BMW X1 2015: Interview mit F48-Projektleiter Dr. Ralf Gräser

BMW X1 | 20.07.2015 von 18

Kurz nach unserer ersten Ausfahrt mit dem neuen BMW X1 2015 hatten wir die Gelegenheit zu einem Interview mit Projektleiter Dr. Ralf Gräser. Der Mann …

Kurz nach unserer ersten Ausfahrt mit dem neuen BMW X1 2015 hatten wir die Gelegenheit zu einem Interview mit Projektleiter Dr. Ralf Gräser. Der Mann hinter dem BMW X1 F48 hat dabei mit uns über die Stärken des neuen Kompakt-SUV, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Vorgänger, die Vorteile der UKL-Architektur und einige andere Aspekte gesprochen.

Außerdem bestätigt Dr. Ralf Gräser im Interview die von uns schon Anfang des Jahres angekündigte BMW X1 Langversion F49, die sich speziell an den chinesischen Markt richtet und dort neben den Langversionen von 3er und 5er die dritte exklusive Karosserievariante darstellen wird.

2015-BMW-X1-F48-Projektleiter-Dr-Ralf-Graeser

BimmerToday.de: Die erste X1-Generation war ein großer Erfolg und hat als erstes SUV dieser Klasse mit Premium-Anspruch eine neue Zielgruppe erschlossen. Dennoch gab es auch Kritik, beispielsweise am Innenraum. Wie wollen Sie den neuen BMW X1 noch erfolgreicher machen?
Dr. Ralf Gräser: Es war natürlich unser Anspruch, hochwertigere Materialien in den Innenraum zu bringen und den von Ihnen angesprochenen Hauptkritikpunkt damit offensiv in Angriff zu nehmen. Wir bieten dem Kunden durch xLine, Sport Line und M Sportpaket außerdem eine deutlich umfangreichere Individualisierbarkeit. Auch die Design-Sprache im Innenraum zeigt, wie großen Wert wir auf saubere Übergänge und saubere Integration aller Funktionen gelegt haben.

BimmerToday.de: Auch Fahrdynamik spielt für viele BMW-Kunden eine große Rolle, inwiefern hat sich der Wechsel auf die Frontantriebarchitektur hier für Sie bemerkbar gemacht und wie haben Sie dem Neuen trotzdem das typische X1-Fahrerlebnis verpasst?
Unsere Kunden profitieren vom Frontantrieb, weil wir dadurch einige Kundenwünsche besser als zuvor erfüllen können. Dank der quer eingebauten montierten Motoren haben wir ein großzügigeres Platzangebot im Innenraum, was sich sowohl bei der Beinfreiheit als auch im Kofferraum deutlich bemerkbar macht. Wir haben beim BMW X1 auch eine sehr ausgeglichene Gewichtsverteilung realisiert und damit eine hervorragende Grundlage für tolle Fahrdynamik und große Agilität gelegt. Unsere Fahrwerksentwickler haben das Fahrwerk so abgestimmt, dass man sowohl beim Fronttriebler als auch beim Allradler ein sehr dynamisches Fahrerlebnis erhält.

BimmerToday.de: Wir kennen die BMW Frontantriebarchitektur bisher nicht von SUV-Modellen, wie schwer war die Anpassung an dieses neue Umfeld?
Die Frontantriebarchitektur liefert uns dafür alle notwendigen Grundlagen. Wir greifen dabei teilweise in unseren Synergie-Baukasten, aber die x-spezifischen Elemente wurden natürlich speziell für den X1 entwickelt. Vor allem dort, wo der Kunde es nicht wahrnimmt, haben wir Gleichteile zu anderen Modellen mit der gleichen Architektur. An anderen Stellen können wir dank X1-Komponenten unser Design mit starkem X-Ness Faktor, einen kürzeren Frontüberhang, eine höhere Sitzposition und eine bessere Geländegängigkeit realisieren.

BimmerToday.de: Wie eng wird die Verwandtschaft des nächsten MINI Countryman mit dem X1? Beide Modelle nutzen eine ähnliche Basis…
Dazu können wir heute noch keine Aussage machen.

