BMW 2er Active Tourer: xDrive-Technik für UKL-BMW im Detail

BMW 2er Tourer | 18.12.2014 von 17

Mit dem BMW 2er Active Tourer F45 bringen die Münchner nicht nur ihren ersten Van und ihr erstes Fahrzeug mit Frontantrieb auf die Straße, die …

Mit dem BMW 2er Active Tourer F45 bringen die Münchner nicht nur ihren ersten Van und ihr erstes Fahrzeug mit Frontantrieb auf die Straße, die Modelle BMW 225i xDrive (zum Fahrbericht) und 220d xDrive liefern auch eine völlig neue Technik hinter dem seit vielen Jahren bekannten BMW xDrive-Schriftzug.

Wir haben uns mit dem Leiter Gesamtfahrwerksabstimmung Klaus Huber unterhalten und sind im Interview etwas genauer auf die Technik eingegangen, die in den xDrive-Modellen auf Basis der BMW UKL-Architektur für deutlich gesteigerte Traktion bei kaum erhöhtem Verbrauch sorgen soll.

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BimmerToday.de: Der Name xDrive steht seit Jahren für Allradantrieb bei BMW, im Fall des neuen BMW 2er Active Tourer handelt es sich aber um einen technisch neuen Ansatz. Wie unterscheidet sich xDrive im 2er Active Tourer von xDrive in anderen Baureihen?
Klaus Huber: Natürlich gibt es da einige Unterschiede, die sich schon konzeptionell aus der Architektur ableiten. Es handelt sich beim 2er Active Tourer bekanntlich um ein Frontantriebs-Konzept, der Allrad ist also ein sogenanntes hang-on-rear-Konzept. An der Hinterachse haben wir eine Haldex-Kupplung neuester Generation implementiert und können die Hinterachse dadurch hinzukoppeln.

BimmerToday.de: Gibt es bei dieser prinzipiell auch von anderen Herstellern genutzten Technik auch BMW-spezifische Aspekte?
Spezifisch ist die BMW-typische Abstimmung und Auslegung, denn wir können mit xDrive durchaus heckbetont fahren – eine Kraftverteilung von mindestens 50/50 ist überhaupt kein Problem, wenn es der Reibwert zulässt ist auch eine leicht hecklastige Kraftverteilung möglich.
Die Regelstrategie fahren wir in Abhängigkeit vom gewählten Fahrmodus. Wenn sie mit voll aktiviertem DSC im Normalbetrieb unterwegs sind, fahren Sie nach dem bei uns ‘Efficient 4×4’ genannten Prinzip – beispielsweise bei normaler Fahrt mit 60 km/h mit Blick auf CO2-Emissionen und Verbrauch mit reinem Frontantrieb. Der xDrive kommt in Abhängigkeit von der Fahrsituation hinzu, beispielsweise bei Schlupf an der Vorderachse oder ab einer gewissen Querbeschleunigung. In den Modi Dynamic Traction Control (DTC) und DSC OFF fahren Sie immer mit xDrive, dann haben Sie also ständig Allradantrieb.

BimmerToday.de: Kann xDrive im BMW 2er Active Tourer auch Kraft an die Hinterräder schicken, bevor die Vorderräder Traktionsprobleme bekommen?
Ja, dank der elektrohydraulischen Kupplung können wir die Kupplung in bestimmten Situationen bereits schließen, bevor die Vorderräder durchdrehen. In der Praxis machen wir das beispielsweise beim Anfahren oder bei einer starken Lastanforderung, die voraussichtlich für eine Überlastung der Vorderräder sorgt.

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BimmerToday.de: Sorgt der Allradantrieb wie in anderen Baureihen für einen relevanten Mehrverbrauch?
Wir haben den Mehrverbrauch bestmöglich eingeschränkt. Zusätzlich zum Efficient 4×4 haben wir die Planschverluste im Hinterachsgetriebe minimiert und haben es so geschafft, dass sie bei normaler Fahrweise so gut wie keinen Mehrverbrauch gegenüber dem frontgetriebenen Modell haben. Dazu trägt auch bei, dass wir mit xDrive nur 61 Kilogramm Mehrgewicht im Auto haben. Obwohl Sie also praktisch keine Mehrbelastung beim Verbrauch haben, genießen Sie in manchen Situationen deutlich mehr Traktion und Fahrstabilität bei niedrigen Reibwerten, etwa bei Nässe oder Schnee und Eis.

BimmerToday.de: Wie haben Sie das geringe Mehrgewicht im Vergleich zum reinen Fronttriebler realisiert?
Der Allradantrieb xDrive war im Package des BMW 2er Active Tourer von Anfang an vorgesehen. Das Auto wird daher nicht höher und hat auch nicht weniger Kofferraum, aber natürlich eine andere Hinterachse. Auch der Hinterachsträger ist anders gestaltet, um das Getriebe aufnehmen zu können. Die Gelenkwelle nach hinten haben wir von Anfang an vorgehalten. Vorne haben wir im Wesentlichen die PTU (Power Transmission Unit), die den Kraftfluss nach hinten leitet.

BimmerToday.de: Kann die Kraft auch radselektiv verteilt werden?
Wir können natürlich einzelne Räder abbremsen, was beispielsweise im Fall des kurveninneren Rades für ein zusätzliches Einlenkmoment sorgt. Das Rad, welches auf höherem Reibwert steht, wird dabei immer bevorzugt. Wenn das Auto beginnen würde zu untersteuern oder bei anderen instabilen Fahrzuständen arbeiten wir mit gezielten, radselektiven Bremseingriffen an beiden Achsen – das machen wir allerdings beim Fronttriebler praktisch genauso wie beim Allradmodell.

