Fahrbericht BMW X6 M50i 2019: Lieben oder lassen

BMW X6, Fahrberichte | 30.10.2019 von 0

Der BMW X6 polarisiert und daran wird sich auch mit dem Wechsel zur dritten Generation nicht viel ändern – zum Glück. Ein erster Fahrbericht im neuen X6 M50i mit leuchtender Niere, gelungenen Proportionen und mehr Platz in Reihe zwei.

In Deutschlands feineren Vorstädten schwelt ein ewiger Konflikt zwischen unbedingter Autoliebe und dem Gebot der Unauffälligkeit. Der allgemein gültige Kompromiss: gelebte, segmentübergreifende Vernunft. Selbstverständlich trägt der neue Dienstwagen einen dezenten Farbton für den Wiederverkauf. Natürlich arbeitet unter der Motorhaube ein sparsamer Diesel, ganz gleich, in welcher gehobenen Fahrzeugklasse man gerade unterwegs ist. Und fällt die Wahl dabei auf ein Oberklasse-SUV, dann gewiss aus praktischen Erwägungen: Zugkraft für die Pferde, Platz für die Hunde, Sicherheit für die Kinder und so weiter.

Diese Tugenden der Alltagstauglichkeit beherrscht auch der BMW X6, der im Jahr 2008 die Fahrzeuggattung des Sports Activity Coupé (SAC) begründete – mit dem feinen Unterschied, dass man sie ihm einfach nicht ansieht. Stattdessen kokettiert der bunte Hund im SUV-Portfolio der Münchner mit seiner Individualität, mischt Coupé-Karosse und Offroad-Basis, Sportlichkeit und Langstrecken-Luxus zu einem einzigartigen Gesamtkonzept. Das Ergebnis polarisiert seit nunmehr drei Generationen: Man kann einen BMW X6 nur lieben oder es lassen, dazwischen bleibt nicht viel. Weltweit knapp 450.000 verkaufte Exemplare beweisen allerdings, dass der Bayer aus dem US-Werk Spartanburg sein Dasein als Nischenprodukt schon lange hinter sich gelassen hat.

An der BMW Welt in München steht der neue BMW X6 2019 in der vorläufig stärksten Motorisierung M50i zur ersten Testfahrt bereit. Ganz gleich aus welcher Perspektive man das mächtige SUV-Coupé im Farbton Riverside Blau Metallic betrachtet: Der X6 ist und bleibt ein Statement – allerdings eines mit nun deutlich stimmigeren Proportionen. Im Vergleich zum Vorgänger wächst die Neuauflage in der Länge um 26 auf 4935 Millimeter, ist 15 Millimeter breiter und bietet 42 Millimeter zusätzlichen Radstand. Dazu baut der BMW X6 G06 gut sechs Millimeter niedriger als bislang.

Das zusätzliche Platzangebot kommt besonders den Passagieren im Fond zugute: Dort lassen sich auch Urlaubsreisen mit ordentlicher Bein- und Kopffreiheit bewältigen. Legt man die dreifach geteilte Sitzbank um, wächst das Kofferraumvolumen von 580 auf 1530 Liter. Mangelnde Alltagstauglichkeit kann man dem neuen BMW X6 so gewiss nicht vorwerfen. Seine technische Basis, Motoren und die meisten Ausstattungsmerkmale übernimmt der X6 vom aktuellen X5. Besonders in der Frontansicht wird die Verwandtschaft deutlich, allerdings ist die Doppelniere stärker konturiert und rückt mit einem zusätzlichen Winkel näher an die optionalen Laserlicht-Scheinwerfer.

Damit der neue X6 auch bei Nacht und Nebel klar erkennbar bleibt, steht gegen Aufpreis erstmals der “Iconic Glow Grille” zur Wahl – eine indirekte LED-Beleuchtung für den Kühlergrill, die auch während der Fahrt funktioniert. Der Clou: Nieren und Scheinwerfer liegen dicht genug beieinander, um offiziell als Einheit zugelassen zu werden. Am Heck sorgen dazu schmale, weit in den Kofferraumdeckel hineingezogene Rückleuchten für einen charakterstarken Abschluss.