BimmerToday.de: Das xDrive-System ist grundlegend anders als beim Vorgänger, können Sie die Technik kurz erläutern?
Wir haben natürlich ein komplett anderes Achssystem und treiben nun in erster Linie die Vorderräder an, beim Vorgänger-Modell waren es in erster Linie die Hinterräder. Dem Kunden steht zu jeder Zeit der Allradantrieb zur Verfügung. Die Momentenverteilung an jedes Rad erfolgt spontan, entsprechend dem am einzelnen Rad auftretenden Schlupf. Der auf Frontantrieb basierende Allradantrieb hat ein paar entscheidende Vorteile, unter anderem das Gewicht: im Vergleich zum Vorgänger Modell wurden circa 25 Kilogramm eingespart. Die zusätzlichen Komponenten für den Allradantrieb konnten wir deutlich kompakter gestalten, was auch die bewegte Masse und damit die Reibung im System reduziert.

BimmerToday.de: Die Motorenpalette beginnt nun mit Dreizylinder-Motoren und endet beim Vierzylinder, wie sehen Sie den neuen X1 hier im Vergleich zum Vorgänger aufgestellt?
Die Motoren sind natürlich eine BMW-Domäne, wobei wir neben sehr starken Motoren wie unserem Biturbo-Diesel mit 170 KW auch besonders effiziente Dreizylinder anbieten, die z.B. mit 104gCO2/km einen Benchmark setzen. Von der Laufkultur her müssen sich unsere Dreizylinder absolut nicht hinter einem Vierzylinder verstecken.

BimmerToday.de: Und bei welchen Motoren erwarten Sie die höchste Nachfrage?
Beim Vorgänger hatten wir bei weltweiter Betrachtung einen großen Anteil an 18i-, 20i- und 20d-Modellen, je nach Markt gibt es natürlich einige Unterschiede und zum Teil auch andere Präferenzen.

BimmerToday.de: Welches sind denn die wichtigsten Märkte für den X1?
Wir haben da eine sehr ausgewogene Verteilung, wobei Südeuropa, Deutschland, England und die USA für die stärksten Einzelvolumina sorgen.

BimmerToday.de: Inwiefern ist der BMW X1 ein Thema für China?
Für China werden wir nächstes Jahr eine spezielle Variante bringen.

BimmerToday.de: Die Wettbewerber bieten in dieser Klasse auch Sportmodelle mit weit über 300 PS, werden Sie da mit einem BMW X1 M35i nachziehen oder ist das ausgeschlossen?
Nichts ist völlig ausgeschlossen.

BimmerToday.de: Was ist für Sie als Projektleiter die herausragende Stärke des neuen BMW X1?
Als Projektleiter ist man natürlich immer ein wenig in das Auto verliebt, aber besonders zeichnen den X1 aus meiner Sicht der erwachsene Charakter und die zahlreichen Ausstattungsoptionen aus. Jeder Kunde kann seinen BMW X1 innen und außen betont exklusiv oder besonders sportlich ausstatten und erhält dabei immer einen deutlich geräumigeren Innenraum. Ich treibe zum Beispiel viel Sport und staune immer wieder, was alles in den neuen X1 rein passt.

BimmerToday.de: Technische Aspekte wie die neuen Assistenzsysteme oder das Head-Up-Display spielen für Sie keine wesentliche Rolle?
Natürlich nicht, das sind für mich als BMWler beinahe “normale” Dinge. Aber wir wissen in der Tat von vielen Kunden, die sich bewusst für ein kleineres BMW-X-Modell entscheiden, ohne dabei auf gewohnte Features und modernste elektronische „Helfer“ verzichten zu wollen. Deswegen bieten wir im neuen X1 natürlich auch ConnectedDrive sowie ein umfangreiches Paket an Fahrerassistenz Systemen an und haben nun auch das von den großen X-Modellen bekannte Head-Up-Display an.

BimmerToday.de: Herr Dr. Gräser, wir bedanken uns für das informative Gespräch!

