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Euro-5-Diesel: BMW verspricht Nachrüstung für saubere Abgase

Bei einem Spitzengespräch von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), den führenden Köpfen der bayerischen Autobauer BMW und Audi sowie dem MAN-Vorstandsvorsitzenden Joachim Drees haben sich die Beteiligten auf ein Programm zur Nachrüstung älterer Fahrzeuge mit Diesel-Motor geeinigt. Dabei geht es ausdrücklich nicht um etwaige Nachbesserungen, weil zuvor gültige Gesetze nicht eingehalten wurden. Ziel ist es vielmehr, die vor einigen Jahren gesetzeskonformen Euro-5-Diesel mit Hilfe heutiger Technik auf einen noch saubereren Stand zu bringen und so die große Bestandsflotte nachträglich zu optimieren.

Neben dem Software-Update (Details siehe unten) für ältere Euro-5-Diesel schreibt die gemeinsame Erklärung auch fest, dass die bayerische Staatsregierung noch im Juli Vorschläge für ein zeitlich befristetes Programm mit Kaufanreizen für aktuelle Euro-6-Diesel machen soll. Insbesondere alte Diesel mit den Abgasnormen Euro 3 und Euro 4 sollen so aus dem Stadtbild verschwinden und durch aktuelle, erheblich sauberere Modelle abgelöst werden.

Zum Thema Nachrüstung und Software-Update für ältere Diesel führt die “Gemeinsame Erklärung der Bayerischen Staatsregierung und der bayerischen Fahrzeugindustrie zur Luftreinhaltung” aus:

Ertüchtigung von Euro-5-Diesel-Pkw
Audi und BMW sagen zu, dass mindestens 50 Prozent ihrer Euro-5-Diesel-Pkw-Flotte ein für die Absenkung der Stickstoffoxid-Emissionen im innerstädtischen Bereich relevantes Niveau erreichen können. Würde dies bundesweit und markenübergreifend in gleicher Weise umgesetzt werden, könnten rund 20 Prozent Absenkung der Stickstoffoxide im Euro-5-Bestand in den kommenden fünf Jahren erreicht werden. Dazu bietet ein von der TU Graz entwickeltes Konzept eine sehr gute Basis. Dieses Konzept könnte laut Audi und BMW Grundlage für eine bundesweit einheitliche Regelung sein. Die bayerische Automobilindustrie empfiehlt, dieses Konzept und die dort genannten technischen Randbedingungen zur Erreichung der Optimierung von Euro-5-Dieselfahrzeugen anzuwenden. Die bayerische Automobilindustrie startet umgehend die Vorbereitungen und kann die hierfür nötige Software-Entwicklung und Bereitstellung im Service ab Festlegung aller wesentlichen Rahmenbedingungen im Dialog mit den zuständigen Bundesbehörden binnen Jahresfrist zusagen.
Die für diesen Software-Upgrade geeigneten Diesel-Pkw mit Euro-5-Standard werden damit auf den modernsten Stand gebracht. Die Bayerische Staatsregierung setzt sich für eine zügige Definition einer bundeseinheitlichen Regelung für einen Software-Upgrade bei Euro-5-Diesel-Pkw ein. Diese soll im Einklang mit der bestehenden Zertifizierung erfolgen, soll also keine negativen Auswirkungen auf die zertifizierten Eigenschaften zu Verbrauch, CO2-Ausstoß sowie Geräuschen oder auf die Haltbarkeit eines Fahrzeugs haben. Die bayerische Automobilindustrie regt an, den Nachweis der Schadstoffreduzierung durch eine erweiterte Prüfstandmessung auf Basis eines auf innerstädtischen Verkehr modifizierten WLTC-Zyklus zu erbringen. Das Messprogramm soll durch eine unabhängige Stelle begutachtet werden. Die bayerische Automobilindustrie verpflichtet sich, die Kosten für die Umrüstung hinsichtlich der Entwicklung und Zertifizierung zu übernehmen und in den Werkstätten zum Selbstkostenpreis anzubieten. Vorbehaltlich einer bundeseinheitlichen Regelung wird eine Kostenneutralität für die Kunden angestrebt.

Horst Seehofer (Bayerischer Ministerpräsident): “Unser gemeinsames Ziel ist es, die Stickstoffoxidbelastung zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung in den besonders betroffenen größeren Städten Bayerns schnell, wirksam und nachhaltig zu senken. Wir wollen dabei aber auch dem Mobilitätsbedürfnis der Menschen und der Wirtschaft Rechnung tragen, die Funktionsfähigkeit unserer Städte gewährleisten und die Attraktivität Bayerns als führendem Automobilstandort erhalten. Es gilt, Mobilität, Gesundheitsschutz und Ökologie miteinander zu vereinen und pauschale Fahrverbote in Innenstädten zu vermeiden.
Die heutige gemeinsame Erklärung ist Grundlage für die weiteren Gespräche mit Kommunen und Wirtschaft. Sie kann ein Vorbild sein für den angekündigten nationalen Autogipfel für ganz Deutschland. Als weltweit führender Automobilstandort werden wir auch die Aufgabe der Luftreinhaltung gemeinsam und im engen Schulterschluss mit den Fahrzeugherstellern bewältigen.”

Harald Krüger (Vorstandsvorsitzender der BMW Group): “Unsere Kunden verlassen sich zu Recht darauf, dass BMW-Dieselfahrzeuge alle gesetzlichen Anforderungen erfüllen. Sie haben deshalb einen Anspruch auf stabile Rahmenbedingungen. Wir meinen, es gibt intelligentere Optionen als Fahrverbote. Schon die Diskussion darüber verunsichert Millionen von Autofahrern. Deshalb unterstützen wir die Initiative der Bayerischen Staatsregierung für eine umfassende und nachhaltige Verbesserung der Luftqualität in unseren Städten.”

Prof. Rupert Stadler (Vorstandsvorsitzender der Audi AG): “Wir werden gemeinsam an vielen Stellschrauben drehen müssen. Dazu gehört neben der Optimierung älterer Diesel-Aggregate auch eine intelligente Verkehrssteuerung, der Ausbau der Elektromobilität aber auch der Ausbau des Erdgasantriebs. Wir haben mit unserer Pilotanlage, die synthetisches Methangas mit Hilfe regenerativer Energie erzeugt, dazu eine vielversprechende Technologie entwickelt.”

Joachim Drees (Vorstandsvorsitzender der MAN SE und der MAN Truck & Bus AG): “Auch wenn mancher noch ein anderes Bild im Kopf haben mag – moderne Lkw- und Busdieselmotoren sind heute schon sehr sauber. Seit Ende 2012 wird die Einhaltung der niedrigen Abgaswerte im realen Straßenbetrieb überprüft. Trotzdem ist der Weg für MAN klar: Die Zukunft des städtischen Personennahverkehrs und des Lieferverkehrs in der Stadt ist elektrisch. Wir starten darum Ende 2019 mit der Serienproduktion eines vollelektrischen Stadtbusses. Öffentliche Verkehrsmittel – am besten mit Elektromotor angetrieben – spielen für uns die entscheidende Rolle zur Bewältigung städtischer Verkehrsprobleme. Die Erklärung, die wir heute unterzeichnet haben, und die Unterstützung, die uns die Bayrische Regierung für die Flottenerneuerung zugesagt hat, ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.”

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