Eine automatisierte und dadurch beinahe lückenlose Qualitätskontrolle ist einer der Grundpfeiler moderner Automobil-Werke, in denen nicht selten mehr als 1.000 Fahrzeuge pro Tag in Premium-Qualität gebaut werden können. Das BMW Werk Dingolfing hat dabei nun eine neue Fähigkeit im Repertoire, die auch einen bisher nicht gut abgedeckten Teil der Produktion unter die Lupe nehmen kann: Während die sogenannte Automatische Oberflächen-Inspektion (AOI) für glänzende Teile längst zum Standard gehört, ließ sich die Qualität von matten Oberflächen mit dieser Technik bisher nicht automatisiert beurteilen.
Da unlackierte Oberflächen während der Produktion eher der Normalfall als die Ausnahme sind, waren Kontrollen mit menschlichem Auge bisher unerlässlich. Erfahrene Karosseriebauer kontrollierten und bewerteten die noch nicht lackierten Rohkarosserien, doch im Ergebnis eines größeres Stukturprojekts können Roboter mit hochauflösenden Kameras nun auch matte Oberflächen automatisch inspizieren. Das hierfür genutzte Verfahren ist die sogenannte Deflektometrie, bei der mit Hilfe großer Monitore schwarz-weiße Muster auf die zu untersuchende Oberfläche projiziert werden. Dank der Muster können Kameras beim Scan auch kleinste Abweichungen vom erwarteten Look erkennen und sie entsprechend im System melden – oder im wesentlich häufigeren Normalfall feststellen, dass ein Teil keine erkennbaren Fehler aufweist.

Auf matten Oberflächen sind die Spiegelungen der Projektion naturgemäß weniger scharf und präzise, was die Erkennung von winzigen Fehlern erheblich erschwert. Gemeinsam mit Lieferanten ist es Expertinnen und Experten der BMW Group gelungen, auch unter diesen erschwerten Bedingungen absolut zuverlässige Aussagen zur Oberflächen-Qualität treffen zu können. Das beschleunigt nicht nur die Qualitätskontrolle erheblich, es erlaubt auch, die bisher hierfür eingesetzten Karosseriebauer mit ihrem geschulten Blick an anderen Stellen einzusetzen.
Daniel-Stephan Illig (Produktionsspezialist BMW Werk Dingolfing): “Die Herausforderung war es, solch ein System auch bei weniger gut reflektierenden, matten Oberflächen umzusetzen – wie den unlackierten und geschliffenen Blechteilen einer Rohkarosserie. Zum anderen übernehmen unsere hoch qualifizierten und erfahrenen Karosseriebauer, die bis dato die Karosserien kontrolliert haben, nun wertschöpfendere Tätigkeiten – was gerade vor dem Hintergrund eines sich abzeichnenden Fachkräftemangels unerlässlich ist. Wir stellen sicher, dass künftig jedes aktuelle und neue Modell in diesen neuen, effizienter gestalteten Prozess integriert werden kann.”