18 responses to “BMW X1 2015: Interview mit F48-Projektleiter Dr. Ralf Gräser”

  1. Polaron says:

    @Benny
    Bei der letzten Antwort (“…Aber wir wissen in der Tat von vielen Kunden, die sich bewusst für ein kleineres BMW-X-Modell entscheiden, ohne dabei auf gewohnte Features und modernste elektronische „Helfer“ verzichten zu wollen. Deswegen bieten wir im neuen X1 natürlich auch ConnectedDrive sowie ein umfangreiches Paket an Fahrerassistenz Systemen an und haben nun auch das von den großen X-Modellen bekannte Head-Up-Display an.”) hatte der Projektleiter ja ein echte Steilvorlage geliefert, um mal nachzufragen, warum es bei der brandneuen Produktgeneration des X1 weder für Geld noch gute Worte manche Assistenzsysteme (vor allem aktive Geschwindigkeitsregelung, Spurhalte- und Wechselassistenst) – die sogar oft schon bei der (Non-Premium-)Konkurrenz üblich sind – gibt. Ich verstehe dein Vorgehen zwar irgendwo, finde es dennoch sehr schade, dass solche Gelegenheiten oft ausgelassen werden.

    Auch hätte mich mal interessiert, was genau der “X-Ness-Faktor” ist…;)

    Was den X1 selbst angeht, denke ich, dass man bei BMW insgesamt einen guten Job gemacht hat, dennoch ist insbesondere das Fehlen von manchen Assistenzsystemen bei einem brandneuen Modell doch mehr als verwunderlich und nicht nachvollziehbar. Die Konkurrenz wird´s freuen…

    • Quer says:

      Zu Ihrer Information die Active Geschwindigkeitsregelung ist im Driving Assistant Plus enthalten, Spurwechselwarner ist im Driving Assistant enthalten. Seite 46 Preisliste

      • Polaron says:

        Stimmt, in der Preisliste ist Driving Assistent Plus im Gegensatz zur Produktseite aufgeführt.

        • Quer says:

          Habe ich gerade auch gesehen, darum die Frage was BMW für eine IT Abteilung hat wenn solche Assisten nicht auf der Produktseite zu finden sind, als wenn es so schwer wäre den Driving Assistant Plus hier auch einzupflegen.

  2. der_ardt says:

    weiß zufällig jemand, wieviel Leistung prozentual beim xDrive an die Hinterräder abgegeben werden können?

    • Quer says:

      40 % auf die Vorderachse, 60 % auf die Hinterachse, ändern sich aber die Straßenverhältnisse wird die Kraftverteilung variabel zwischen den Achsen verteilt. Ich hoffe Deine Frage zufriedenstellend beantwortet zu haben.

    • B3ernd says:

      bis zu 100% auf VA oder HA

      Habe eben mal auf BMW nachgelesen und bin auf folgende Aussage gestoßen “Die Basis dafür bildet die nahezu optimale Gewichtsverteilung von 57:43 (vorn/hinten) auf beide Achsen”

      bei “nahezu optimal” musste ich stark schmunzeln. Ich glaube, dass man auch in München hinter vorgehaltener Hand ein Lächeln im Gesicht hatte 😉

      • A-Man says:

        Gelten die 57:43 für FWD-Only oder für den xdrive?

        • B3ernd says:

          Das ist der BMW Text zu dem Thema…..

          “Der BMW X1 ist überall in seinem Element, er überzeugt on- wie offroad mit präzisem Handling. Möglich wird dies durch eine Reihe von perfekt aufeinander abgestimmten Komponenten. Die Basis dafür bildet die nahezu optimale Gewichtsverteilung von 57:43 (vorn/hinten) auf beide Achsen. Das optional erhältliche intelligente Allradsystem BMW xDrive
          liefert die Kraft des BMW X1 genau an das Rad, an dem sie gerade gebraucht wird – egal, auf welchem Untergrund Sie unterwegs sind”

          Ich kann es dir nicht wirklich beantworten. Ich verstehe es aber so, dass dies die FWD Variante ist (“Die Basis dafür bildet….”.

          Edit: Das ist eine prima Frage für @Benny 😉

          • A-Man says:

            Eben drum.. Wenn 57:43 für AWD gilt dann ist der “sDrive” X1 eine gegenteilig optimale Gewichtsverteilung haben^^

    • Benny says:

      “Theoretisch” sind es bis zu 100 Prozent, aber in der Praxis kommt das nur zustande, wenn die Vorderräder auf Glatteis stehen o.ä.
      Im normalen Fahrbetrieb dürfte man je nach Untergrund selten mehr als 70 Prozent an der Hinterachse haben.

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