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Unter sattem Fauchen erwacht der bekannte 4,4-Liter-V8 (N63) mit seinen Twinscroll-Turboladern aus der Mittags-Lethargie. Mit 530 PS und einem maximalen Drehmoment von 750 Nm hat sich der BMW X6 M50i 2019 das M-Logo in der Modellbezeichnung zumindest auf dem Papier redlich verdient. 4,3 Sekunden vergehen im Sprint auf 100 km/h und bei 250 km/h sorgt eine elektronische Sperre frühzeitig für Vernunft – zumindest theoretisch. Denn im zähen Durcheinander des Münchner Rings zeugen erstmal nur die regelmäßigen, nicht zu aufdringlichen Sprotzeleien des serienmäßigen Klappen-Auspuffs vom dynamischen M Performance Potenzial.

Dafür zeigt sich der BMW X6 2019 gleich von seiner alltagskonformsten Seite. Über den BMW Intelligent Personal Assistant lassen sich die meisten Infotainment-Funktionen zielsicher per Sprachsteuerung anwählen und lästige Verkehrsdurchsagen verschwinden dank Gestensteuerung mit einer einfachen Handbewegung. Etwas über dem Geschehen thront man auf bequemen Polstern in intelligenter, volldigitaler und rundum komfortorientierter Umgebung. So lassen sich auch 20 Kilometer stockender Verkehr ertragen – besonders, wenn man einfach der Flotte neuester Fahrer-Assistenten das Steuer überlässt.

Unser Testwagen ist mit dem aufpreispflichtigen Adaptiven M Fahrwerk Professional samt Luftfederung sowie Integral Aktivlenkung umfassend ausgestattet. Je nach Fahrmodus wechselt der Federungskomfort zwischen sportlich-komfortabel und straff, wählt man “Adaptive”, passt das System die Einstellungen selbstständig der jeweiligen Fahrsituation an. Als wir bereits im Soundmenü des Harman Kardon Systems angelangt sind, lichtet sich schließlich der Münchner Stadtverkehr in Richtung unbegrenzter Autobahn.

Sport Plus – der BMW X6 M50i strafft Sitzwangen und Fahrwerk und öffnet bereitwillig die Auspuffklappen. Unter brachialem Vortrieb berserkt sich der Achtzylinder durchs Drehzahlband, wirkt dabei stets wach und geschmeidig und lässt keinerlei Zweifel daran aufkommen, dass die vermeintlichen physikalischen Grenzen in der aktuellen Automobilentwicklung ein vorübergehendes Phänomen sind. Ganz ähnlich verhält es sich abseits der endlosen Geraden. Mit seiner Integral Aktivlenkung und dem gegenüber dem X5 nochmals überarbeiteten, sportlicher ausgelegten Fahrwerk wirkt der BMW X6 M50i deutlich leichter als 2,3 Tonnen, kleiner als 4,9 Meter und insgesamt behänder als man das einem SUV – ganz gleich ob mit oder ohne Coupé-Zusatz – je zugetraut hätte.

Ende November rollt der neue BMW X6 in Deutschland zu den Händlern. Neben dem V8-Benziner, der eher für Hauptmärkte wie die USA interessant sein dürfte, stehen zum Marktstart der kleinere Sechszylinder-Benziner xDrive40i sowie zwei Diesel-Varianten zur Wahl: xDrive30d und M50d. Klar, dass sich die Mehrzahl der deutschen Kunden für den effizienten Sechszylinder-Selbstzünder mit 265 PS entscheiden wird. Ein bisschen Vorstadt-Vernunft muss eben sein – selbst bei einem Sports Activity Coupé.

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