ausfallen und somit auch Talente mit kleinerem Budget die Chance erhalten, ganz vorne mitzufahren.

Philipp Eng glaubt, dass auch die offizielle Unterstützung von BMW Motorsport einen großen Teil zur Akzeptanz von Sim Racing in breiteren Teilen der Öffentlichkeit beitragen kann: “Das intensive Engagement von BMW Motorsport verschafft meiner Meinung nach dem Sim-Racing momentan noch einmal einen enormen Schub. Wenn sich ein großer Automobilhersteller wie BMW derart in diesem Bereich engagiert, dann bekommt das die Öffentlichkeit mit und die Wahrnehmung des Sim-Racing verändert sich in eine positive Richtung. Ich stelle es mir so vor: Als Motorsport-Fan schaue ich nachmittags das DTM-Rennen auf dem Nürburgring und abends im Livestream das Sim-Rennen meinetwegen in Sebring.”

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