Herr Huber, wir bedanken uns für das informative Gespräch!

17 responses to “BMW 2er Active Tourer: xDrive-Technik für UKL-BMW im Detail”

  1. ChrisYPVS says:

    was für ein überaus dynamisches supersystem. LAME!

  2. Lerge says:

    Oha viele neue Technik, nur wo ist die. Kein Kurvenlicht, kein Vorausschauassistent, kein blendfreier Fernlichtassistent, kein Surround View, bei LED immer noch Glühobst in den Rückläuchten.
    Das einzig neue ist der Frontantrieb bei diesem Fahrzeug und der Stauassistent.

    • Shinguin says:

      Vergess das innovative head up nicht…

      • Lerge says:

        Gut das Du mich erinnerst habe ich total vergessen, aber halt beim ActiveTourer gibt es ein bisschen Head Up nämlich die lächerliche Scheibe vom Mini.
        Aber fahren tut der sich super da habe ich nichts auszusetzen, die verwendeten Materalien und Verarbeitung passt.

        • Shinguin says:

          Die Materialien im Innenraum sind der springende Punkt. Ein Highline Touran ist ja auch alles andere als billig. Ich hätte mir gerne die neue 1er Limousine gekauft, als Nachfolger für meinen e82. Da der nächste 1er sein Alleinstellungsmerkmal in Form des Heckantriebs verliert, werde ich mir parallel die A3 Limo ansehen. Tendenziell sollte der Audi innen ja hochwertiger sein…

          • Lerge says:

            Warte mal ab, die 1er Limo sollte erst 2016 kommen. In einer Ausgabe der AB habe ich den 2er GT gesehen der auch 2016 zum bestellen sein sollte, wenn der so kommt wie abgebildet kannst die A3 Limo vergessen, Mensch Meier ist das ein geiles Gefährt.
            Ich fahre zur seit 2013 einen 3er GT der ist auch Toll, aber trotzdem muss der im nächsten Jahr einem 4er Gran Coupé in Mineralgrau mit M Packet weichen. Werde aber mit der Bestellung noch bis Ende Januar abwarten bis die Produktmaßnahmen 2015 bekanntgegeben werden, da das neue Navi mit automatischem Kartenupdate, die eingebaute SIM LTE unterstützen und der Stauassistent auch noch angeboten werden sollte hoffe ich jedenfalls, wenigstens beim 3er werden diese SA neben Voll LED kommen die hat ja der 4er schon.

  3. Fagballs says:

    Aufgabe für die Schrauber: Das Auto dazu erziehen, nur die Heckachse anzutreiben, bei Bedarf die vorderen Räder dazu schalten. Im 2er AT vielleicht nicht interessant, im kommenden 1er hingegen schon.

    • der_ardt says:

      bei der frontlastigen Gewichtsverteilung hast du dann 40% Gewicht auf der angetriebenen Achse und weiterhin ein in Kurven mies untersteuerndes Auto. Die FA-Autos sind einfach fahrdynamisch mit einfachen Mitteln nicht zu retten.

  4. der_ardt says:

    Wow, wenn das System so dermaßen geil ist und eh die Nachteile des FA egalisiert sind, wäre es doch schön, die kommenden M-Versionen davon profitieren zu lassen. Sollte ja kein Problem sein die Querdynamik des M3 zu paaren mit dem Raumangebot des AT 🙂

    und weil es sonst eh wieder Leute nicht erkennen: Sarkasmus

    • PHoel says:

      Ich würde mir den kommenden M6 auch als Fronttriebler wünschen, dieses ständige Driften ist echt nichts für schwache Nerven 😉
      Außerdem könnte er auch genauso hoch sein wie der 2er Active Tourer, damit man auch noch mit Hut die geilen Fahreigenschaften genießen kann 😛

  5. Coyote says:

    Diese Interviews sind ein Witz. Haldex, habe ich auch in meinem Tiguan. Ist bestimmt ein tolles System, aber im Prinzip ist es mit Sicherheit so gelaufen: Van gebaut mit Frontantrieb (an sich bereits eine Schande), Borg Warner angerufen, Haldex bekommen, ein wenig am Steuergerät der Haldex rumprogrammiert und fertig der Über-X-Drive. Kann ich nicht wirklich glauben aber ich lasse mich gern eines besseren belehren. Was soll Herr Huber aber auch anderes sagen als das System zu loben.

  6. Shinguin says:

    Vor einigen Wochen hatte ich den neuen TT als Vorführwagen. Es war der 230ps Benziner mit Haldex Quattro. Natürlich habe ich die Lauch Control ausprobiert. Der Wagen springt tatsächlich ohne jeglichen Schlupf nach vorne und geht gefühlt in den angegebenen 5,5 Sekunden auf 100. Allerdings vergehen zwischen dem Augenblick in dem man die Bremse löst und dem Augenblick in dem der Wagen nach vorne springt gefühlt 2 Sekunden. Wahrscheinlich macht er währenddessen die Haldex zu. Mit einem handgeschalteten Golf Gtd müsste man bei guten Straßen- und Reifenverhältnissen also dran bleiben können. Kann allerdings auch an der Automatik liegen. Tim Schrick hat das ja vor einigen Jahren eindrucksvoll vorgeführt. Jedenfalls kann ich mich mit Haldex nicht anfreunden…

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