BMW gegen Mercedes: ZDF zeigt, wie ein TV-Duell nicht sein sollte

Sonstiges | 29.10.2013 von 111

Über die Qualität des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Deutschland ist eigentlich alles gesagt, aber wer bisher noch nach Argumenten gegen das mit GEZ-Gebühren finanzierte TV-Programm gesucht …

Über die Qualität des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Deutschland ist eigentlich alles gesagt, aber wer bisher noch nach Argumenten gegen das mit GEZ-Gebühren finanzierte TV-Programm gesucht hat, sollte sich unbedingt den ZDF-Vergleich von BMW und Mercedes ansehen. In mehreren Kategorien hat das ZDF die beiden deutschen Premium-Marken verglichen und dabei gezeigt, wie man über 45 Minuten Fernsehzeit mit minimaler Relevanz füllen kann – womit nicht gesagt sein soll, dass andere Programmplätze wirklich niveauvoller belegt sind.

Da werden Fahrzeuge Einzeltests unterzogen und anhand von Kriterien bewertet, die den allermeisten Kunden völlig egal sein dürften – oder wieviele S-Klasse-Fahrer gehen mit ihrer Luxuslimousine tatsächlich auf die Rennstrecke? Und wieviele BMW X5 sieht man regelmäßig in schwerem Gelände? Genau. Dass dabei auch noch die alte X5-Generation zum Vergleich herangezogen wurde, möchte man den ZDF-Redakteuren eigentlich nicht vorwerfen – denn mit Autos mussten sie sich offenbar nur auf Anweisung der Chefredaktion befassen.

ZDF-BMW-Mercedes-Vergleich-TV-Duell

Weiter geht es mit einem Vergleich der Mittelklasse-Ableger C-Klasse und 3er. Die kurz vor ihrer Ablösung stehende Stufenheck-Limousine aus Stuttgart muss sich dabei aber nicht der deutlich jüngeren Stufenheck-Limousine aus München stellen, sondern dem noch jüngeren und kaum ernsthaft vergleichbaren BMW 3er GT. Warum, wieso, weshalb? Egal. Steht doch 3er dran!

Wer nach dem aussagefreien Test auf einen Niveau-Aufschwung hoffte, wurde direkt eines Besseren belehrt: Als Auto-Experten traten nun tatsächlich die Ludolfs auf. Ohne Frage sympathische Gestalten, aber wirklich die richtigen Ansprechpartner für einen seriösen Vergleich zwischen milliardenschweren Konzernen, der im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgetragen werden soll? Nein liebes ZDF, so steht der pudelmützentragende Schrott-Händler doch eher sinnbildlich dafür, wie ernst ihr das Thema genommen habt.

Eventuell sollte man dem ZDF noch beibringen, dass sich über Aspekte wie Fahrverhalten, Sicherheit und Werterhalt nur sehr bedingt konzernübergreifend urteilen lässt, wenn man Hersteller mit jeweils über 20 Modellen an einem einzigen Beispiel betrachtet. Wie wäre wohl der Restwert-Vergleich ausgegangen, wenn man statt 3er und C-Klasse einen alten 7er mit einer alten S-Klasse verglichen hätte? Und wie repräsentativ ist eine Untersuchung zu den Werkstätten mit einer einzigen Stichprobe?

Bliebe als krönender Abschluss des Slapstick-Programms eigentlich nur noch, die Zukunftschancen einer Marke mit Hilfe einer siebenköpfigen Kindergarten-Gruppe und acht Bobby-Cars zu ermitteln – aber das wäre selbst dem ZDF zu blöd, oder? Die Antwort gibt es vermutlich demnächst in der Mediathek, schließlich muss derart tiefgründiger Journalismus unbedingt für die Nachwelt erhalten bleiben.

Und wenn unsere Kinder einst fragen, wie es um die deutschen Premiummarken im Jahr 2013 bestellt war, können wir getrost auf das TV-Duell in der ZDF-Mediathek verweisen – allerdings bleibt zu befürchten, dass sie dabei mehr über den Zustand des öffentlich-rechtlichen Fernsehens unserer Tage als über das eigentliche Thema der Sendung erfahren. Gute Nacht.

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